Deutsch Gymnasium · Jahrgangsstufe 5 · Lernbereich 3 (gültigen Lehrplan)

Texte planen und überarbeiten: Cluster, Schreibplan, Textlupe, Schreibkonferenz

Die Klasse 5a will ein eigenes Geschichtenbuch herausgeben. Jeder schreibt eine fantastische Geschichte zum Thema „Ein Tag als Vogel“. Emil setzt sich hin und schreibt sofort drauflos. Nach einer halben Seite weiß er nicht mehr weiter. Sophie dagegen sammelt zuerst Ideen, ordnet sie, plant den Aufbau und schreibt dann. Später lässt sie ihre Geschichte von zwei Mitschülerinnen lesen und verbessert sie. Ihre Geschichte wird am Ende sogar die erste im ganzen Buch. Gutes Schreiben ist also kein Glück und keine angeborene Begabung, sondern ein Prozess in mehreren Schritten. Auf dieser Seite lernst du Methoden kennen, mit denen du Texte planst, und Verfahren, mit denen du sie gemeinsam mit anderen überarbeitest.

1. Der Schreibprozess

Sophie geht in drei Schritten vor: Erst plant sie, dann schreibt sie, dann überarbeitet sie. Emil hat die Planung übersprungen und deshalb mitten im Schreiben den Faden verloren.

Auch erfahrene Autorinnen und Autoren schreiben nur selten einen Text in einem einzigen Zug. Sie durchlaufen einen Schreibprozess. Beim Planen sammelst du Ideen, wählst die besten aus und legst den Aufbau fest. Beim Schreiben formulierst du einen ersten Entwurf, ohne dich dabei schon um jedes Wort zu sorgen. Beim Überarbeiten prüfst du Inhalt, Aufbau und Sprache und verbesserst den Text. Die einzelnen Schritte können sich dabei durchaus mehrfach wiederholen: Wer beim Überarbeiten merkt, dass eine Idee fehlt, kehrt kurz zur Planung zurück. Für die Planung lohnt sich etwa ein Viertel der Zeit, die du für einen Text zur Verfügung hast. Diese Zeit gewinnst du beim Schreiben zurück, weil du nicht mehr ins Stocken gerätst.

Merke: Schreiben ist ein Prozess aus Planen, Schreiben und Überarbeiten. Ideen sammelst du mit Brainstorming, Cluster oder Mindmap, den Aufbau legst du im Schreibplan fest. Überarbeiten kannst du mit der Textlupe und in der Schreibkonferenz.

2. Ideen sammeln: Brainstorming, Cluster, Mindmap

Sophie schreibt das Wort Vogel in die Mitte eines Blattes und kreist es ein. Davon ausgehend notiert sie alles, was ihr einfällt: fliegen, Wind, Nest, Katze, Wolken, von oben die Schule sehen. Von Katze aus zieht sie eine neue Kette: Gefahr, verstecken, Baum.

Beim Brainstorming schreibst du zu einem Thema in kurzer Zeit wirklich alle Einfälle auf, ohne sie zu bewerten. Beim Cluster steht ein Kernwort in der Mitte; davon ausgehend entstehen Ketten von Einfällen, wobei jedes Wort ein neues hervorrufen kann. Das Cluster eignet sich deshalb besonders für Erzählungen, weil es überraschende Ideen hervorbringt. Bei der Mindmap ordnest du Ideen dagegen von Anfang an: Vom Thema in der Mitte gehen Hauptäste mit Oberbegriffen aus, etwa Figuren, Orte und Ereignisse, und daran hängen Nebenäste mit Einzelheiten. Die Mindmap eignet sich gut für informierende Texte und Referate. Ein Stichwortzettel schließlich hält die wichtigsten Punkte knapp fest, zum Beispiel für einen Vortrag.

Methode Vorgehen geeignet für
Brainstorming alle Einfälle notieren, nicht bewerten Einstieg in jedes Thema
Cluster Kernwort, freie Ketten von Einfällen Erzählungen, kreative Texte
Mindmap Hauptäste mit Oberbegriffen, Nebenäste Sachtexte, Referate
Stichwortzettel wichtigste Punkte knapp Vorträge, Merkhilfe
Schreibplan Aufbau festlegen jeden längeren Text

3. Den Aufbau im Schreibplan festlegen

Aus ihrem Cluster wählt Sophie die besten Ideen aus und ordnet sie: Erzählsituation: Ich wache auf und habe Flügel. Ereignis: Ich fliege über die Schule, eine Katze lauert. Höhepunkt: Flucht auf den höchsten Baum. Ausgang: Ich wache in meinem Bett auf, eine Feder liegt auf dem Kissen.

