Deutsch Gymnasium · Jahrgangsstufe 7 · Lernbereich 4 (gültigen Lehrplan)

Die Modi des Verbs und der Konjunktiv I in der Redewiedergabe

Eine Astronomin besucht die Schule und sagt im Vortrag: „Ich beobachte seit zwanzig Jahren ferne Galaxien. Heute zeige ich euch Bilder, die wir mit einem Teleskop aufgenommen haben.“ In der Schülerzeitung erscheint danach ein Bericht: Die Astronomin sagte, sie beobachte seit zwanzig Jahren ferne Galaxien. An diesem Tag zeige sie Bilder, die man mit einem Teleskop aufgenommen habe. Die Worte der Rednerin sind nicht wörtlich übernommen, sondern wiedergegeben, und dabei haben sich Pronomen, Zeitangaben und vor allem die Verbformen verändert. Auf dieser Seite lernst du die drei Modi des Verbs im Überblick kennen und übst, Aussagen anderer mit dem Konjunktiv I korrekt in indirekter Rede wiederzugeben.

1. Drei Aussageweisen des Verbs

Sie beobachtet Galaxien. Beobachte den Himmel! Sie sagte, sie beobachte Galaxien. Wenn ich ein Teleskop hätte, würde ich auch beobachten. Viermal steht dasselbe Verb da, doch es drückt jeweils eine andere Haltung des Sprechers zu seiner Aussage aus.

Die Aussageweisen des Verbs heißen Modi. Der Indikativ stellt etwas als wirklich dar: Sie beobachtet Galaxien. Der Imperativ fordert auf: Beobachte! Der Konjunktiv zeigt, dass etwas nicht als eigene, sichere Aussage gilt. Es gibt zwei Formen: Den Konjunktiv II kennst du bereits als Form des Vorgestellten, des Gewünschten und des Höflichen. Der Konjunktiv I dient vor allem der Redewiedergabe: Er zeigt, dass jemand anderes etwas gesagt hat, und der Schreiber sich die Aussage nicht selbst zu eigen macht.

Der lateinische Fachbegriff: modus heißt Art und Weise; die Modi sind die Aussageweisen des Verbs. Die indirekte Rede heißt lateinisch oratio obliqua, die schräge, also nicht gerade wiedergegebene Rede; die direkte Rede heißt oratio recta, die gerade Rede.

2. Den Konjunktiv I bilden

Sie sagt: Ich komme morgen. In der Wiedergabe: Sie sagt, sie komme am nächsten Tag. Aus kommt wird komme. Die neue Form wird dabei vom Infinitiv abgeleitet: komm-en, also er, sie komme.

Den Konjunktiv I bildest du aus dem Stamm des Infinitivs und den Konjunktivendungen. Am deutlichsten ist er in der dritten Person Singular zu erkennen, weil die Endung -e lautet: er sage, sie habe, es gehe, er wisse, sie könne. Eine Ausnahme ist sein: er sei, sie seien. Für die Vergangenheit bildest du den Konjunktiv I mit habe oder sei und dem Partizip II: Sie sagte, sie habe die Bilder selbst aufgenommen. Für die Zukunft mit werde und dem Infinitiv: Sie sagte, sie werde bald wiederkommen.

Indikativ Konjunktiv I Ersatzform
er sagt er sage –
sie ist sie sei –
sie hat aufgenommen sie habe aufgenommen –
sie haben (Plural) sie haben (gleich!) sie hätten
wir beobachten wir beobachten (gleich!) wir würden beobachten

3. Die Ersatzform

Die Forscher sagen: Wir haben neue Sterne entdeckt. In indirekter Rede ergäbe sich: Die Forscher sagen, sie haben neue Sterne entdeckt. Doch sie haben sieht genauso aus wie der Indikativ. Der Leser erkennt deshalb nicht mehr eindeutig, dass es sich um eine Wiedergabe fremder Worte handelt.

Wenn der Konjunktiv I mit dem Indikativ übereinstimmt, verwendest du als Ersatzform den Konjunktiv II: Die Forscher sagen, sie hätten neue Sterne entdeckt. Ist auch der Konjunktiv II nicht eindeutig oder klingt er altertümlich, kannst du die würde-Form verwenden: Sie sagen, sie würden nachts beobachten. Diese Regel betrifft vor allem die Pluralformen und die erste Person, denn dort fallen Konjunktiv I und Indikativ häufig zusammen. Eine einfache Probe hilft: Setze die Form probeweise in einen gewöhnlichen Aussagesatz. Klingt sie dort genauso, brauchst du die Ersatzform. Bei sie sei oder er habe ist das nicht der Fall, bei sie haben oder wir kommen schon.

