Elektrisches Feld und Kondensator
Elektrische Ladungen üben Kräfte aufeinander aus – ohne sich zu berühren. Die Physik beschreibt das mit dem elektrischen Feld: Jede Ladung erzeugt um sich ein Feld, und das Feld übt auf andere Ladungen Kräfte aus. Diese Seite führt vom Feldlinienbild über Feldstärke, Coulombkraft und Spannung zum Plattenkondensator als Ladungs- und Energiespeicher – der Stoff des Lernbereichs „Klassische Felder“ und ein Dauerbrenner im Pflichtteil.
Inhaltsverzeichnis
- Feldlinienbilder lesen und zeichnen
- Die elektrische Feldstärke
- Die Coulombkraft
- Homogenes Feld, Spannung und Potenzial
- Bewegung geladener Körper im homogenen Feld
- Der Plattenkondensator: Kapazität
- Energie im Kondensator, Dielektrikum, Bauformen
- Laden und Entladen: die Entladekurve
- Prüfungsbeispiel 1: Feldlinienbild deuten (2025 Pflichtteil)
- Prüfungsbeispiel 2: Coulombkraft (2021 W2)
- Prüfungsbeispiel 3: Kondensator als Füllstandssensor (2023 W3)
- Typische Prüfungsfehler
- Auf einen Blick
1. Feldlinienbilder lesen und zeichnen
Feldlinien machen das Feld sichtbar (im Versuch mit Grießkörnern in Öl). Regeln, die in jeder Prüfungsaufgabe abgefragt werden:
| Regel | Bedeutung |
|---|---|
| Richtung | von + nach −; Pfeilspitze = Richtung der Kraft auf eine positive Probeladung |
| Dichte | je dichter die Linien, desto größer die Feldstärke |
| Kreuzungsfrei | Feldlinien schneiden sich nie (sonst wäre die Kraftrichtung nicht eindeutig) |
| Leiteroberfläche | Feldlinien stehen senkrecht auf Leiteroberflächen |
| Superposition | mehrere Ladungen: Felder addieren sich vektoriell (Dipol, Vierpol) |
| homogen | parallele, gleich dichte Linien → überall gleiche Feldstärke (Plattenkondensator) |
2. Die elektrische Feldstärke
Die Feldstärke ist definiert über die Kraft auf eine (kleine, positive) Probeladung q:
Elektrische Feldstärke
| Definition | \( \vec E=\dfrac{\vec F}{q}\qquad[E]=\tfrac{\text{N}}{\text{C}}=\tfrac{\text{V}}{\text{m}} \) |
| Kraft auf eine Ladung im Feld | \( \vec F=q\cdot\vec E \) |
| Feld einer Punktladung Q (Coulombfeld, radial) | \( E=\dfrac{1}{4\pi\varepsilon_0}\cdot\dfrac{Q}{r^{2}} \) |
| elektrische Feldkonstante | \( \varepsilon_0=8{,}854\cdot 10^{-12}\ \tfrac{\text{As}}{\text{Vm}} \) |
3. Die Coulombkraft
Zwei Punktladungen Q₁ und Q₂ im Abstand r ziehen sich an (ungleichnamig) oder stoßen sich ab (gleichnamig). Die Kraft nimmt – wie die Gravitation – mit dem Quadrat des Abstands ab:
Coulomb’sches Gesetz
| Coulombkraft | \( F=\dfrac{1}{4\pi\varepsilon_0\varepsilon_r}\cdot\dfrac{Q_1\cdot Q_2}{r^{2}} \) |
| Vergleich Gravitation | \( F_G=G\cdot\dfrac{m_1 m_2}{r^{2}}\quad\text{(gleiche Struktur, nur anziehend)} \) |
ε_r (Permittivitätszahl) berücksichtigt das Medium: Luft/Vakuum ε_r = 1, Wasser ≈ 80 (schwächt die Kraft). Elementarladung e = 1,602·10⁻¹⁹ C.
