FOS Bayern · Betriebswirtschaftliches Rechnungswesen (BwR) · 11. Jahrgangsstufe · ALT – auslaufender Lehrplan · Lernbereich 2: Material beschaffen sowie Fertigungsverfahren festlegen · ca. 18 Unterrichtsstunden
Material beschaffen und Fertigungsverfahren festlegen
Modellunternehmen: Die UNTERNEHMER AG muss ihre Werkstoffe (Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe, Fremdbauteile) rechtzeitig, in ausreichender Menge und zu minimalen Kosten bereitstellen – und entscheiden, wie und in welcher Tiefe sie fertigt.
Inhaltsverzeichnis
- Ziele und Aufgaben der Materialwirtschaft
- ABC-Analyse
- Bereitstellungsprinzipien und Just-in-Time
- Bestellpunktverfahren und Meldebestand
- Optimale Bestellmenge
- Lagerkennzahlen
- Fertigungstiefe, Normung und Typung
- Fertigungs- und Organisationstypen
- Typische Fehler und Prüfungshinweise
- Auf einen Blick
1. Ziele und Aufgaben der Materialwirtschaft
Die Materialwirtschaft umfasst Disposition, Einkauf und Lagerhaltung. Ihre Ziele bilden ein „magisches“ Zieldreieck bzw. -fünfeck – sie lassen sich nicht alle gleichzeitig optimal erreichen.
Beschaffungs- und Lagerkosten gering halten
Lieferbereitschaft jederzeit gewährleisten
einwandfreie Werkstoffe
wenig Kapital im Lager binden
ressourcenschonende Beschaffung
2. ABC-Analyse
Die ABC-Analyse ordnet die Werkstoffe nach ihrem Anteil am Gesamtverbrauchswert. So wird der Beschaffungsaufwand dorthin gelenkt, wo der größte Wert liegt.
| Gruppe | Anteil an der Menge | Anteil am Wert | Steuerung |
|---|---|---|---|
| A-Güter | ca. 15 % | ca. 80 % | genaue Disposition, ggf. Just-in-Time |
| B-Güter | ca. 30 % | ca. 15 % | optimale Bestellmenge, Bestellpunktverfahren |
| C-Güter | ca. 55 % | ca. 5 % | einfache Steuerung, höhere Sicherheitsbestände |
3. Bereitstellungsprinzipien und Just-in-Time
Material wird auf Lager bezogen. Hohe Versorgungssicherheit, aber hohe Kapitalbindung und Lagerkosten.
Material wird passend zum Fertigungstakt geliefert. Geringe Kapitalbindung, aber hohe Abhängigkeit vom Lieferanten.
4. Bestellpunktverfahren und Meldebestand
Beim Bestellpunktverfahren wird bei Erreichen des Meldebestands neu bestellt, sodass das Lager während der Beschaffungszeit nicht unter den Sicherheitsbestand fällt.
Beispiel – UNTERNEHMER AG: Tagesverbrauch 80 Stück, Beschaffungszeit 6 Tage, Sicherheitsbestand für 10 Tage \(= 800 Stück\):
5. Optimale Bestellmenge
Die optimale Bestellmenge minimiert die Summe aus Bestell- und Lagerhaltungskosten: Viele kleine Bestellungen verursachen hohe Bestellkosten, wenige große Bestellungen hohe Lagerkosten.
Beispiel – UNTERNEHMER AG: Jahresbedarf 24.000 Stück, fixe Bestellkosten 120,00 € je Bestellung, Einstandspreis 25,00 €, Lagerhaltungskostensatz 16 %:
6. Lagerkennzahlen
Beispiel: Jahresverbrauch 28.800 Stück, durchschnittliche Lagerdauer 24 Tage → Umschlagshäufigkeit 360 / 24 = 15; durchschnittlicher Lagerbestand 28.800 / 15 = 1.920 Stück. Eine höhere Umschlagshäufigkeit senkt die Kapitalbindung.
7. Fertigungstiefe, Normung und Typung
Programmbreite (Anzahl der Produktgruppen) und Fertigungstiefe (Anzahl der selbst durchgeführten Fertigungsstufen) bestimmen den Grad der Eigenfertigung. Eine geringe Fertigungstiefe (mehr Fremdbezug) senkt Kosten, erhöht aber die Abhängigkeit von Zulieferern.
8. Fertigungs- und Organisationstypen
Einzel-, Serien-, Sorten- und Massenfertigung – nach Stückzahl und Wiederholgrad.
Werkstatt-, Reihen-, Fließ- und Gruppenfertigung – nach der räumlich-zeitlichen Anordnung.
9. Typische Fehler und Prüfungshinweise
A-Güter sind die mit der größten Stückzahl.
A-Güter haben den größten Wertanteil (ca. 80 %) bei geringer Stückzahl.
Im Meldebestand wird der Sicherheitsbestand vergessen.
Meldebestand = Tagesverbrauch · Beschaffungszeit + Sicherheitsbestand.
Bei der optimalen Bestellmenge wird der Lagerhaltungskostensatz als Prozentzahl statt als Dezimalwert eingesetzt.
16 % als 0,16 einsetzen; die Formel steht unter der Wurzel.
Just-in-Time gilt als risikolos.
Es setzt zuverlässige Lieferanten voraus; bei Störungen droht Produktionsstillstand.
10. Auf einen Blick
Sie können nun die Ziele der Materialwirtschaft abwägen, eine ABC-Analyse auswerten, Bereitstellungsprinzipien und Just-in-Time beurteilen, Meldebestand und optimale Bestellmenge berechnen, Lagerkennzahlen ermitteln sowie Fertigungstiefe, Normung/Typung und die Fertigungs- und Organisationstypen unterscheiden.
Alle Inhalte dieser Seite orientieren sich am offiziellen LehrplanPLUS Bayern (ISB) – auslaufender Lehrplan BwR (FOS/BOS).
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