IBV · Fachoberschule Bayern · Jahrgangsstufe 11 · Lernbereich 2 (Lehrplan bis 2025/26)

ca. 27 UnterrichtsstundenVollkostenrechnungUNTERNEHMER AG

Alle Inhalte dieser Seite folgen dem offiziellen LehrplanPLUS Bayern.

Mit der Vollkostenrechnung Angebotspreise und das Betriebsergebnis ermitteln

Ein Industriebetrieb muss wissen, welche Kosten seine Produkte verursachen, wie Gemeinkosten sinnvoll verteilt werden, welcher Angebotspreis wirtschaftlich tragfähig ist und ob der Betrieb tatsächlich erfolgreich gearbeitet hat. Genau diese Fragen beantwortet die Vollkostenrechnung.

Modellunternehmen: UNTERNEHMER AG
Die UNTERNEHMER AG fertigt die Anlagenserien UA-100 und UA-200. Material lässt sich einzelnen Anlagen meist direkt zurechnen. Strom für die Werkhalle, Gehälter der Verwaltung oder Raumkosten dagegen nicht. Die Kostenrechnung muss diese unterschiedlichen Kosten erfassen, verteilen und schließlich den Kostenträgern zurechnen.
Am Ende kannst du: Einzel- und Gemeinkosten unterscheiden, Vorwärts-, Rückwärts- und Differenzkalkulation durchführen, Maschinenkosten und Maschinenstundensatz berechnen, einen ein- und mehrstufigen BAB auswerten, Gemeinkostenzuschlagssätze bestimmen, Über- und Unterdeckungen analysieren, Bestandsveränderungen berücksichtigen und mit der Kostenträgerzeitrechnung das vorkalkulierte und tatsächliche Betriebsergebnis ermitteln.

Inhalt

  1. Vom Kostenanfall zum Betriebsergebnis
  2. Einzel- und Gemeinkosten
  3. Kostenträgerstückrechnung
  4. Vorwärtskalkulation
  5. Rückwärtskalkulation
  6. Differenzkalkulation
  7. Maschinenkosten
  8. Betriebsabrechnungsbogen
  9. Mehrstufiger BAB
  10. Über-/Unterdeckung
  11. Bestandsveränderungen
  12. Kostenträgerzeitrechnung
  13. Gesamtfall UNTERNEHMER AG
  14. Prüfungstraining
  15. Typische Fehler
  16. Zusammenfassung

1. Vom Kostenanfall zum Betriebsergebnis

Die Vollkostenrechnung verrechnet sämtliche Kosten einer Abrechnungsperiode auf die betrieblichen Leistungen. Dabei werden drei miteinander verbundene Fragen beantwortet:

Stufe Frage Instrument
Kostenartenrechnung Welche Kosten sind angefallen? Gliederung der Kosten
Kostenstellenrechnung Wo sind Gemeinkosten angefallen? Betriebsabrechnungsbogen (BAB)
Kostenträgerrechnung Wofür sind Kosten angefallen? Stück- und Zeitrechnung
KostenartenWelche Kosten? KostenstellenWo entstanden? KostenträgerWofür entstanden?

2. Einzelkosten und Gemeinkosten

Für die Kalkulation ist entscheidend, ob Kosten einem Kostenträger direkt zugerechnet werden können.

Kostenart Merkmal Beispiel UNTERNEHMER AG
Einzelkosten direkte Zurechnung zum Kostenträger möglich Motor, Gehäusematerial, unmittelbar zurechenbare Fertigungslöhne
Gemeinkosten keine wirtschaftlich sinnvolle direkte Zurechnung Hallene Beleuchtung, Meistergehalt, Verwaltung, allgemeine Werbung
Beispiel: Für eine UA-100 werden Bauteile im Wert von 4.800 € eingebaut. Diese 4.800 € sind Materialeinzelkosten. Die monatliche Hallenmiete von 24.000 € betrifft dagegen viele Produkte und ist Gemeinkostenbestandteil.
Typischer Denkfehler: „Einzelkosten sind kleine Kosten.“ Falsch. Einzel beschreibt die Zurechenbarkeit, nicht die Höhe.

3. Kostenträgerstückrechnung: Was kostet eine Einheit?

Die Kostenträgerstückrechnung ermittelt die Kosten eines einzelnen Produktes. Im Industriebetrieb führt der Weg typischerweise von Material- und Fertigungskosten über Herstell- und Selbstkosten zum Angebotspreis.

