Deutsch Gymnasium · Jahrgangsstufe 7 · Lernbereich 4 (gültigen Lehrplan)

Komma bei Infinitiv- und Partizipialkonstruktionen

In einem Bericht über eine Polarexpedition stehen diese Sätze: „Die Forscherinnen brachen früh auf, um den Sturm zu umgehen. Sie hatten den Plan, das Lager vor Einbruch der Nacht zu erreichen. Erschöpft und durchgefroren erreichten sie das Zelt.“ In den ersten beiden Sätzen steht vor der Wortgruppe mit zu ein Komma, im dritten Satz nicht. Liegt hier etwa ein Fehler vor? Nein, alle drei Sätze sind richtig. Bei Infinitiv- und Partizipialkonstruktionen ist das Komma in manchen Fällen vorgeschrieben, in anderen freigestellt. Auf dieser Seite lernst du die Fälle kennen, in denen du das Komma setzen musst, und erfährst, wann ein freiwilliges Komma das Lesen erleichtert. Damit schließt du an die Kommaregeln für Satzgefüge aus der Jahrgangsstufe 6 an.

1. Was Infinitiv- und Partizipialgruppen sind

Die Forscherinnen versuchten, den Sturm zu umgehen. Hier steht kein Nebensatz mit gebeugtem Verb, sondern eine Wortgruppe mit dem Infinitiv umgehen und dem Wörtchen zu. Erschöpft und durchgefroren erreichten sie das Zelt. Hier stehen Partizipien, also Verbformen, die wie Adjektive gebraucht werden.

Eine Infinitivgruppe besteht aus einem Infinitiv mit zu und mindestens einem weiteren Wort: den Sturm zu umgehen. Steht der Infinitiv mit zu allein, spricht man vom bloßen Infinitiv: Sie begannen zu frieren. Eine Partizipialgruppe besteht aus einem Partizip und weiteren Wörtern: vom Wind erschöpft, laut rufend. Beide Gruppen haben kein gebeugtes Verb und sind deshalb keine Nebensätze, erfüllen aber oft eine ähnliche Aufgabe. Weil sie Sätze verkürzen, sind sie in Sachtexten und Berichten besonders häufig. Ob vor ihnen ein Komma steht, hängt anders als beim Nebensatz nicht immer von festen Regeln ab, sondern teilweise von der Entscheidung des Schreibenden.

Merke: Bei Infinitivgruppen setzt du ein Komma, wenn sie mit um, ohne, statt, anstatt, außer oder als eingeleitet werden, wenn sie von einem Nomen abhängen oder wenn ein Verweiswort auf sie hinweist. In den übrigen Fällen darfst du es setzen.

2. Drei Fälle mit Pflichtkomma

Sie brachen früh auf, um den Sturm zu umgehen. Sie hatten den Plan, das Lager vor der Nacht zu erreichen. Sie dachten nicht daran, die Expedition abzubrechen. In allen drei Sätzen muss ein Komma stehen, aber jeweils aus einem anderen Grund, den du genau kennen solltest.

Das Komma ist Pflicht, wenn die Infinitivgruppe mit um, ohne, statt, anstatt, außer oder als eingeleitet wird: um den Sturm zu umgehen, ohne eine Pause zu machen. Das gilt sogar beim bloßen Infinitiv: Sie gingen, ohne zu zögern. Es ist ebenfalls Pflicht, wenn die Infinitivgruppe von einem Nomen abhängt: den Plan, das Lager zu erreichen; die Hoffnung, bald anzukommen. Und es ist Pflicht, wenn ein Verweiswort wie es, daran, darauf oder dazu auf die Infinitivgruppe hinweist: Sie dachten nicht daran, die Expedition abzubrechen. Es war ihr Ziel, den Pol zu erreichen.

Prüfe in Zweifelsfällen in einer festen Reihenfolge. Steht vor dem zu ein Einleitungswort wie um oder ohne? Dann Komma. Hängt die Gruppe von einem Nomen ab, das du mit welcher, welche, welches? erfragen kannst, etwa welcher Plan? Dann Komma. Kündigt ein kleines Wort wie es oder daran die Gruppe an? Dann Komma. Trifft nichts davon zu, darfst du selbst entscheiden. Diese drei kurzen Fragen sind meist viel schneller beantwortet, als man denkt, und sie decken alle Pflichtfälle ab.

Fall Kennzeichen Beispiel
Einleitungswort um, ohne, statt, anstatt, außer, als …, um den Sturm zu umgehen.
Abhängigkeit von einem Nomen Nomen + Infinitivgruppe den Plan, das Lager zu erreichen
Verweiswort es, daran, darauf, dazu Sie dachten nicht daran, aufzugeben.
sonstige Infinitivgruppe kein Pflichtfall Sie versuchten(,) den Sturm zu umgehen.
bloßer Infinitiv ohne Einleitung meist kein Komma Sie begannen zu frieren.

