BwR · FOS/BOS Bayern · Klasse 13 · Plankostenrechnung

Plankostenrechnung: Kostenzerlegung, Rechengang und Abweichungsanalyse

Die flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis vergleicht Plan-, Soll- und Istkosten und zerlegt die Gesamtabweichung in Verbrauchs- und Beschäftigungsabweichung. Diese Seite zeigt die Kostenzerlegung (direkt, indirekt, zeichnerisch), den vollständigen Rechengang, die sechs Abweichungsvarianten in Gesamt- und Stückbetrachtung sowie ein zweites vollständiges Beispiel.

Inhaltsverzeichnis

  1. Starre und flexible Plankostenrechnung – Einordnung
  2. Kostenzerlegung – direkte, indirekte und zeichnerische Methode
  3. Kostenzerlegung grafisch – Gesamtbetrachtung
  4. Der vollständige Rechengang
  5. Beschäftigungs-, Verbrauchs- und Gesamtabweichung
  6. Die sechs Abweichungsvarianten
  7. Die sechs Varianten in der Gesamtbetrachtung
  8. Die sechs Varianten in der Stückbetrachtung
  9. Zweites vollständiges Plankostenbeispiel

1. Starre und flexible Plankostenrechnung – Einordnung

Plankosten sind vorausberechnete Kosten. Sie dienen Planung, Kontrolle und Abweichungsanalyse. Das Skript unterscheidet:

Verfahren Gedanke
starre Plankostenrechnung konstanter Beschäftigungsgrad; keine saubere Trennung von Beschäftigungs- und Verbrauchseinfluss bei abweichender Istbeschäftigung
flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis fixe und variable Kosten werden getrennt; Sollkosten werden an die Istbeschäftigung angepasst; Kern des alten LB2
flexible Plankostenrechnung auf Teilkostenbasis zusätzliche Entscheidungshilfe; variable Plankosten stehen im Vordergrund
Für den Lehrplan-LB2: Zentral ist die flexible Plankostenrechnung auf Vollkostenbasis und ihre Abweichungsanalyse.

2. Kostenzerlegung – direkte, indirekte und zeichnerische Methode

Ausgangspunkt des Skriptbeispiels sind bei 1.500 Stück Gesamtkosten von 75.000 €. Die Kosten werden in fixe und variable Bestandteile zerlegt.

Kostenart Gesamt fix variabel
Fertigungsmaterial 15.000 € 0 € 15.000 €
Fertigungslöhne 30.000 € 0 € 30.000 €
Hilfslöhne 12.000 € 10.500 € 1.500 €
Energiekosten 18.000 € 4.500 € 13.500 €
Summe 75.000 € 15.000 € 60.000 €

Damit gilt \(k_v=60.000/1.500=40\,\text{€}\) je Stück und \(K_f=15.000\,\text{€}\).

Indirekte Methode

Das Skript gibt zusätzlich 87.000 € Gesamtkosten bei 1.800 Stück an. Damit:

\(k_v=\frac{87.000-75.000}{1.800-1.500}=40\,\text{€}\)

\(K_f=75.000-1.500\cdot40=15.000\,\text{€}\)

Zeichnerische Methode

Die beiden Gesamtkostenpunkte werden verbunden und die Gerade bis zur y-Achse verlängert. Der Achsenabschnitt entspricht \(K_f\). Eine parallele Verschiebung der Gesamtkostengeraden in den Ursprung ergibt die Gerade der variablen Gesamtkosten.

3. Kostenzerlegung grafisch – Gesamtbetrachtung

Stück xKosten in € Kges Kfix = 15.000 Kvar 1.500 1.800

4. Der vollständige Rechengang

Für die UNTERNEHMER AG gelten: Planbeschäftigung \(x_P=1.000\) Stück, fixe Kosten \(K_f=100.000\,\text{€}\), variable Stückkosten \(k_v=200\,\text{€}\). Tatsächlich: \(x_I=600\) Stück, Istkosten \(IK=250.000\,\text{€}\).

Schritt Rechnung Ergebnis
Plankosten (PK) \( 100.000 + 1.000 \cdot 200 \) 300.000 €
Plankostenverrechnungssatz \( \dfrac{300.000}{1.000} \) 300 €/Stück
verrechnete Plankosten \( 300 \cdot 600 \) 180.000 €
Sollkosten (SK) \( 100.000 + 200 \cdot 600 \) 220.000 €
Istkosten (IK) gegeben 250.000 €

verrechnete Plankosten belasten die Istmenge mit den geplanten Vollkosten je Stück (300 €). Sollkosten passen nur die variablen Kosten an die Istmenge an – die Fixkosten bleiben voll stehen.

Flexible Plankostenrechnung – Übersicht100.000200.000300.000xIst = 600xPlan = 1.000Beschäftigung x (Stück)Kosten (€)Kfix 100.000verr. PKSollkostenIstkosten 250.000VA = 30.000BA = 40.000

5. Beschäftigungs-, Verbrauchs- und Gesamtabweichung

Abweichung Rechnung Ergebnis
Beschäftigungsabweichung (BA) verr. PK − SK = 180.000 − 220.000 −40.000 €
Verbrauchsabweichung (VA) SK − IK = 220.000 − 250.000 −30.000 €
Gesamtabweichung (GA) BA + VA −70.000 €
Kontrolle verr. PK − IK = 180.000 − 250.000 −70.000 €
Vorzeichenlogik: negative Abweichung = ungünstig, positive = günstig. Die negative BA bei Minderbeschäftigung ist eine Fixkostenunterdeckung (die Fixkosten verteilen sich auf zu wenige Stück). Die negative VA bedeutet, dass tatsächlich teurer gewirtschaftet wurde als geplant.

