Internationale Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre · FOS/BOS Bayern · Jahrgangsstufe 13

IBV 13 ALTLehrplan ab 2019/20Lernbereich 2ca. 48 UE

Flexible Plankostenrechnung, Produktions- und Kostentheorie sowie Anpassungsformen

Übergangshinweis: Diese Fassung bildet gezielt den auslaufenden IBV-13-Lehrplan ab. Sie ist keine Kopie der neuen IBV-Seiten und setzt eine andere Such- und Lernintention: Prüfungsvorbereitung für die Übergangskohorte nach dem bisherigen Lehrplan.

Verbindliche Grundlage: LehrplanPLUS Bayern – IBV 13, gültig ab 2019/20. Als fachliche Tiefenreferenz wurden die lern.de-Verlagsskripte Plankostenrechnung13.tex und ProduktionsKostentheorie13.tex vollständig ausgewertet. Corona-bedingte Hinweise zur zeitweisen Prüfungsrelevanz werden bewusst nicht als Stoffausschluss verwendet.

Besonderheit dieser Fassung: Die Varianten aus den Skripten bleiben erhalten. Insbesondere werden die sechs Vorzeichenfälle der Abweichungsanalyse sowie Gesamt- und Stückbetrachtung nicht weggelassen.

Inhaltsverzeichnis

  1. 1. Lernbereich 2: Was in 48 Unterrichtsstunden wirklich beherrscht werden muss
  2. 2. Starre und flexible Plankostenrechnung – Einordnung
  3. 3. Kostenzerlegung – direkte, indirekte und zeichnerische Methode
  4. 4. Kostenzerlegung grafisch – Gesamtbetrachtung
  5. 5. Der vollständige Rechengang der flexiblen Plankostenrechnung
  6. 6. Beschäftigungs-, Verbrauchs- und Gesamtabweichung
  7. 7. Beschäftigungsabweichung – Ursache und Verantwortung
  8. 8. Verbrauchsabweichung – wirtschaftlicher oder unwirtschaftlicher Verbrauch
  9. 9. Alle sechs Abweichungsvarianten aus eurem Skript
  10. 10. Die sechs Varianten in der Gesamtbetrachtung
  11. 11. Die sechs Varianten in der Stückbetrachtung
  12. 12. Zweites vollständiges Plankostenbeispiel aus eurem Skript
  13. 13. Produktionsfunktion Typ A – fachliche Abgrenzung
  14. 14. Produktionsfunktion Typ B – limitationaler Faktoreinsatz
  15. 15. Von der Verbrauchsfunktion zur linearen Kostenfunktion
  16. 16. Kosteneinflussgrößen – alle fünf Lehrplanvarianten
  17. 17. Nutzkosten, Leerkosten und Remanenzkosten
  18. 18. Nutz- und Leerkosten grafisch – Gesamtbetrachtung
  19. 19. Quantitative Anpassung bei konstanter Betriebsgröße – identische Maschinen
  20. 20. Quantitative Anpassung – Gesamtbetrachtung
  21. 21. Selektive Anpassung – verschiedenartige Maschinen
  22. 22. Selektive Anpassung – Gesamtbetrachtung
  23. 23. Selektive Anpassung – Stückbetrachtung
  24. 24. Zeitliche Anpassung – Arbeitszeit verändern
  25. 25. Zeitliche Anpassung – Gesamtbetrachtung
  26. 26. Intensitätsmäßige Anpassung – Produktionsgeschwindigkeit verändern
  27. 27. Intensitätsmäßige Anpassung – Gesamtbetrachtung
  28. 28. Betriebsgrößenvariation – quantitative und qualitative Anpassung
  29. 29. Welche Anpassungsform passt wann?
  30. 30. Break-even-Point und Preisuntergrenzen als Entscheidungsbrücke
  31. 31. Break-even grafisch – Gesamtbetrachtung
  32. 32. Nicht betriebsergebnisrelevante Entscheidungsgrößen
  33. 33. Integrierter Großfall: Von Plankosten zur Anpassungsentscheidung
  34. 34. Typische Fehler – und warum sie Punkte kosten
  35. 35. 35 Trainingsaufträge für Generator und Unterricht
  36. 36. Lernbereich 2 auf einen Blick

1. Lernbereich 2: Was in 48 Unterrichtsstunden wirklich beherrscht werden muss

Der alte LehrplanPLUS bündelt in diesem Lernbereich drei große Themenfelder: flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis, Produktions- und Kostentheorie mit limitationaler Produktionsfunktion Typ B sowie Anpassungsformen bei Beschäftigungsänderungen. Die Ergebnisse sind ausdrücklich grafisch in Gesamt- und Stückbetrachtung darzustellen.

