IBV · FOS Bayern · Jahrgangsstufe 12 · bisheriger Lehrplan / Übergangskohorte

ca. 32 UETeilkostenrechnungDeckungsbeitragBreak-evenMake-or-BuyEngpass

Alle Inhalte dieser Seite folgen dem offiziellen LehrplanPLUS Bayern.

Entscheidungen mithilfe der Teilkostenrechnung vorbereiten und begründet treffen

Die Teilkostenrechnung beantwortet kurzfristige Entscheidungsfragen, die eine Vollkostenrechnung nur eingeschränkt lösen kann. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Kosten sich durch eine konkrete Entscheidung tatsächlich verändern. Daraus entstehen Deckungsbeitrag, Preisuntergrenzen, Break-even-Analyse, Eigenfertigung/Fremdbezug, mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung und das optimale Produktionsprogramm bei einem Engpass.

UNTERNEHMER AG: Mehrere Produkte konkurrieren um knappe Produktionskapazitäten. Gleichzeitig treffen Zusatzaufträge ein, ein Bauteil könnte fremdbezogen werden und die Unternehmensleitung muss entscheiden, welche Produktgruppen tatsächlich zur Deckung der Fixkosten beitragen.

Inhalt

  1. Vollkosten- vs. Teilkostenrechnung
  2. Fixe und variable Kosten
  3. Kostenfunktion
  4. Deckungsbeitrag
  5. Sortimentsentscheidungen
  6. Preisuntergrenzen
  7. Zusatzauftrag
  8. Break-even
  9. Einflussgrößen BEP
  10. Make-or-Buy
  11. Kritische Menge
  12. Mehrstufiger DB
  13. Engpass
  14. Relativer DB
  15. Optimales Produktionsprogramm
  16. Gesamtfall

1. Warum Teilkostenrechnung?

Vollkostenrechnung Teilkostenrechnung
verteilt sämtliche Kosten auf Kostenträger trennt entscheidungsrelevante variable und fixe Kosten
geeignet u. a. für langfristige Kalkulation besonders geeignet für kurzfristige Entscheidungen
Fixkosten werden Produkten zugerechnet Fixkosten werden zunächst periodenbezogen betrachtet
kann bei Zusatzaufträgen zu Fehlentscheidungen führen, wenn zugerechnete Fixkosten als vermeidbar interpretiert werden zeigt, ob ein Auftrag einen positiven Beitrag zur Fixkostendeckung leistet
VOLLKOSTENvariable Kosten+ zugerechnete FixkostenTEILKOSTENvariable Kosten → ProduktFixkosten → Periode

2. Fixe und variable Kosten

Variable Kosten verändern sich mit der Beschäftigung; Fixkosten bleiben innerhalb des betrachteten Beschäftigungsbereichs insgesamt zunächst konstant. Für Entscheidungen zählt nicht nur die Bezeichnung eines Kostenpostens, sondern sein Verhalten in der konkreten Situation.

x Kv gesamt KF K gesamt kv kF
0 0 € 30.000 € 30.000 € 45 €
1.000 45.000 € 30.000 € 75.000 € 45 € 30 €
2.000 90.000 € 30.000 € 120.000 € 45 € 15 €
Fixkostendegression: Die gesamten Fixkosten bleiben konstant, aber die Fixkosten je Stück sinken mit wachsender Ausbringungsmenge.

3. Lineare Kosten- und Erlösfunktion

K(x) = KF + kv · x
E(x) = p · x
G(x) = E(x) − K(x)
UNTERNEHMER AG: KF = 30.000 €, kv = 45 €/Stück, p = 75 €/Stück.
K(x)=30.000+45x; E(x)=75x; G(x)=30x−30.000.
Break-evenE(x)K(x)KF

4. Stück- und Gesamtdeckungsbeitrag

db = p − kv
DB = db · x = E − Kv
Betriebsergebnis = DB − KF
p = 75 €, kv = 45 € → db = 30 €/Stück. Bei 1.600 Stück: DB = 48.000 €. Nach Abzug von 30.000 € Fixkosten verbleibt ein Betriebsergebnis von 18.000 €.
Deckungsbeitragvariable KostenPreis

5. Sortimentsgestaltung

Produkte mit positivem Deckungsbeitrag leisten grundsätzlich einen Beitrag zur Deckung der Fixkosten. Eine kurzfristige Eliminationsentscheidung allein aufgrund eines negativen Vollkostenergebnisses kann daher falsch sein.

Produkt X: Erlös 200.000 €, variable Kosten 140.000 € → DB 60.000 €. Zugerechnete Fixkosten 75.000 € → Vollkostenergebnis −15.000 €. Wird X gestrichen, verschwinden die 75.000 € Fixkosten nicht automatisch. Solange X 60.000 € zur Fixkostendeckung beiträgt, kann die Streichung das Gesamtergebnis sogar verschlechtern.

