BwR · FOS Bayern · Jahrgangsstufe 12 · Lernbereich 1 · bisheriger Lehrplan / Übergangskohorte
ca. 32 UETeilkostenrechnungDeckungsbeitragBreak-evenMake-or-BuyEngpass
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Entscheidungen mithilfe der Teilkostenrechnung vorbereiten und begründet treffen
Die Teilkostenrechnung beantwortet kurzfristige Entscheidungsfragen, die eine Vollkostenrechnung nur eingeschränkt lösen kann. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Kosten sich durch eine konkrete Entscheidung tatsächlich verändern. Daraus entstehen Deckungsbeitrag, Preisuntergrenzen, Break-even-Analyse, Eigenfertigung/Fremdbezug, mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung und das optimale Produktionsprogramm bei einem Engpass.
Inhalt
- Warum Teilkostenrechnung?
- Fixe und variable Kosten
- Lineare Kosten- und Erlösfunktion
- Stück- und Gesamtdeckungsbeitrag
- Sortimentsgestaltung
- Kurz- und langfristige Preisuntergrenze
- Zusatzauftrag bei freien Kapazitäten
- Break-even-Analyse
- Was verschiebt die Gewinnschwelle?
- Eigenfertigung oder Fremdbezug – Make-or-Buy
- Kritische Menge rechnerisch und grafisch
- Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung
- Engpässe in Beschaffung, Produktion und Absatz
- Relativer Deckungsbeitrag
- Optimales Produktionsprogramm
- Gesamtfall UNTERNEHMER AG
- Entscheidungslogik: relevante Kosten statt bloßer Vollkosten
- Break-even vertieft: Sicherheitsabstand und Sensitivität
- Engpassrechnung: Warum der relative Deckungsbeitrag entscheidet
- Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung richtig interpretieren
- Integrierter Entscheidungsfall UNTERNEHMER AG
- Prüfungstraining
1. Warum Teilkostenrechnung?
| Vollkostenrechnung | Teilkostenrechnung |
|---|---|
| verteilt sämtliche Kosten auf Kostenträger | trennt entscheidungsrelevante variable und fixe Kosten |
| geeignet u. a. für langfristige Kalkulation | besonders geeignet für kurzfristige Entscheidungen |
| Fixkosten werden Produkten zugerechnet | Fixkosten werden zunächst periodenbezogen betrachtet |
| kann bei Zusatzaufträgen zu Fehlentscheidungen führen, wenn zugerechnete Fixkosten als vermeidbar interpretiert werden | zeigt, ob ein Auftrag einen positiven Beitrag zur Fixkostendeckung leistet |
2. Fixe und variable Kosten
Variable Kosten verändern sich mit der Beschäftigung; Fixkosten bleiben innerhalb des betrachteten Beschäftigungsbereichs insgesamt zunächst konstant. Für Entscheidungen zählt nicht nur die Bezeichnung eines Kostenpostens, sondern sein Verhalten in der konkreten Situation.
| x | Kv gesamt | KF | K gesamt | kv | kF |
|---|---|---|---|---|---|
| 0 | 0 € | 30.000 € | 30.000 € | 45 € | – |
| 1.000 | 45.000 € | 30.000 € | 75.000 € | 45 € | 30 € |
| 2.000 | 90.000 € | 30.000 € | 120.000 € | 45 € | 15 € |
3. Lineare Kosten- und Erlösfunktion
E(x) = p · x
G(x) = E(x) − K(x)
K(x)=30.000+45x; E(x)=75x; G(x)=30x−30.000.
4. Stück- und Gesamtdeckungsbeitrag
DB = db · x = E − Kv
Betriebsergebnis = DB − KF
5. Sortimentsgestaltung
Produkte mit positivem Deckungsbeitrag leisten grundsätzlich einen Beitrag zur Deckung der Fixkosten. Eine kurzfristige Eliminationsentscheidung allein aufgrund eines negativen Vollkostenergebnisses kann daher falsch sein.
6. Kurz- und langfristige Preisuntergrenze
langfristige Preisuntergrenze = volle Stückkosten
Die kurzfristige Preisuntergrenze ist nur für besondere kurzfristige Situationen sinnvoll, insbesondere bei freien Kapazitäten. Langfristig muss ein Unternehmen auch seine Fixkosten decken und Gewinn erwirtschaften.