Bindender Umfang: Beschäftigungs-, Verbrauchs- und Gesamtabweichung; Typ B und linearer Gesamtkostenverlauf; Kosteneinflussgrößen; zeitliche, intensitätsmäßige, quantitative und selektive Anpassung bei konstanter Betriebsgröße; quantitative und qualitative Anpassung bei Betriebsgrößenvariation; Nutz-, Leer- und Remanenzkosten; Gesamt- und Stückbetrachtung; nicht betriebsergebnisrelevante Entscheidungsgrößen.

Die Beispiele aus euren Skripten werden vollständig aufgegriffen. Wo dort andere Firmennamen stehen, wird für lern.de konsequent die UNTERNEHMER AG als Modellunternehmen verwendet.

2. Starre und flexible Plankostenrechnung – Einordnung

Plankosten sind vorausberechnete Kosten. Sie dienen Planung, Kontrolle und Abweichungsanalyse. Das Skript unterscheidet:

Verfahren Gedanke
starre Plankostenrechnung konstanter Beschäftigungsgrad; keine saubere Trennung von Beschäftigungs- und Verbrauchseinfluss bei abweichender Istbeschäftigung
flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis fixe und variable Kosten werden getrennt; Sollkosten werden an die Istbeschäftigung angepasst; Kern des alten LB2
flexible Plankostenrechnung auf Teilkostenbasis zusätzliche Entscheidungshilfe; variable Plankosten stehen im Vordergrund
Für den Lehrplan-LB2: Zentral ist die flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis und ihre Abweichungsanalyse.

3. Kostenzerlegung – direkte, indirekte und zeichnerische Methode

Ausgangspunkt des Skriptbeispiels sind bei 1.500 Stück Gesamtkosten von 75.000 €. Die Kosten werden in fixe und variable Bestandteile zerlegt.

Kostenart Gesamt fix variabel
Fertigungsmaterial 15.000 € 0 € 15.000 €
Fertigungslöhne 30.000 € 0 € 30.000 €
Hilfslöhne 12.000 € 10.500 € 1.500 €
Energiekosten 18.000 € 4.500 € 13.500 €
Summe 75.000 € 15.000 € 60.000 €

Damit gilt \(k_v=60.000/1.500=40\,€\) je Stück und \(K_f=15.000\,€\).

Indirekte Methode

Das Skript gibt zusätzlich 87.000 € Gesamtkosten bei 1.800 Stück an. Damit:

\(k_v= rac{87.000-75.000}{1.800-1.500}=40\,€\)

\(K_f=75.000-1.500\cdot40=15.000\,€\)

Zeichnerische Methode

Die beiden Gesamtkostenpunkte werden verbunden und die Gerade bis zur y-Achse verlängert. Der Achsenabschnitt entspricht \(K_f\). Eine parallele Verschiebung der Gesamtkostengeraden in den Ursprung ergibt die Gerade der variablen Gesamtkosten.

4. Kostenzerlegung grafisch – Gesamtbetrachtung

Stück xKosten in € Kges Kfix = 15.000 Kvar 1.500 1.800

5. Der vollständige Rechengang der flexiblen Plankostenrechnung

Für die UNTERNEHMER AG gelten im Grundbeispiel: \(x_P=1.500\), \(x_I=1.350\), \(K_f=15.000 €\), \(k_v=40 €\), Istkosten \(IK=71.250 €\).

