BwR · FOS/BOS Bayern · Klasse 13 · Jahresabschlussanalyse
Jahresabschlussanalyse: Strukturbilanz, Kennzahlen, EBIT und Ergebnisverwendung
In Klasse 13 wird der Jahresabschluss analysiert: Die HGB-Bilanz wird zur Strukturbilanz aufbereitet, daraus werden Kennzahlen zu Vermögens-/Kapitalstruktur, Anlagendeckung, Liquidität und Rentabilität berechnet, das EBIT zeigt die operative Ertragskraft. Die Ergebnisverwendung (Bilanzgewinn → Gewinnvortrag und Dividende) fließt in die Strukturbilanz ein.
Inhaltsverzeichnis
- Von der Bilanz zur Strukturbilanz
- Ergebnisverwendung – Bilanzgewinn
- Vermögens- und Kapitalstruktur
- Anlagendeckung – goldene Bilanzregel
- Liquiditätsanalyse
- Rentabilitätsanalyse
- Leverage-Effekt
- EBIT – operative Ertragskraft
- Verweis: Bewertungen aus Klasse 12
- Typische Prüfungsfehler
- Auf einen Blick
1. Von der Bilanz zur Strukturbilanz
Für die Analyse wird die HGB-Bilanz zur Strukturbilanz verdichtet: die Aktiva nach der Liquidität (Anlagevermögen, dann Umlaufvermögen in liquiden Mitteln 1./2./3. Grades), die Passiva nach der Fristigkeit (Eigenkapital, langfristiges und kurzfristiges Fremdkapital).
Modellunternehmen UNTERNEHMER AG (Werte in Tsd. €): Anlagevermögen 6.000, Umlaufvermögen 4.000 — Eigenkapital 4.000, langfristiges Fremdkapital 3.000, kurzfristiges Fremdkapital 3.000. Bilanzsumme 10.000.
Schritt 1 – die vollständige HGB-Bilanz:
| HGB-Bilanz UNTERNEHMER AG (nach vollständiger Ergebnisverwendung) | |||
|---|---|---|---|
| AKTIVA | Tsd. € | PASSIVA | Tsd. € |
| Grundstücke und Gebäude | 3.500 | Gezeichnetes Kapital | 2.500 |
| Technische Anlagen/Maschinen | 2.000 | Kapitalrücklage | 500 |
| Finanzanlagen | 500 | Gesetzliche Rücklage | 350 |
| Vorräte | 1.400 | Andere Gewinnrücklagen | 350 |
| Forderungen aLL | 2.000 | Gewinnvortrag | 300 |
| Kasse/Bank | 600 | Pensionsrückst./Darlehen (langfr.) | 3.000 |
| Summe Aktiva | 10.000 | Verbindlichkeiten aLL (kurzfr.) | 2.820 |
| Dividende (sonst. Verb., kurzfr.) | 180 | ||
| Summe Passiva | 10.000 | ||
Schritt 2 – drei Zeitpunkte der Ergebnisverwendung (nur der Eigenkapital-Bereich ändert sich):
| Eigenkapital-Bereich | ① vor EV | ② nach teilw. EV | ③ nach vollst. EV |
|---|---|---|---|
| Gezeichnetes Kapital | 2.500 | 2.500 | 2.500 |
| Kapitalrücklage | 500 | 500 | 500 |
| Gesetzliche Rücklage | 300 | 350 | 350 |
| Andere Gewinnrücklagen | 300 | 350 | 350 |
| Jahresüberschuss | 480 | – | – |
| Gewinnvortrag (aus Vorjahr) | 100 | – | – |
| Bilanzgewinn | – | 480 | – |
| Gewinnvortrag (neu) | – | – | 300 |
| = Eigenkapital gesamt | 4.180 | 4.180 | 4.000 |
| Dividende → kurzfr. Fremdkapital | – | – | 180 |
② nach teilweiser EV: gesetzliche und andere Rücklagen sind erhöht, es steht nur noch der Bilanzgewinn.
③ nach vollständiger EV: es bleibt ein Gewinnvortrag (bzw. Verlustvortrag). Für die Strukturbilanz gilt: Gewinn-/Verlustvortrag = Eigenkapital, Dividende = kurzfristiges Fremdkapital.
