Deutsch Gymnasium · Jahrgangsstufe 5 · Lernbereich 4 (gültigen Lehrplan)
Arten des einfachen Satzes, Haupt- und Nebensatz, die Subjunktion
Vor der Theateraufführung der Unterstufe flüstern die Zuschauer: „Der Vorhang geht gleich auf.“ „Hast du das Programmheft?“ „Mach bitte dein Handy aus!“ „Was für ein schönes Bühnenbild!“ Vier Sätze, vier verschiedene Absichten: etwas mitteilen, etwas fragen, jemanden auffordern und ein Gefühl ausdrücken. Für jede dieser Absichten gibt es eine eigene Satzart, die du an der Stellung des Verbs und am Satzzeichen erkennst. Auf dieser Seite lernst du die vier Satzarten kennen, unterscheidest Haupt- und Nebensatz und erfährst, welche Rolle die Subjunktion dabei spielt.
1. Aussagesatz und Fragesatz
Der Vorhang geht gleich auf. Die Schauspieler warten hinter der Bühne. In beiden Sätzen steht das gebeugte Verb an der zweiten Stelle, und am Ende steht ein Punkt. Beide teilen dem Zuhörer sachlich etwas mit.
Solche Sätze heißen Aussagesätze. Sie sind ganz klar die mit Abstand häufigste Satzart: Sie berichten, erklären und beschreiben. Das gebeugte Verb steht an zweiter Stelle, davor steht genau ein Satzglied. Bei Fragesätzen unterscheidest du zwei Arten. Die Entscheidungsfrage beginnt mit dem gebeugten Verb und lässt sich mit ja oder nein beantworten: Hast du das Programmheft? Die Ergänzungsfrage beginnt mit einem Fragewort wie wer, was, wann, wo, warum oder wie, und das Verb steht an zweiter Stelle: Wann beginnt die Aufführung? Sie verlangt eine Auskunft als Antwort. Beide Fragen enden mit einem Fragezeichen. Ergänzungsfragen eignen sich besonders, wenn du bei einem Interview oder einer Recherche viel erfahren willst; Entscheidungsfragen, wenn du eine klare Zustimmung oder Ablehnung brauchst.
Der lateinische Fachbegriff: Den Aussagesatz nennt man auch Deklarativsatz (declarare, erklären), den Fragesatz Interrogativsatz (interrogare, fragen), den Aufforderungssatz Imperativsatz (imperare, befehlen) und den Ausrufesatz Exklamativsatz (exclamare, ausrufen).
2. Aufforderungssatz und Ausrufesatz
Mach bitte dein Handy aus! Setzt euch jetzt hin! Hier steht das Verb ganz vorne, und die Sätze enden mit einem Ausrufezeichen. Wer so spricht, will erreichen, dass jemand etwas Bestimmtes tut.
Diese Sätze heißen Aufforderungssätze. Das Verb steht an erster Stelle, oft in der Befehlsform, dem Imperativ: mach, setzt euch. Je nach Ton kann eine Aufforderung ein Befehl, eine Bitte oder ein Rat sein. Wörter wie bitte oder doch machen sie freundlicher: Kommt doch bitte nach vorn. Statt eines Ausrufezeichens kann bei ruhigen Bitten auch ein Punkt stehen. Ausrufesätze drücken ein starkes Gefühl aus, etwa Staunen, Freude oder Ärger: Was für ein schönes Bühnenbild! Wie laut es hier ist! Sie enden mit einem Ausrufezeichen.
| Satzart | Absicht | Stellung des Verbs | Satzzeichen |
|---|---|---|---|
| Aussagesatz | mitteilen | zweite Stelle | Punkt |
| Entscheidungsfrage | Ja oder Nein erfragen | erste Stelle | Fragezeichen |
| Ergänzungsfrage | Auskunft erfragen | zweite Stelle, nach Fragewort | Fragezeichen |
| Aufforderungssatz | jemanden zu etwas bewegen | erste Stelle | Ausrufezeichen oder Punkt |
| Ausrufesatz | Gefühl ausdrücken | unterschiedlich | Ausrufezeichen |
Satzart und Absicht stimmen übrigens nicht immer überein. Der Satz Kannst du bitte das Fenster schließen? ist der Form nach eine Entscheidungsfrage, gemeint ist aber eine höfliche Aufforderung. Niemand antwortet darauf einfach mit ja und bleibt sitzen. Auch der Aussagesatz Hier zieht es. kann eine versteckte Bitte sein. Solche indirekten Aufforderungen wirken freundlicher als ein direkter Befehl. Wenn du Texte untersuchst, achte deshalb nicht nur auf die Form eines Satzes, sondern auch darauf, was der Sprecher damit erreichen will.
3. Hauptsatz und Nebensatz
Die Aufführung beginnt später, weil ein Scheinwerfer ausgefallen ist. Der erste Teil kann allein stehen: Die Aufführung beginnt später. Der zweite Teil nicht: weil ein Scheinwerfer ausgefallen ist. Wer nur diesen Teil hört, wartet unwillkürlich auf eine Fortsetzung, denn der Gedanke ist noch nicht abgeschlossen.