6. Kurz- und langfristige Preisuntergrenze

kurzfristige Preisuntergrenze = variable Stückkosten
langfristige Preisuntergrenze = volle Stückkosten

Die kurzfristige Preisuntergrenze ist nur für besondere kurzfristige Situationen sinnvoll, insbesondere bei freien Kapazitäten. Langfristig muss ein Unternehmen auch seine Fixkosten decken und Gewinn erwirtschaften.

7. Zusatzauftrag bei freien Kapazitäten

Ein Kunde bietet für 400 zusätzliche Stück 58 €/Stück. Variable Kosten: 45 €/Stück. Freie Kapazität ist vorhanden; zusätzliche Fixkosten entstehen nicht. Zusatz-DB = (58−45)×400 = 5.200 €. Quantitativ verbessert der Auftrag das Ergebnis um 5.200 €.
Aber: Quantitative Vorteilhaftigkeit reicht nicht. Prüfe Kapazität, Auswirkungen auf reguläre Kunden, Preissignal, Qualität, Lieferfristen und mögliche Folgewirkungen.

8. Break-even-Analyse

xBEP = KF / (p − kv) = KF / db
30.000 / (75−45) = 1.000 Stück. Bei 1.000 Stück gilt E=K=75.000 € und G=0.
Bereich Bedeutung
x < 1.000 Verlustzone
x = 1.000 Gewinnschwelle
x > 1.000 Gewinnzone

9. Was verschiebt die Gewinnschwelle?

Änderung Wirkung auf db Wirkung auf BEP
Preis steigt db ↑ BEP ↓
variable Stückkosten steigen db ↓ BEP ↑
Fixkosten steigen db unverändert BEP ↑
BEP altBEP bei höheren KF

10. Eigenfertigung oder Fremdbezug – Make-or-Buy

Beim Fremdbezug fallen typischerweise variable Bezugskosten je Stück an. Bei Eigenfertigung können eigene variable Kosten und zusätzliche fixe Kosten relevant sein. Neben der Rechnung verlangt der Lehrplan qualitative Kriterien, insbesondere Lieferbereitschaft und Qualität.

Eigenfertigung: KE(x)=50x+20.000. Fremdbezug: KF(x)=75x+8.000. Die 8.000 € repräsentieren im Beispiel verbleibende fixe Kosten.

11. Kritische Menge rechnerisch und grafisch

50x + 20.000 = 75x + 8.000
12.000 = 25x
xkrit = 480 Stück

Unter den Modellannahmen sind bei 480 Stück beide Alternativen gleich teuer. Unterhalb bzw. oberhalb entscheidet die Lage der jeweiligen Kostenfunktion.

xkrit = 480EigenfertigungFremdbezug
Quantitativ Qualitativ
Kosten bei geplanter Menge Qualität
kritische Menge Lieferbereitschaft / Termintreue
relevante fixe Kosten Know-how / Abhängigkeit
variable Eigenfertigungs-/Bezugskosten Flexibilität / strategische Bedeutung

12. Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung

Die mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung ordnet Fixkosten dort zu, wo sie tatsächlich verursacht bzw. abgebaut werden können. Dadurch wird sichtbar, ob ein einzelnes Produkt, eine Produktgruppe oder erst das Gesamtunternehmen einen Ergebnisbeitrag leistet.

Produkt A Produkt B Produkt C
DB I 90.000 € 70.000 € 50.000 €
− Produktfixkosten 30.000 € 55.000 € 60.000 €
DB II 60.000 € 15.000 € −10.000 €
Nicht vorschnell streichen: Ein negativer DB II ist ein Warnsignal, aber die Entscheidung hängt davon ab, welche Fixkosten bei einer Einstellung tatsächlich entfallen, welche Verbundwirkungen bestehen und welche strategischen Gründe für das Produkt sprechen.
Umsatz − variable Kosten = DB I− Produktfixkosten = DB II− Gruppenfixkosten− Unternehmensfixkosten = Ergebnis

13. Engpässe in Beschaffung, Produktion und Absatz

Ein Engpass liegt vor, wenn ein knapper Faktor verhindert, dass alle grundsätzlich vorteilhaften Absatzmöglichkeiten ausgeschöpft werden können. Der Lehrplan nennt ausdrücklich Engpässe in Beschaffung, Produktion und Absatz.