3. Freigestellte Kommas sinnvoll setzen

Sie versuchten den Sturm zu umgehen. Sie versuchten, den Sturm zu umgehen. Beide Schreibungen sind nach den Regeln richtig. Doch vergleiche: Sie empfahl ihm nicht zu folgen. Hier ist unklar, ob sie ihm empfahl, nicht zu folgen, oder ob sie ihm nicht empfahl zu folgen.

In allen Fällen, die nicht zu den drei Pflichtfällen gehören, ist das Komma bei Infinitivgruppen freigestellt. Du solltest es dennoch setzen, wenn es die Gliederung deutlich macht oder Missverständnisse verhindert. Im Beispiel klärt das Komma die Bedeutung: Sie empfahl ihm, nicht zu folgen. Oder: Sie empfahl, ihm nicht zu folgen. Viele Schreibende setzen das Komma bei erweiterten Infinitivgruppen grundsätzlich, weil es selten falsch ist und die Satzstruktur sichtbar macht.

4. Partizipialgruppen

Vom Wind erschöpft(,) erreichten sie das Zelt. Die Forscherinnen, vom Wind erschöpft, erreichten das Zelt. Sie erreichten das Zelt, vom Wind erschöpft. Dieselbe Partizipialgruppe steht hier an drei verschiedenen Stellen im Satz.

Steht eine Partizipialgruppe am Satzanfang, ist das Komma meist freigestellt: Vom Wind erschöpft erreichten sie das Zelt. Ist sie dagegen als Einschub in den Satz eingefügt oder wird sie als Nachtrag angehängt, setzt du Kommas: Die Forscherinnen, vom Wind erschöpft, erreichten das Zelt. Auch wenn ein Verweiswort wie so auf die Gruppe hinweist, steht ein Komma: Vom Wind erschöpft, so erreichten sie das Zelt. Partizipialgruppen machen Texte knapp und anschaulich, besonders in Beschreibungen und Erzählungen. In der Jahrgangsstufe 8 lernst du, wie du Infinitiv- und Partizipialkonstruktionen gezielt einsetzt, um Sätze zu verdichten.

Vorsicht bei Wortgruppen, die nur so aussehen wie Partizipialgruppen. Steht ein einzelnes Partizip ohne weitere Wörter, setzt man in der Regel kein Komma: Lachend lief sie davon. Erst wenn das Partizip erweitert ist, etwa laut lachend, entsteht eine Partizipialgruppe, bei der du die Regeln dieses Abschnitts anwendest.

Form und Wirkung: So deutest du es im Text

Der Bericht über die Expedition endet so: Um die Messdaten zu sichern, arbeiteten die Forscherinnen bis tief in die Nacht. Sie hatten nur ein Ziel, nämlich die Ergebnisse rechtzeitig zu übermitteln. Am Morgen, übermüdet und doch zufrieden, schickten sie die Daten ab.

Stelle Konstruktion und Komma Wirkung
Um die Messdaten zu sichern, Infinitivgruppe mit um, Pflichtkomma Zweck steht betont am Anfang
die Ergebnisse rechtzeitig zu übermitteln Infinitivgruppe nach Nomen Ziel das Ziel wird genau benannt
übermüdet und doch zufrieden Partizipialgruppe als Einschub Gefühlslage knapp eingefügt
Kommas um den Einschub Pflicht beim Einschub Leser erkennt Haupt- und Zusatzinformation
keine Nebensätze nötig Verdichtung Bericht bleibt knapp

Die Konstruktionen erlauben es, Zweck, Ziel und Stimmung in wenigen Sätzen unterzubringen, ohne lange Nebensätze zu bilden. Die Kommas zeigen dem Leser zugleich, wo die Zusatzinformationen beginnen und enden. Würde man dieselben Inhalte mit Nebensätzen ausdrücken, wäre der Text länger: Damit sie die Messdaten sicherten, arbeiteten sie bis in die Nacht; weil sie übermüdet, aber zufrieden waren, … Die verkürzten Konstruktionen wirken knapper und zielgerichteter, wie es in einem Bericht angemessen ist.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum
Sie brachen auf um den Sturm zu umgehen. Sie brachen auf, um den Sturm zu umgehen. Mit um: Pflichtkomma.
Sie hatten den Plan das Lager zu erreichen. Sie hatten den Plan, das Lager zu erreichen. Abhängig vom Nomen: Pflichtkomma.
Sie dachten nicht daran aufzugeben. Sie dachten nicht daran, aufzugeben. Verweiswort daran: Pflichtkomma.
Die Forscherinnen vom Wind erschöpft erreichten das Zelt. Die Forscherinnen, vom Wind erschöpft, erreichten das Zelt. Einschub: zwei Kommas.
Sie gingen ohne zu zögern. Sie gingen, ohne zu zögern. Auch der bloße Infinitiv mit ohne verlangt ein Komma.

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