7. Zusatzauftrag bei freien Kapazitäten
8. Break-even-Analyse
| Bereich | Bedeutung |
|---|---|
| x < 1.000 | Verlustzone |
| x = 1.000 | Gewinnschwelle |
| x > 1.000 | Gewinnzone |
9. Was verschiebt die Gewinnschwelle?
| Änderung | Wirkung auf db | Wirkung auf BEP |
|---|---|---|
| Preis steigt | db ↑ | BEP ↓ |
| variable Stückkosten steigen | db ↓ | BEP ↑ |
| Fixkosten steigen | db unverändert | BEP ↑ |
10. Eigenfertigung oder Fremdbezug – Make-or-Buy
Beim Fremdbezug fallen typischerweise variable Bezugskosten je Stück an. Bei Eigenfertigung können eigene variable Kosten und zusätzliche fixe Kosten relevant sein. Neben der Rechnung verlangt der Lehrplan qualitative Kriterien, insbesondere Lieferbereitschaft und Qualität.
11. Kritische Menge rechnerisch und grafisch
12.000 = 25x
xkrit = 480 Stück
Unter den Modellannahmen sind bei 480 Stück beide Alternativen gleich teuer. Unterhalb bzw. oberhalb entscheidet die Lage der jeweiligen Kostenfunktion.
| Quantitativ | Qualitativ |
|---|---|
| Kosten bei geplanter Menge | Qualität |
| kritische Menge | Lieferbereitschaft / Termintreue |
| relevante fixe Kosten | Know-how / Abhängigkeit |
| variable Eigenfertigungs-/Bezugskosten | Flexibilität / strategische Bedeutung |
12. Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung
Die mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung ordnet Fixkosten dort zu, wo sie tatsächlich verursacht bzw. abgebaut werden können. Dadurch wird sichtbar, ob ein einzelnes Produkt, eine Produktgruppe oder erst das Gesamtunternehmen einen Ergebnisbeitrag leistet.
| Produkt A | Produkt B | Produkt C | |
|---|---|---|---|
| DB I | 90.000 € | 70.000 € | 50.000 € |
| − Produktfixkosten | 30.000 € | 55.000 € | 60.000 € |
| DB II | 60.000 € | 15.000 € | −10.000 € |
13. Engpässe in Beschaffung, Produktion und Absatz
Ein Engpass liegt vor, wenn ein knapper Faktor verhindert, dass alle grundsätzlich vorteilhaften Absatzmöglichkeiten ausgeschöpft werden können. Der Lehrplan nennt ausdrücklich Engpässe in Beschaffung, Produktion und Absatz.
14. Relativer Deckungsbeitrag
Bei einem einzigen Engpass darf nicht einfach nach dem höchsten Stückdeckungsbeitrag gereiht werden. Entscheidend ist der Deckungsbeitrag je Einheit des knappen Faktors.
| Produkt | db/Stück | Engpasszeit | relativer DB | Rang |
|---|---|---|---|---|
| A | 30 € | 6 min | 5 €/min | 2 |
| B | 24 € | 3 min | 8 €/min | 1 |
| C | 35 € | 10 min | 3,50 €/min | 3 |
15. Optimales Produktionsprogramm
Die Produkte werden nach relativem Deckungsbeitrag gereiht. Die verfügbare Engpasskapazität wird in dieser Reihenfolge unter Beachtung der Absatzhöchstmengen verteilt.
16. Gesamtfall UNTERNEHMER AG
- Kosten in fixe und variable Bestandteile zerlegen.
- Stück- und Gesamtdeckungsbeiträge ermitteln.
- Sortiments- und Zusatzauftragsentscheidung vorbereiten.
- Break-even-Menge berechnen und grafisch interpretieren.
- Auswirkungen von Preis-, Kosten- und Fixkostenänderungen analysieren.
- Eigenfertigung und Fremdbezug rechnerisch und qualitativ vergleichen.
- Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung zur Produktbeurteilung einsetzen.
- Engpass erkennen, relativen DB bilden und optimales Produktionsprogramm bestimmen.
- Entscheidungen nicht nur berechnen, sondern Auswirkungen auf Kosten- und Ergebnissituation beurteilen.
17. Typische Prüfungsfehler
| Fehler | Korrektur |
|---|---|
| negatives Vollkostenergebnis → Produkt streichen | Deckungsbeitrag und tatsächlich abbaubare Fixkosten prüfen. |
| kurzfristige PUG = Selbstkosten | kurzfristig grundsätzlich variable Stückkosten. |
| Zusatzauftrag unter Listenpreis automatisch ablehnen | freien Kapazitätsbereich und zusätzlichen DB prüfen. |
| BEP = Fixkosten / Preis | Fixkosten / Stückdeckungsbeitrag. |
| Make-or-Buy nur nach Stückpreis | relevante fixe Kosten und qualitative Kriterien einbeziehen. |
| Engpass nach höchstem db/Stück | relativen DB je Engpasseinheit verwenden. |
18. Entscheidungslogik: relevante Kosten statt bloßer Vollkosten
Die zentrale Stärke der Teilkostenrechnung liegt in ihrer Entscheidungslogik. Kurzfristig sind vor allem jene Kosten relevant, die sich durch eine konkrete Entscheidung tatsächlich verändern. Bereits angefallene oder kurzfristig unvermeidbare fixe Kosten dürfen die Entscheidung nicht verfälschen.
