Deutsch Gymnasium · Jahrgangsstufe 6 · Lernbereich 4 (gültigen Lehrplan)
Attribute und der Relativsatz: Nomen genauer bestimmen
In einer Ausstellung über Entdeckungsreisen liegt in einer Vitrine „eine Karte“. Das sagt noch sehr wenig. Auf dem Schild steht genauer: „eine alte Karte aus Pergament“, und darunter: „die Karte des Kapitäns, die er auf seiner ersten Reise zeichnete“. Je mehr Angaben hinzukommen, desto genauer stellt man sich das Ausstellungsstück vor. Diese Angaben sind keine eigenen Satzglieder, sondern Teile davon: Sie hängen am Nomen Karte und bestimmen es näher. Man nennt sie Attribute. Auf dieser Seite lernst du die wichtigsten Arten kennen, darunter den Relativsatz, und erfährst, wie du sie erkennst, richtig bildest und gezielt einsetzt.
1. Attribute sind Teile von Satzgliedern
Der Kurator zeigt uns die alte Karte aus Pergament. Stelle den Satz um: Die alte Karte aus Pergament zeigt uns der Kurator. Die Wörter alte und aus Pergament wandern mit dem Nomen Karte mit; allein lassen sie sich nicht verschieben.
Daran erkennst du ein Attribut: Es ist kein selbstständiges Satzglied, sondern ein Satzgliedteil. Es gehört zu einem Nomen, seinem Bezugswort, und bestimmt dieses genauer. Du erfragst Attribute mit was für ein? oder welcher, welche, welches?: Was für eine Karte? Eine alte Karte aus Pergament. Attribute können vor oder nach dem Bezugswort stehen, und ein Nomen kann auch mehrere Attribute zugleich haben.
Der lateinische Fachbegriff: attribuere heißt zuteilen oder beifügen; ein Attribut wird einem Nomen beigefügt. Relativus bedeutet bezogen; der Relativsatz bezieht sich auf ein Wort im übergeordneten Satz.
2. Die Arten der Attribute
Die alte Karte. Die Karte des Kapitäns. Die Karte aus Pergament. Die Karte dort. Viermal wird dasselbe Nomen genauer bestimmt, doch jedes Mal mit einer anderen sprachlichen Form, die du an ihrem Bau erkennen kannst.
Das Adjektivattribut steht vor dem Nomen und wird mit ihm dekliniert: die alte Karte, der alten Karte. Das Genitivattribut steht meist nach dem Nomen im Genitiv: die Karte des Kapitäns. Das Präpositionalattribut wird mit einer Präposition angeschlossen: die Karte aus Pergament, das Schiff mit drei Masten. Das Adverbattribut ist ein Adverb nach dem Nomen: die Karte dort, das Schiff links. Eine besondere Form ist die Apposition, ein Nomen im gleichen Kasus: der Kapitän, ein erfahrener Seemann. Sie lernst du in der Jahrgangsstufe 7 genauer kennen.
| Attribut | Form | Beispiel |
|---|---|---|
| Adjektivattribut | Adjektiv vor dem Nomen | die alte Karte |
| Genitivattribut | Nomen im Genitiv | die Karte des Kapitäns |
| Präpositionalattribut | Präposition + Nomen | die Karte aus Pergament |
| Adverbattribut | Adverb nach dem Nomen | die Karte dort |
| Relativsatz | Nebensatz mit Relativpronomen | die Karte, die er zeichnete |
3. Der Relativsatz
Die Karte, die der Kapitän zeichnete, ist sehr alt. Der Nebensatz die der Kapitän zeichnete bestimmt die Karte genauer, genau wie ein Attribut. Er beginnt mit die, und das gebeugte Verb zeichnete steht am Ende.
Ein Nebensatz, der ein Nomen genauer bestimmt, heißt Relativsatz. Er ist ein Attributsatz, also ein Attribut in Form eines ganzen Satzes. Er wird mit einem Relativpronomen eingeleitet: der, die, das oder welcher, welche, welches. Das Relativpronomen richtet sich in Genus und Numerus nach dem Bezugswort: die Karte, die; das Schiff, das; die Karten, die. Seinen Kasus erhält es dagegen von seiner Aufgabe im Relativsatz: der Kapitän, dem man vertraute (Dativ); die Insel, deren Küste unbekannt war (Genitiv).