Materialkosten+ Fertigungskosten= Herstellkosten+ Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten= Selbstkosten+ Gewinn→ Verkaufskalkulation

4. Vorwärtskalkulation

Bei der Vorwärtskalkulation sind die Kosten gegeben; gesucht ist der Angebotspreis. Die Rechnung läuft „von unten aus der Produktion nach vorne zum Kundenpreis“.

Ab jetzt immer mit zwei Prozentspalten: Die linke Prozentspalte gehört zur Kosten-/Gewinnseite, die rechte zur Vertriebskonditionenseite. Dadurch siehst du sofort, welcher Zwischenwert jeweils 100 % ist. Dasselbe Schema bleibt bei Vorwärts-, Rückwärts- und Differenzkalkulation erhalten.
Kalkulationsstufe in € in % in %
Selbstkosten (SK) 48,84 100
+ Gewinn (G) 3,80 7,78
= vorläufiger Verkaufspreis (vVP) 52,64 94
+ Vertreterprovision (VP) 2,24 4
= Barverkaufspreis (BVP) 54,88 98
+ Kundenskonto 1,12 2
= Zielverkaufspreis (ZVP) 56,00 87,50 100
+ Kundenrabatt 8,00 12,50
= Angebotspreis / Listenverkaufspreis 64,00 100

Das Schema folgt der von lern.de verwendeten FOS/BOS-Darstellung: Betrag in Euro sowie zwei getrennte Prozentspalten für wechselnde Grundwerte. Bei einer Differenzkalkulation wird von beiden Enden bis zum gesuchten Gewinn gerechnet.

Kalkulationsstufe UA-100
Materialeinzelkosten 4.800,00 €
+ Materialgemeinkosten 10 % 480,00 €
= Materialkosten 5.280,00 €
Fertigungseinzelkosten 2.000,00 €
+ Fertigungsgemeinkosten 80 % 1.600,00 €
= Fertigungskosten 3.600,00 €
= Herstellkosten 8.880,00 €
+ Verwaltungsgemeinkosten 8 % 710,40 €
+ Vertriebsgemeinkosten 4 % 355,20 €
= Selbstkosten 9.945,60 €
+ Gewinn 15 % 1.491,84 €
= Barverkaufspreis 11.437,44 €
Prozentbasis beachten:
Materialgemeinkosten beziehen sich auf die Materialeinzelkosten. Fertigungsgemeinkosten beziehen sich auf die jeweilige Zuschlagsgrundlage der Fertigung. Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten werden typischerweise auf die Herstellkosten bezogen. Der Gewinnzuschlag bezieht sich auf die Selbstkosten.

Vertriebskonditionen

Sollen Kundenskonto und Kundenrabatt berücksichtigt werden, darf man die Prozentsätze nicht einfach auf den Barverkaufspreis aufschlagen. Der Barverkaufspreis entspricht nach Abzug des Skontos nur einem bestimmten Prozentsatz des Zielverkaufspreises.

Zielverkaufspreis = Barverkaufspreis ÷ (1 − Skontosatz)
Listenverkaufspreis = Zielverkaufspreis ÷ (1 − Rabattsatz)
Fortsetzung: Bei 2 % Kundenskonto und 10 % Kundenrabatt:
Zielverkaufspreis = 11.437,44 € ÷ 0,98 = 11.670,86 €
Listenverkaufspreis = 11.670,86 € ÷ 0,90 = 12.967,62 €.
SelbstkostenGewinnListenpreis Vorwärtskalkulation → ← Rückwärtskalkulation Differenzkalkulation: von beiden Seiten zur Mitte

5. Rückwärtskalkulation

Bei der Rückwärtskalkulation gibt der Markt den maximal erzielbaren Listenverkaufspreis vor. Gesucht wird beispielsweise, welche Selbstkosten oder welcher Einstandspreis höchstens zulässig sind. Jetzt wird das Kalkulationsschema rückwärts durchlaufen.