Schritt Größe Ergebnis
1 Kosten zerlegen \(K_f=15.000\), \(k_v=40\)
2 Planbeschäftigung \(x_P=1.500\)
3 Plankosten \(PK=15.000+1.500·40=75.000\)
4 Plankostenverrechnungssatz \(pkvs=75.000/1.500=50 €\)
5 Istwerte \(x_I=1.350;\ IK=71.250\)
6 verrechnete Plankosten \(verr.PK=50·1.350=67.500\)
7 Sollkosten \(SK=15.000+40·1.350=69.000\)
8 Abweichungen BA, VA und GA
Der entscheidende Unterschied: Verrechnete Plankosten verwenden den Plankostenverrechnungssatz und belasten die Istmenge mit geplanten Vollkosten je Stück. Sollkosten passen dagegen nur die variablen Kosten an die Istbeschäftigung an; die gesamten Fixkosten bleiben stehen.

6. Beschäftigungs-, Verbrauchs- und Gesamtabweichung

\(BA=verr.PK-SK=67.500-69.000=-1.500\,€\)

\(VA=SK-IK=69.000-71.250=-2.250\,€\)

\(GA=BA+VA=verr.PK-IK=-3.750\,€\)

Im Skript gilt die Vorzeichenlogik: negative Abweichung = ungünstig, positive Abweichung = günstig. Eine negative BA bei Minderbeschäftigung entspricht einer Fixkostenunterdeckung. Bei Mehrbeschäftigung entsteht eine positive BA bzw. Fixkostenüberdeckung.

Beschäftigung x in StückKosten in € verrechnete PK Sollkosten Kfix xPlan xIst Istkosten

7. Beschäftigungsabweichung – Ursache und Verantwortung

Die Beschäftigungsabweichung entsteht allein aus der unterschiedlichen Verteilung der Fixkosten:

\(BA=k_f\cdot(x_I-x_P)\)

Situation Bezeichnung Vorzeichen Interpretation
\(x_I Minderbeschäftigung BA negativ Fixkostenunterdeckung
\(x_I>x_P\) Mehrbeschäftigung BA positiv Fixkostenüberdeckung
\(x_I=x_P\) Planbeschäftigung BA = 0 Sollkosten = Plankosten

Mögliche Ursachen aus dem Skript: veränderter Absatz, Maschinenausfall bzw. höhere Maschinenverfügbarkeit, Arbeitsausfall bzw. Mehrarbeit, Lieferprobleme bzw. bessere Materialverfügbarkeit. Die Verantwortlichkeit liegt daher nicht automatisch bei der Kostenstelle: Eine Absatzabweichung kann z. B. außerhalb der Fertigung verursacht worden sein.

8. Verbrauchsabweichung – wirtschaftlicher oder unwirtschaftlicher Verbrauch

Die Verbrauchsabweichung vergleicht die bei Istbeschäftigung zulässigen Sollkosten mit den tatsächlich entstandenen Istkosten:

\(VA=SK-IK\)

VA < 0 bedeutet im Skript einen ungünstigen Mehrverbrauch bzw. höhere Istkosten. VA > 0 bedeutet günstigen Minderverbrauch bzw. niedrigere Istkosten.

Mögliche Gründe: Materialpreisänderungen, Ausschuss, Energiepreise, effizienterer Materialeinsatz, Lohnsatzänderungen oder Produktivitätsänderungen. Für die Verantwortungsanalyse muss deshalb zwischen Preis- und Mengenursachen gedacht werden.

9. Alle sechs Abweichungsvarianten aus eurem Skript

Variante Vorzeichenkombination Interpretation
Fall 1 −BA + VA = −GA Minderbeschäftigung; günstige VA reicht nicht zum Ausgleich der ungünstigen BA.
Fall 2 −BA + VA = +GA Minderbeschäftigung; günstige VA ist größer als die ungünstige BA.
Fall 3 −BA − VA = −GA Minderbeschäftigung und ungünstige VA verstärken sich.
Fall 4 +BA − VA = −GA Mehrbeschäftigung; ungünstige VA überwiegt die günstige BA.
Fall 5 +BA − VA = +GA Mehrbeschäftigung; günstige BA überwiegt die ungünstige VA.
Fall 6 +BA + VA = +GA Mehrbeschäftigung und günstige VA verstärken sich.
Wichtig: Diese sechs Varianten werden nicht gekürzt. Sie gehören in die lern.de-Fassung sowohl als Gesamt- als auch als Stückbetrachtung.

