Produktionswirtschaft

Betriebswirtschaftslehre mit Rechnungswesen (BwR) · FOS/BOS Bayern · Klasse 11 · alter Lehrplan

Die Produktionswirtschaft befasst sich mit der Kernaufgabe des Industriebetriebs: der Herstellung von Gütern. Drei zentrale Fragen sind zu beantworten:

1. Welche Produkte werden hergestellt? (Produktionsprogramm) · 2. Wie werden sie hergestellt? (Fertigungsverfahren) · 3. Wann und in welchen Mengen wird produziert? (Abstimmung von Produktion und Absatz)

Inhaltsverzeichnis

  1. 1. Produktionsprogramm: Breite und Tiefe
  2. 2. Fertigungstypen
  3. 3. Organisationstypen der Fertigung
  4. 4. Abstimmung von Produktion und Absatz
  5. Typische Fehler
  6. Auf einen Blick

1. Produktionsprogramm: Breite und Tiefe

Ausgangspunkt sind die Wünsche der Kunden (Marktforschung). Das Produktionsprogramm beschreibt, welche Produkte ein Unternehmen herstellt – charakterisiert durch Breite und Tiefe:

Produktionsprogrammbreite Produktionsprogrammtiefe
Bedeutung Anzahl der verschiedenen Produktgruppen Anzahl der Varianten innerhalb einer Produktgruppe
viel breites Programm (viele Produktgruppen) tiefes Programm (viele Varianten)
wenig schmales Programm (wenige Produktgruppen) flaches Programm (wenige Varianten)
Beispiele. Ein Lebensmittelkonzern (Snacks, Getränke, Süßwaren, jeweils viele Sorten) = breit und tief. Ein exklusiver Modedesigner (wenige Kleidungsstile, wenige Farben/Größen) = schmal und flach. Eine Bäckerei (wenige Warengruppen, aber viele Kuchen-Sorten) = schmal, aber tief.
Merke: Breite = Zahl der Produktgruppen (breit/schmal). Tiefe = Zahl der Varianten je Gruppe (tief/flach). Ein breites Programm streut das Absatzrisiko; ein tiefes Programm bedient viele Kundenwünsche innerhalb einer Gruppe.

2. Fertigungstypen (nach Wiederholung der Fertigung)

Der Fertigungstyp unterscheidet danach, wie oft ein Erzeugnis hergestellt wird:

Fertigungstyp Kennzeichen Beispiel
Einzelfertigung ein Erzeugnis nach konkretem Kundenauftrag, kein festes Programm Anlagenbau, Schiffbau, Sondermaschine
Serienfertigung hohe, aber begrenzte Stückzahl; Varianten eines Grundtyps, kurze Umrüstung Automobilbau, Möbel
Sortenfertigung Varianten des gleichen Grundprodukts nacheinander, geringe Umrüstung Molkerei (Joghurt-Sorten), Brauerei
Massenfertigung sehr große Mengen eines einheitlichen Produkts über lange Zeit Schrauben, Zement, Papier

3. Organisationstypen der Fertigung (nach Anordnung)

Der Organisationstyp beschreibt, wie die Betriebsmittel räumlich angeordnet sind:

Organisationstyp Kennzeichen Vor-/Nachteil
Werkstattfertigung gleichartige Maschinen zu Werkstätten zusammengefasst; Produkt wandert zu den Stationen + flexibel bei vielen Varianten   − lange Transport-/Durchlaufzeiten
Fließfertigung Maschinen in der Reihenfolge des Arbeitsablaufs angeordnet (Fließband) + kurze Durchlaufzeit, geringe Stückkosten   − wenig flexibel, störanfällig
Gruppen-/Reihenfertigung Mischform: Maschinen zu Gruppen (Inseln) mit teil-fließendem Ablauf + Kompromiss aus Flexibilität und Effizienz
Merke: Fertigungstyp = wie oft (Einzel/Serie/Sorte/Masse). Organisationstyp = wie angeordnet (Werkstatt/Fließ/Gruppe). Je einheitlicher und größer die Menge, desto eher Fließ-/Massenfertigung mit niedrigen Stückkosten.

4. Abstimmung von Produktion und Absatz

Produktion und Absatz fallen zeitlich und mengenmäßig oft auseinander. Zwei Grundprinzipien:

Prinzip Vorgehen Folge
Synchronisationsprinzip Produktion folgt dem Absatz (auftragsbezogen, „just in time“) wenig Lager, aber Kapazität muss Schwankungen abfangen
Emanzipationsprinzip Produktion löst sich vom Absatz (gleichmäßige Produktion auf Lager) gleichmäßige Auslastung, aber Lagerbestände und Kapitalbindung
Beispiel. Saisonartikel (z. B. Grillkohle) werden nach dem Emanzipationsprinzip ganzjährig auf Lager produziert, um im Sommer lieferfähig zu sein. Individuelle Anlagen werden nach dem Synchronisationsprinzip erst bei Auftrag gefertigt.

Typische Fehler

✗ Falsch

Breite und Tiefe verwechseln.

✓ Richtig

Breite = Zahl der Produktgruppen, Tiefe = Zahl der Varianten je Gruppe.

✗ Falsch

Fertigungstyp und Organisationstyp gleichsetzen.

✓ Richtig

Fertigungstyp = Wiederholung (Einzel/Serie/Sorte/Masse); Organisationstyp = Anordnung (Werkstatt/Fließ/Gruppe).

✗ Falsch

Synchronisation und Emanzipation vertauschen.

✓ Richtig

Synchronisation: Produktion folgt dem Absatz. Emanzipation: Produktion auf Lager, unabhängig vom Absatz.

Auf einen Blick

  • Produktionsprogramm: Breite (Produktgruppen) & Tiefe (Varianten) – breit/schmal, tief/flach.
  • Fertigungstypen: Einzel-, Serien-, Sorten-, Massenfertigung (nach Wiederholung).
  • Organisationstypen: Werkstatt-, Fließ-, Gruppenfertigung (nach Anordnung).
  • Abstimmung Produktion/Absatz: Synchronisation (auftragsbezogen) vs. Emanzipation (auf Lager).

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