Deutsch Mittelschule Bayern · Jahrgangsstufe 6 · Schreiben (LehrplanPLUS)

Die Schreibkonferenz: Texte auf Wort-, Satz- und Textebene prüfen

Ein Text ist selten beim ersten Schreiben fertig. Erst wenn du ihn noch einmal prüfst, wird er klar und gut lesbar. In der Schreibkonferenz, dem gemeinsamen Prüfen eines Textes in einer kleinen Gruppe, hilft dir dabei die Rückmeldung anderer. Geprüft wird auf drei Ebenen: bei den Wörtern, bei den Sätzen und beim ganzen Text. Auf dieser Seite lernst du den Ablauf, die Prüffragen und den Umgang mit Nachschlagewerken kennen.

1. Was eine Schreibkonferenz ist und wie sie abläuft

Eine Schreibkonferenz besteht aus drei bis vier Schülerinnen und Schülern. Eine Person bringt ihren Text mit, die Autorin oder der Autor. Die anderen geben Rückmeldung, das heißt, sie sagen, was ihnen am Text auffällt. Eine Person schreibt auf, was besprochen wird. Eine weitere leitet das Gespräch. So weiß jeder, was seine Aufgabe ist.

Die Gruppe prüft den Text mit einer Kriterienliste. Das ist eine Liste mit Fragen, nach denen ein Text beurteilt wird. Der Ablauf ist immer gleich:

  1. Die Autorin liest ihren Text vor.
  2. Die Zuhörenden sagen zuerst, was ihnen gefallen hat.
  3. Die Gruppe geht die Kriterienliste durch und gibt Rückmeldungen.
  4. Die Autorin entscheidet, was sie ändert, und überarbeitet den Text.

Eine einfache Kriterienliste sieht zum Beispiel so aus:

  • Passt die Überschrift zum Inhalt?
  • Sind die Absätze sinnvoll gesetzt?
  • Beginnen die Sätze unterschiedlich?
  • Sind alle Sätze vollständig?
  • Sind die Wörter treffend und richtig geschrieben?

Besprochen wird der Text, nicht die Person. Die Autorin entscheidet am Ende selbst, welche Hinweise sie übernimmt. Die Gruppe nennt nur drei bis fünf Hinweise, auf die es wirklich ankommt. Zu viele Hinweise auf einmal überfordern.

2. Drei Ebenen: Wort, Satz und Text

Ein Text lässt sich aus drei Blickwinkeln prüfen. Man nennt sie Ebenen. Jede Ebene hat eigene Prüffragen. Beim Prüfen liest du den Text mehrmals, jedes Mal mit einer anderen Frage im Kopf.

Ebene Prüffragen Beispiel
Wortebene Passt das Wort? Kommt ein Wort zu oft vor? Ist es richtig geschrieben? Statt dreimal „machen“ stehen treffende Verben im Text.
Satzebene Ist jeder Satz vollständig? Beginnen die Sätze unterschiedlich? Ist ein Satz zu lang? Steht am Ende ein Satzzeichen? Ein sehr langer Satz wird in zwei Sätze geteilt.
Textebene Passt die Überschrift? Stimmt die Reihenfolge? Gibt es Absätze? Bleibt die Zeitform gleich? Der Text steht von Anfang bis Ende im Präteritum.

Auf der Wortebene betrachtest du einzelne Wörter. Auf der Satzebene betrachtest du jeden Satz für sich. Ein Satz ist vollständig, wenn er allein verständlich ist und ein Verb enthält. Auf der Textebene siehst du den Text als Ganzes.

Auf der Wortebene fällt dir zum Beispiel auf, wenn dasselbe Wort in jedem Satz steht. Dann suchst du Ersatz. Auf der Satzebene stören gleiche Satzanfänge wie Dann, Dann, Dann. Auch Verbindungswörter wie weil, aber oder deshalb helfen, Sätze sinnvoll zu verknüpfen. Auf der Textebene zeigt eine passende Überschrift, worum es geht, und Absätze gliedern den Text in Abschnitte.

Merke: Prüfe von groß nach klein: zuerst die Textebene, dann die Satzebene, zuletzt die Wortebene. Wer zuerst Wörter verbessert, ändert sie später oft wieder, weil Sätze umgebaut werden.

3. Mit Nachschlagewerken prüfen

Ein Nachschlagewerk ist ein Buch oder eine Internetseite, in der du etwas nachschaust. Zwei Arten helfen dir beim Prüfen besonders.

  • Das Wörterbuch zeigt dir die richtige Schreibweise und die Bedeutung eines Wortes. Die Wörter stehen nach dem Alphabet. Verben suchst du in der Grundform, also unter gehen und nicht unter gegangen.
  • Eine Wortfeldsammlung zeigt Wörter mit ähnlicher Bedeutung. Für gehen findest du dort zum Beispiel laufen, schleichen und stapfen.

Schlage nur Wörter nach, bei denen du unsicher bist. Markiere sie beim Schreiben am Rand mit einem Fragezeichen. Nutze im Internet nur Seiten, die wirklich ein Wörterbuch sind. Beispiel: Du bist unsicher, ob Werkzeug am Ende mit g oder k geschrieben wird. Du suchst unter W und findest die richtige Schreibweise. Wie man Rechtschreibung gezielt übt, ist ein eigenes Thema und steht nicht auf dieser Seite.

4. Rückmeldung geben und den Text überarbeiten

Eine gute Rückmeldung hat drei Eigenschaften:

  • Freundlich: Du sagst zuerst, was gelungen ist.
  • Konkret: Du nennst die Stelle, zum Beispiel: Im dritten Satz fehlt das Satzende.
  • Hilfreich: Du machst einen Vorschlag, zum Beispiel: Ich schlage vor, hier ein treffendes Verb zu nehmen.