10. Die sechs Varianten in der Gesamtbetrachtung

Fall 1: −BA + VA = −GAxxIstxPlanIKFall 2: −BA + VA = +GAxxIstxPlanIKFall 3: −BA − VA = −GAxxIstxPlanIKFall 4: +BA − VA = −GAxxIstxPlanIKFall 5: +BA − VA = +GAxxIstxPlanIKFall 6: +BA + VA = +GAxxIstxPlanIK

In der Gesamtbetrachtung sind verrechnete Plankosten eine Ursprungsgerade, während die Sollkostengerade bei den Fixkosten auf der y-Achse beginnt. Bei der Istbeschäftigung werden verrechnete PK, Sollkosten und Istkosten vertikal miteinander verglichen.

11. Die sechs Varianten in der Stückbetrachtung

Fall 1: −BA + VA = −GAx€/StückskpkvsxIstxPlanikFall 2: −BA + VA = +GAx€/StückskpkvsxIstxPlanikFall 3: −BA − VA = −GAx€/StückskpkvsxIstxPlanikFall 4: +BA − VA = −GAx€/StückskpkvsxIstxPlanikFall 5: +BA − VA = +GAx€/StückskpkvsxIstxPlanikFall 6: +BA + VA = +GAx€/StückskpkvsxIstxPlanik

Die Stückbetrachtung übersetzt die Gesamtgrößen in Kosten je Stück. Der Plankostenverrechnungssatz ist horizontal. Die Sollstückkosten fallen mit wachsender Beschäftigung, weil sich die Fixkosten auf mehr Einheiten verteilen:

\(sk(x)=k_v+ rac{K_f}{x}\)

Damit wird die Fixkostendegression sichtbar. Die Istkosten je Stück werden an der Istbeschäftigung mit den Sollstückkosten und dem pkvs verglichen.

12. Zweites vollständiges Plankostenbeispiel aus eurem Skript

Planbeschäftigung 200 Stück, Plankosten 180.000 €, Kosten an der Kapazitätsgrenze von 250 Stück: 217.500 €, Istbeschäftigung 220 Stück, Istkosten 197.000 €.

\(k_v=(217.500-180.000)/(250-200)=750\,€\)

\(K_f=180.000-200·750=30.000\,€\)

\(pkvs=180.000/200=900\,€\)

\(verr.PK=220·900=198.000\,€\)

\(SK=30.000+220·750=195.000\,€\)

\(BA=198.000-195.000=+3.000\,€\)

\(VA=195.000-197.000=-2.000\,€\)

\(GA=+1.000\,€\)

Hier überwiegt die günstige Beschäftigungsabweichung die ungünstige Verbrauchsabweichung: Fall 5.

13. Produktionsfunktion Typ A – fachliche Abgrenzung

Euer Produktions-/Kostentheorie-Skript beginnt mit Typ A: Ein fixer Produktionsfaktor wird mit einem oder mehreren variablen Faktoren kombiniert. Der Ertrag verläuft typischerweise zunächst überproportional, später unterproportional und kann schließlich sinken. Für den verbindlichen alten LB2 steht jedoch der limitationale Typ B im Zentrum.

Typ A wird hier als Abgrenzung und Verständnisbrücke behandelt; der Lehrplan nennt für LB2 ausdrücklich den limitationalen Faktoreinsatz und Typ B.

14. Produktionsfunktion Typ B – limitationaler Faktoreinsatz

Bei der Produktionsfunktion Typ B stehen Produktionsfaktoren in einem festen Einsatzverhältnis. Mehr von nur einem Faktor erhöht die Ausbringung nicht, wenn ein anderer limitierender Faktor fehlt. Typisches Beispiel: Für ein Produkt werden je Stück bestimmte Mengen Material und Maschinenzeit benötigt.

Für Faktor \(i\) mit Verbrauchskoeffizient \(a_i\) gilt im einfachen linearen Fall:

\(r_i(x)=a_i\cdot x\)

Die Produktionsmenge wird durch den jeweils knappsten Faktor begrenzt. Aus den Verbrauchsfunktionen und Faktorpreisen entsteht die Kostenfunktion.

15. Von der Verbrauchsfunktion zur linearen Kostenfunktion

Werden pro Stück beispielsweise 3 kg Material zu 4 € und 0,5 Maschinenstunden zu 20 € benötigt, entstehen variable Stückkosten von \(3·4+0,5·20=22 €\). Bei Fixkosten von 80.000 € lautet die lineare Kostenfunktion:

\(K(x)=80.000+22x\)

Damit ist die Verbindung zwischen Produktionstheorie und Kostenrechnung hergestellt: Verbrauchskoeffizienten × Faktorpreise bestimmen den variablen Kostenanstieg.