Im Schreibplan legst du die Reihenfolge deines Textes fest. Er richtet sich nach der Textsorte: Für eine Erzählung planst du Erzählsituation, Ereignis mit Höhepunkt und Ausgang, wie du es auf der Seite zum Erzählen gelernt hast; für eine Vorgangsbeschreibung Materialien und Arbeitsschritte. Wichtig ist auch das Auswählen: Nicht jede Idee aus dem Cluster gehört in den Text. Streiche, was nicht zum roten Faden passt, auch wenn dir die Idee gefällt; vielleicht passt sie in eine andere Geschichte. Ein Schreibplan besteht aus Stichworten, nicht aus fertigen Sätzen. Er ist dein persönlicher Wegweiser beim Schreiben und hilft dir, nicht abzuschweifen.

4. Gemeinsam überarbeiten: Textlupe und Schreibkonferenz

Sophie gibt ihren Entwurf zwei Mitschülerinnen. Die eine schreibt an den Rand: Die Stelle mit der Katze ist richtig spannend! Die andere notiert: Hier verstehe ich nicht, wo du gerade bist. Vielleicht kannst du den Baum genauer beschreiben.

Bei der Textlupe lesen Mitschüler deinen Text still und notieren ihre Rückmeldungen schriftlich, oft auf einem Bogen mit drei Spalten: Das gefällt mir. Hier stolpere ich. Mein Tipp. Bei der Schreibkonferenz trifft sich eine kleine Gruppe; der Verfasser liest vor, die anderen geben mündlich Rückmeldung, und gemeinsam werden Verbesserungen besprochen. Für beide Verfahren gelten Feedbackregeln: Beginne mit etwas Gelungenem, sei konkret statt allgemein, bleibe freundlich und sachlich, und mache Vorschläge statt nur Fehler aufzuzählen. Der Verfasser entscheidet am Ende ganz allein, welche Vorschläge er übernimmt. Beim Überarbeiten helfen vier Techniken: ersetzen (ein genaueres Wort), ergänzen (eine fehlende Information), umstellen (eine bessere Reihenfolge) und streichen (Überflüssiges).

Überarbeiten kannst du auch allein. Lege deinen Entwurf eine Weile zur Seite, bevor du ihn noch einmal liest; mit etwas Abstand fallen dir Schwächen leichter auf. Lies ihn danach am besten laut vor, denn holprige Sätze und Wiederholungen hört man besser, als man sie sieht. Prüfe zum Schluss in einem eigenen Durchgang die Rechtschreibung und Zeichensetzung. In der Jahrgangsstufe 6 lernst du dafür den Überarbeitungsbogen kennen, mit dem du deinen Text Punkt für Punkt prüfst.

Form und Wirkung: So deutest du es im Text

Sophies erster Entwurf enthielt den Satz: Dann flog ich weg und dann war da ein Baum und dann war ich oben. Nach der Textlupe lautet er: Mit drei kräftigen Flügelschlägen schoss ich nach oben und landete auf dem höchsten Ast der alten Kastanie.

Rückmeldung Technik Wirkung
Zu viele und dann ersetzen, umstellen flüssiger Satz
Wie flog sie weg? ergänzen: mit drei kräftigen Flügelschlägen anschaulich, lebendig
Welcher Baum? ersetzen: die alte Kastanie genaues Bild
war ich oben ersetzen: landete auf dem höchsten Ast treffendes Verb
Überarbeitung nach Feedback Schreibprozess Text gewinnt deutlich an Qualität

Die Überarbeitung hat den Inhalt nicht verändert, aber die Gestaltung: Aus einer Aufzählung ist eine anschauliche Szene geworden. Genau das leisten Textlupe und Schreibkonferenz, wenn die Rückmeldungen konkret sind und der Verfasser sie gezielt nutzt. Auch die Mitschülerinnen haben dabei gelernt: Wer die Texte anderer genau liest und Verbesserungen vorschlägt, schult seinen Blick für die eigenen Schwächen. Deshalb lohnt sich die gemeinsame Arbeit für alle Beteiligten.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum
Sofort drauflos schreiben erst Ideen sammeln und einen Schreibplan anlegen Sonst geht der Faden verloren.
Alle Ideen aus dem Cluster in den Text packen Ideen auswählen, die zum roten Faden passen Der Text bleibt übersichtlich.
Rückmeldung: Ist schlecht. Rückmeldung: Hier verstehe ich nicht, wo du bist. Konkret und hilfreich.
Nur Fehler aufzählen mit Gelungenem beginnen, Vorschläge machen Feedbackregeln.
Schreibplan in ganzen Sätzen Stichworte Der Plan ist ein Wegweiser.

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