Deutsch Gymnasium · Jahrgangsstufe 7 · Lernbereich 3 (gültigen Lehrplan)

Erzählen mit schildernden und beschreibenden Elementen

Eine Schülerin erzählt von einer Bergwanderung: „Wir gingen den Weg hoch. Dann kam ein Gewitter. Wir rannten zur Hütte.“ Ihre Freundin erzählt dasselbe Erlebnis so: „Über dem Gipfel ballten sich schwarze Wolken. Die Luft roch plötzlich nach Metall, und die Vögel verstummten. Dann zerriss ein Blitz den Himmel, und der Donner rollte so laut durch das Tal, dass mir der Boden unter den Füßen zu beben schien.“ Beim zweiten Text sieht, hört und riecht der Leser das Gewitter, als wäre er selbst dabei gewesen. In der Jahrgangsstufe 5 hast du den Aufbau einer Erzählung gelernt, in der Jahrgangsstufe 6 die Gestaltung von Figuren. In der Jahrgangsstufe 7 lernst du, deine Erzählungen durch schildernde und beschreibende Passagen anschaulich und stimmungsvoll zu machen.

1. Beschreiben und Schildern unterscheiden

Die Hütte war aus Holz, hatte zwei Fenster und ein rotes Dach. Und: Die Hütte duckte sich unter die Felsen, als suchte sie selbst Schutz vor dem Unwetter, und aus ihren Fenstern fiel warmes, gelbes Licht in den Regen. Beide Sätze stellen dieselbe Hütte dar, aber auf ganz unterschiedliche Weise und mit ganz unterschiedlicher Wirkung.

Beim Beschreiben stellst du etwas möglichst sachlich und genau dar: Aussehen, Größe, Farbe, Lage. Ein Leser soll sich danach ein klares und zuverlässiges Bild von der Sache machen können. Beim Schildern stellst du dar, wie etwas wahrgenommen und empfunden wird. Du gibst Sinneseindrücke und Gefühle wieder und erzeugst eine Stimmung: Angst, Geborgenheit, Freude oder Spannung. Die Schilderung ist also bewusst subjektiv, die Beschreibung möglichst objektiv. In einer Erzählung kannst du beides verbinden: Eine kurze Beschreibung gibt dem Leser Orientierung, eine Schilderung lässt ihn die Situation miterleben.

Merke: Beschreiben stellt sachlich und genau dar, Schildern gibt Sinneseindrücke und Gefühle wieder und erzeugt eine Stimmung. Schildernde Passagen dehnen die Zeit und stehen an wichtigen Stellen der Erzählung.

2. Mit allen Sinnen schildern

Die Luft roch nach Metall. Die Vögel verstummten. Der Donner rollte durch das Tal. Der Boden schien zu beben. In nur vier kurzen Sätzen werden gleich drei verschiedene Sinne angesprochen: Riechen, Hören und Fühlen.

Eine gute Schilderung spricht möglichst viele verschiedene Sinne an. Frage dich deshalb schon beim Schreiben: Was sieht, hört, riecht, fühlt und schmeckt meine Figur? Oft vergessen Schreibende leider alles außer dem Sehen, dabei wirken gerade Geräusche, Gerüche und Berührungen besonders lebendig: der kalte Regen auf der Haut, der Geruch von nassem Holz, das Knistern des Ofens in der Hütte. Hinzu kommen die Gefühle und Gedanken deiner Figur in diesem Moment: Mein Herz hämmerte. Ob wir es rechtzeitig schaffen? Auch die sprachlichen Mittel, die du schon kennst, helfen: treffende Verben wie ballten sich, zerriss oder duckte sich, genaue Adjektive und bildhafte Mittel wie Vergleich, Metapher und Personifikation.

Ein reicher Wortschatz ist für das Schildern besonders wichtig. Lege dir Wortfelder an, zum Beispiel für Geräusche: knistern, prasseln, rauschen, grollen, zischen, knarren. Oder für Licht: flackern, schimmern, glühen, funkeln, blenden. Bevor du eine Schilderung schreibst, kannst du die Sinneseindrücke in einer kleinen Tabelle sammeln und dann die treffendsten auswählen. So vermeidest du, dass jede Szene mit denselben Wörtern beschrieben wird.

Sinn Frage Beispiel
Sehen Was erkennt die Figur? schwarze Wolken, gelbes Licht
Hören Welche Geräusche gibt es? rollender Donner, verstummte Vögel
Riechen Wonach riecht es? Metall, nasses Holz
Fühlen Was spürt die Figur auf der Haut? kalter Regen, bebender Boden
Gefühl Was empfindet die Figur? Mein Herz hämmerte.