Marktsituation: Die UA-100 darf höchstens 13.500 € Listenverkaufspreis kosten. Bei 10 % Rabatt und 2 % Skonto ergibt sich:
13.500 € × 0,90 = 12.150 € Zielverkaufspreis
12.150 € × 0,98 = 11.907 € Barverkaufspreis.
Soll der Gewinn 15 % der Selbstkosten betragen, entsprechen 11.907 € = 115 %. Damit: Selbstkosten = 11.907 € ÷ 1,15 = 10.353,91 €.
Merke: Rückwärts bedeutet nicht, dass jede Rechenoperation einfach umgedreht wird. Entscheidend ist immer: Welcher Wert entspricht 100 %?

6. Differenzkalkulation

Bei der Differenzkalkulation stehen sowohl Kosten als auch ein marktbedingter Verkaufspreis fest. Gesucht ist der tatsächlich mögliche Gewinn bzw. die Gewinnspanne.

Selbstkosten: 10.200 €; erzielbarer Barverkaufspreis: 11.475 €.
Gewinn = 11.475 € − 10.200 € = 1.275 €.
Gewinnzuschlag = 1.275 € ÷ 10.200 € × 100 = 12,5 %.

Die Differenzkalkulation ist damit besonders wichtig, wenn das Unternehmen den Preis nicht frei aus seinen Kosten ableiten kann, sondern der Markt einen Preisrahmen vorgibt.

7. Maschinenkosten und Maschinenstundensatz

Eine pauschale Verteilung aller Fertigungsgemeinkosten über Fertigungslöhne kann bei automatisierter Produktion zu Verzerrungen führen. Eine teure Maschine verursacht Kosten vor allem durch ihre Nutzung – unabhängig davon, wie hoch der Fertigungslohn ist. Deshalb werden maschinenabhängige Kosten gesondert ermittelt.

Kalkulatorische Abschreibung

Die kalkulatorische Abschreibung soll den tatsächlichen Werteverzehr für die betriebliche Kostenrechnung abbilden. Nach Lehrplan wird bei den Maschinenkosten vom Wiederbeschaffungswert ausgegangen.

Kalkulatorische Abschreibung pro Jahr = Wiederbeschaffungswert ÷ Nutzungsdauer

Kalkulatorische Zinsen

Kapital, das in einer Maschine gebunden ist, steht nicht für andere Zwecke zur Verfügung. Dieser entgangene Nutzungsvorteil wird über kalkulatorische Zinsen berücksichtigt.

Weitere Maschinenkosten

Hinzu kommen insbesondere Raumkosten, Energiekosten und Instandhaltungskosten.

Maschine M7 der UNTERNEHMER AG
Wiederbeschaffungswert: 600.000 €; Nutzungsdauer: 10 Jahre → kalk. Abschreibung 60.000 € p. a.
kalk. Zinsen: 15.000 €; Raumkosten: 12.000 €; Energie: 48.000 €; Instandhaltung: 25.000 €.
Maschinenkosten pro Jahr = 160.000 €.
Bei 2.000 Maschinenstunden: Maschinenstundensatz = 160.000 € ÷ 2.000 h = 80 €/h.
AbschreibungZinsenRaumEnergieInstandhaltung60.000 €15.000 €12.000 €48.000 €25.000 €

8. Betriebsabrechnungsbogen: Gemeinkosten verteilen

Der Betriebsabrechnungsbogen (BAB) verteilt Gemeinkosten auf Kostenstellen. Anschließend werden Zuschlagssätze gebildet, damit die Gemeinkosten den Kostenträgern zugerechnet werden können.

Warum gibt es überhaupt einen BAB?
Gemeinkosten gehören zunächst zum Betrieb, nicht direkt zu einem einzelnen Produkt. Der BAB macht deshalb einen Zwischenschritt sichtbar: Gemeinkosten → Kostenstellen → Kostenträger. Erst nachdem wir wissen, wo die Gemeinkosten entstanden sind, können Zuschlagssätze gebildet und die Kosten den Produkten zugerechnet werden.

Einstufiger BAB – eine Verteilungsstufe

Beim einstufigen BAB werden die Gemeinkosten einer vorgelagerten Stelle unmittelbar auf die Hauptkostenstellen verteilt. Es gibt danach keine weitere Hilfskostenstelle, die nochmals umgelegt werden müsste. Deshalb genügt eine Verteilungsstufe.

