Deutsch Mittelschule Bayern · Jahrgangsstufe 9 · Regelklasse und Mittlere-Reife-Klasse · Schreiben (LehrplanPLUS)

Informationsverdichtung: Zusammenfassung und Exzerpt

Wer für einen Vortrag, ein Portfolio oder eine Erörterung liest, kann nicht alles behalten. Aus einem langen Text soll das Wichtige bleiben, der Rest fällt weg. Im Lehrplan heißt diese Aufgabe Informationsverdichtung – im Unterricht sagt man meist Zusammenfassung, und als zweite Form gehört das Exzerpt dazu; gemeint sind beide Wege, einen Text auf das Wesentliche zu bringen. Die Zusammenfassung wird auf dieser Seite vorausgesetzt, neu ist das Exzerpt. Alle Beispiele stammen aus der Lagerarbeit und sind frei erfunden.

1. Zwei Wege, einen Text zu verdichten

Beim Verdichten wird ein Text kürzer, ohne dass das Wesentliche verloren geht. Dafür gibt es zwei Wege, die sich in Zweck und Ergebnis unterscheiden.

Merkmal Zusammenfassung Exzerpt
Ergebnis ein zusammenhängender, kurzer Text eine Sammlung einzelner Stellen
Umfang der ganze Text wird verkürzt nur die Stellen, die du für deine Frage brauchst
Wortlaut eigene Worte wörtlich in Anführungszeichen oder knapp in eigenen Worten
Zweck andere über den Text informieren eigene Arbeit vorbereiten
Quelle wird einmal für den ganzen Text genannt jede Stelle trägt ihre eigene Fundstelle

Die Zusammenfassung als Form hat eine eigene Seite und wird hier nicht noch einmal erklärt. Das Exzerpt ist dagegen eine Arbeitsform für dich selbst: Du legst fest, wonach du suchst, und hältst nur fest, was dazu passt.

Welcher Weg passt, hängt von der Aufgabe ab. Willst du deiner Gruppe erklären, was ein Merkblatt insgesamt sagt, schreibst du eine Zusammenfassung. Brauchst du aus drei Merkblättern nur die Stellen zur Frage nach der Schutzkleidung, legst du ein Exzerpt an. Im ersten Fall zählt der ganze Text, im zweiten nur der Teil, der deine Frage beantwortet.

Merke: Die Zusammenfassung gibt den ganzen Text verkürzt wieder. Das Exzerpt hält ausgewählte Stellen fest und belegt jede einzelne.

2. Das Exzerpt: Stellen auswählen und festhalten

Ein Exzerpt brauchst du, wenn du aus einem oder mehreren Texten Material für eine eigene Arbeit sammelst, etwa für einen Vortrag über einen Ausbildungsberuf, für eine Erörterung oder für dein Berufswahlportfolio.

Bevor du liest, legst du eine Leitfrage fest, zum Beispiel: Wie wird im Lager richtig gehoben? Beim Lesen markierst du nur die Stellen, die diese Frage beantworten. Alles andere bleibt liegen, auch wenn es interessant ist. Wer ohne Leitfrage liest, markiert am Ende fast den ganzen Text und hat nichts gewonnen.

Es gibt zwei Arten, eine Stelle festzuhalten. Beim wörtlichen Exzerpt übernimmst du die Stelle unverändert und setzt sie in Anführungszeichen. Lässt du innerhalb der Stelle etwas weg, zeigst du das mit dem Auslassungszeichen an: drei Punkte in eckigen Klammern. Aus dem Satz „Wer schwere Kisten hebt, geht dabei in die Knie und hält den Rücken gerade.“ wird mit Auslassung zum Beispiel „Wer schwere Kisten hebt, geht dabei in die Knie […].“ Der Rest des Satzes fehlt, und das Zeichen verrät es. Beim sinngemäßen Exzerpt gibst du den Inhalt in eigenen, knappen Worten wieder. Es steht im Präsens und in der dritten Person, etwa „Der Verfasser nennt als Regel, dass …“. Anführungszeichen entfallen, die Fundstelle bleibt.