4. Homogenes Feld, Spannung und Potenzial
Zwischen den Platten eines Kondensators ist das Feld homogen. Verschiebt man eine Ladung q um die Strecke d längs der Feldlinien, verrichtet das Feld Arbeit – daraus folgt die Spannung als Energie pro Ladung (Potenzialdifferenz):
Homogenes Feld (Plattenabstand d, Spannung U)
| Feldstärke | \( E=\dfrac{U}{d} \) |
| Arbeit / Energie bei Verschiebung um d | \( W=F\cdot d=q\,E\,d=q\cdot U \) |
| Spannung als Potenzialdifferenz | \( U=\varphi_1-\varphi_2=\dfrac{W}{q}\qquad[U]=\tfrac{\text{J}}{\text{C}}=\text{V} \) |
| Lageenergie im Feld (Abstand x von der negativen Platte, positive Ladung) | \( E_{\text{pot}}=q\,E\,x \) |
5. Bewegung geladener Körper im homogenen Feld
Ein geladener Körper (Kugel, Staubteilchen, Elektron) erfährt im Feld die konstante Kraft F = q·E – genau wie ein Körper im Schwerefeld. Zwei Standardansätze:
| Ansatz | wann | Rechnung |
|---|---|---|
| Energiesatz | Geschwindigkeit nach Durchlaufen der Spannung U gesucht | q·U = ½·m·v² → v = √(2qU/m) |
| Kräfteplan + Newton | Beschleunigung, Bahn, Schweben gesucht | F_el = q·E (parallel zu E), F_G = m·g; a = F_res/m; Schweben: q·E = m·g |
| Überlagerung | Teilchen fliegt quer durchs Feld | längs: gleichförmig; quer: beschleunigt mit a = qE/m → Parabel wie beim waagrechten Wurf |
Beispiel: Ein Elektron (m = 9,11·10⁻³¹ kg, e = 1,602·10⁻¹⁹ C) durchläuft U = 200 V → v = √(2·1,602·10⁻¹⁹·200 / 9,11·10⁻³¹) ≈ 8,4·10⁶ m/s. Beim Millikan-Prinzip schwebt ein Öltröpfchen, wenn q·U/d = m·g.
6. Der Plattenkondensator: Kapazität
Ein Kondensator speichert Ladung (und Energie) im elektrischen Feld zwischen zwei Platten. Die Kapazität gibt an, wie viel Ladung er pro Volt aufnimmt:
Kapazität
| Definition | \( C=\dfrac{Q}{U}\qquad[C]=\tfrac{\text{As}}{\text{V}}=\text{F (Farad)} \) |
| Plattenkondensator (Fläche A, Abstand d) | \( C=\varepsilon_0\,\varepsilon_r\,\dfrac{A}{d} \) |
| typische Größen | \( 1\ \text{pF}=10^{-12}\ \text{F},\quad 1\ \text{nF}=10^{-9}\ \text{F},\quad 1\ \mu\text{F}=10^{-6}\ \text{F} \) |
| Größer wird C durch … | Grund |
|---|---|
| größere Plattenfläche A | mehr Platz für Ladung |
| kleineren Plattenabstand d | stärkeres Feld bei gleicher Spannung |
| Dielektrikum (ε_r > 1) zwischen den Platten | Isolator wird polarisiert und schwächt das Feld → bei gleicher Spannung passt mehr Ladung |
7. Energie im Kondensator, Dielektrikum, Bauformen
Energie des elektrischen Feldes im Kondensator
| drei gleichwertige Formen | \( E_{\text{el}}=\tfrac12\,C\,U^{2}=\tfrac12\,Q\,U=\dfrac{Q^{2}}{2C} \) |
| Herleitung | \( \text{Fläche unter dem } Q\text{-}U\text{-Diagramm (Dreieck): } W=\tfrac12\,Q\,U \) |
| Bauform | Besonderheit | Einsatz |
|---|---|---|
| Plattenkondensator | Grundform, einfach berechenbar | Laborversuche, Sensoren (Füllstand, Abstand) |
| Drehkondensator | Fläche A variabel → C einstellbar | Abstimmung von Schwingkreisen (Radio) |
| Elektrolytkondensator | sehr kleiner Abstand d durch Oxidschicht → große C; gepolt! | Netzteile, Glättung |
| Superkondensator | extrem große effektive Fläche → bis zu Tausende Farad | Energiespeicher, Bremsenergie-Rückgewinnung |
Beispiel Dimensionierung: Ein Kondensator soll bei U = 12 V die Energie 0,50 J speichern → C = 2E/U² = 1,0/144 ≈ 6,9 mF – nur als Elko oder Superkondensator realisierbar.