FuhrparkGemeinkosten MaterialHauptkostenstelleFertigungHauptkostenstelleVerwaltung / VertriebHauptkostenstelle 1. Stufe: verteilen nach Beleg oder Schlüssel Danach: Zuschlagssätze bilden → Kosten auf Produkte verrechnen

So liest du die Zeichnung: Der Fuhrpark erbringt Leistungen für mehrere Hauptkostenstellen. Seine Kosten bleiben deshalb nicht im Fuhrpark „liegen“, sondern werden nach einem geeigneten Schlüssel weitergegeben. Danach ist die vorgelagerte Stelle vollständig entlastet.

Gemeinkosten Material Fertigung Verwaltung Vertrieb
Hilfs-/Betriebsstoffe 8.000 22.000
Gehälter 18.000 35.000 52.000 38.000
Raumkosten 12.000 40.000 18.000 10.000
sonstige GK 7.000 23.000 10.000 12.000
Summe 45.000 120.000 80.000 60.000
Material-GK-Zuschlag = Materialgemeinkosten ÷ Materialeinzelkosten × 100
Fertigungs-GK-Zuschlag = Fertigungsgemeinkosten ÷ Fertigungseinzelkosten × 100
Verwaltungs-/Vertriebs-GK-Zuschlag = jeweilige Gemeinkosten ÷ Herstellkosten des Umsatzes × 100
Betragen die Materialeinzelkosten 450.000 €, ergibt sich: 45.000 ÷ 450.000 × 100 = 10 % MGK-Zuschlag. Bei Fertigungseinzelkosten von 150.000 €: 120.000 ÷ 150.000 × 100 = 80 % FGK-Zuschlag.

9. Mehrstufiger BAB und innerbetriebliche Leistungsverrechnung

Ein mehrstufiger BAB enthält neben Hauptkostenstellen auch Hilfskostenstellen. Deren Leistungen werden innerbetrieblich genutzt und müssen deshalb auf die Hauptkostenstellen umgelegt werden. Im Lehrplan ist eine einfache Kostenumlage ohne gegenseitige Verrechnung vorgesehen; insgesamt sind maximal fünf Hauptkostenstellen vorgesehen.

Mehrstufiger BAB – warum eine zweite Stufe nötig wird

Beim mehrstufigen BAB reicht die erste Verteilung nicht aus. Nach ihr enthält eine Hilfskostenstelle noch Kosten. Diese Stelle produziert aber keinen Kostenträger für den Absatz, sondern unterstützt andere Kostenstellen. Ihre Kosten müssen deshalb in einer zweiten Stufe weitergegeben werden.

FuhrparkHilfs-/Vorkostenstelle MaterialFertigung IHauptkostenstelleFertigung IIHauptkostenstelleVerw./Vertrieb ArbeitsvorbereitungFertigungshilfsstelle 1. Stufe → Kosten des Fuhrparks verteilen 2. Stufe ← Arbeitsvorbereitung entlasten z. B. Verhältnis 1 : 3 auf Fertigung I und Fertigung II Ergebnis: Nur die Hauptkostenstellen tragen am Ende die umgelegten Gemeinkosten.
Der Unterschied in einem Satz: Beim einstufigen BAB ist nach einer Umlage Schluss. Beim mehrstufigen BAB trägt nach der ersten Umlage noch mindestens eine Hilfskostenstelle Kosten; deshalb muss sie anschließend auf die von ihr unterstützten Hauptkostenstellen entlastet werden.
Beispiel: Die Hilfskostenstelle „Energieversorgung“ verursacht 60.000 €. Laut Verbrauchsmessung entfallen 10 % auf Material, 70 % auf Fertigung, 10 % auf Verwaltung und 10 % auf Vertrieb. Damit werden 6.000 €, 42.000 €, 6.000 € und 6.000 € auf die jeweiligen Hauptkostenstellen weiterverrechnet.
Hilfskostenstelle Energie60.000 € Material6.000 €Fertigung42.000 €Verwaltung6.000 €Vertrieb6.000 €

10. Normalzuschläge und Über-/Unterdeckung

Für Angebote kann die UNTERNEHMER AG nicht warten, bis am Periodenende sämtliche Istkosten bekannt sind. Sie kalkuliert deshalb mit Vorkalkulations- bzw. Normalzuschlagssätzen. Später werden die verrechneten Gemeinkosten mit den tatsächlich angefallenen Gemeinkosten verglichen.

verrechnete Gemeinkosten = Ist-Bezugsgröße × Normalzuschlagssatz
Ist-Materialeinzelkosten: 500.000 €; Normal-MGK-Zuschlag: 10 % → verrechnete MGK = 50.000 €.
Tatsächlich angefallene MGK: 54.000 €.
Es wurden nur 50.000 € auf Produkte verrechnet, obwohl 54.000 € entstanden sind → Unterdeckung 4.000 €.
Logik: Verrechnete Kosten > Istkosten → Überdeckung. Verrechnete Kosten < Istkosten → Unterdeckung. Nicht auswendig lernen: Frage dich, ob den Kostenträgern zu viel oder zu wenig zugerechnet wurde.