16. Kosteneinflussgrößen – alle fünf Lehrplanvarianten

Kosteneinflussgröße Wirkungsrichtung analysieren
Faktorqualität höhere Qualität kann Ausschuss/Verbrauch senken oder Faktorpreis erhöhen
Faktorpreise Material-, Energie- und Lohnpreise verändern die Kosten direkt
Fertigungsprogramm Produktmix beeinflusst Verbrauch, Rüstzeiten und Kapazitätsbedarf
Betriebsgröße mehr/weniger Anlagen verändern Fixkostenblock und Kapazität
Beschäftigung Auslastung verändert Nutz-/Leerkosten und fixe Stückkosten

Eine hochwertige Antwort nennt nicht nur „Kosten steigen/sinken“, sondern erklärt welche Kostenart, warum und in welchem Beschäftigungsbereich betroffen ist.

17. Nutzkosten, Leerkosten und Remanenzkosten

Nutz- und Leerkosten zerlegen die vorhandenen Fixkosten nach Kapazitätsnutzung:

\(Nutzkosten+Leerkosten=Fixkosten\)

Begriff Bedeutung
Nutzkosten (NK) Fixkostenanteil der genutzten Kapazität
Leerkosten (LK) Fixkostenanteil der nicht genutzten Kapazität
Remanenzkosten (RK) nicht genutzte Fixkosten, die insbesondere durch das vollständige Leerstehen einer Anlage sichtbar werden
Mit steigender Auslastung steigen die Nutzkosten und sinken die Leerkosten. Die gesamten vorhandenen Fixkosten ändern sich bei konstanter Betriebsgröße dadurch zunächst nicht.

18. Nutz- und Leerkosten grafisch – Gesamtbetrachtung

Beschäftigung xFixkosten in € Kfix Nutzkosten Leerkosten Istbeschäftigung

19. Quantitative Anpassung bei konstanter Betriebsgröße – identische Maschinen

Im Skript sind drei gleichartige Maschinen vorhanden. Jede verursacht 10.000 € Fixkosten, 10 € variable Stückkosten und besitzt 1.500 Stück Kapazität. Hinzu kommen 20.000 € Abteilungsfixkosten. Gesamtkapazität: 4.500 Stück.

Bei 2.500 Stück produziert Maschine A voll, Maschine B 1.000 Stück und Maschine C steht vollständig still.

\(NK= rac{20.000·2.500}{4.500}+10.000+ rac{10.000·1.000}{1.500}=27.777{,}78 €\)

\(LK= rac{20.000·2.000}{4.500}+ rac{10.000·500}{1.500}+10.000=22.222{,}22 €\)

\(RK=10.000 €\) (Maschine C steht vollständig still)

\(K=20.000+3·10.000+10·2.500=75.000 €\)

20. Quantitative Anpassung – Gesamtbetrachtung

Stück xKosten in € Kfix gesamt K Leerkosten Nutzkosten 1.500 2.500 3.000 4.500 ABC

21. Selektive Anpassung – verschiedenartige Maschinen

Bei selektiver Anpassung sind die Maschinen verschieden. Weil ihre Fixkosten bei konstanter Betriebsgröße ohnehin anfallen, wird die Einsatzreihenfolge nach den variablen Stückkosten bestimmt.

Maschine Fixkosten/Monat kvar Kapazität
A 12.000 € 6 € 10.000
B 9.000 € 8 € 8.000
C 8.000 € 10 € 12.000
D 6.000 € 13 € 5.000

Einsatzreihenfolge: A → B → C → D. Bei 20.000 Stück laufen A und B voll; C produziert 2.000 Stück; D steht still. Die Grenzkosten entsprechen den variablen Stückkosten der zuletzt benötigten Maschine: 10 €/Stück.

Aus eurem Skript: Gesamtkapazität 35.000 Stück, gesamte nicht genutzte Kapazität bei 20.000 Stück = 15.000 Stück; D steht vollständig still, C besitzt 10.000 Stück ungenutzte Kapazität.

