IBV · Fachoberschule Bayern · Jahrgangsstufe 12 · bisheriger Lehrplan / Übergangskohorte
FinanzwirtschaftInvestitionFinanzierungstatische Investitionsrechnung
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Finanzierungs- und Investitionsvorgänge analysieren, liquide Mittel beschaffen und Investitionen tätigen
Investition und Finanzierung sind zwei Seiten derselben unternehmerischen Entscheidung: Die UNTERNEHMER AG muss zuerst klären, wofür Kapital langfristig gebunden werden soll, anschließend woher die erforderlichen Mittel kommen und schließlich, welche Alternative wirtschaftlich und strategisch sinnvoll ist. Dieser Lernbereich verbindet deshalb Investitionsanlässe, Finanzierungsformen, finanzwirtschaftliche Ziele und die vier statischen Investitionsrechenverfahren.
Inhalt
- Investition und Finanzierung
- Investitionsanlässe
- Direkt- und Portfolioinvestition
- Finanzwirtschaftliche Ziele
- Finanzierungsarten systematisieren
- Beteiligungsfinanzierung
- Ordentliche Kapitalerhöhung AG
- Kreditfinanzierung
- Annuitäten- und Abzahlungsdarlehen
- Kontokorrentkredit
- Selbstfinanzierung
- Rückstellungsfinanzierung
- Abschreibungsfinanzierung
- Vermögensumschichtung
- Finanzierungsentscheidung
- Statische Investitionsrechnung
- Kostenvergleich
- Gewinnvergleich
- Rentabilität
- Amortisation
- Nicht quantifizierbare Faktoren
- Gesamtfall
1. Investition und Finanzierung – Mittelverwendung und Mittelbeschaffung
Investition bedeutet Kapitalverwendung: Geld wird heute gebunden, um künftig wirtschaftlichen Nutzen zu erzielen. Finanzierung bedeutet Kapitalbeschaffung: Das Unternehmen stellt die für seine Aktivitäten erforderlichen finanziellen Mittel bereit.
2. Investitionsanlässe
| Art | Ziel | Beispiel UNTERNEHMER AG |
|---|---|---|
| Ersatzinvestition | verschlissenes/überholtes Anlagegut ersetzen | alte Fräsmaschine ersetzen |
| Rationalisierungsinvestition | Kosten senken / Produktivität erhöhen | automatisierte Fertigungszelle |
| Erweiterungsinvestition | Kapazität vergrößern | zweite Produktionslinie |
3. Auslandsinvestitionen: Direktinvestition und Portfolioinvestition
IBV erweitert die klassischen Investitionsanlässe um den internationalen Bezug. Bei einer Direktinvestition steht die dauerhafte unternehmerische Einflussnahme im Ausland im Vordergrund; eine Portfolioinvestition dient primär der Kapitalanlage ohne vergleichbare unternehmerische Kontrolle.
4. Finanzwirtschaftliche Ziele
Eine Finanzierungsentscheidung darf nicht nur anhand des Zinssatzes beurteilt werden. Der Lehrplan verlangt vier finanzwirtschaftliche Ziele: Rentabilität, Liquidität, Sicherheit und Unabhängigkeit. Zwischen ihnen können Zielkonflikte bestehen.
5. Finanzierungsarten systematisch einordnen
| Kapitalherkunft / Rechtsstellung | Eigenfinanzierung | Fremdfinanzierung |
|---|---|---|
| Außenfinanzierung | Beteiligungsfinanzierung | Kreditfinanzierung |
| Innenfinanzierung | offene und stille Selbstfinanzierung | Finanzierung aus Rückstellungen |
| Innenfinanzierung durch Kapitalfreisetzung | Finanzierung aus Abschreibung und sonstiger Vermögensumschichtung | |
6. Beteiligungsfinanzierung
Bei der Beteiligungsfinanzierung erhält das Unternehmen zusätzliches Eigenkapital von Eigentümern bzw. neuen Anteilseignern. Bei der Aktiengesellschaft wird dies im Lernbereich am Beispiel der ordentlichen Kapitalerhöhung behandelt.
7. Ordentliche Kapitalerhöhung einer AG
Neue Aktien werden ausgegeben und dem Unternehmen fließen liquide Mittel zu. Bestehende Aktionäre benötigen ein Bezugsrecht, damit ihre Beteiligungsquote und der Vermögenswert ihrer Position nicht ohne Ausgleich verwässert werden.
