FOS Bayern · Betriebswirtschaftliches Rechnungswesen (BwR) · 13. Jahrgangsstufe · ALT – auslaufender Lehrplan · Lernbereich 1: Den Jahresabschluss analysieren · ca. 40 Unterrichtsstunden
Jahresabschlussanalyse – Kennzahlen
Modellunternehmen: Die UNTERNEHMER AG bereitet ihren Jahresabschluss in einer analysegerechten Strukturbilanz auf und beurteilt mit Kennzahlen Vermögens-, Finanz- und Ertragslage – aus Sicht der relevanten Anspruchsgruppen.
Inhaltsverzeichnis
- Strukturbilanz
- Bilanzkennzahlen
- Liquiditätskennzahlen
- Kennzahlen der Finanz- und Ertragskraft
- Leverage-Effekt
- Kennzahlenvergleich und Handlungsempfehlungen
- Typische Fehler und Prüfungshinweise
- Auf einen Blick
1. Strukturbilanz
Für die Analyse wird die Bilanz verdichtet: Das Vermögen wird nach Fristigkeit (Anlage-/Umlaufvermögen), das Kapital nach Eigen-/Fremdkapital und Fristigkeit geordnet.
| Anlagevermögen | 600 |
| Umlaufvermögen | 400 |
| • Vorräte | 150 |
| • Forderungen | 150 |
| • liquide Mittel | 100 |
| Bilanzsumme | 1.000 |
| Eigenkapital | 400 |
| langfristiges Fremdkapital | 350 |
| kurzfristiges Fremdkapital | 250 |
| Bilanzsumme | 1.000 |
2. Bilanzkennzahlen
| Kennzahl | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Anlagequote | 600 / 1.000 · 100 | 60 % |
| Umlaufquote | 400 / 1.000 · 100 | 40 % |
| Eigenkapitalquote | 400 / 1.000 · 100 | 40 % |
| Fremdkapitalquote | 600 / 1.000 · 100 | 60 % |
| statischer Verschuldungsgrad | Fremdkapital / Eigenkapital = 600 / 400 · 100 | 150 % |
| Anlagedeckungsgrad I | Eigenkapital / Anlagevermögen = 400 / 600 · 100 | 66,67 % |
| Anlagedeckungsgrad II | (EK + langfr. FK) / AV = 750 / 600 · 100 | 125 % |
| Working Capital | Umlaufvermögen − kurzfr. FK = 400 − 250 | 150 Tsd. € |
3. Liquiditätskennzahlen
| Liquiditätsgrad | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Liquidität 1. Grades | liquide Mittel / kurzfr. FK = 100 / 250 · 100 | 40 % |
| Liquidität 2. Grades | (liquide Mittel + Forderungen) / kurzfr. FK = 250 / 250 · 100 | 100 % |
| Liquidität 3. Grades | Umlaufvermögen / kurzfr. FK = 400 / 250 · 100 | 160 % |
4. Kennzahlen der Finanz- und Ertragskraft
| Kennzahl | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Eigenkapitalrentabilität | Gewinn / Eigenkapital = 80 / 400 · 100 | 20 % |
| Gesamtkapitalrentabilität | (Gewinn + FK-Zinsen) / GK = 110 / 1.000 · 100 | 11 % |
| Umsatzrentabilität | Gewinn / Umsatz = 80 / 2.000 · 100 | 4 % |
| Kapitalumschlag | Umsatz / Gesamtkapital = 2.000 / 1.000 | 2 |
| Return on Investment (ROI) | Umsatzrentabilität · Kapitalumschlag = 4 % · 2 | 8 % |
| Cashflow | Jahresüberschuss + Abschreibungen = 80 + 70 | 150 Tsd. € |
| dynamischer Verschuldungsgrad | Fremdkapital / Cashflow = 600 / 150 | 4 Jahre |
| EBIT | Jahresüberschuss + Steuern + Zinsaufwand = 80 + 40 + 30 | 150 Tsd. € |
5. Leverage-Effekt
Solange die Gesamtkapitalrentabilität über dem Fremdkapitalzinssatz liegt, steigt die Eigenkapitalrentabilität mit zunehmender Verschuldung (Hebelwirkung).
6. Kennzahlenvergleich und Handlungsempfehlungen
Einzelne Kennzahlen sind erst im Vergleich aussagekräftig: im Zeitvergleich (Vorjahre), im Betriebsvergleich (Branche/Konkurrenz) und im Soll-Ist-Vergleich (Planwerte). Aus Abweichungen werden Handlungsempfehlungen abgeleitet – z. B. Working Capital erhöhen, Eigenkapitalquote stärken oder die Liquidität 1. Grades verbessern – und kritisch auf ihre Wirksamkeit geprüft.
7. Typische Fehler und Prüfungshinweise
Bei der Gesamtkapitalrentabilität werden die Fremdkapitalzinsen vergessen.
Zähler ist Gewinn + Fremdkapitalzinsen (Verzinsung des gesamten Kapitals).
Der Anlagedeckungsgrad II berücksichtigt nur das Eigenkapital.
Er umfasst Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital im Verhältnis zum Anlagevermögen.
Der Cashflow wird mit dem Gewinn gleichgesetzt.
Cashflow = Jahresüberschuss + Abschreibungen (+ Rückstellungserhöhungen).
Eine einzelne Kennzahl wird ohne Vergleich bewertet.
Erst Zeit-, Betriebs- oder Soll-Ist-Vergleich macht Kennzahlen aussagekräftig.
8. Auf einen Blick
Sie können nun eine Strukturbilanz erstellen, Bilanz-, Liquiditäts- und Ertragskennzahlen berechnen und interpretieren, den ROI zerlegen, den Leverage-Effekt beurteilen und aus einem Kennzahlenvergleich begründete Handlungsempfehlungen ableiten.
Alle Inhalte dieser Seite orientieren sich am offiziellen LehrplanPLUS Bayern (ISB) – auslaufender Lehrplan BwR (FOS/BOS).
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