\(K_{gesamt}=194.000 €;\quad k=194.000/20.000=9{,}70 €\)

22. Selektive Anpassung – Gesamtbetrachtung

Stück xKosten in € K 10.000 18.000 20.000 30.000 35.000 A: 6 €/St.B: 8 €/St.C: 10 €/St.D: 13 €/St.

23. Selektive Anpassung – Stückbetrachtung

Stück x€/Stück Grenzkosten / kvar Stückkosten k 10.00018.00030.00035.000

Die Grenzkosten sind innerhalb der Kapazität einer eingesetzten Maschine konstant und springen beim Zuschalten der nächstteureren Maschine. Die durchschnittlichen Stückkosten \(k=K/x\) enthalten dagegen auch die Fixkosten und verlaufen deshalb anders.

24. Zeitliche Anpassung – Arbeitszeit verändern

Bei zeitlicher Anpassung werden Maschinen und Beschäftigte länger oder kürzer eingesetzt. Im Skript: Kapazität 250 Stück, \(K(x)=25.000+15x\). Wegen höherer Nachfrage sollen 300 Stück produziert werden; für die 50 Stück oberhalb der normalen Kapazität steigen die variablen Stückkosten wegen Überstunden um 30 %.

\(k_{v,neu}=15·1{,}30=19{,}50 €\)

\(K(300)=25.000+250·15+50·19{,}50=29.725 €\)

25. Zeitliche Anpassung – Gesamtbetrachtung

Stück xKosten in € Kfix K 250 300 Kapazitätsgrenzesteilere Kostenfunktion

26. Intensitätsmäßige Anpassung – Produktionsgeschwindigkeit verändern

Bei intensitätsmäßiger Anpassung wird die Produktionsgeschwindigkeit einer Maschine verändert. Euer Skript zeigt:

Intensität Stück/Stunde variable Stückkosten
15 30,00 €
20 27,50 €
25 25,00 €
30 30,00 €
35 37,00 €

Die optimale Intensität liegt bei 25 Stück/Stunde, weil dort die variablen Stückkosten mit 25 € minimal sind. Bei 200 Stunden ergibt das 5.000 Stück Normalleistung.

Für 7.000 Stück bei unverändert 200 Stunden ist eine Intensität von \(7.000/200=35\) Stück/Stunde erforderlich. Bei 50.000 € Fixkosten:

\(K=50.000+7.000·37=309.000 €\)

27. Intensitätsmäßige Anpassung – Gesamtbetrachtung

Ausbringungsmenge xKosten in € Kfix K 5.000 7.000 optimale Intensität: 25 St./h35 St./h → kvar = 37 €

28. Betriebsgrößenvariation – quantitative und qualitative Anpassung

Bei variabler Betriebsgröße wird der Maschinenbestand selbst verändert.

Form Kern
quantitative (multiple) Anpassung zusätzlich benötigte gleichartige Maschinen werden gekauft; nicht benötigte verkauft
qualitative – selektive Anpassung Maschinen unterschiedlicher Kosten-/Leistungsstruktur werden gezielt gekauft oder verkauft
qualitative – mutative Anpassung der bisherige Maschinenpark wird durch technisch bessere/neue Anlagen ersetzt
Bei Betriebsgrößenvariation sind Fixkosten nicht mehr zwingend unveränderlich. Kauf oder Verkauf verändert Kapazität und Fixkostenblock – genau das unterscheidet sie von der Anpassung bei konstanter Betriebsgröße.

29. Welche Anpassungsform passt wann?

Situation Betriebsgröße Anpassungsform
gleiche vorhandene Maschinen an-/abschalten konstante Betriebsgröße quantitativ
verschiedene vorhandene Maschinen nach kvar einsetzen konstante Betriebsgröße selektiv
Arbeitszeit/Schichten verändern konstante Betriebsgröße zeitlich
Produktionsgeschwindigkeit verändern konstante Betriebsgröße intensitätsmäßig
gleichartige Maschinen kaufen/verkaufen Betriebsgrößenvariation quantitativ/multipel
anderen Maschinentyp gezielt kaufen/verkaufen Betriebsgrößenvariation qualitativ-selektiv
alten Maschinenpark technologisch ersetzen Betriebsgrößenvariation qualitativ-mutativ

