FOS Bayern · Betriebswirtschaftliches Rechnungswesen (BwR) · 13. Jahrgangsstufe · ALT – auslaufender Lehrplan · Lernbereich 1: Den Jahresabschluss analysieren · ca. 40 Unterrichtsstunden

Jahresabschlussanalyse – Kennzahlen

Modellunternehmen: Die UNTERNEHMER AG bereitet ihren Jahresabschluss in einer analysegerechten Strukturbilanz auf und beurteilt mit Kennzahlen Vermögens-, Finanz- und Ertragslage – aus Sicht der relevanten Anspruchsgruppen.

Hinweis zum Lehrplan: Diese Seite folgt dem auslaufenden Lehrplan (BwR) und bleibt für die nach altem Lehrplan geprüften Jahrgänge relevant. Grundlage ist der LehrplanPLUS FOS 13 BwR (gültig ab 2019/20).

Inhaltsverzeichnis

  1. Strukturbilanz
  2. Bilanzkennzahlen
  3. Liquiditätskennzahlen
  4. Kennzahlen der Finanz- und Ertragskraft
  5. Leverage-Effekt
  6. Kennzahlenvergleich und Handlungsempfehlungen
  7. Typische Fehler und Prüfungshinweise
  8. Auf einen Blick

1. Strukturbilanz

Für die Analyse wird die Bilanz verdichtet: Das Vermögen wird nach Fristigkeit (Anlage-/Umlaufvermögen), das Kapital nach Eigen-/Fremdkapital und Fristigkeit geordnet.

Aktiva (Tsd. €)
Anlagevermögen 600
Umlaufvermögen 400
  • Vorräte 150
  • Forderungen 150
  • liquide Mittel 100
Bilanzsumme 1.000
Passiva (Tsd. €)
Eigenkapital 400
langfristiges Fremdkapital 350
kurzfristiges Fremdkapital 250
Bilanzsumme 1.000
Weitere Angaben (Tsd. €): Umsatzerlöse 2.000 · Jahresüberschuss 80 · Fremdkapitalzinsen 30 · Abschreibungen 70 · Steueraufwand 40.

2. Bilanzkennzahlen

Kennzahl Rechnung Ergebnis
Anlagequote 600 / 1.000 · 100 60 %
Umlaufquote 400 / 1.000 · 100 40 %
Eigenkapitalquote 400 / 1.000 · 100 40 %
Fremdkapitalquote 600 / 1.000 · 100 60 %
statischer Verschuldungsgrad Fremdkapital / Eigenkapital = 600 / 400 · 100 150 %
Anlagedeckungsgrad I Eigenkapital / Anlagevermögen = 400 / 600 · 100 66,67 %
Anlagedeckungsgrad II (EK + langfr. FK) / AV = 750 / 600 · 100 125 %
Working Capital Umlaufvermögen − kurzfr. FK = 400 − 250 150 Tsd. €
Goldene Bilanzregel: Das langfristig gebundene Vermögen soll langfristig finanziert sein – der Anlagedeckungsgrad II sollte daher mindestens 100 % betragen (hier 125 %). Ein positives Working Capital zeigt, dass ein Teil des Umlaufvermögens langfristig finanziert ist.

3. Liquiditätskennzahlen

Liquiditätsgrad Rechnung Ergebnis
Liquidität 1. Grades liquide Mittel / kurzfr. FK = 100 / 250 · 100 40 %
Liquidität 2. Grades (liquide Mittel + Forderungen) / kurzfr. FK = 250 / 250 · 100 100 %
Liquidität 3. Grades Umlaufvermögen / kurzfr. FK = 400 / 250 · 100 160 %

4. Kennzahlen der Finanz- und Ertragskraft

Kennzahl Rechnung Ergebnis
Eigenkapitalrentabilität Gewinn / Eigenkapital = 80 / 400 · 100 20 %
Gesamtkapitalrentabilität (Gewinn + FK-Zinsen) / GK = 110 / 1.000 · 100 11 %
Umsatzrentabilität Gewinn / Umsatz = 80 / 2.000 · 100 4 %
Kapitalumschlag Umsatz / Gesamtkapital = 2.000 / 1.000 2
Return on Investment (ROI) Umsatzrentabilität · Kapitalumschlag = 4 % · 2 8 %
Cashflow Jahresüberschuss + Abschreibungen = 80 + 70 150 Tsd. €
dynamischer Verschuldungsgrad Fremdkapital / Cashflow = 600 / 150 4 Jahre
EBIT Jahresüberschuss + Steuern + Zinsaufwand = 80 + 40 + 30 150 Tsd. €
ROI (DuPont): Der Return on Investment zerlegt die Gesamtkapitalverzinsung in Umsatzrentabilität × Kapitalumschlag und zeigt so zwei Stellhebel. Der dynamische Verschuldungsgrad gibt an, in wie vielen Jahren das Unternehmen seine Schulden aus dem Cashflow theoretisch tilgen könnte.

5. Leverage-Effekt

Solange die Gesamtkapitalrentabilität über dem Fremdkapitalzinssatz liegt, steigt die Eigenkapitalrentabilität mit zunehmender Verschuldung (Hebelwirkung).

Hier: Gesamtkapitalrentabilität 11 % > Fremdkapitalzinssatz 5 % (= 30 / 600). Zusätzliches Fremdkapital würde die Eigenkapitalrentabilität weiter erhöhen – allerdings steigt zugleich das Kapitalstrukturrisiko (Leverage-Chance und -Risiko).

6. Kennzahlenvergleich und Handlungsempfehlungen

Einzelne Kennzahlen sind erst im Vergleich aussagekräftig: im Zeitvergleich (Vorjahre), im Betriebsvergleich (Branche/Konkurrenz) und im Soll-Ist-Vergleich (Planwerte). Aus Abweichungen werden Handlungsempfehlungen abgeleitet – z. B. Working Capital erhöhen, Eigenkapitalquote stärken oder die Liquidität 1. Grades verbessern – und kritisch auf ihre Wirksamkeit geprüft.

7. Typische Fehler und Prüfungshinweise

✗ Häufiger Fehler
Bei der Gesamtkapitalrentabilität werden die Fremdkapitalzinsen vergessen.
✓ So ist es richtig
Zähler ist Gewinn + Fremdkapitalzinsen (Verzinsung des gesamten Kapitals).
✗ Häufiger Fehler
Der Anlagedeckungsgrad II berücksichtigt nur das Eigenkapital.
✓ So ist es richtig
Er umfasst Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital im Verhältnis zum Anlagevermögen.
✗ Häufiger Fehler
Der Cashflow wird mit dem Gewinn gleichgesetzt.
✓ So ist es richtig
Cashflow = Jahresüberschuss + Abschreibungen (+ Rückstellungserhöhungen).
✗ Häufiger Fehler
Eine einzelne Kennzahl wird ohne Vergleich bewertet.
✓ So ist es richtig
Erst Zeit-, Betriebs- oder Soll-Ist-Vergleich macht Kennzahlen aussagekräftig.

8. Auf einen Blick

Sie können nun eine Strukturbilanz erstellen, Bilanz-, Liquiditäts- und Ertragskennzahlen berechnen und interpretieren, den ROI zerlegen, den Leverage-Effekt beurteilen und aus einem Kennzahlenvergleich begründete Handlungsempfehlungen ableiten.

Alle Inhalte dieser Seite orientieren sich am offiziellen LehrplanPLUS Bayern (ISB) – auslaufender Lehrplan BwR (FOS/BOS).

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