3. Quellenangabe und eigene Notiz

Zu jeder festgehaltenen Stelle gehört ihre Fundstelle. Ohne sie weißt du später nicht mehr, woher die Stelle stammt, und andere können sie nicht nachprüfen. Eine vollständige Quellenangabe nennt Verfasser oder Verfasserin, den Titel des Textes und die Stelle darin, bei längeren Texten die Seite oder den Absatz.

Die Fundstelle gehört sofort auf die Karte, nicht erst später. Wer sich nach dem Lesen erinnern will, woher eine Stelle stammt, findet sie oft nicht mehr. Nennt ein Merkblatt keinen Verfasser, vermerkst du das mit „Verfasser nicht genannt“, damit niemand später eine Angabe vermisst. So bleibt jede Karte auch dann brauchbar, wenn du sie Wochen später in die Hand nimmst.

Eine Exzerptkarte hat deshalb vier Felder, immer in dieser Reihenfolge:

  • Leitfrage: Wonach suchst du?
  • Stelle: wörtlich oder sinngemäß festgehalten
  • Fundstelle: Verfasser, Titel, Absatz oder Seite
  • Meine Notiz: dein eigener Gedanke dazu

Eigene Gedanken gehören nie in die festgehaltene Stelle. Sie stehen im Feld „Meine Notiz“, in der Ich-Form und so knapp, dass du sie selbst noch verstehst. Die Karte ist für dich bestimmt, deshalb dürfen dort Stichworte stehen. Ein Text, den andere lesen, braucht dagegen ganze Sätze. Wie Zitate später formgerecht in einen eigenen Text eingebaut werden, steht auf der Seite zu Zitaten und indirekter Rede.

4. Das Exzerpt prüfen und weiterverwenden

Bevor du eine Karte weglegst, prüfst du vier Punkte. Stimmt der Wortlaut genau? Sind Auslassungen gekennzeichnet? Ist der Sinn erhalten? Ist die Quellenangabe vollständig?

Am heikelsten ist der Sinn. Steht im Text: „Manche glauben, Handschuhe seien beim Schleifen unnötig. Das stimmt nicht.“, dann darf auf deiner Karte nicht stehen, Handschuhe seien unnötig. Eine zurückgewiesene Meinung ist keine Aussage des Textes. Wer eine Stelle so aus dem Zusammenhang reißt, dass sie das Gegenteil sagt, hat ein falsches Exzerpt angelegt.

Eine Karte enthält immer nur eine Stelle zu einer Leitfrage. Beantworten zwei Stellen verschiedene Fragen, bekommen sie zwei Karten. So kannst du die Karten später ordnen, ohne etwas zerschneiden oder durchstreichen zu müssen. Danach sortierst du die Karten nach Leitfragen. Aus einem sortierten Exzerpt kann später eine Zusammenfassung werden, ein Abschnitt für den Vortrag oder eine Notiz für die Mappe. Die Verdichtung läuft in Stufen: zuerst der Ausgangstext, dann das Exzerpt, dann die Zusammenfassung.

So schreibst du es im Quali

Liegt dir im Teil D „Schreiben“ der Quali Material vor, aus dem du etwas herausziehen sollst, spart dir die Leitfrage Zeit. Du liest den Text einmal gezielt, statt ihn mehrmals ganz zu lesen. Für Deutsch insgesamt stehen in der Quali 195 Minuten Arbeitszeit bereit. Ausgangstext und Karte unten sind frei erfunden; Merkblatt und Verfasser gibt es nicht wirklich.

Ausgangstext (erfunden): Merkblatt „Sicher heben im Lager“ von Tobias Wengert (erfunden), Absatz 2

Wer schwere Kisten hebt, geht dabei in die Knie und hält den Rücken gerade. Die Last wird nah am Körper getragen. Manche meinen, ein Hebegürtel mache das Heben ungefährlich; das stimmt nicht, denn er ersetzt die richtige Haltung nicht. Wiegt eine Kiste mehr, als eine Person allein tragen kann, wird zu zweit angefasst oder ein Hubwagen benutzt.

Exzerptkarte zu diesem Text

Leitfrage: Wie wird im Lager richtig gehoben?

Stelle (wörtlich): „Wer schwere Kisten hebt, geht dabei in die Knie und hält den Rücken gerade.“

Fundstelle: Wengert, Sicher heben im Lager, Absatz 2

Stelle (sinngemäß): Der Verfasser nennt als Regel, die Last nah am Körper zu tragen und sehr schwere Kisten zu zweit oder mit dem Hubwagen zu bewegen.