30. Break-even-Point und Preisuntergrenzen als Entscheidungsbrücke

Euer Skript schließt mit Break-even und Preisuntergrenzen. Am Break-even-Point gilt:

\(E(x)=K(x)\quad\Leftrightarrow\quad DB_{gesamt}=K_f\)

Langfristig müssen alle Kosten gedeckt sein. Kurzfristig ist die variable Kostenuntergrenze entscheidend: Ein zusätzlicher Auftrag kann kurzfristig einen positiven Deckungsbeitrag liefern, wenn sein Preis die relevanten variablen Kosten übersteigt.

31. Break-even grafisch – Gesamtbetrachtung

Stück x Kfix K E BEP

32. Nicht betriebsergebnisrelevante Entscheidungsgrößen

Der alte Lehrplan verlangt ausdrücklich, dass Anpassungsentscheidungen nicht allein nach dem kurzfristigen Betriebsergebnis getroffen werden. Zu berücksichtigen sind beispielsweise gesellschaftliche Kosten, Umweltwirkungen, Beschäftigungsfolgen, Lieferfähigkeit, Qualitätsrisiken, Arbeitsschutz oder strategische Flexibilität.

UNTERNEHMER AG: Eine intensitätsmäßige Anpassung könnte rechnerisch günstiger sein als der Kauf einer zusätzlichen Anlage, aber zu höherem Energieverbrauch, mehr Ausschuss, stärkeren Emissionen und höherem Verschleiß führen. Die endgültige Entscheidung muss diese Folgen sichtbar mit abwägen.

33. Integrierter Großfall: Von Plankosten zur Anpassungsentscheidung

Situation: Die UNTERNEHMER AG plant 18.000 Stück. Tatsächlich steigt die Nachfrage auf 20.000 Stück. Gleichzeitig liegen die Istkosten über den Sollkosten. Vier Maschinen A–D besitzen unterschiedliche variable Stückkosten und Kapazitäten.
  1. Zerlege die Kosten in fixe und variable Bestandteile.
  2. Berechne Plankosten, pkvs, verrechnete Plankosten und Sollkosten.
  3. Bestimme BA, VA und GA einschließlich Vorzeichen.
  4. Ordne den Fall einer der sechs Abweichungsvarianten zu.
  5. Stelle ihn in Gesamt- und Stückbetrachtung dar.
  6. Bestimme die wirtschaftliche Einsatzreihenfolge A–D.
  7. Ermittle bei 20.000 Stück Leer-, Remanenz-, Gesamt- und Stückkosten sowie Grenzkosten.
  8. Prüfe zeitliche, intensitätsmäßige, quantitative und selektive Anpassung.
  9. Beziehe nicht betriebsergebnisrelevante Größen ein.
  10. Formuliere eine begründete Entscheidung, nicht nur ein Rechenergebnis.

34. Typische Fehler – und warum sie Punkte kosten

Fehler Korrektur
Sollkosten = verrechnete Plankosten falsch: Sollkosten enthalten volle Fixkosten + variable Kosten der Istmenge
BA mit Istkosten berechnen BA vergleicht verrechnete PK mit Sollkosten
VA = IK − SK im Skript gilt VA = SK − IK; Vorzeichenlogik beachten
Fixkosten bei selektiver Anpassung zur Einsatzreihenfolge verwenden bei vorhandenen Maschinen sind sie für die Reihenfolge irrelevant; kvar entscheidet
Leerkosten und Remanenzkosten gleichsetzen Remanenzkosten sind spezieller: Fixkosten vollständig leerstehender Kapazität/Anlage
Gesamt- und Stückbetrachtung vermischen Gesamtgrößen in €; Stückgrößen in €/Stück
Grenzkosten = Stückkosten bei selektiver Anpassung: Grenzkosten = kvar der zuletzt eingesetzten Maschine
Achsen ohne Einheit y-Achse € bzw. €/Stück; x-Achse Stück
Betriebsgrößenvariation mit Zuschalten vorhandener Maschine verwechseln Variation bedeutet Kauf/Verkauf bzw. technologische Veränderung des Bestands

