Deutsch Gymnasium · Jahrgangsstufe 5 · Lernbereich 4 (gültigen Lehrplan)
Großschreibung mit der Artikelprobe und richtige Silbentrennung
In der Schülerzeitung erscheint ein Bericht über die Wissenschaftswoche: „Beim Experimentieren im Chemieraum erlebten wir etwas Spannendes. Das Mischen der Farben war der Höhepunkt.“ Experimentieren, Spannendes und Mischen sind eigentlich ein Verb, ein Adjektiv und noch einmal ein Verb, und doch werden sie hier großgeschrieben. Wer den Text am Bildschirm schreibt und in die nächste Zeile umbricht, muss außerdem wissen, wie man Wörter wie Chemieraum oder Höhepunkt richtig trennt. Auf dieser Seite lernst du, mit der Artikelprobe sicher zu entscheiden, wann ein Wort großgeschrieben wird, und die Regeln der Silbentrennung anzuwenden.
1. Was großgeschrieben wird
Im Bericht stehen großgeschriebene Wörter an verschiedenen Stellen: am Satzanfang (Beim, Das), bei Nomen (Chemieraum, Farben, Höhepunkt) und bei Namen (Wissenschaftswoche, Marie Curie). Jeder dieser Fälle folgt einer eigenen Regel, die du sicher beherrschen solltest, bevor du dich den schwierigeren Fällen zuwendest.
Großgeschrieben werden das erste Wort eines Satzes, alle Nomen und Eigennamen sowie die höfliche Anrede Sie mit ihren Formen Ihnen und Ihr. Nomen erkennst du oft an Endungen wie -ung, -heit, -keit, -schaft und -nis und vor allem daran, dass ein Artikel oder ein anderer Begleiter vor ihnen stehen kann. Bei Eigennamen aus mehreren Wörtern werden auch die Adjektive mit großgeschrieben: das Rote Meer, der Bayerische Wald.
Der lateinische Fachbegriff: Großbuchstaben heißen in der Fachsprache Majuskeln, von maiusculus, etwas größer; Kleinbuchstaben heißen Minuskeln, von minusculus, etwas kleiner. Wer genau schreiben will, spricht deshalb auch von Majuskel- und Minuskelschreibung.
2. Die Artikelprobe bei Nominalisierungen
Wir experimentieren gern. Beim Experimentieren tragen wir Schutzbrillen. Im ersten Satz ist experimentieren ein Verb und wird kleingeschrieben. Im zweiten Satz steht davor beim, also bei dem, und das Wort wird zum Nomen. Ähnlich ist es bei Adjektiven: Das Ergebnis war spannend. Wir erlebten etwas Spannendes.
Wenn ein Verb oder ein Adjektiv wie ein Nomen gebraucht wird, spricht man von einer Nominalisierung. Diese Wörter werden dann großgeschrieben. Erkennen kannst du sie an ihren Begleitern. Das können sein: ein Artikel (das Mischen), eine Präposition mit Artikel wie beim, zum, im (beim Experimentieren), ein Pronomen (unser Forschen) oder ein Mengenwort wie etwas, nichts, viel, wenig, alles vor einem Adjektiv (etwas Spannendes, nichts Neues). Steht kein Begleiter da, hilft die Artikelprobe: Kannst du sinnvoll einen Artikel davorsetzen, ist das Wort ein Nomen. Experimentieren macht Spaß wird zu Das Experimentieren macht Spaß, also groß.
Manchmal ist der Begleiter versteckt. In Präpositionen wie beim, zum, im oder am steckt der Artikel dem: bei dem Experimentieren, zu dem Messen. Auch zwischen Begleiter und Nomen können weitere Wörter stehen: das sorgfältige, geduldige Messen. Hier gehört das zum Messen, auch wenn zwei Adjektive dazwischenstehen. Suche deshalb immer nach dem Wort, auf das sich der Begleiter bezieht, und frage: Wer oder was? Das sorgfältige Messen ist das, worum es geht, also wird es großgeschrieben.
| Begleiter | Beispiel | Schreibung |
|---|---|---|
| Artikel | das Mischen der Farben | groß |
| Präposition mit Artikel | beim Experimentieren, zum Messen | groß |
| Pronomen | unser Forschen | groß |
| Mengenwort vor Adjektiv | etwas Spannendes, nichts Neues | groß |
| kein Begleiter, Artikelprobe | (Das) Lesen bildet. | groß |
3. Silben richtig trennen
Am Zeilenende muss das Wort Experiment getrennt werden. Sprich es langsam und klatsche dabei die Silben: Ex-pe-ri-ment. Genau an diesen Stellen darfst du das Wort am Zeilenende trennen.