Ein Satz, der allein stehen kann, heißt Hauptsatz; sein gebeugtes Verb steht an zweiter Stelle. Ein Satz, der nicht allein stehen kann, heißt Nebensatz; sein gebeugtes Verb steht meist am Ende: ausgefallen ist. Eingeleitet wird der Nebensatz häufig von einer Subjunktion wie weil, dass, wenn, als, ob oder obwohl. Die Subjunktion ordnet den Nebensatz dem Hauptsatz unter. Zwischen Hauptsatz und Nebensatz steht immer ein Komma.
Ein Nebensatz kann vor, nach oder in der Mitte des Hauptsatzes stehen. Weil ein Scheinwerfer ausgefallen ist, beginnt die Aufführung später. Die Aufführung beginnt, weil ein Scheinwerfer ausgefallen ist, erst später. In allen Fällen wird er durch Komma abgetrennt, in der Mitte durch zwei Kommas. Steht der Nebensatz am Anfang, rückt das gebeugte Verb des Hauptsatzes an die erste Stelle nach dem Komma: beginnt die Aufführung später.
4. Subjunktion oder Konjunktion?
Vergleiche: Die Aufführung beginnt später, denn ein Scheinwerfer ist ausgefallen. Und: Die Aufführung beginnt später, weil ein Scheinwerfer ausgefallen ist. Beide Sätze nennen denselben Grund, doch die Verbstellung im zweiten Teil ist verschieden.
Denn ist eine Konjunktion: Sie verbindet zwei gleichrangige Hauptsätze, und das Verb bleibt an zweiter Stelle. Weil ist eine Subjunktion: Sie leitet einen Nebensatz ein, und das Verb rückt ans Ende. Diese einfache Probe der Verbstellung hilft dir in jedem Fall zuverlässig, die beiden Wortarten sicher zu unterscheiden. Die Unterscheidung kennst du schon von der Seite über die Wortarten; hier siehst du, wie sie den Satzbau bestimmt. In der Jahrgangsstufe 6 lernst du, Sätze aus Haupt- und Nebensätzen genauer zu untersuchen und die verschiedenen Arten von Nebensätzen zu bestimmen.
Achte beim Schreiben darauf, dass Nebensätze nicht allein stehen. Ein Satz wie Weil der Scheinwerfer ausgefallen war. ist unvollständig. Verbinde ihn mit einem Hauptsatz: Weil der Scheinwerfer ausgefallen war, begann die Aufführung später.
Form und Wirkung: So deutest du es im Text
Im Programmheft der Aufführung steht: Willkommen im Theater! Heute zeigen wir ein Stück über eine Zeitreise. Was wäre, wenn man in die Vergangenheit reisen könnte? Lehnt euch zurück und genießt die Vorstellung! Was für eine Reise wird das!
| Satz | Satzart | Wirkung |
|---|---|---|
| Willkommen im Theater! | Ausrufesatz | freundliche, festliche Begrüßung |
| Heute zeigen wir ein Stück … | Aussagesatz | sachliche Information |
| Was wäre, wenn …? | Fragesatz mit Nebensatz | Neugier wird geweckt |
| Lehnt euch zurück …! | Aufforderungssatz | Publikum wird direkt angesprochen |
| Was für eine Reise wird das! | Ausrufesatz | Vorfreude wird gesteigert |
Der Wechsel der Satzarten macht den kurzen Text lebendig. Wer nur Aussagesätze schreibt, informiert; wer Fragen, Aufforderungen und Ausrufe einstreut, spricht seine Leser an und weckt Gefühle. In einem Bericht oder einer Beschreibung wären so viele Ausrufe dagegen unpassend, denn dort zählt sachliche Information. Die Wahl der Satzart hängt also immer von der Textsorte und dem Ziel ab. Prüfe beim Schreiben, ob deine Satzarten zu deinem Anliegen passen: Willst du informieren, überwiegen Aussagesätze; willst du einladen oder begeistern, dürfen auch Fragen und Ausrufe vorkommen.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| Wann beginnt die Aufführung. | Wann beginnt die Aufführung? | Fragesätze enden mit Fragezeichen. |
| Die Aufführung beginnt später weil es regnet. | Die Aufführung beginnt später, weil es regnet. | Komma vor dem Nebensatz. |
| Weil der Scheinwerfer ausgefallen war. | Weil er ausgefallen war, begann es später. | Ein Nebensatz kann nicht allein stehen. |
| Denn ist eine Subjunktion. | Denn ist eine Konjunktion. | Nach denn bleibt das Verb an zweiter Stelle. |
| Hast du das Heft ist eine Ergänzungsfrage. | Es ist eine Entscheidungsfrage. | Man kann mit ja oder nein antworten. |
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