3. Zeit dehnen: das Erzähltempo

Wir rannten zur Hütte. Dieser Satz erzählt in einem Augenblick, was vielleicht zehn Minuten dauerte. Die Freundin schreibt dagegen einen ganzen Absatz über den einen Moment, in dem der Blitz einschlägt.

Beim Erzählen kannst du das Tempo ganz bewusst steuern. Bei der Zeitraffung fasst du einen längeren Zeitraum in wenigen Worten zusammen: Nach zwei Stunden erreichten wir den Gipfel. Bei der Zeitdehnung erzählst du einen kurzen Augenblick ausführlich, mit allen Sinneseindrücken, Gedanken und Gefühlen. Schildernde Passagen sind meist Zeitdehnungen. Setze sie deshalb gezielt an den wichtigen Stellen ein, vor allem am Höhepunkt; unwichtige Abschnitte kannst du raffen. So steuerst du gezielt die Aufmerksamkeit deines Lesers. Manche Autorinnen und Autoren wechseln in einer Schilderung ins Präsens, um den Moment besonders nah wirken zu lassen. Wenn du das tust, kehre danach deutlich ins Präteritum zurück.

4. Schildern und Beschreiben in die Erzählung einbauen

Die Freundin hat ihre Erzählung so aufgebaut: Kurze Beschreibung des Weges und der Gruppe am Anfang, gerafft der Aufstieg, dann eine ausführliche Schilderung des Gewitters, schließlich die Ankunft in der Hütte mit einer kurzen Schilderung der Wärme und Erleichterung.

Schildernde und beschreibende Elemente sind in diesem Fall keine eigenen Texte, sondern Bausteine deiner Erzählung. Achte dabei immer auf das richtige Maß: Zu viele Beschreibungen bremsen die Handlung, zu viele Schilderungen wirken überladen. Eine Faustregel lautet: Beschreibe kurz, wo Orientierung nötig ist, und schildere ausführlich, wo Stimmung und Spannung entstehen sollen. Verzichte auf abgegriffene Wendungen wie es war wunderschön oder ich hatte große Angst; zeige stattdessen, woran man die Schönheit oder die Angst erkennt. Dieses Prinzip, zeigen statt behaupten, macht gute Erzählungen aus. Es gilt übrigens auch für Figuren: Statt zu schreiben, dass jemand nervös ist, kannst du zeigen, wie er an seinen Fingernägeln kaut oder immer wieder auf die Uhr schaut. Daran knüpfst du an, was du in der Jahrgangsstufe 6 über die Gestaltung von Figuren gelernt hast.

Form und Wirkung: So setzt du es in deinem Text ein

Der Schluss der Erzählung lautet: Als die Tür hinter uns ins Schloss fiel, war es plötzlich still. Im Ofen knisterte ein Feuer, es roch nach Tee und feuchten Wollsocken. Draußen grollte das Gewitter noch, aber es klang jetzt fern und harmlos, wie das Brummen eines müden Hundes.

Stelle Mittel Wirkung
war es plötzlich still Gegensatz zum Lärm davor Erleichterung wird spürbar
Im Ofen knisterte ein Feuer Hören, treffendes Verb Wärme und Geborgenheit
roch nach Tee und feuchten Wollsocken Riechen, genaue Einzelheiten anschaulich und lebensnah
grollte … fern und harmlos Gegensatz drinnen und draußen Sicherheit
wie das Brummen eines müden Hundes Vergleich Gefahr wirkt gezähmt, fast liebevoll

Der Schluss schildert eine Stimmung, ohne sie zu benennen: Das Wort Erleichterung kommt nicht vor, und doch spürt der Leser sie in jedem Satz. Genau das ist die Stärke des Schilderns. Beachte auch den Aufbau: Der Schluss beginnt mit der Stille, also dem Gegenteil des Gewitters, und endet mit einem freundlichen Vergleich. So rundet er die Erzählung ab und lässt den Leser mit einem Gefühl der Geborgenheit zurück.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum
Es war ein schlimmes Gewitter. Ein Blitz zerriss den Himmel, der Donner ließ den Boden beben. Zeigen statt behaupten.
Nur das Sehen schildern alle Sinne einbeziehen Geräusche und Gerüche wirken lebendig.
Den ganzen Aufstieg ausführlich schildern unwichtige Abschnitte raffen Zeitdehnung nur an wichtigen Stellen.
Beschreibung und Schilderung verwechseln Beschreibung sachlich, Schilderung subjektiv Verschiedene Ziele.
Ich hatte große Angst. Mein Herz hämmerte, meine Knie wurden weich. Gefühle zeigen.

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