BwR · FOS/BOS Bayern · Klasse 13 · Kapitalwertmethode

Kapitalwertmethode: Rückflüsse abzinsen und den Kapitalwert bestimmen

Die Kapitalwertmethode ist ein dynamisches Verfahren der Investitionsrechnung: Alle künftigen Zahlungsüberschüsse werden auf den heutigen Wert (Barwert) abgezinst und mit den Anschaffungskosten verglichen. Ist der Kapitalwert positiv, lohnt sich die Investition.

Inhaltsverzeichnis

  1. Auf- und Abzinsen
  2. Die Kapitalwertmethode
  3. Entscheidungsregel
  4. Beispiel
  5. Kritik
  6. Typische Prüfungsfehler
  7. Auf einen Blick

1. Auf- und Abzinsen

Ein Euro heute ist mehr wert als ein Euro in einem Jahr (Zinsen). Um Zahlungen verschiedener Jahre vergleichbar zu machen, rechnet man sie auf einen Zeitpunkt um:

\( \text{Aufzinsen: } ZW = BW \cdot (1+p)^n \qquad \text{Abzinsen: } BW = \dfrac{ZW}{(1+p)^n} = ZW \cdot \dfrac{1}{(1+p)^n} \)
Abzinsungsfaktor \( q^{-n} = \dfrac{1}{(1+p)^n} \): Damit wird ein künftiger Betrag auf den Barwert (heute) umgerechnet. Bei 5 %: Jahr 1 = 0,9524, Jahr 2 = 0,9070, Jahr 3 = 0,8638.

2. Die Kapitalwertmethode

Der Kapitalwert (KW) ist der heutige Wert einer Investition: die Summe der abgezinsten Zahlungsüberschüsse (inkl. Restwert/Liquidationserlös im letzten Jahr) minus die Anschaffungskosten.

\( KW = -A_0 + \dfrac{\ddot{U}_1}{(1+p)^1} + \dfrac{\ddot{U}_2}{(1+p)^2} + \dots + \dfrac{\ddot{U}_n + \text{Restwert}}{(1+p)^n} \)
Zahlungsüberschuss \( \ddot{U} \) = Einzahlungen − Auszahlungen. Nicht abgezogen werden kalkulatorische Zinsen und kalkulatorische Abschreibungen – sie sind nicht ausgabewirksam (keine echte Auszahlung). Die Anschaffung im Jahr 0 wird nicht abgezinst (ist schon heutiger Wert).

3. Entscheidungsregel

Kapitalwert Bedeutung
KW > 0 Investition durchführen (Rendite über dem Kalkulationszins)
KW < 0 Investition nicht durchführen
KW = 0 Kalkulationszins = Kapitalmarktzins (gerade noch lohnend)

4. Beispiel: notwendigen Verkaufspreis ermitteln (FRABIKE AG)

Die FRABIKE AG will am Ende des 3. Jahres eine Verzinsung von 9,00 % p. a. erreichen. Dazu wird der Kapitalwert auf 0,00 € gesetzt und per Rückwärtskalkulation der notwendige Einzahlungsbetrag im 3. Jahr (und damit der Verkaufspreis je Reifen) bestimmt. Produziert/verkauft werden 28.000 Stück.

Variante 1 – vollständiges Schema (Jahre als Spalten):

Jahr 0 Jahr 1 Jahr 2 Jahr 3
Einzahlungen 0,00 560.000,00 630.000,00 699.873,58
+ Liquidationserlös 0,00 0,00 0,00 0,00
− Auszahlungen 709.500,00 315.000,00 346.500,00 381.150,00
= Überschuss −709.500,00 245.000,00 283.500,00 318.723,58
· Abzinsungsfaktor \(\frac{1}{1{,}09^{0}}\) \(\frac{1}{1{,}09^{1}}\) \(\frac{1}{1{,}09^{2}}\) \(\frac{1}{1{,}09^{3}}\)
= Barwert −709.500,00 224.770,64 238.616,28 246.113,08
Kapitalwert 0,00

Variante 2 – alternative (kompakte) Berechnung:

Jahr Einzahlungen Auszahlungen Überschuss AZF Barwert
0 0,00 709.500,00 −709.500,00 \(1{,}09^{0}\) −709.500,00
1 560.000,00 315.000,00 245.000,00 \(1{,}09^{-1}\) 224.770,64
2 630.000,00 346.500,00 283.500,00 \(1{,}09^{-2}\) 238.616,28
3 699.873,58 381.150,00 318.723,58 \(1{,}09^{-3}\) 246.113,08
Kapitalwert 0,00
Überschüsse abzinsen auf den Barwert (t = 0)abzinsen mit 1 / 1,09ⁿJahr 0Jahr 1Jahr 2Jahr 3− 709.500+245.000+283.500+318.723,58BW 224.770,64BW 238.616,28BW 246.113,08Σ Barwerte= Kapitalwert0,00 €

Nebenrechnungen:

Auszahlungen

\(1.\text{ Jahr}: 4{,}25 \cdot 28.000 + 196.000 = 315.000\)
\(2.\text{ Jahr}: 315.000 \cdot 1{,}10 = 346.500\)
\(3.\text{ Jahr}: 346.500 \cdot 1{,}10 = 381.150\)

Einzahlungen

\(1.\text{ Jahr}: 20{,}00 \cdot 28.000 = 560.000\)
\(2.\text{ Jahr}: 22{,}50 \cdot 28.000 = 630.000\)

Erforderlicher Stückerlös im 3. Jahr:

\( \dfrac{\text{Einzahlungen 3. Jahr}}{\text{verkaufte Menge}} = \dfrac{699.873{,}58}{28.000} = 24{,}99548 \Rightarrow 25{,}00\ \text{€} \)

Um am Ende des 3. Jahres 9 % Verzinsung zu erreichen, muss der Verkaufspreis je Reifen im 3. Jahr mindestens 25,00 € betragen.

💡 Beide Varianten liefern dasselbe: das senkrechte Schema und die kompakte Tabelle. Hier wird rückwärts gerechnet – Kapitalwert = 0 vorgegeben, gesucht ist die Einzahlung (bzw. der Stückerlös).

5. Kritik

Die Methode ist genauer als statische Verfahren (berücksichtigt den Zeitwert des Geldes), hat aber Grenzen: Die künftigen Zahlungsüberschüsse sind Prognosen (unsicher), und das Ergebnis hängt stark vom gewählten Kalkulationszinssatz ab.

6. Typische Prüfungsfehler

✗ Falsch

Kalkulatorische Zinsen/Abschreibungen bei den Auszahlungen abziehen.

✓ Richtig

Sie sind nicht ausgabewirksam und bleiben außen vor – nur echte Ein-/Auszahlungen zählen.

✗ Falsch

Die Anschaffung im Jahr 0 abzinsen.

✓ Richtig

Jahr 0 ist bereits der heutige Wert – Abzinsungsfaktor 1,0000.

✗ Falsch

Den Restwert vergessen.

✓ Richtig

Der Liquidationserlös wird im letzten Jahr zum Zahlungsüberschuss addiert und mit abgezinst.

7. Auf einen Blick

  • Abzinsen: BW = ZW ÷ (1+p)^n.
  • Kapitalwert = − Anschaffung + Σ abgezinste Zahlungsüberschüsse (+ Restwert im letzten Jahr).
  • KW > 0 → investieren; KW < 0 → nicht.
  • Kalkulatorische Zinsen/AfA bleiben außen vor; Jahr 0 wird nicht abgezinst.

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