8. Kreditfinanzierung
Kreditfinanzierung führt dem Unternehmen Fremdkapital zu. Kapitalgeber erhalten grundsätzlich vertraglich vereinbarte Ansprüche auf Zins und Rückzahlung; Eigentumsrechte entstehen daraus nicht.
| Vorteil | Risiko/Nachteil |
|---|---|
| Eigentumsverhältnisse bleiben unverändert | Zins- und Tilgungszahlungen belasten Liquidität |
| Kapitalbedarf kann zeitlich passend gedeckt werden | Verschuldung und Abhängigkeit von Kreditgebern steigen |
9. Annuitätendarlehen und Abzahlungsdarlehen
Annuitätendarlehen
Die periodische Gesamtzahlung – die Annuität – bleibt bei konstantem Zinssatz gleich. Weil die Restschuld sinkt, nimmt der Zinsanteil ab und der Tilgungsanteil zu.
Bei konstanter Annuität: Zinsen ↓ → Tilgung ↑.
Abzahlungsdarlehen
Die Tilgungsbeträge bleiben gleich. Die Zinsen sinken mit der Restschuld; dadurch nimmt die gesamte periodische Belastung ab.
10. Kontokorrentkredit
Der Kontokorrentkredit ermöglicht die flexible Inanspruchnahme einer vereinbarten Kreditlinie auf dem Geschäftskonto. Er eignet sich zur kurzfristigen Überbrückung von Liquiditätsschwankungen, ist aber typischerweise keine geeignete Dauerfinanzierung langfristiger Investitionen.
11. Offene und stille Selbstfinanzierung
Offene Selbstfinanzierung entsteht durch einbehaltene, im Eigenkapital sichtbar ausgewiesene Gewinne. Stille Selbstfinanzierung beruht auf stillen Reserven, also einer Differenz zwischen bilanzieller Darstellung und wirtschaftlichem Wert, soweit diese nach den Rechnungslegungsvorschriften entsteht.
12. Finanzierung aus Rückstellungen
Zwischen der erfolgswirksamen Bildung einer Rückstellung und der späteren Auszahlung kann ein Finanzierungseffekt entstehen: Der Aufwand ist bereits erfasst, die zugehörigen Zahlungsmittel verlassen das Unternehmen aber erst später.
13. Finanzierung aus Abschreibung
Abschreibungen sind Aufwand, aber in der Abschreibungsperiode selbst grundsätzlich keine Auszahlung. Soweit sie über Umsatzerlöse verdient werden und die entsprechenden Mittel nicht unmittelbar für andere Auszahlungen benötigt werden, kann vorübergehend ein Kapitalfreisetzungseffekt entstehen.
14. Finanzierung aus sonstiger Vermögensumschichtung
Liquidität kann auch dadurch entstehen, dass gebundenes Vermögen in Zahlungsmittel umgewandelt wird, etwa durch den Verkauf nicht betriebsnotwendiger Vermögensgegenstände oder den Abbau überhöhter Bestände. Dabei wird nicht zwingend neues Kapital von außen aufgenommen.
15. Finanzierungsalternativen beurteilen
| Alternative | Rentabilität | Liquidität | Sicherheit | Unabhängigkeit |
|---|---|---|---|---|
| Beteiligungsfinanzierung | keine feste Verzinsung, Gewinnansprüche | keine Tilgung wie Kredit | Eigenkapitalbasis stärkt Risikotragfähigkeit | Einfluss neuer Anteilseigner möglich |
| Darlehen | Zinskosten | Zins + Tilgung | Verschuldung steigt | Eigentümerstruktur bleibt |
| Selbstfinanzierung | Gewinne bleiben investierbar | keine externe Tilgung | Eigenkapital kann steigen | hohe Unabhängigkeit |
16. Statische Investitionsrechnung – welche Frage soll beantwortet werden?
| Verfahren | Leitfrage | typische Entscheidungsgröße |
|---|---|---|
| Kostenvergleich | Welche Alternative verursacht geringere durchschnittliche Periodenkosten? | Kosten €/Jahr bzw. Stück |
| Gewinnvergleich | Welche Alternative erzielt den höheren durchschnittlichen Gewinn? | Gewinn €/Jahr |
| Rentabilitätsrechnung | Wie stark verzinst sich das durchschnittlich gebundene Kapital? | Rentabilität % |
| Amortisationsrechnung | Wie schnell fließt das eingesetzte Kapital rechnerisch zurück? | Amortisationsdauer |
17. Kostenvergleichsrechnung
Verglichen werden durchschnittliche Kosten einer Periode. Neben laufenden Kosten werden insbesondere kalkulatorische Abschreibung und kalkulatorische Zinsen berücksichtigt.