Die Beschäftigungsabweichung bildlich

Die BA ist der senkrechte Abstand zwischen Sollkosten und verrechneten Plankosten bei der Istbeschäftigung – sie entsteht allein durch die Verteilung der Fixkosten auf die Istmenge:

Beschäftigungsabweichung (BA)100.000200.000300.000xIst = 600xPlan = 1.000Beschäftigung x (Stück)Kosten (€)Kfix 100.000verr. PKSollkostenBA = 40.000(Soll − verr. PK)

Die Verbrauchsabweichung bildlich

Die VA ist der senkrechte Abstand zwischen Istkosten und Sollkosten – sie zeigt, ob wirtschaftlich (sparsam) oder unwirtschaftlich gearbeitet wurde:

Verbrauchsabweichung (VA)100.000200.000300.000xIst = 600xPlan = 1.000Beschäftigung x (Stück)Kosten (€)Kfix 100.000SollkostenIstkosten 250.000Sollkosten 220.000VA = 30.000(Ist − Soll)

6. Die sechs Abweichungsvarianten

Variante Vorzeichenkombination Interpretation
Fall 1 −BA + VA = −GA Minderbeschäftigung; günstige VA reicht nicht zum Ausgleich der ungünstigen BA.
Fall 2 −BA + VA = +GA Minderbeschäftigung; günstige VA ist größer als die ungünstige BA.
Fall 3 −BA − VA = −GA Minderbeschäftigung und ungünstige VA verstärken sich.
Fall 4 +BA − VA = −GA Mehrbeschäftigung; ungünstige VA überwiegt die günstige BA.
Fall 5 +BA − VA = +GA Mehrbeschäftigung; günstige BA überwiegt die ungünstige VA.
Fall 6 +BA + VA = +GA Mehrbeschäftigung und günstige VA verstärken sich.
Wichtig: Diese sechs Varianten werden nicht gekürzt. Sie gehören in die lern.de-Fassung sowohl als Gesamt- als auch als Stückbetrachtung.

7. Die sechs Varianten in der Gesamtbetrachtung

Fall 1: −BA + VA = −GAx€xIstxPlanIKFall 2: −BA + VA = +GAx€xIstxPlanIKFall 3: −BA − VA = −GAx€xIstxPlanIKFall 4: +BA − VA = −GAx€xIstxPlanIKFall 5: +BA − VA = +GAx€xIstxPlanIKFall 6: +BA + VA = +GAx€xIstxPlanIK

In der Gesamtbetrachtung sind verrechnete Plankosten eine Ursprungsgerade, während die Sollkostengerade bei den Fixkosten auf der y-Achse beginnt. Bei der Istbeschäftigung werden verrechnete PK, Sollkosten und Istkosten vertikal miteinander verglichen.

8. Die sechs Varianten in der Stückbetrachtung

Fall 1: −BA + VA = −GAx€/StückskpkvsxIstxPlanikFall 2: −BA + VA = +GAx€/StückskpkvsxIstxPlanikFall 3: −BA − VA = −GAx€/StückskpkvsxIstxPlanikFall 4: +BA − VA = −GAx€/StückskpkvsxIstxPlanikFall 5: +BA − VA = +GAx€/StückskpkvsxIstxPlanikFall 6: +BA + VA = +GAx€/StückskpkvsxIstxPlanik

Die Stückbetrachtung übersetzt die Gesamtgrößen in Kosten je Stück. Der Plankostenverrechnungssatz ist horizontal. Die Sollstückkosten fallen mit wachsender Beschäftigung, weil sich die Fixkosten auf mehr Einheiten verteilen:

\(sk(x)=k_v+\frac{K_f}{x}\)

Damit wird die Fixkostendegression sichtbar. Die Istkosten je Stück werden an der Istbeschäftigung mit den Sollstückkosten und dem pkvs verglichen.

9. Zweites vollständiges Plankostenbeispiel

Planbeschäftigung 200 Stück, Plankosten 140.000 €; an der Kapazitätsgrenze von 400 Stück betragen die Kosten 220.000 €. Istbeschäftigung 300 Stück, Istkosten 195.000 €.

\( k_v=\dfrac{220.000-140.000}{400-200}=400\ \text{€} \qquad K_f=140.000-200\cdot400=60.000\ \text{€} \)
\( pkvs=\dfrac{140.000}{200}=700\ \text{€} \qquad verr.PK=300\cdot700=210.000\ \text{€} \)
\( SK=60.000+400\cdot300=180.000\ \text{€} \)
\( BA=verr.PK-SK=210.000-180.000=+30.000\ \text{€} \)
\( VA=SK-IK=180.000-195.000=-15.000\ \text{€} \)
\( GA=BA+VA=+15.000\ \text{€} \quad(\text{Kontrolle: } verr.PK-IK=+15.000) \)
Hier ist die Beschäftigungsabweichung positiv (Mehrbeschäftigung → Fixkostenüberdeckung) und die Verbrauchsabweichung negativ. Die günstige BA überwiegt die ungünstige VA → Gesamtabweichung +15.000 € (günstig).
2. Beispiel: Mehrbeschäftigung (xIst 300 > xPlan 200)60.000120.000180.000240.000100200300400Kfix 60.000Sollkostenverr. PKxPlanxIstSoll 180.000Ist 195.000verr.PK 210.000BA = +30.000günstigVA = −15.000ungünstigBeschäftigung x (Stück)Kosten (€)

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