Beginne mit Sätzen wie Mir ist aufgefallen oder Ich schlage vor. So bleibt der Ton freundlich. Unter Mitschülern sprichst du dich mit du an. Fragst du eine Lehrkraft um Rat, sagst du Sie.

Merke: Eine Rückmeldung nennt zuerst, was gelungen ist. Dann nennt sie die Stelle und macht einen Vorschlag. Sie bezieht sich auf den Text und nie auf die Person.

Beim Überarbeiten streichst du die falsche Stelle sauber durch und schreibst die Verbesserung daneben. Du kannst auch einen Absatz neu schreiben. Ändere nur, was dem Text hilft.

Wenn andere dir Rückmeldung geben, hörst du zuerst zu und unterbrichst nicht. Notiere dir die Hinweise. Du musst dich nicht rechtfertigen. Danach entscheidest du in Ruhe.

5. Den Schreibprozess dokumentieren

Dokumentieren heißt, festzuhalten, was du getan hast. Der Schreibprozess hat vier Schritte: planen, schreiben, prüfen und überarbeiten. Im Schreibprotokoll hältst du fest, was du bei jedem Schritt gemacht hast.

Ein Eintrag besteht aus drei Angaben: Datum, Änderung und Grund. Ein Beispiel: Datum: 12.05. Änderung: Satz 3 in zwei Sätze geteilt. Grund: Der Satz war zu lang.

Schritt Beispiel für einen Eintrag im Schreibprotokoll
Planen Ich sammle Stichwörter zum Thema Kaninchenstall.
Schreiben Ich schreibe den ersten Entwurf in einem Zug.
Prüfen Schreibkonferenz mit drei Mitschülern, Rückmeldung nach der Kriterienliste.
Überarbeiten Überschrift ergänzt, zwei Verben ausgetauscht, Zeitform angepasst.

Das Protokoll zeigt dir und anderen, wie dein Text entstanden ist. Beim nächsten Text weißt du, welche Schritte dir geholfen haben. Hefte das Protokoll zusammen mit dem Entwurf und der überarbeiteten Fassung ab.

So schreibst du es im Quali

Hier siehst du den Entwurf eines Schülers. Er ist selbst erfunden und enthält absichtlich Stellen, die du überarbeiten kannst. Der Entwurf enthält auf jeder Ebene zwei Stellen. Gehe wie in der Schreibkonferenz vor: erst den ganzen Text lesen, dann Ebene für Ebene prüfen. Lies den Entwurf zuerst und danach die Tabelle.

Wir bauen im Garten einen Stall für die Kaninchen. Dann holen wir das Werkzeuk aus dem Schuppen. Dann machen wir den Boden und dann machen wir die Wände und danach setzen wir das Dach darauf. Gestern war der Stall fertig. Die Kaninchen zogen sofort ein.

Ebene Fundstelle im Entwurf Überarbeitung
Wortebene „Werkzeuk“ Im Wörterbuch nachschlagen: Werkzeug.
Wortebene Zweimal „machen“ Treffende Verben: den Boden legen, die Wände aufstellen.
Satzebene Satz 2 und Satz 3 beginnen beide mit „Dann“ Satzanfänge ändern, zum Beispiel „Danach“ und „Anschließend“.
Satzebene Satz 3 ist sehr lang In zwei Sätze teilen.
Textebene Es gibt keine Überschrift Eine Überschrift ergänzen, zum Beispiel „Ein Stall für die Kaninchen“.
Textebene Die Zeitform wechselt von bauen zu war Alles im Präteritum: bauten, holten, legten.

So sieht der Text nach der Überarbeitung aus:

Ein Stall für die Kaninchen

Wir bauten im Garten einen Stall für die Kaninchen. Danach holten wir das Werkzeug aus dem Schuppen. Anschließend legten wir den Boden. Wir stellten die Wände auf und setzten das Dach darauf. Gestern war der Stall fertig. Die Kaninchen zogen sofort ein.

Für die Quali, den Qualifizierenden Abschluss der Mittelschule, gelten 195 Minuten Arbeitszeit. Sie gliedert sich in vier Teile: A Zuhören, B Sprachgebrauch – Sprachbetrachtung und Rechtschreiben, C Lesen und D Schreiben. In Teil D schreibst du eigene Texte. Wer seinen Text nach den drei Ebenen noch einmal liest, findet viele Fehler selbst. Die Schreibkonferenz übt dieses Prüfen schon in Jahrgangsstufe 6 ein.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Diese sechs Fehler passieren in Schreibkonferenzen besonders oft. Die Tabelle zeigt, wie es richtig geht.

Falsch Richtig Warum
Rückmeldung: „Das ist schlecht.“ „Mir gefällt der Anfang. Im dritten Satz fehlt das Satzende.“ Hilfreiche Rückmeldung ist freundlich und nennt die Stelle.
Die Autorin ändert alles, was die Gruppe sagt. Die Autorin entscheidet, welche Hinweise sinnvoll sind. Der Text bleibt ihr eigener Text.
Erst Wörter verbessern, dann den Aufbau prüfen. Erst die Textebene, dann die Satzebene, dann die Wörter. Sonst bessert man Wörter aus, die später wegfallen.
Ein unsicheres Wort wird geraten. Im Wörterbuch nachschlagen. Das Nachschlagewerk gibt Sicherheit.
Die Gruppe sucht nur Fehler. Zuerst sagt sie, was gelungen ist. So weiß die Autorin, was sie beibehalten soll.
Niemand notiert, was geändert wurde. Im Schreibprotokoll stehen Datum, Änderung und Grund. Ohne Notiz ist der Weg des Textes später nicht mehr nachvollziehbar.

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