Deutsch Realschule Bayern · Jahrgangsstufe 5 · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)

Die Zeitformen: Präsens, Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur I

Wenn du erzählst, was gerade passiert, was du gestern erlebt hast oder was du morgen vorhast, brauchst du unterschiedliche Zeitformen des Verbs. Auf der Seite zu den Verbformen hast du bereits gelernt, was eine finite und eine infinite Form ist; dieses Wissen brauchst du jetzt, um die Zeitformen zu bilden. Im Deutschen gibt es fünf Zeitformen, die du in der Realschule lernst: Präsens, Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt und Futur I. Jede Zeitform hat eine eigene Bildung und einen eigenen Gebrauch.

1. Präsens – das Jetzt

Das Präsens benutzt du, wenn etwas gerade passiert oder allgemein gilt, zum Beispiel Meine Katze schläft gern in der Sonne. Du bildest es, indem du die Personalendung direkt an den Wortstamm anhängst, ohne ein weiteres Verb dazuzunehmen.

Person lernen
ich lerne
du lernst
er/sie/es lernt
wir lernen

Merke: Das Präsens zeigt, was jetzt geschieht oder allgemein gilt. Es besteht aus einer einzigen Form, ohne Hilfsverb.

Das Präsens hat noch eine zweite Aufgabe, die viele überrascht: Es steht auch dann, wenn etwas immer gilt. Wasser kocht bei hoher Hitze. Hier ist kein bestimmter Zeitpunkt gemeint, sondern eine Tatsache, die gestern so war und morgen so sein wird. Dieselbe Form, ein anderer Zweck.

Und noch etwas: Mit einer Zeitangabe kann das Präsens sogar über Zukünftiges sprechen. Morgen schreiben wir die Probe. Das Verb steht im Präsens, gemeint ist der nächste Tag. Die Zeitangabe morgen übernimmt hier die Arbeit der Zeitform.

2. Präteritum und Perfekt – zwei Formen für das, was schon vorbei ist

Präteritum und Perfekt erzählen beide von der Vergangenheit, werden aber unterschiedlich benutzt. Das Präteritum findest du vor allem in geschriebenen Geschichten, das Perfekt dagegen eher im Gespräch und in der mündlichen Erzählung. Beim Präteritum hängst du bei schwachen Verben die Endung -te an den Stamm, bei starken Verben wechselt der Stammvokal: lernen → lernte, gehen → ging. Für das Perfekt brauchst du zwei Teile: eine Präsensform von haben oder sein und das Partizip Perfekt am Satzende, zum Beispiel Ich habe gelernt oder Ich bin gegangen. Das Partizip Perfekt, das du schon von den Verbformen kennst, ist dabei der letzte Baustein: Zusammen mit einer Präsensform von haben oder sein bildet es das Perfekt.

Verb Präteritum (ich) Perfekt (ich)
lernen lernte habe gelernt
gehen ging bin gegangen

Merke: Bewegungsverben und Verben, die einen Zustandswechsel ausdrücken, wie gehen oder aufwachen, bilden das Perfekt meist mit sein. Die meisten anderen Verben bilden es mit haben.

3. Plusquamperfekt – was vorher schon abgeschlossen war

Das Plusquamperfekt brauchst du, wenn zwei Ereignisse in der Vergangenheit liegen und eines davon schon vorbei war, bevor das andere begann. Es wird ähnlich gebildet wie das Perfekt, nur benutzt du statt der Präsensform die Präteritumform von haben oder sein: Bevor der Unterricht begann, hatte ich meine Hausaufgaben schon erledigt. Hier war das Erledigen der Hausaufgaben schon fertig, bevor der Unterricht überhaupt anfing.

Verb Plusquamperfekt (ich)
lernen hatte gelernt
gehen war gegangen

Merke: Das Plusquamperfekt beschreibt das frühere von zwei Ereignissen in der Vergangenheit. Du erkennst es an der Präteritumform von haben oder sein zusammen mit dem Partizip Perfekt.