| Entscheidung | zentrale Rechengröße | zusätzlich prüfen |
|---|---|---|
| Zusatzauftrag | zusätzlicher Deckungsbeitrag | freie Kapazität, Preiswirkung, Folgewirkungen |
| Make-or-Buy | relevante Eigenfertigungskosten vs. Bezugspreis | Qualität, Lieferbereitschaft, Know-how, Abhängigkeit |
| Engpass | relativer Deckungsbeitrag je Engpasseinheit | Absatzgrenzen, Mindestmengen |
| Sortiment | Deckungsbeiträge und vermeidbare Fixkosten | Verbundeffekte, Kapazitätsfreisetzung |
19. Break-even vertieft: Sicherheitsabstand und Sensitivität
Die Gewinnschwelle ist kein statischer Punkt. Preis, variable Stückkosten und Fixkosten verschieben sie. Deshalb sollte neben dem Break-even auch der Abstand der erwarteten Absatzmenge zur Gewinnschwelle betrachtet werden.
\\(x_{BEP}=\\frac{K_f}{p-k_v}\\qquad DB_{St}=p-k_v\\)
20. Engpassrechnung: Warum der relative Deckungsbeitrag entscheidet
Bei einem Engpass reicht der Stückdeckungsbeitrag nicht aus. Entscheidend ist der Deckungsbeitrag je Einheit des knappen Faktors.
\\(DB_{rel}=\\frac{DB_{St}}{Engpassbeanspruchung\\ je\\ Stück}\\)
| Produkt | DB/Stück | Maschinenzeit/Stück | relativer DB | Rang |
|---|---|---|---|---|
| A | 48 € | 12 min | 4,00 €/min | 2 |
| B | 36 € | 6 min | 6,00 €/min | 1 |
| C | 55 € | 20 min | 2,75 €/min | 3 |
21. Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung richtig interpretieren
Die mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung verhindert die vorschnelle Aussage „negativer Produkterfolg = Produkt einstellen“. Entscheidend ist, welche Fixkosten durch die Einstellung tatsächlich entfallen.
| Stufe | UNTERNEHMER AG | Bedeutung |
|---|---|---|
| Umsatzerlöse | 420.000 € | Markterlös |
| − variable Kosten | 250.000 € | mengenabhängig |
| = DB I | 170.000 € | Beitrag zur Fixkostendeckung |
| − Produktfixkosten | 90.000 € | dem Produkt zurechenbar |
| = DB II | 80.000 € | Beitrag zu höheren Fixkosten |
22. Integrierter Entscheidungsfall UNTERNEHMER AG
- Deckungsbeiträge der Produkte ermitteln.
- Relative Deckungsbeiträge am Maschinenengpass bestimmen.
- Unter Beachtung der Absatzgrenzen das optimale Produktionsprogramm aufstellen.
- Prüfen, ob für einen Zusatzauftrag freie Engpasskapazität besteht.
- Kurzfristige Preisuntergrenze bestimmen.
- Eigenfertigung und Fremdbezug anhand relevanter Kosten vergleichen.
- Lieferbereitschaft und Qualität ergänzen.
- Gesamte Ergebniswirkung beurteilen.
23. Prüfungstraining
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24. Lernbereich auf einen Blick
- Kostenverhalten: fixe und variable Kosten unterscheiden und für Entscheidungen nur relevante Kosten heranziehen.
- Deckungsbeitrag: Stück- und Gesamtdeckungsbeitrag als Beitrag zur Deckung fixer Kosten und zum Gewinn interpretieren.
- Break-even: Gewinnschwelle rechnerisch und grafisch bestimmen; Sicherheitsabstand und Sensitivität beurteilen.
- Preisentscheidungen: kurz- und langfristige Preisuntergrenzen sowie Zusatzaufträge sachgerecht beurteilen.
- Make-or-Buy: kritische Menge mit qualitativen Kriterien verbinden.
- Sortiment und Engpass: mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung und relativen Deckungsbeitrag zur Programmentscheidung nutzen.
Prüfungslogik: Nicht nur rechnen, sondern Ergebnis, Ursache und unternehmerische Konsequenz formulieren.