Fundstelle: Wengert, Sicher heben im Lager, Absatz 2

Meine Notiz: Brauche ich für meinen Bericht über das Lagerpraktikum. Der Text lehnt den Hebegürtel als Ersatz für die Haltung ab.

Bauteil Wo auf der Karte Woran du es erkennst
Leitfrage oberste Zeile Sie sagt, wonach gesucht wird, und steht vor allen Stellen.
wörtliche Stelle zweite Zeile Anführungszeichen, Wortlaut unverändert.
sinngemäße Stelle vierte Zeile keine Anführungszeichen, dritte Person, Präsens.
Fundstelle nach jeder Stelle Verfasser, Titel und Absatz sind vollständig genannt.
Meine Notiz letzte Zeile Ich-Form, getrennt vom Text und mit eigenem Gedanken.

Ist im Teil D „Schreiben“ Material auszuwerten, zeigt ein sauberes Exzerpt dreierlei: Du hast gezielt gelesen, Textwortlaut und eigene Gedanken getrennt und jede Stelle belegt.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum
Wer schwere Kisten hebt, geht dabei in die Knie. (ohne Anführungszeichen, ohne Fundstelle) „Wer schwere Kisten hebt, geht dabei in die Knie.“ (Wengert, Sicher heben im Lager, Absatz 2) Eine wörtliche Übernahme muss gekennzeichnet und belegt sein, sonst sieht sie wie dein eigener Satz aus.
Quelle: Merkblatt Lager Wengert, Sicher heben im Lager, Absatz 2 Verfasser, Titel und Stelle gehören zu einer vollständigen Quellenangabe.
Ein Hebegürtel macht das Heben ungefährlich. (als Aussage des Textes) Der Text weist zurück, dass ein Hebegürtel das Heben ungefährlich macht. Eine zurückgewiesene Meinung darf nicht als Aussage des Textes erscheinen.
Man geht in die Knie, und das ist auch gut so. (Text und eigene Meinung vermischt) Stelle unverändert festhalten, die eigene Meinung im Feld „Meine Notiz“ notieren. Es muss erkennbar bleiben, was vom Text und was von dir stammt.
ganzen Absatz abgeschrieben nur die Stelle festhalten, die zur Leitfrage passt Ein Exzerpt wählt aus. Wer alles übernimmt, hat nicht verdichtet.
Das Exzerpt ist der ganze Text in eigenen Worten. Das Exzerpt hält ausgewählte Stellen mit Fundstelle fest. Der ganze Text in eigenen Worten wäre eine Zusammenfassung.

✏️ Jetzt selbst üben – im Aufgabengenerator

Erzeuge dir zu diesem Thema beliebig viele Übungsaufgaben mit Lösung – passend zu Deutsch Mittelschule Bayern und deiner Jahrgangsstufe.

Aufgaben erzeugen →

🎮 Live-Quiz für die Klasse

Teste dein Wissen im interaktiven Quiz – mit Sofort-Erklärung nach jeder Frage. Für Lehrkräfte: eigenes Klassen-Quiz starten.

Live-Quiz entdecken →

💡 Mehr auf lern.de

Entdecke weitere kostenlose Lernangebote für deine Schulart:

Nach oben scrollen

Betriebsferien vom
31.07. bis 14.09.2026

Liebe Kunden/Besucher,

Ihre digitalen Zugänge funktionieren wie gewohnt. Nach der Buchung erhalten Sie den Zugang sofort und automatisch – dafür ist keine Bearbeitung durch uns nötig.

Persönlich sind wir vom 31.07. bis 14.09.2026 nicht erreichbar. E-Mails beantworten wir ab dem 15.09.2026 in der Reihenfolge des Eingangs. Terminvereinbarungen sind ab dann wieder möglich.

Ihr lern.de – Team

💡 Mehr auf lern.de

Entdecke weitere kostenlose Lernangebote für deine Schulart:

MathematikErklärseiten, Aufgabengenerator & Live-QuizEnglischKostenlose Erklärseiten nach LehrplanPLUS