Schritt 3 – daraus entsteht die Strukturbilanz (verdichtet, als T-Konto):
| Strukturbilanz (verdichtet) | |||
|---|---|---|---|
| AKTIVA | Tsd. € | PASSIVA | Tsd. € |
| Anlagevermögen | 6.000 | Eigenkapital | 4.000 |
| Umlaufvermögen | 4.000 | langfristiges Fremdkapital | 3.000 |
| Summe | 10.000 | kurzfristiges Fremdkapital | 3.000 |
| Summe | 10.000 | ||
2. Ergebnisverwendung – vom Jahresüberschuss zum Bilanzgewinn
Vor der Strukturbilanz wird der Jahresüberschuss verwendet. Bei teilweiser Ergebnisverwendung entsteht der Bilanzgewinn, der in Gewinnvortrag (Eigenkapital) und Dividende (kurzfristiges Fremdkapital) aufgeteilt wird.
| Ergebnisverwendung (teilweise) | Tsd. € |
|---|---|
| Jahresüberschuss | 480 |
| + Gewinnvortrag aus Vorjahr | 20 |
| − Einstellung in gesetzliche Rücklage | −24 |
| − Einstellung in andere Gewinnrücklagen | −176 |
| = Bilanzgewinn | 300 |
| − Dividende (an Aktionäre) | −250 |
| = Gewinnvortrag (neu, ins EK) | 50 |
3. Vermögens- und Kapitalstruktur
Die Vermögensstruktur (Aktivseite) zeigt, wie das Kapital investiert ist, die Kapitalstruktur (Passivseite), woher es stammt.
4. Anlagendeckung – goldene Bilanzregel
Langfristig gebundenes Vermögen soll auch langfristig finanziert sein:
5. Liquiditätsanalyse
Die Liquidität zeigt, ob die kurzfristigen Schulden bezahlt werden können (UV gestaffelt nach Verfügbarkeit). Angaben (Tsd. €): flüssige Mittel 600, + Forderungen 2.000, + Vorräte → UV gesamt 4.000; kurzfristiges Fremdkapital 3.000.
6. Rentabilitätsanalyse
Rentabilität misst den Erfolg im Verhältnis zum eingesetzten Kapital bzw. Umsatz. Angaben: Jahresüberschuss 480 Tsd. €, Umsatz 12.000 Tsd. €, Fremdkapitalzinsen 120 Tsd. €.
7. Der Leverage-Effekt (Hebeleffekt)
Der Leverage-Effekt beantwortet, ob mit Eigen- oder Fremdkapital finanziert werden sollte. Solange die Gesamtkapitalrentabilität (GKR) größer ist als der Fremdkapitalzinssatz, hebt zusätzliches Fremdkapital die Eigenkapitalrentabilität (EKR):
UNTERNEHMER AG: GKR 6 %, FK/EK = 6.000/4.000 = 1,5, FK-Zinssatz 2 %:
8. EBIT – operative Ertragskraft
Das EBIT (Earnings before Interests and Taxes) ist das Ergebnis vor Zinsen und Steuern. Es zeigt die operative Ertragskraft unabhängig von Finanzierung (EK/FK), Rechtsform und Steuerhöhe – dadurch sind Unternehmen besser vergleichbar.
Das EBIT lässt sich auf zwei Wegen ermitteln:
| Direkte Methode | Tsd. € |
|---|---|
| Betriebliche Erträge | 5.600 |
| − Betriebliche Aufwendungen | −4.800 |
| = EBIT (ordentliches Betriebsergebnis) | 800 |
| Indirekte Methode (aus der GuV) | Tsd. € |
|---|---|
| Jahresüberschuss | 480 |
| + Finanzaufwendungen (Zinsaufwand) | 120 |
| − Finanzerträge (Zinserträge) | −40 |
| + Steueraufwendungen | 240 |
| = EBIT | 800 |
9. Verweis: Bewertungen aus Klasse 12
Für den Jahresabschluss gelten die Bewertungsregeln aus Klasse 12 unverändert weiter. Die ausführlichen Seiten dazu: Vorräte, Anlagevermögen/Maschinen, Fuhrpark, Grundstück/Gebäude, Forderungen (EWB/PWB) und Wertpapiere.
10. Typische Prüfungsfehler
✗ Falsch
Bilanzgewinn komplett ins Eigenkapital stellen.
✓ Richtig
Nur der Gewinnvortrag gehört ins EK; die Dividende ist kurzfristiges Fremdkapital.
✗ Falsch
Anlagendeckung II unter 100 % als „gut“ werten.
✓ Richtig
Die goldene Bilanzregel ist erst ab 100 % erfüllt.
✗ Falsch
EBIT mit dem Jahresüberschuss gleichsetzen.
✓ Richtig
EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern – diese werden zum JÜ wieder hinzugerechnet.
11. Auf einen Blick
- Strukturbilanz: Aktiva nach Liquidität, Passiva nach Fristigkeit; Bilanzgewinn → Gewinnvortrag (EK) + Dividende (kurzfr. FK).
- Struktur: Anlagequote, EK-Quote, Verschuldungsgrad.
- Anlagendeckung II ≥ 100 % = goldene Bilanzregel erfüllt.
- Liquidität 1./2./3. Grades; Rentabilität EK/GK/Umsatz.
- EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern (operative Ertragskraft).
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