Alter Lehrplan (IBV 13) – Lernbereich „Volkswirtschaftliche Modelle als Grundlage für die Angebotsentscheidung nutzen“.

Wie viel soll ein Unternehmen anbieten – und zu welchem Preis? Die Antwort hängt von der Marktform ab. Diese Seite zeigt die Marktformen im Überblick und leitet für das Monopol die gewinnmaximale Angebotsentscheidung rechnerisch und grafisch her (Cournotscher Punkt). Für das Oligopol wird die wechselseitige Abhängigkeit der Anbieter erklärt.

Inhaltsverzeichnis

  1. Die Marktformen im Überblick
  2. Das Monopol: ein Anbieter bestimmt den Preis
  3. Gewinnmaximum im Monopol: der Cournotsche Punkt
  4. Das Oligopol: wenige Anbieter, gegenseitige Abhängigkeit
  5. Die Angebotsentscheidung aus dem Modell ableiten
  6. Typische Prüfungsfehler
  7. Auf einen Blick

1. Die Marktformen im Überblick

Die Marktform ergibt sich aus der Zahl der Anbieter und Nachfrager. Je weniger Anbieter, desto größer ihr Einfluss auf den Preis:

Anbieter \ Nachfrager viele wenige einer
viele Polypol (vollkommener Wettbewerb) Nachfrageoligopol Nachfragemonopol
wenige Angebotsoligopol zweiseitiges Oligopol beschränktes Nachfragemonopol
einer Angebotsmonopol beschränktes Angebotsmonopol zweiseitiges Monopol
💡 Im Polypol ist der einzelne Anbieter Preisnehmer (Mengenanpasser). Im Monopol ist er Preissetzer: Er wählt die Menge und bestimmt damit über die Preis-Absatz-Funktion den Preis.

2. Das Monopol: ein Anbieter bestimmt den Preis

Der Monopolist steht der gesamten Marktnachfrage allein gegenüber. Je mehr er anbietet, desto niedriger der Preis, den der Markt zahlt – beschrieben durch die fallende Preis-Absatz-Funktion p(x). Seine Angebotsentscheidung ist deshalb eine Mengenentscheidung, aus der der Preis folgt.

Beispiel: Preis-Absatz-Funktion p(x) = 100 − 2x, Kostenfunktion K(x) = 20x + 200 (variable Stückkosten 20 €, Fixkosten 200 €).

3. Gewinnmaximum im Monopol: der Cournotsche Punkt

Der Gewinn ist maximal, wo der Grenzerlös (Erlöszuwachs der letzten Einheit) gleich den Grenzkosten ist: E′(x) = K′(x). Rechenweg:

\( \begin{aligned} E(x)&=p(x)\cdot x=(100-2x)\cdot x=100x-2x^{2}\\ E'(x)&=100-4x\\ K'(x)&=20\\ E'(x)&=K'(x)\;\Rightarrow\;100-4x=20\;\Rightarrow\;x_{\max}=20\\ p(20)&=100-2\cdot 20=60\\ G&=E-K=60\cdot 20-(20\cdot 20+200)=1.200-600=600 \end{aligned} \)
💡 Cournotscher Punkt (20 | 60): gewinnmaximale Menge 20 Stück zum Preis 60 €, Gewinn 600 €. Grafisch: Schnittpunkt von Grenzerlös und Grenzkosten ergibt die Menge; senkrecht hoch zur Preis-Absatz-Funktion ergibt den Preis.
102030405020406080100Preis-Absatz-Funktion p(x)Grenzerlös E′(x)Grenzkosten K′ = 20Cournotscher Punkt (20 | 60)E′ = K′Menge x (Stück)Preis, Grenzerlös, Grenzkosten (€)

4. Das Oligopol: wenige Anbieter, gegenseitige Abhängigkeit

Im Oligopol teilen sich wenige große Anbieter den Markt. Jede Preis- oder Mengenentscheidung wirkt sich spürbar auf die Konkurrenten aus – und diese reagieren. Diese Interdependenz prägt das Verhalten:

Verhaltensmuster Erklärung
Preisführerschaft ein großer Anbieter setzt den Preis, die anderen folgen
Preisstarrheit Preissenkungen werden mitgemacht (Preiskampf), Erhöhungen nicht → Preise bleiben oft stabil
Absprachen (Kartell) Anbieter stimmen Preise/Mengen ab – in der Regel verboten
strategisches Verhalten Entscheidungen hängen von der erwarteten Reaktion der anderen ab → Spieltheorie / Nash-Gleichgewicht

5. Die Angebotsentscheidung aus dem Modell ableiten

Marktform Angebotsentscheidung des Unternehmens
Polypol Preis ist gegeben; anbieten, bis Grenzkosten = Marktpreis (Mengenanpasser)
Monopol Menge wählen, bei der Grenzerlös = Grenzkosten; Preis aus der Preis-Absatz-Funktion (Cournotscher Punkt)
Oligopol Reaktion der Konkurrenten einkalkulieren; oft Preisführerschaft oder stabile Preise, strategische Analyse

6. Typische Prüfungsfehler

✗ Falsch

Der Monopolist verlangt einfach den höchstmöglichen Preis.

✓ Richtig

Er wählt die gewinnmaximale Menge (E′ = K′); ein zu hoher Preis senkt den Absatz und den Gewinn.

✗ Falsch

Grenzerlös und Preis-Absatz-Funktion werden verwechselt.

✓ Richtig

Der Grenzerlös fällt doppelt so steil wie die Preis-Absatz-Funktion (hier 100 − 4x statt 100 − 2x).

✗ Falsch

Im Oligopol entscheidet jeder Anbieter unabhängig.

✓ Richtig

Die Anbieter sind voneinander abhängig – Reaktionen der Konkurrenz müssen einkalkuliert werden.

7. Auf einen Blick

  • Marktformen nach Zahl der Anbieter/Nachfrager: Polypol · Oligopol · Monopol.
  • Monopol: Preissetzer; Gewinnmax bei E′ = K′ → Cournotscher Punkt (Menge aus dem Schnittpunkt, Preis aus p(x)).
  • Beispiel: x = 20, p = 60, Gewinn 600 €.
  • Oligopol: Interdependenz → Preisführerschaft, Preisstarrheit, strategisches Verhalten.

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