BWL FOS Bayern · Jahrgangsstufe 13 · Lernbereich 13.4: Controlling (LehrplanPLUS, neuer Lehrplan)

Controlling: das Unternehmen strategisch steuern

Controlling bedeutet nicht „kontrollieren“, sondern steuern: Das Unternehmen setzt Ziele, misst die Zielerreichung mit Kennzahlen und leitet Maßnahmen ab. Das strategische Controlling richtet den Blick langfristig nach außen (Markt, Chancen, Risiken), das operative Controlling steuert das laufende Geschäft. Zwei zentrale Werkzeuge sind die Balanced Scorecard und die SWOT-Analyse.

Modellunternehmen: die UNTERNEHMER AG. An ihr betrachten wir, wie Vision und Strategie in messbare Ziele übersetzt werden.

1. Die Balanced Scorecard – ein ausgewogenes Zielsystem

Die Balanced Scorecard (BSC) übersetzt die Vision und Strategie eines Unternehmens in ein einheitliches Zielsystem mit vier gleichwertigen Perspektiven. „Balanced“ heißt: Nicht nur Finanzen zählen, sondern auch Kunden, Prozesse und Potenziale – alle stehen in einem Ursache-Wirkungs-Zusammenhang.

Vision & Strategie Finanzperspektive Wie treten wir gegenüber Teilhabern auf? (Kosten, Erträge, Rendite) Prozessperspektive In welchen Prozessen müssen wir top sein? (Qualität, Innovation) Kundenperspektive Wie treten wir gegenüber Kunden auf? (Zufriedenheit, Service) Potenzialperspektive Welche Potenziale nutzen wir für die Vision? (Mitarbeiter, Wissen)
Perspektive Strategisches Ziel Messgröße (Kennzahl) Maßnahme
Finanz Kosten senken, Erträge erhöhen Einkaufspreise, Fehlmengen Lieferanten & Produktion prüfen
Kunden Kundenservice & Zufriedenheit Anzahl Beschwerden (Ziel <5) Qualitätsmanagement
Prozess Neue Produkte am Markt Umsatzanteil, Marktwachstum Investition in Innovationen
Potenzial Besser am Markt platzieren Vergleich zur Konkurrenz Informationssystem, Vertriebskanäle
Merke: Alle vier Perspektiven sind gleichwertig und hängen über Ursache-Wirkungs-Ketten zusammen: zufriedene Mitarbeiter (Potenzial) → bessere Prozesse → zufriedene Kunden → bessere Finanzen. Jede Perspektive braucht Ziel, Messgröße, Zielwert und Maßnahme.

2. Die SWOT-Analyse

Die SWOT-Analyse ist ein Werkzeug des strategischen Controllings. Sie stellt die internen Stärken und Schwächen des Unternehmens den externen Chancen und Risiken des Marktes gegenüber:

intern extern Stärken (Strengths) z. B. bekannte Marke, gute Qualität, Know-how Schwächen (Weaknesses) z. B. hohe Kosten, veraltete Technik Chancen (Opportunities) z. B. wachsender Markt, neue Zielgruppen Risiken (Threats) z. B. neue Konkurrenz, gesetzliche Änderungen
Merke: Stärken/Schwächen = intern (das Unternehmen selbst), Chancen/Risiken = extern (der Markt). Aus der Kombination leitet man Strategien ab: Stärken nutzen, um Chancen zu ergreifen; Schwächen abbauen, um Risiken zu begegnen.

3. Target Costing (Zielkostenrechnung)

Das Target Costing dreht die klassische Kalkulation um: Statt von den eigenen Kosten auszugehen und einen Preis zu bilden, startet man beim am Markt erzielbaren Preis und fragt rückwärts: Was darf das Produkt höchstens kosten, damit wir den geplanten Gewinn erreichen? Der Markt gibt den Preis vor, nicht die Kostenrechnung.

\( \text{Zielkosten} = \text{am Markt erzielbarer Preis} – \text{geplanter Gewinn} \)

Musterbeispiel. Die UNTERNEHMER AG entwickelt ein neues Produkt. Der Markt akzeptiert einen Verkaufspreis von 200,00 €. Das Unternehmen plant einen Gewinn von 15 %.

am Markt erzielbarer Preis 200,00
− geplanter Gewinn (15 %) 30,00
= Zielkosten (dürfen höchstens anfallen) 170,00

Liegen die geplanten Standardkosten (z. B. 185,00 €) über den Zielkosten (170,00 €), muss das Unternehmen 15,00 € einsparen – durch günstigere Konstruktion, Material oder Prozesse („Cost Engineering“), bevor das Produkt in Serie geht.

Merke: Target Costing ist marktorientiert und setzt schon in der Entwicklungsphase an („Was darf es kosten?“ statt „Was kostet es?“). Die Zielkostenlücke (Standardkosten − Zielkosten) zeigt den notwendigen Einsparbetrag.

4. So fragt die Abschlussprüfung

  • Ordnen Sie Ziele und Kennzahlen den vier BSC-Perspektiven zu.
  • Erstellen Sie eine SWOT-Analyse und leiten Sie Strategien ab.
  • Berechnen Sie die Zielkosten und die Zielkostenlücke (Target Costing).
  • Beurteilen Sie die Steuerungswirkung der Kennzahlen.

5. Typische Fehler – und wie Sie Punkte retten

Fehler Richtig
Die BSC nur als Finanz-Kennzahlen verstehen Vier gleichwertige Perspektiven (Finanz, Kunden, Prozess, Potenzial).
Stärken/Schwächen als extern einordnen Stärken/Schwächen = intern, Chancen/Risiken = extern.
Beim Target Costing von den eigenen Kosten ausgehen Vom Marktpreis rückwärts: Zielkosten = Preis − Gewinn.

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Grundlage: LehrplanPLUS Bayern, BWL FOS 13, Lernbereich 13.4 (neuer Lehrplan). Modellunternehmen UNTERNEHMER AG.

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