4. Futur I – was noch kommt

Mit dem Futur I sprichst du über etwas, das erst noch passieren wird, zum Beispiel eine Vorhersage oder eine Absicht. Du bildest es mit einer Präsensform von werden und dem Infinitiv, der am Ende des Satzes steht: Ich werde morgen früh aufstehen.

Person Futur I von lernen
ich werde lernen
du wirst lernen
er/sie/es wird lernen
wir werden lernen

Ein häufiger Irrtum: werden ist hier kein eigenes Verb mit eigener Bedeutung, sondern nur der Helfer, der die Zeit anzeigt. Die Bedeutung steckt im Infinitiv am Satzende. Deshalb heißt es Ich werde lernen und nicht Ich werde gelernt.

5. Ein Verb durch alle fünf Zeiten

Am schnellsten merkst du sich die fünf Zeiten, wenn du ein einziges Verb durch alle hindurchschickst. Achte darauf, welche Teile dazukommen: beim Perfekt und beim Plusquamperfekt ein Helfer plus Partizip, beim Futur I ein Helfer plus Infinitiv.

Zeitform schwaches Verb: packen starkes Verb: laufen
Präsens sie packt sie läuft
Präteritum sie packte sie lief
Perfekt sie hat gepackt sie ist gelaufen
Plusquamperfekt sie hatte gepackt sie war gelaufen
Futur I sie wird packen sie wird laufen

In der Tabelle siehst du auch den Unterschied zwischen den beiden Verbarten: packen hängt im Präteritum ein -te an und behält seinen Wortstamm, laufen ändert dagegen den Vokal im Stamm. Bei laufen heißt der Helfer im Perfekt außerdem ist, nicht hat – das gilt bei Verben, die eine Bewegung von einem Ort zum anderen beschreiben.

Merke: Das Futur I besteht aus einer Präsensform von werden und dem Infinitiv am Satzende. Es zeigt, dass etwas erst noch geschehen wird.

So erkennst du es im Satz

Jeden Samstag spiele ich mit meinen Freunden Fußball im Park. Letztes Jahr spielten wir sogar in einer kleinen Mannschaft mit. Gestern haben wir bis zum Abend trainiert. Vorher hatten wir schon lange nicht mehr zusammen geübt, weil viele krank waren. Nächste Woche werden wir gegen eine andere Schule antreten.

Fundstelle im Text Zeitform Woran du sie erkennst
spiele Präsens einzelne Form, kein Hilfsverb, passt zu jeden Samstag
spielten wir Präteritum Endung -ten, kein Hilfsverb nötig
haben … trainiert Perfekt Präsensform von haben + Partizip Perfekt am Satzende
hatten … geübt Plusquamperfekt Präteritumform von haben + Partizip Perfekt
werden … antreten Futur I Präsensform von werden + Infinitiv am Satzende

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum?
Er gehte nach Hause. Er ging nach Hause. gehen ist ein starkes Verb, das Präteritum lautet ging, nicht gehte.
Ich habe ins Schwimmbad gegangen. Ich bin ins Schwimmbad gegangen. gehen beschreibt eine Bewegung, das Perfekt bildet man deshalb mit sein.
Ich werde lernen morgen für die Arbeit. Ich werde morgen für die Arbeit lernen. Der Infinitiv steht beim Futur I am Satzende.
Gestern spiele ich Fußball und dann esse ich zu Hause. Gestern spielte ich Fußball und aß dann zu Hause. gestern zeigt die Vergangenheit an, deshalb passt hier kein Präsens.
Bevor die Pause begann, esse ich schon. Bevor die Pause begann, hatte ich schon gegessen. Das Essen war vor der Pause, also vor einem Ereignis in der Vergangenheit, schon abgeschlossen: Plusquamperfekt.

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