Deutsch Mittelschule Bayern · Jahrgangsstufe 6 · Schreiben (LehrplanPLUS)

Meine Meinung sagen: Behauptung und Begründung unterscheiden

Zu fast allem hat jeder eine Meinung. Eine Meinung wirkt aber erst, wenn du sie klar sagst und begründest. Auf dieser Seite lernst du, eine Behauptung von ihrer Begründung zu unterscheiden. Außerdem übst du, deine Meinung in der Sprache zu sagen, die zur Situation passt: anders zu einem Freund, anders zu einer Vereinsvorsitzenden.

1. Meinung, Behauptung und Begründung

Eine Meinung ist das, was du über eine Sache denkst. Sagst du sie als klare Aussage, entsteht eine Behauptung. Eine Behauptung sagt, was du für richtig hältst. Sie ist damit noch nicht bewiesen. Ein Beispiel lautet: Der Kaninchenstall braucht ein größeres Gehege.

Warum soll das stimmen? Die Antwort auf diese Frage ist die Begründung. Sie nennt den Grund für die Behauptung. Eine mögliche Begründung lautet: Die Tiere haben sonst zu wenig Platz zum Laufen.

Teil Frage dazu Beispiel
Behauptung Was soll gelten? Der Kaninchenstall braucht ein größeres Gehege.
Begründung Warum soll das gelten? Die Tiere haben sonst zu wenig Platz zum Laufen.

Mit der Warum-Frage prüfst du schnell, was was ist. Antwortet ein Satz auf die Frage Warum, ist er die Begründung. Der Satz, nach dem du fragst, ist die Behauptung.

Eine Behauptung ist keine Tatsache. Eine Tatsache kannst du nachmessen oder nachschlagen, zum Beispiel: Der Stall ist zwei Meter breit. Eine Behauptung zeigt deine Sicht, über die man streiten kann.

Im Alltag sagst du oft nur die Behauptung: Wir brauchen mehr Bänke auf dem Markt. Dann fragt jemand zurück: Wieso denn? Mit deiner Begründung beantwortest du diese Frage schon, bevor sie gestellt wird. So nehmen dich die anderen ernst.

Merke: Die Behauptung sagt, was du für richtig hältst. Die Begründung sagt, warum. Erst beides zusammen überzeugt.

2. Wörter, die Behauptung und Begründung verbinden

Mit bestimmten Wörtern machst du sichtbar, was Behauptung und was Begründung ist. Diese Verbindungswörter gehören zu den wichtigsten sprachlichen Mitteln des Begründens.

Wort Beispiel Hinweis
weil Das Gehege ist zu klein, weil die Tiere zu wenig Platz haben. Nebensatz, das Verb steht am Ende
denn Das Gehege ist zu klein, denn die Tiere haben zu wenig Platz. Hauptsatz, das Verb steht an zweiter Stelle
da Da die Tiere zu wenig Platz haben, ist das Gehege zu klein. Nebensatz steht vorn, das Verb steht am Ende
deshalb Die Tiere haben zu wenig Platz. Deshalb ist das Gehege zu klein. Die Begründung steht zuerst

Ein Hauptsatz kann allein stehen und hat sein Verb an zweiter Stelle. Ein Nebensatz hat ein eigenes Verb, steht aber nicht allein und hat das Verb am Ende.

Vor weil und denn steht ein Komma. Die Behauptung kann vor der Begründung stehen oder danach. Steht die Begründung zuerst, folgt oft deshalb oder darum. Auch Wörter wie nämlich und Wendungen wie Der Grund dafür ist leiten eine Begründung ein.

Die Behauptung leitest du mit Wendungen wie diesen ein: Ich finde, Meiner Meinung nach, Ich bin überzeugt oder Ich bin dafür. Sie zeigen den Lesern, dass es deine Sicht ist.

Vergleiche zwei Fassungen. Die erste lautet: Das Mofa muss weg. Es versperrt den Weg. Die zweite lautet: Das Mofa muss weg, denn es versperrt den Weg. In der zweiten Fassung sieht man sofort, dass der zweite Teil den Grund nennt. Das Verbindungswort macht den Zusammenhang sichtbar.

