BWL FOS Bayern · Jahrgangsstufe 13 · Lernbereich 13.1: Jahresabschlussanalyse (LehrplanPLUS, neuer Lehrplan)

Jahresabschlussanalyse: Kennzahlen richtig lesen

Aus der Bilanz und der GuV lassen sich Kennzahlen berechnen, die die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens sichtbar machen: Wie ist das Vermögen finanziert? Ist genügend Eigenkapital da? Kann das Unternehmen seine Rechnungen bezahlen? Verdient es genug? Grundlage ist die Strukturbilanz – eine aufbereitete, verdichtete Bilanz.

Modellunternehmen: die UNTERNEHMER AG mit folgender Strukturbilanz (Werte in Tsd. €).

1. Die Strukturbilanz

Aktiva Tsd. € Passiva Tsd. €
Anlagevermögen (AV) 6.000 Eigenkapital (EK) 4.000
Umlaufvermögen (UV) 4.000 langfr. Fremdkapital 3.000
    kurzfr. Fremdkapital 3.000
Summe 10.000 Summe 10.000

2. Vermögens- und Kapitalstruktur

Die Vermögensstruktur (Aktivseite) zeigt, wie das Kapital investiert ist; die Kapitalstruktur (Passivseite), woher es stammt.

\( \text{Anlagequote} = \dfrac{\text{Anlageverm\“ogen} \cdot 100\,\%}{\text{Gesamtverm\“ogen}} = \dfrac{6.000 \cdot 100\,\%}{10.000} = 60\,\% \)

\( \text{Eigenkapitalquote} = \dfrac{\text{Eigenkapital} \cdot 100\,\%}{\text{Gesamtkapital}} = \dfrac{4.000 \cdot 100\,\%}{10.000} = 40\,\% \)

\( \text{Verschuldungsgrad} = \dfrac{\text{Fremdkapital} \cdot 100\,\%}{\text{Eigenkapital}} = \dfrac{6.000 \cdot 100\,\%}{4.000} = 150\,\% \)

Kapitalstruktur der UNTERNEHMER AG EK 40% lfr. FK 30% kfr. FK 30% 4.000 3.000 3.000 Eigen- | Fremdkapital
Merke: Eine hohe Eigenkapitalquote bedeutet mehr Sicherheit und Unabhängigkeit. Ein hoher Verschuldungsgrad \(FK \gt EK\) erhöht das Risiko, kann aber über den Leverage-Effekt die Eigenkapitalrentabilität steigern, solange die Gesamtkapitalrendite über dem Fremdkapitalzins liegt.

3. Anlagendeckung – die goldene Bilanzregel

Langfristig gebundenes Vermögen (Anlagevermögen) soll auch langfristig finanziert sein. Das prüfen die Anlagendeckungsgrade:

\( \text{Anlagendeckung I} = \dfrac{\text{Eigenkapital} \cdot 100\,\%}{\text{Anlageverm\“ogen}} = \dfrac{4.000 \cdot 100\,\%}{6.000} = 66{,}7\,\% \)

\( \text{Anlagendeckung II} = \dfrac{(\text{EK} + \text{langfr. FK}) \cdot 100\,\%}{\text{Anlageverm\“ogen}} = \dfrac{7.000 \cdot 100\,\%}{6.000} = 116{,}7\,\% \)

Merke (goldene Bilanzregel): Der Anlagendeckungsgrad II sollte mindestens 100 % betragen – dann ist das gesamte Anlagevermögen durch langfristiges Kapital (EK + langfr. FK) gedeckt. Bei der UNTERNEHMER AG ist er mit 116,7 % erfüllt – die Finanzierung ist fristenkongruent (solide).

4. Liquiditätsanalyse

Die Liquidität zeigt, ob das Unternehmen seine kurzfristigen Schulden bezahlen kann. Man staffelt das Umlaufvermögen nach Verfügbarkeit (liquide Mittel 1., 2., 3. Grades).

Angaben (Tsd. €): Kasse/Bank (1. Grades) 600 · + Forderungen (2. Grades) 2.000 · + Vorräte \(3. Grades = gesamtes UV\) 4.000 · kurzfr. Fremdkapital 3.000.

Liquiditätsgrad Berechnung Wert
1. Grades (Bar) \( \dfrac{600 \cdot 100\,\%}{3.000} \) 20 %
2. Grades (einzugsbedingt) \( \dfrac{2.000 \cdot 100\,\%}{3.000} \) 66,7 %
3. Grades (umsatzbedingt) \( \dfrac{4.000 \cdot 100\,\%}{3.000} \) 133,3 %
Merke: Der Liquiditätsgrad 3 sollte über 100 % liegen (das kurzfristige Vermögen übersteigt die kurzfristigen Schulden) – hier 133,3 %, also gesund. Ein zu niedriger Grad 1/2 kann trotzdem auf Zahlungsengpässe hindeuten.

5. Rentabilitätsanalyse

Rentabilität misst den Erfolg im Verhältnis zum eingesetzten Kapital bzw. Umsatz. Angaben: Jahresüberschuss 480 Tsd. €, Umsatz 12.000 Tsd. €.

\( \text{Eigenkapitalrentabilit\“at} = \dfrac{\text{Jahres\“uberschuss} \cdot 100\,\%}{\text{Eigenkapital}} = \dfrac{480 \cdot 100\,\%}{4.000} = 12\,\% \)

\( \text{Umsatzrentabilit\“at} = \dfrac{\text{Jahres\“uberschuss} \cdot 100\,\%}{\text{Umsatz}} = \dfrac{480 \cdot 100\,\%}{12.000} = 4\,\% \)

Merke: Die Eigenkapitalrentabilität (hier 12 %) ist für die Anteilseigner zentral – sie sollte über einer risikolosen Kapitalanlage liegen. Die Umsatzrentabilität (4 %) zeigt, wie viel vom Umsatz als Gewinn übrig bleibt.

6. So fragt die Abschlussprüfung

  • Erstellen Sie die Strukturbilanz aus der gegebenen Bilanz.
  • Berechnen Sie Anlagequote, EK-Quote, Verschuldungsgrad und Anlagendeckung I/II.
  • Berechnen und beurteilen Sie die Liquiditätsgrade und Rentabilitäten.
  • Beurteilen Sie die wirtschaftliche Lage anhand der Kennzahlen.

7. Typische Fehler – und wie Sie Punkte retten

Fehler Richtig
Verschuldungsgrad als FK/GK statt FK/EK Verschuldungsgrad = Fremdkapital / Eigenkapital.
Anlagendeckung II ohne langfristiges FK Grad II = (EK + langfr. FK) / AV.
Liquidität 2. Grades mit Vorräten rechnen 2. Grades ohne Vorräte (nur liquide Mittel + Forderungen).
EK- und Umsatzrentabilität verwechseln EK-Rent. = JÜ/EK; Umsatzrent. = JÜ/Umsatz.

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Grundlage: LehrplanPLUS Bayern, BWL FOS 13, Lernbereich 13.1 (neuer Lehrplan). Alle Zahlen maschinell gegengerechnet. Modellunternehmen UNTERNEHMER AG.

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