11. Bestandsveränderungen an unfertigen und fertigen Erzeugnissen

Produktion und Absatz fallen innerhalb einer Periode nicht zwingend zusammen. Deshalb muss die Kostenträgerzeitrechnung berücksichtigen, ob Bestände an unfertigen oder fertigen Erzeugnissen zu- oder abgenommen haben. Nach dem Lehrplan erfolgt die Bewertung auf Basis der Normalkosten.

Grundgedanke: Nicht alles, was in einer Periode hergestellt wurde, wurde auch verkauft. Für das Betriebsergebnis müssen deshalb die Herstellkosten des Umsatzes von den Herstellkosten der Erzeugung unterschieden werden.
Bestandsentwicklung Wirkung
Bestandsmehrung fertiger Erzeugnisse Ein Teil der Produktion wurde noch nicht verkauft; die Herstellkosten des Umsatzes liegen unter den Herstellkosten der fertiggestellten Produktion.
Bestandsminderung fertiger Erzeugnisse Es wurden zusätzlich Produkte aus früheren Perioden verkauft; die Herstellkosten des Umsatzes steigen entsprechend.

12. Kostenträgerzeitrechnung: Wie erfolgreich war die Periode?

Während die Stückrechnung nach den Kosten einer Einheit fragt, ermittelt die Kostenträgerzeitrechnung den Erfolg einer Abrechnungsperiode. Im IBV-11-Lehrplan wird sie mit zwei Kostenträgern im Normalkostenbereich durchgeführt.

Herstellkosten der Erzeugung± Bestandsveränderungen= Herstellkosten des Umsatzes+ Verwaltungs- und Vertriebskosten→ Selbstkosten des Umsatzes → Betriebsergebnis

Vorkalkulierter und tatsächlicher Erfolg

Mit Normalzuschlagssätzen entsteht zunächst ein kalkulatorischer bzw. vorkalkulierter Erfolg. Nach Ablauf der Periode stehen die tatsächlich angefallenen Gemeinkosten fest. Über- oder Unterdeckungen erklären, warum der tatsächliche Betriebserfolg vom vorkalkulierten Erfolg abweichen kann.

13. Gesamtfall UNTERNEHMER AG

Situation: Für die Produktlinie UA-200 liegen Materialeinzelkosten von 7.200 €, Fertigungseinzelkosten von 2.800 € und eine Maschinenlaufzeit von 5 Stunden je Stück vor. Der Maschinenstundensatz beträgt 80 €. Weitere Fertigungsgemeinkosten werden mit 50 % der Fertigungseinzelkosten verrechnet. MGK 10 %, VwGK 8 %, VtGK 4 %. Der Gewinnzuschlag beträgt 12 %.

Schritt 1: Materialkosten

MEK 7.200 € + MGK 720 € = 7.920 €.

Schritt 2: Fertigungskosten

FEK 2.800 € + weitere FGK 1.400 € + Maschinenkosten (5 × 80 €) 400 € = 4.600 €.

Schritt 3: Herstellkosten

7.920 € + 4.600 € = 12.520 €.

Schritt 4: Selbstkosten

VwGK: 12.520 × 8 % = 1.001,60 €.
VtGK: 12.520 × 4 % = 500,80 €.
Selbstkosten = 12.520 + 1.001,60 + 500,80 = 14.022,40 €.

Schritt 5: Gewinn und Barverkaufspreis

Gewinn = 14.022,40 × 12 % = 1.682,69 €.
Barverkaufspreis = 15.705,09 €.

Didaktisch wichtig: Nicht nur rechnen. Frage nach jedem Schritt: Was wurde gerade zugerechnet und warum genau auf dieser Bezugsgröße? Wer das Kalkulationsschema versteht, braucht deutlich weniger auswendig zu lernen.