Merke: Weil und denn sind die einfachsten Begründungswörter. Nach weil steht das Verb am Ende, nach denn an zweiter Stelle.

3. Gute und schwache Begründungen

Nicht jede Begründung überzeugt. Eine gute Begründung hat drei Eigenschaften:

  • Sie passt zur Behauptung und beantwortet genau die Frage Warum.
  • Sie sagt etwas Neues. Sie wiederholt die Behauptung nicht mit anderen Worten.
  • Sie bleibt sachlich. Sie beschimpft niemanden und übertreibt nicht.

Schwache Begründungen erkennst du an Sätzen wie Weil es so ist oder Weil alle das sagen. Sie nennen keinen echten Grund. Die Tabelle zeigt drei Beispiele.

Behauptung Schwache Begründung Gute Begründung
Der Hof braucht eine Bank. Weil eine Bank fehlt. Weil ältere Nachbarn dort ausruhen können.
Das Mofa muss aus dem Hof. Weil das doof ist. Weil es den Weg zur Mülltonne versperrt.
Die Schulküche braucht einen zweiten Ofen. Weil ich Kuchen mag. Weil sonst zwei Gruppen aufeinander warten müssen.

Mit einer einfachen Probe prüfst du eine Begründung. Setze sie hinter eine ganz andere Behauptung. Passt sie dort genauso gut, ist sie zu allgemein. Weil es besser ist passt zu jeder Behauptung und sagt deshalb nichts.

Manchmal gibt es für eine Behauptung mehrere Gründe. Dann nennst du die wichtigsten und beginnst jeden mit einem eigenen Satz oder einem eigenen Verbindungswort.

4. Die Sprachebene: Zu wem sprichst du?

Dieselbe Meinung klingt je nach Situation anders. Mit einem Freund sprichst du in der Alltagssprache. Sie ist locker und kurz und benutzt Wörter wie super oder echt. Mit Erwachsenen, die du nicht gut kennst, sprichst du höflich. Du sagst Sie, bildest vollständige Sätze und lässt lockere Ausdrücke weg. Wie locker oder förmlich du sprichst, heißt Sprachebene.

Empfänger Sprachebene Dieselbe Meinung
Freund aus dem Gartenverein Alltagssprache, du Das Hochbeet ist super. Da müssen wir uns nicht mehr bücken.
Vorsitzende des Vereins höflich, Sie Ich finde ein Hochbeet gut, denn dort kann man im Stehen arbeiten.
Nachbarin, die du kaum kennst höflich, Sie Ich möchte Sie bitten, das Mofa zu versetzen, denn es versperrt den Weg.

Die Meinung bleibt gleich, nur die Sprache ändert sich. Auch in lockerer Sprache bleibst du fair. Du sagst, was du denkst, und greifst niemanden an. Statt Du hast keine Ahnung sagst du: Ich sehe das anders, weil im Beet zu wenig Platz ist. Solche Sätze mit ich zeigen, dass es deine Sicht ist.

Um deine Sprache höflicher zu machen, ersetzt du lockere Wörter durch genaue Wörter. Statt voll praktisch schreibst du sehr nützlich. Du fügst das Wort bitte hinzu und beginnst mit einer Anrede. Die Meinung selbst musst du dafür nicht ändern.

Bleibe innerhalb eines Textes bei einer Ansprache. Wer eine Vorsitzende mit Sie anspricht, duzt sie im nächsten Satz nicht.

Merke: Die Sprachebene richtet sich nach dem Empfänger. Freunde sprichst du locker mit du an, Erwachsene höflich mit Sie.

5. Behauptung und Begründung im Text erkennen

Lies einen Text in vier Schritten:

  1. Lies den Text einmal ganz durch.
  2. Frage: Was soll hier gelten? Unterstreiche die Behauptung.
  3. Frage: Warum soll das gelten? Markiere die Begründung.
  4. Achte auf Verbindungswörter wie weil, denn und deshalb. Sie zeigen die Grenze zwischen beiden Teilen.