8. Laden und Entladen: die Entladekurve
Entlädt sich ein Kondensator über einen Widerstand R, fließt zunächst ein großer Strom, der mit sinkender Spannung abnimmt. Spannung, Ladung und Stromstärke fallen exponentiell ab:
Entladung (qualitativ und Kenngröße)
| Zeitkonstante | \( \tau=R\cdot C \) |
| nach τ | \( U\approx 0{,}37\cdot U_0\ (\text{auf } 1/e \text{ gefallen}),\ \text{nach } 5\tau\ \text{praktisch entladen} \) |
| Messidee (Praktikum) | \( \text{Entladestrom messen, Fläche unter der } t\text{-}I\text{-Kurve}=Q\ \Rightarrow\ C=Q/U_0 \) |
9. Prüfungsbeispiel 1: Feldlinienbild deuten (2025 Pflichtteil)
Lösung:
a) Die Kraft auf die negative Probeladung wirkt gegen die Feldrichtung. Zeigt F_A nach rechts, laufen die Feldlinien bei A nach links: Die Kugel links oben ist negativ (Feldlinien enden dort), rechts oben positiv. Da keine Feldlinien von den oberen zu den unteren Kugeln laufen, haben obere und untere jeweils gleiche Ladung (links unten −, rechts unten +). Pfeilspitzen: von + weg, zu − hin.
b) Positive Probeladungen: Kraft in Feldlinienrichtung, also tangential zur Feldlinie durch B bzw. C, weg von den positiven, hin zu den negativen Kugeln; Länge nach Liniendichte (dichter = größer).
10. Prüfungsbeispiel 2: Coulombkraft (2021 W2)
Lösung:
Die Kugel ist negativ geladen: Q_K = −8,8·10⁻⁹ C. Typisches Muster: Coulombkraft = m·a (Newton) und nach der unbekannten Größe auflösen; alle Werte in SI-Einheiten.
11. Prüfungsbeispiel 3: Kondensator als Füllstandssensor (2023 W3)
Lösung:
Mit Flüssigkeit zwischen den Platten (ε_r > 1) steigt C bei gleichem U – die gemessene Ladung zeigt die Füllhöhe an. Genau so arbeiten kapazitive Füllstands- und Touch-Sensoren.
12. Typische Prüfungsfehler
✗ Falsch
Kraft auf eine negative Ladung in Feldlinienrichtung gezeichnet.
✓ Richtig
Negative Ladung: Kraft gegen die Feldlinien. Feldlinien geben die Kraft auf positive Ladungen an.
✗ Falsch
cm, g und nC direkt in die Formeln eingesetzt.
✓ Richtig
Alles in SI: m, kg, C (1 nC = 10⁻⁹ C, 1 pF = 10⁻¹² F).
✗ Falsch
E = U/d auch im Feld einer Punktladung verwendet.
✓ Richtig
E = U/d gilt nur im homogenen Feld. Punktladung: E = Q/(4πε₀r²).
✗ Falsch
Energie als W = C·U² (ohne ½).
✓ Richtig
W = ½·C·U² – die Spannung wächst beim Laden von 0 auf U (Dreiecksfläche).
13. Auf einen Blick
- Feldlinien: + → −, Dichte = Stärke, kreuzungsfrei; Kraft auf + in Linienrichtung.
- E = F/q; Punktladung E = Q/(4πε₀r²); Coulomb F = Q₁Q₂/(4πε₀ε_r r²).
- Homogen: E = U/d, W = q·U, Energiesatz q·U = ½mv².
- Kondensator: C = Q/U = ε₀ε_r·A/d; W = ½CU² = ½QU.
- Entladung: exponentiell, τ = R·C.
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