14. Prüfungs- und Transfertraining

Aufgabe 1 – Zurechenbarkeit: Ordne folgende Kosten der UNTERNEHMER AG als Einzel- oder Gemeinkosten ein und begründe: Spezialmotor einer UA-200, Gehalt der Geschäftsleitung, Strom einer separat gemessenen Produktionsmaschine, allgemeine Hallenbeleuchtung.
Aufgabe 2 – Kalkulation: MEK 5.000 €, MGK 12 %, FEK 2.400 €, FGK 75 %, VwGK 7 %, VtGK 3 %, Gewinn 10 %. Ermittle Selbstkosten und Barverkaufspreis.
Aufgabe 3 – Maschinenstundensatz: Wiederbeschaffungswert 720.000 €, Nutzungsdauer 12 Jahre, kalkulatorische Zinsen 18.000 €, Raumkosten 15.000 €, Energie 54.000 €, Instandhaltung 33.000 €, Laufzeit 2.400 h. Ermittle den Maschinenstundensatz.
Aufgabe 4 – Abweichungsanalyse: Normal-MGK 11 %, Ist-MEK 600.000 €, tatsächliche MGK 70.000 €. Ermittle die verrechneten MGK und entscheide, ob Über- oder Unterdeckung vorliegt.
Aufgabe 5 – Beurteilen: Erkläre, warum eine pauschale Verrechnung hoher Maschinenkosten über Fertigungslöhne zu Fehlkalkulationen führen kann.

Lösungskontrolle

Aufgabe 2: MK = 5.600 €; FK = 4.200 €; HK = 9.800 €; VwGK = 686 €; VtGK = 294 €; SK = 10.780 €; Gewinn = 1.078 €; BVP = 11.858 €.

Aufgabe 3: Abschreibung 60.000 €; gesamte Maschinenkosten 180.000 €; Maschinenstundensatz = 75 €/h.

Aufgabe 4: verrechnete MGK = 66.000 €; Ist-MGK = 70.000 € → Unterdeckung 4.000 €.

15. Typische Fehler

Fehler Richtig denken
Einzelkosten mit „kleinen Kosten“ verwechseln Es geht um direkte Zurechenbarkeit.
Prozentsätze auf die falsche Basis anwenden Vor jeder Prozentrechnung die Bezugsgröße bestimmen.
Rabatt und Skonto vorwärts einfach addieren Die Verkaufskalkulation stufenweise durchführen.
kalkulatorische Abschreibung vom historischen Anschaffungswert berechnen Bei den Maschinenkosten nach Lehrplan den Wiederbeschaffungswert beachten.
BAB als reine Tabelle auswendig lernen Verstehen: Gemeinkosten werden zuerst Kostenstellen, dann Kostenträgern zugerechnet.
Über-/Unterdeckung vertauschen Verrechnete Gemeinkosten mit tatsächlich angefallenen Gemeinkosten vergleichen.
Bestandsveränderungen ignorieren Produktion ist nicht automatisch gleich Absatz.

16. Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Vollkostenrechnung verrechnet sämtliche Kosten auf betriebliche Leistungen.
  • Einzelkosten sind direkt zurechenbar; Gemeinkosten werden über Kostenstellen und Zuschlagssätze verteilt.
  • Vorwärtskalkulation ermittelt aus Kosten den Angebotspreis; Rückwärtskalkulation rechnet vom Marktpreis zurück; Differenzkalkulation bestimmt den verbleibenden Gewinn.
  • Maschinenstundensätze ermöglichen eine verursachungsgerechtere Verrechnung maschinenabhängiger Kosten.
  • Der BAB verteilt Gemeinkosten auf Kostenstellen und liefert Zuschlagssätze.
  • Normal- und Istkosten können zu Über- oder Unterdeckungen führen.
  • Bestandsveränderungen trennen Herstellkosten der Erzeugung von Herstellkosten des Umsatzes.
  • Die Kostenträgerzeitrechnung ermittelt den Erfolg der Abrechnungsperiode.
  • Gute Lösungen zeigen nicht nur Rechenwege, sondern erklären die betriebswirtschaftliche Bedeutung der Ergebnisse.

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Lehrplanbezug: FOS Bayern, Internationale Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre 11 (IW), alter Lehrplan, Lernbereich 2 „Mithilfe der Vollkostenrechnung Angebotspreise und das Betriebsergebnis ermitteln“, ca. 27 Stunden.

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