Ein Beispiel: Im Hof muss eine kleine Fahrradwerkstatt entstehen. Dort kann jeder seinen Reifen selbst flicken. So muss niemand weit bis zur nächsten Werkstatt laufen. Der erste Satz ist die Behauptung. Die beiden folgenden Sätze sind zwei Begründungen, die sie stützen.

Noch ein Beispiel vom Markt: Der Stand mit dem Honig soll am Eingang bleiben. Dort sehen ihn die meisten Besucher. Außerdem ist der Weg zum Lager von dort aus kurz. Wieder steht die Behauptung vorn, und zwei Begründungen folgen.

Hat ein Text mehrere Begründungen, markierst du jede einzeln. So siehst du, wie viele Gründe der Verfasser nennt und ob sie zur Behauptung passen.

So schreibst du es im Quali

Der folgende Zettel richtet sich an die Vorsitzende eines Gartenvereins. Er zeigt eine Meinung in höflicher Sprache. Lies zuerst den Text und danach die Tabelle.

Sehr geehrte Frau Haller,

ich finde, der Gemeinschaftsgarten braucht ein Hochbeet für Kräuter. Ein Grund ist, dass dort auch ältere Mitglieder im Stehen arbeiten können. Ein weiterer Grund ist, dass die Kräuter dann einen festen Platz haben und nicht mehr zertreten werden. Ich bitte Sie deshalb, den Vorschlag bei der nächsten Sitzung zu besprechen.

Mit freundlichen Grüßen

Mara Voss

Teil Textstelle Woran du es erkennst
Anrede Sehr geehrte Frau Haller, höflich, passt zu einer Vorsitzenden
Behauptung der Gemeinschaftsgarten braucht ein Hochbeet für Kräuter eingeleitet mit ich finde
Begründung 1 dort können auch ältere Mitglieder im Stehen arbeiten eingeleitet mit Ein Grund ist
Begründung 2 die Kräuter haben einen festen Platz eingeleitet mit Ein weiterer Grund ist
Bitte Ich bitte Sie deshalb, den Vorschlag zu besprechen deshalb knüpft an die Gründe an
Sprachebene Sie-Form im ganzen Text bleibt von Anfang bis Ende gleich

Der Zettel folgt einer klaren Reihenfolge: erst die Behauptung, dann die Gründe, zuletzt die Bitte. Jeder Grund steht in einem eigenen Satzteil. Die höfliche Sprache zeigt der Vorsitzenden, dass du ihre Entscheidung ernst nimmst.

Die Quali schließt die Mittelschule ab und wird am Ende der Jahrgangsstufe 9 abgelegt. Ihr Prüfungsteil D trägt den Namen Schreiben. In Jahrgangsstufe 6 übst du die Grundform: eine Behauptung, ein Grund und eine passende Sprache. Spätere Schreibaufgaben, in denen du Stellung nehmen sollst, bauen darauf auf.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Diese Fehler treten beim Meinungsäußern besonders oft auf. Die Tabelle zeigt, wie es richtig geht.

Falsch Richtig Warum
Der Hof braucht eine Bank. Der Hof braucht eine Bank, denn ältere Nachbarn wollen dort ausruhen. Eine Behauptung ohne Grund überzeugt niemanden.
Die Küche braucht einen Ofen, weil ein Ofen fehlt. Die Küche braucht einen Ofen, weil sonst zwei Gruppen warten müssen. Die Begründung wiederholt nur die Behauptung.
Du hast keine Ahnung von Gärten, deshalb ist dein Plan schlecht. Ich sehe das anders, weil im Beet zu wenig Platz ist. Eine Beleidigung ist kein Grund.
Ich finde das Gehege zu klein, weil die Tiere haben zu wenig Platz. Ich finde das Gehege zu klein, weil die Tiere zu wenig Platz haben. Nach weil steht das Verb am Ende.
Brief an die Vorsitzende: Ey, mach mal ein Hochbeet hin. Ich bitte Sie, ein Hochbeet anzulegen, denn dort kann man im Stehen arbeiten. Die Sprachebene muss zur Empfängerin passen.
Sehr geehrte Frau Haller, kommst du zur Sitzung? Sehr geehrte Frau Haller, kommen Sie zur Sitzung? Die Ansprache bleibt im ganzen Text gleich.

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