Die Grundregel lautet: Man trennt nach Sprechsilben. Steht zwischen zwei Vokalen nur ein Konsonant, kommt er in die nächste Zeile: Ha-fen, Ex-pe-ri-ment. Stehen mehrere Konsonanten dazwischen, kommt meist nur der letzte in die nächste Zeile: Kas-ten, Wis-sen, Lam-pe. Die Buchstabengruppen ch, ck und sch werden nicht getrennt, weil sie für einen einzigen Laut stehen: Bü-cher, Zu-cker, Ta-sche. Zusammengesetzte Wörter trennt man zuerst zwischen ihren Bestandteilen: Che-mie-raum, Hö-he-punkt, Stern-war-te. Ein einzelner Vokal am Wortanfang oder Wortende wird nicht abgetrennt; Ofen bleibt in einer Zeile.
Bei der Trennung zusammengesetzter Wörter achte auf den Sinn. Eine Trennung wie Che-mieraum ist zwar erlaubt, liest sich aber schlechter als Chemie-raum, das die beiden Bestandteile sichtbar macht. Vermeide außerdem Trennungen, die den Leser auf eine falsche Fährte führen, etwa Urin-stinkt statt Ur-instinkt. Gute Trennungen erleichtern das Lesen, schlechte halten den Leser auf.
4. Sicher schreiben am Bildschirm und auf Papier
Viele Schreibprogramme trennen automatisch. Trotzdem lohnt es sich, die Regeln zu kennen, denn automatische Trennungen sind nicht immer gut lesbar, und in Prüfungen schreibst du mit der Hand. Außerdem prüft kein Programm zuverlässig, ob ein Wort nominalisiert ist. Eine automatische Rechtschreibprüfung erkennt zum Beispiel nicht, dass in beim experimentieren ein Fehler steckt, weil experimentieren als Wort durchaus richtig geschrieben ist. Hier kommt es ganz auf dein eigenes sicheres Wissen an.
Eine bewährte Reihenfolge beim Überarbeiten: Lies zuerst jeden Satzanfang und prüfe die Großschreibung. Suche dann alle Verben und Adjektive mit einem Begleiter davor, etwa nach beim, zum, das, etwas oder nichts, und schreibe sie groß. Prüfe zum Schluss die Trennungen am Zeilenende. Wer diese drei Durchgänge macht, findet die meisten Fehler der Groß- und Kleinschreibung. Lege dir außerdem eine kleine Liste der Begleiter an, die dir am häufigsten entgehen, und lies deine Texte gezielt auf diese Wörter hin durch. Mit der Zeit erkennst du Nominalisierungen dann ganz von selbst.
Achte besonders auf Tageszeiten und Wochentage. Am Morgen, am Montag und heute Abend schreibt man groß, weil Morgen, Montag und Abend hier Nomen sind. Morgens, montags und abends schreibt man dagegen klein, denn mit der Endung -s werden sie zu Adverbien.
Form und Wirkung: So deutest du es im Text
Im Schülerzeitungsbericht heißt es weiter: Das Staunen war groß, als die Lösung plötzlich die Farbe wechselte. Nichts Vergleichbares hatten wir zuvor gesehen. Beim Aufräumen sprachen alle nur noch vom Experiment.
| Beobachtung | Nominalisierung | Wirkung |
|---|---|---|
| Das Staunen | Verb als Nomen | das Gefühl wird zum Gegenstand des Satzes |
| Nichts Vergleichbares | Adjektiv nach nichts | das Besondere wird betont |
| Beim Aufräumen | Präposition mit Artikel | ein Vorgang wird zur Zeitangabe |
| vom Experiment | Präposition mit Artikel vor Nomen | Thema wird benannt |
| Großschreibung als Signal | Leser erkennt die Nomen | Text ist schneller verständlich |
Nominalisierungen machen Texte knapp und lassen Vorgänge und Gefühle wie Dinge erscheinen, über die man sprechen kann. Die Großschreibung zeigt dem Leser sofort, welche Wörter diese Rolle übernehmen. Gerade in Berichten über Versuche sind Nominalisierungen häufig: das Erhitzen, das Abkühlen, das Messen. Sie machen deutlich, dass es um Vorgänge geht, die man beobachten und beschreiben kann. Wer sie richtig großschreibt, hilft dem Leser, den Ablauf des Experiments schnell zu erfassen.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| beim experimentieren | beim Experimentieren | beim ist ein Begleiter. |
| etwas spannendes | etwas Spannendes | Adjektiv nach etwas wird nominalisiert. |
| am montag | am Montag | Montag ist hier ein Nomen. |
| Montags | montags | Mit -s wird es zum Adverb. |
| Zuc-ker | Zu-cker | ck wird nicht getrennt. |
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