BESCHAFFUNGknapper RohstoffPRODUKTIONknappe MaschinenzeitABSATZbegrenzte Absatzmenge

14. Relativer Deckungsbeitrag

Bei einem einzigen Engpass darf nicht einfach nach dem höchsten Stückdeckungsbeitrag gereiht werden. Entscheidend ist der Deckungsbeitrag je Einheit des knappen Faktors.

relativer DB = Stückdeckungsbeitrag / Engpassbeanspruchung je Stück
Produkt db/Stück Engpasszeit relativer DB Rang
A 30 € 6 min 5 €/min 2
B 24 € 3 min 8 €/min 1
C 35 € 10 min 3,50 €/min 3

15. Optimales Produktionsprogramm

Die Produkte werden nach relativem Deckungsbeitrag gereiht. Die verfügbare Engpasskapazität wird in dieser Reihenfolge unter Beachtung der Absatzhöchstmengen verteilt.

Beispiel: Engpasskapazität 5.000 Minuten. B zuerst: maximal 800 Stück ×3 min = 2.400 min. Rest 2.600 min. A danach: maximal 400 Stück ×6 min = 2.400 min. Rest 200 min. C kann mit 10 min/Stück noch 20-mal gefertigt werden. Programm: B 800, A 400, C 20.
B: 2.400 minA: 2.400 minC5.000 verfügbare Engpassminuten

16. Gesamtfall UNTERNEHMER AG

  1. Kosten in fixe und variable Bestandteile zerlegen.
  2. Stück- und Gesamtdeckungsbeiträge ermitteln.
  3. Sortiments- und Zusatzauftragsentscheidung vorbereiten.
  4. Break-even-Menge berechnen und grafisch interpretieren.
  5. Auswirkungen von Preis-, Kosten- und Fixkostenänderungen analysieren.
  6. Eigenfertigung und Fremdbezug rechnerisch und qualitativ vergleichen.
  7. Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung zur Produktbeurteilung einsetzen.
  8. Engpass erkennen, relativen DB bilden und optimales Produktionsprogramm bestimmen.
  9. Entscheidungen nicht nur berechnen, sondern Auswirkungen auf Kosten- und Ergebnissituation beurteilen.
UNTERNEHMER AGEntscheidungenDeckungsbeitragBreak-evenPreisuntergrenzeMake-or-Buymehrstufiger DBEngpassprogramm

17. Typische Prüfungsfehler

Fehler Korrektur
negatives Vollkostenergebnis → Produkt streichen Deckungsbeitrag und tatsächlich abbaubare Fixkosten prüfen.
kurzfristige PUG = Selbstkosten kurzfristig grundsätzlich variable Stückkosten.
Zusatzauftrag unter Listenpreis automatisch ablehnen freien Kapazitätsbereich und zusätzlichen DB prüfen.
BEP = Fixkosten / Preis Fixkosten / Stückdeckungsbeitrag.
Make-or-Buy nur nach Stückpreis relevante fixe Kosten und qualitative Kriterien einbeziehen.
Engpass nach höchstem db/Stück relativen DB je Engpasseinheit verwenden.

18. Prüfungstraining

1. Zerlege aus zwei Beschäftigungs-/Kostenkombinationen die Kosten in variable und fixe Bestandteile und stelle K(x) auf.
2. Berechne DB und Betriebsergebnis für drei Absatzmengen und interpretiere die Entwicklung.
3. Beurteile einen Zusatzauftrag bei freien Kapazitäten quantitativ und qualitativ.
4. Ermittle den Break-even rechnerisch und grafisch; untersuche anschließend eine Preis- und Kostenänderung.
5. Ermittle die kritische Menge zwischen Eigenfertigung und Fremdbezug und ergänze die Entscheidung um Lieferbereitschaft und Qualität.
6. Erstelle eine mehrstufige DB-Rechnung und diskutiere die Einstellung eines Produkts.
7. Bestimme bei begrenzter Maschinenzeit das optimale Produktionsprogramm über relative Deckungsbeiträge.

✏️ Jetzt selbst üben – im Aufgabengenerator

Erzeuge beliebig viele Aufgaben zu Deckungsbeitrag, Break-even, Preisuntergrenzen, Zusatzaufträgen, Make-or-Buy, mehrstufiger Deckungsbeitragsrechnung und Engpassplanung – mit vollständigem Lösungsweg.

Aufgaben erzeugen →

Nach oben scrollen

Betriebsferien vom
31.07. bis 14.09.2026

Liebe Kunden/Besucher,

Ihre digitalen Zugänge funktionieren wie gewohnt. Nach der Buchung erhalten Sie den Zugang sofort und automatisch – dafür ist keine Bearbeitung durch uns nötig.

Persönlich sind wir vom 31.07. bis 14.09.2026 nicht erreichbar. E-Mails beantworten wir ab dem 15.09.2026 in der Reihenfolge des Eingangs. Terminvereinbarungen sind ab dann wieder möglich.

Ihr lern.de – Team