Relativsätze werden immer durch Komma abgetrennt. Steht der Relativsatz in der Mitte, brauchst du zwei Kommas: Die Karte, die der Kapitän zeichnete, ist alt. Der Relativsatz steht möglichst direkt hinter seinem Bezugswort, damit der Bezug eindeutig ist. Im Satz Die Karte liegt neben dem Kompass, die er zeichnete, ist unklar, worauf sich die bezieht; besser heißt es: Die Karte, die er zeichnete, liegt neben dem Kompass.
Bei Ortsangaben kann ein Relativsatz auch mit wo beginnen: der Hafen, wo die Reise begann. Gleichwertig ist die Form mit Präposition und Relativpronomen: der Hafen, in dem die Reise begann. Bei Zeitangaben ist wo dagegen umgangssprachlich; besser heißt es der Tag, an dem sie aufbrachen, nicht der Tag, wo sie aufbrachen. In Texten, die sachlich und genau wirken sollen, ist die Form mit Präposition meist die sicherere Wahl.
4. Attribute gezielt einsetzen
Vergleiche: Das Schiff fuhr los. Und: Das kleine, schwer beladene Schiff, das niemand für seetüchtig gehalten hatte, fuhr in der Morgendämmerung los. Der zweite Satz erzählt viel mehr und erzeugt zugleich Spannung, weil er Zweifel an der Reise andeutet.
Attribute machen Beschreibungen anschaulich und genau. In Sachtexten helfen sie, Gegenstände eindeutig zu bezeichnen; in Erzählungen schaffen sie Atmosphäre. Übertreibe es aber nicht: Zu viele Attribute vor einem Nomen machen einen Satz schwer verständlich. Statt die alte, vergilbte, an den Rändern eingerissene Karte des berühmten Kapitäns aus dem Hafen kannst du einen Teil in einen Relativsatz oder einen eigenen Satz auslagern. Prüfe beim Überarbeiten deshalb genau, welche Attribute für deinen Leser wirklich wichtig sind und welche du streichen kannst.
Achte auch auf die Unterscheidung zwischen dem Relativpronomen das und der Subjunktion dass. Das Relativpronomen bezieht sich auf ein Nomen und lässt sich durch welches ersetzen: das Schiff, das (welches) losfuhr. Diese Probe lernst du auf der Seite zu das und dass noch genauer kennen.
Attribute helfen dir auch beim Verstehen schwieriger Sätze. Wenn ein Satz in einem Sachbuch sehr lang ist, suche zuerst die Nomen und frage bei jedem: Welche Wörter gehören zu diesem Nomen? So zerlegst du den Satz in überschaubare Teile und erkennst schnell, was Hauptinformation und was nähere Bestimmung ist.
Form und Wirkung: So deutest du es im Text
Auf der Ausstellungstafel heißt es: Diese handgezeichnete Karte des Kapitäns, die heute als eine der ältesten der Region gilt, zeigt eine Küste, deren Verlauf damals noch weitgehend unbekannt war.
| Beobachtung | Attribut | Wirkung |
|---|---|---|
| handgezeichnete | Adjektivattribut | Wert und Einzigartigkeit |
| des Kapitäns | Genitivattribut | Herkunft der Karte |
| die heute als eine der ältesten gilt | Relativsatz | Bedeutung wird hervorgehoben |
| deren Verlauf unbekannt war | Relativsatz mit Genitiv | Spannung: eine Entdeckung |
| alles in einem Satz | Verdichtung | viel Information auf kleinem Raum |
Die Tafel nutzt Attribute und Relativsätze, um in einem einzigen Satz Herkunft, Bedeutung und Geheimnis des Ausstellungsstücks zu verbinden. Für Ausstellungstexte, die kurz sein müssen, ist das ein wichtiges Mittel. Besonders der zweite Relativsatz weckt Neugier: Eine Küste, deren Verlauf unbekannt war, lässt an Abenteuer und Entdeckung denken. So erzeugt ein einziges Attribut eine Stimmung, die den Besucher zum Weiterlesen einlädt. Probiere selbst aus, wie sich ein schlichter Satz verändert, wenn du ihm ein oder zwei gut gewählte Attribute hinzufügst.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| Die Karte die er zeichnete ist alt. | Die Karte, die er zeichnete, ist alt. | Der Relativsatz wird durch Kommas abgetrennt. |
| das Schiff, dass losfuhr | das Schiff, das losfuhr | Relativpronomen das, ersetzbar durch welches. |
| der Kapitän, den man vertraute | der Kapitän, dem man vertraute | Vertrauen verlangt den Dativ. |
| Alte ist ein eigenes Satzglied. | Alte ist ein Attribut. | Es wandert mit dem Nomen. |
| die Insel, wo ihre Küste unbekannt war | die Insel, deren Küste unbekannt war | Genitiv mit deren. |
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