35. 35 Trainingsaufträge für Generator und Unterricht

A1. Zerlege gegebene Mischkosten direkt in fixe und variable Bestandteile.
A2. Ermittle kvar und Kfix indirekt aus zwei Beschäftigungs-/Kostenpunkten.
A3. Zeichne Kges, Kfix und Kvar korrekt in der Gesamtbetrachtung.
A4. Berechne PK, pkvs, verr. PK und SK.
A5. Berechne BA, VA und GA und interpretiere die Vorzeichen.
A6. Erkläre Minderbeschäftigung als Fixkostenunterdeckung.
A7. Erkläre Mehrbeschäftigung als Fixkostenüberdeckung.
A8. Ordne sechs Datensätze den sechs Abweichungsvarianten zu.
A9. Zeichne alle sechs Fälle in der Gesamtbetrachtung.
A10. Zeichne alle sechs Fälle in der Stückbetrachtung.
A11. Leite die Sollstückkostenfunktion sk(x)=kv+Kf/x her.
A12. Unterscheide starre und flexible Plankostenrechnung.
A13. Erstelle eine limitationale Verbrauchsfunktion Typ B.
A14. Leite aus Verbrauchskoeffizienten und Faktorpreisen eine lineare Kostenfunktion ab.
A15. Analysiere die Wirkung einer Faktorpreissteigerung.
A16. Analysiere die Wirkung einer Qualitätsverbesserung auf Verbrauch und Kosten.
A17. Berechne Nutz- und Leerkosten bei gegebener Kapazitätsauslastung.
A18. Bestimme Remanenzkosten einer vollständig stillstehenden Maschine.
A19. Bearbeite die quantitative Anpassung mit drei identischen Maschinen.
A20. Bestimme bei selektiver Anpassung die Einsatzreihenfolge mehrerer Maschinen.
A21. Zeichne selektive Anpassung in der Gesamtbetrachtung.
A22. Zeichne selektive Anpassung in der Stückbetrachtung einschließlich Grenzkosten.
A23. Berechne Stück- und Grenzkosten bei selektiver Anpassung.
A24. Berechne eine zeitliche Anpassung mit Überstundenzuschlag.
A25. Zeichne den Knick der Kostenfunktion an der normalen Kapazitätsgrenze.
A26. Bestimme die optimale Intensität aus einer kvar-Tabelle.
A27. Berechne Kosten bei intensitätsmäßiger Anpassung.
A28. Unterscheide quantitative, selektive, zeitliche und intensitätsmäßige Anpassung.
A29. Unterscheide konstante Betriebsgröße und Betriebsgrößenvariation.
A30. Erkläre quantitative/multiple Anpassung bei Betriebsgrößenvariation.
A31. Erkläre qualitative selektive und mutative Anpassung.
A32. Bestimme den Break-even-Point aus linearen Kosten- und Erlösfunktionen.
A33. Unterscheide kurz- und langfristige Preisuntergrenze.
A34. Beurteile eine Anpassungsentscheidung unter Einbezug gesellschaftlicher Kosten.
A35. Bearbeite einen integrierten Fall von Plankostenrechnung bis Anpassungsentscheidung.

36. Lernbereich 2 auf einen Blick

Block Sicher beherrschen
Flexible Plankostenrechnung Kostenzerlegung; PK; pkvs; verr. PK; SK; BA; VA; GA; sechs Vorzeichenfälle; Gesamt- und Stückbetrachtung
Produktions-/Kostentheorie Typ B; limitationaler Faktoreinsatz; Verbrauchsfunktion; lineare Kostenfunktion; fünf Kosteneinflussgrößen
Kapazität/Fixkosten Nutzkosten; Leerkosten; Remanenzkosten; Kostenremanenz
Konstante Betriebsgröße quantitativ; selektiv; zeitlich; intensitätsmäßig
Betriebsgrößenvariation quantitativ/multipel; qualitativ-selektiv; qualitativ-mutativ
Entscheidung Kosten/Erlöse + nicht betriebsergebnisrelevante Größen; Gesamt- und Stückdarstellungen

37. Quellen- und Produktionshinweise

Offizieller Rahmen: LehrplanPLUS Bayern, FOS 13 IBV, alter Lehrplan, LB2 (ca. 48 Std.). Skriptbasis: Plankostenrechnung13.tex und ProduktionsKostentheorie13.tex.

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