durchschnittlich gebundenes Kapital = (Anschaffungskosten + Restwert) / 2
kalk. Zinsen = durchschnittlich gebundenes Kapital × Kalkulationszinssatz
Abschreibung = 60.000 €. Ø gebundenes Kapital = 260.000 €. kalk. Zinsen = 15.600 €. Gesamtkosten = 60.000 + 15.600 + 45.000 + 360.000 = 480.600 €/Jahr.
18. Gewinnvergleichsrechnung
Der Kostenvergleich allein reicht nicht, wenn die Alternativen unterschiedliche Erlöse ermöglichen. Dann ist die Gewinnvergleichsrechnung aussagekräftiger.
19. Rentabilitätsrechnung
Die Rentabilitätsrechnung setzt den durchschnittlichen Gewinn zuzüglich kalkulatorischer Zinsen ins Verhältnis zum durchschnittlich gebundenen Kapital.
20. Amortisationsrechnung
Die statische Amortisationsrechnung untersucht, wie viele Jahre benötigt werden, bis das eingesetzte Kapital über durchschnittliche Rückflüsse rechnerisch zurückgewonnen ist.
mit Rückfluss = Gewinn + kalkulatorische Abschreibung (bei entsprechender Aufgabenstruktur).
21. Nicht quantifizierbare Einflussgrößen und Risiko
Eine Investitionsentscheidung darf nicht allein aus einer Kennzahl folgen. Der alte IBV-Lehrplan nennt ausdrücklich Risikogesichtspunkte und nicht quantifizierbare Faktoren, z. B. ökologische Aspekte und Serviceleistungen des Lieferanten.
| Kriterium | Anlage A | Anlage B |
|---|---|---|
| Service / Ersatzteile | 24-h-Service | 48-h-Service |
| Energieverbrauch | höher | niedriger |
| Liefer-/Ausfallrisiko | gering | mittel |
| Schulungsbedarf | gering | höher |
22. Gesamtfall UNTERNEHMER AG
Die UNTERNEHMER AG möchte ihre internationale Produktion erweitern. Zwei Anlagen stehen zur Wahl. Für die Finanzierung werden eine ordentliche Kapitalerhöhung, ein langfristiges Darlehen und teilweise Selbstfinanzierung geprüft.
- Investitionsanlass und internationalen Bezug einordnen.
- Kapitalbedarf bestimmen.
- Finanzierungsalternativen nach Herkunft und Rechtsstellung einordnen.
- Auswirkungen auf Rentabilität, Liquidität, Sicherheit und Unabhängigkeit beurteilen.
- Investitionsalternativen mit geeigneten statischen Verfahren berechnen.
- Risiken und qualitative Faktoren ergänzen.
- Finanzierungs- und Investitionsentscheidung zusammenhängend begründen.
23. Typische Fehler
| Fehler | Richtig |
|---|---|
| Investition und Finanzierung gleichsetzen | Investition = Mittelverwendung; Finanzierung = Mittelbeschaffung. |
| Direktinvestition mit Wertpapierkauf gleichsetzen | Direktinvestition zielt auf unternehmerischen Einfluss; Portfolioinvestition primär auf Kapitalanlage. |
| Finanzierungsentscheidung nur nach Zinssatz | Vier finanzwirtschaftliche Ziele berücksichtigen. |
| Annuität = Tilgung | Annuität = Zins + Tilgung. |
| Abschreibung „bringt Geld“ | Finanzierungseffekt nur, soweit Abschreibungsgegenwerte über Umsätze zufließen und verfügbar bleiben. |
| Kostenvergleich trotz unterschiedlicher Erlöse als alleinige Entscheidung | Passendes Verfahren zur Fragestellung wählen. |
| Rentabilität nur Gewinn/Kapital | Im statischen Verfahren die geforderte Formel mit kalkulatorischen Zinsen beachten. |
| Amortisation mit Nutzungsdauer verwechseln | Amortisation misst rechnerische Kapitalrückflusszeit. |
| höchste Kennzahl entscheidet automatisch | Risiken und qualitative Faktoren einbeziehen. |
24. Prüfungstraining
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