Nicht immer muss jedes Verb in der indirekten Rede einen Konjunktiv tragen. Steht ein Redeeinleitungsverb wie sagen, erklären oder berichten, ist der Konjunktiv zwar die genaueste Form, in der gesprochenen Sprache wird aber oft der Indikativ verwendet: Sie sagt, dass sie morgen kommt. In geschriebenen Texten wie Berichten, Inhaltsangaben und Protokollen ist der Konjunktiv I dagegen die richtige Wahl, weil er die Wiedergabe eindeutig kennzeichnet, auch über mehrere Sätze hinweg, in denen kein Redeeinleitungsverb mehr steht.

4. Was sich in der indirekten Rede verändert

Direkt: Die Astronomin sagt: Ich zeige euch heute meine Bilder. Indirekt: Die Astronomin sagt, sie zeige ihnen an diesem Tag ihre Bilder. Fast jedes Wort hat sich angepasst, weil sich der Standpunkt verändert hat: Jetzt spricht nicht mehr die Astronomin selbst, sondern jemand, der über sie berichtet.

In der indirekten Rede werden die Pronomen angepasst: ich wird zu sie, euch zu ihnen, meine zu ihre. Auch Orts- und Zeitangaben ändern sich, wenn sie vom Standpunkt des ursprünglichen Sprechers abhängen: heute wird zu an diesem Tag, hier zu dort. Die indirekte Rede kann dabei mit oder ohne dass eingeleitet werden: Sie sagt, sie zeige ihre Bilder. Sie sagt, dass sie ihre Bilder zeige. Fragen werden mit ob oder einem Fragewort wiedergegeben: Ein Schüler fragte, ob man Planeten mit bloßem Auge sehen könne. Aufforderungen gibst du mit sollen oder mögen wieder: Sie bat, man möge leise sein.

Die indirekte Rede brauchst du in Berichten, Inhaltsangaben, Protokollen und überall dort, wo du Aussagen anderer korrekt und mit Abstand wiedergibst. In der Jahrgangsstufe 8 lernst du weitere Formen der Redewiedergabe kennen, etwa die Paraphrase und die Wiedergabe mit Modalverben.

Form und Wirkung: So deutest du es im Text

In der Schülerzeitung steht: Die Astronomin erklärte, das Universum sei rund 13,8 Milliarden Jahre alt. Manche Galaxien seien so weit entfernt, dass ihr Licht Milliarden Jahre zu uns brauche. Sie habe ihren Beruf gewählt, weil sie schon als Kind die Sterne geliebt habe.

Stelle Form Wirkung
das Universum sei Konjunktiv I Aussage der Rednerin, nicht der Zeitung
Galaxien seien so weit entfernt Konjunktiv I sachliche Wiedergabe von Fachwissen
dass ihr Licht … brauche Konjunktiv I im Nebensatz durchgehend als Zitat erkennbar
Sie habe ihren Beruf gewählt Konjunktiv I Vergangenheit persönliche Angabe wird berichtet
kein Wechsel in den Indikativ einheitliche Form klare Trennung von Bericht und Aussage

Durch den Konjunktiv I bleibt jederzeit erkennbar, dass die Schülerzeitung die Worte der Astronomin wiedergibt. Das ist eine Frage der Genauigkeit und der Fairness gegenüber der Sprecherin. Würde der Bericht in den Indikativ wechseln, also schreiben, das Universum ist rund 13,8 Milliarden Jahre alt, sähe es so aus, als stelle die Zeitung diese Behauptung selbst auf. Bei Fachwissen mag das unproblematisch sein, bei Meinungen oder umstrittenen Aussagen aber nicht. Deshalb ist der Konjunktiv I in Zeitungsberichten so verbreitet.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum
Sie sagte, ich beobachte Galaxien. Sie sagte, sie beobachte Galaxien. Das Pronomen wird angepasst.
Die Forscher sagen, sie haben Sterne entdeckt. Die Forscher sagen, sie hätten Sterne entdeckt. Ersatzform, weil gleich mit Indikativ.
Sie sagte, sie ist Astronomin. Sie sagte, sie sei Astronomin. Konjunktiv I von sein.
Sie sagte, sie zeige heute Bilder. (im Bericht vom nächsten Tag) Sie sagte, sie zeige an diesem Tag Bilder. Zeitangabe anpassen.
Ein Schüler fragte, kann man Planeten sehen. Ein Schüler fragte, ob man Planeten sehen könne. Indirekte Frage mit ob.

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