Betriebswirtschaftslehre · FOS Bayern · Jahrgangsstufe 11 · neuer LehrplanPLUS
BWL 11 NEULernbereich 428 UEUNTERNEHMER AG
Alle Inhalte dieser Seite folgen dem offiziellen LehrplanPLUS Bayern.
Mithilfe der Vollkostenrechnung Angebotspreise ermitteln, Maschinenkosten berechnen und Abweichungen analysieren
Die UNTERNEHMER AG benötigt belastbare Angebotspreise. Dazu müssen Kosten richtig zugerechnet, Maschinenkosten verursachungsgerecht erfasst und Abweichungen zwischen Kalkulation und tatsächlichem Kostenanfall erkannt und interpretiert werden.
Inhaltsverzeichnis
- Die Vollkostenrechnung als System
- Externes und internes Rechnungswesen: Aufwand ist nicht immer Kosten
- Einzelkosten, Gemeinkosten und Bezugsgrößen
- Vom Material bis zu den Selbstkosten
- Vorwärtskalkulation: vom Kostenblock zum Angebotspreis
- Rückwärtskalkulation: der Markt setzt die Preisgrenze
- Differenzkalkulation: welcher Gewinn bleibt tatsächlich?
- Maschinenkosten verursachungsgerecht berechnen
- Maschinenstundensatz in die Kalkulation integrieren
- BAB: Gemeinkosten auf Kostenstellen verteilen
- Warum der BAB keine bloße Tabelle ist
- Normalzuschläge und Abweichungen analysieren
- Abweichungen nicht nur berechnen, sondern erklären
- Vorkalkulierten und tatsächlichen Erfolg ermitteln
- Betriebs- und Gesamtergebnis miteinander erklären
- Gesamtfall UNTERNEHMER AG: UA-200 vollständig kalkulieren
- Was passiert, wenn sich Kosten oder Auslastung ändern?
- Typische Fehler – und wie man sie vermeidet
- 30 Prüfungs- und Transferaufträge
- Das Wichtigste auf einen Blick
1. Die Vollkostenrechnung als System
Die Vollkostenrechnung verfolgt sämtliche Kosten einer Periode bis zu den betrieblichen Leistungen. Sie beantwortet drei aufeinander aufbauende Fragen. Kostenarten werden erfasst, Gemeinkosten auf Kostenstellen verteilt und anschließend den Kostenträgern zugerechnet.
| Stufe | Leitfrage | Werkzeug |
|---|---|---|
| Kostenartenrechnung | Welche Kosten sind angefallen? | Kostenarten gliedern |
| Kostenstellenrechnung | Wo sind Gemeinkosten entstanden? | Betriebsabrechnungsbogen (BAB) |
| Kostenträgerrechnung | Wofür sind Kosten entstanden? | Stückrechnung/Kalkulation |
2. Externes und internes Rechnungswesen: Aufwand ist nicht immer Kosten
Die Finanzbuchhaltung erfasst Aufwendungen und Erträge und führt zum Gesamtergebnis. Die Kosten- und Leistungsrechnung betrachtet dagegen den eigentlichen Betriebszweck und ermittelt das Betriebsergebnis. Deshalb müssen beide Rechnungskreise abgegrenzt werden.
| Begriff | Bedeutung | Beispiel UNTERNEHMER AG |
|---|---|---|
| Grundkosten | Aufwand = Kosten in gleicher Höhe | Fertigungslohn |
| Anderskosten | Aufwand und Kosten in unterschiedlicher Höhe | kalkulatorische Abschreibung |
| Zusatzkosten | Kosten ohne entsprechenden Aufwand | kalkulatorische Größe ohne Aufwandspendant |
| Grundleistung | betriebszweckbezogener Ertrag = Leistung | Umsatzerlöse UA-200 |
3. Einzelkosten, Gemeinkosten und Bezugsgrößen
Einzelkosten können einem Kostenträger unmittelbar zugerechnet werden. Gemeinkosten fallen für mehrere Produkte oder Bereiche gemeinsam an und werden über geeignete Bezugsgrößen zugerechnet.
| Kosten | Zuordnung | Beispiel |
|---|---|---|
| Materialeinzelkosten (MEK) | direkt | Spezialmotor für UA-200 |
| Fertigungseinzelkosten (FEK) | direkt | produktbezogene Fertigungslöhne |
| Materialgemeinkosten (MGK) | indirekt | Lager, Materialprüfung |
| Fertigungsgemeinkosten (FGK) | indirekt | Meister, Halle, Maschinen |
| Verwaltungsgemeinkosten (VwGK) | indirekt | Verwaltung |
| Vertriebsgemeinkosten (VtGK) | indirekt | allgemeiner Vertrieb |
4. Vom Material bis zu den Selbstkosten
Das Kalkulationsschema ist eine Rechenlogik. Jede Gemeinkostenart braucht eine fachlich passende Zuschlagsgrundlage.
| Rechenstufe | Bezugsgröße |
|---|---|
| MEK + MGK = Materialkosten | MGK auf MEK |
| FEK + FGK = Fertigungskosten | FGK auf FEK bzw. maschinenbezogene Basis |
| Materialkosten + Fertigungskosten = Herstellkosten | – |
| + VwGK + VtGK = Selbstkosten | VwGK/VtGK auf Herstellkosten |
5. Vorwärtskalkulation: vom Kostenblock zum Angebotspreis
Bei der Vorwärtskalkulation sind die Kosten Ausgangspunkt. Der Rechenweg führt über Gewinn und Vertriebskonditionen zum Listenverkaufspreis.
| Kalkulationsstufe | € | % | % |
|---|---|---|---|
| Selbstkosten | 9.945,60 | 100 | |
| + Gewinn 15 % | 1.491,84 | 15 | |
| = Barverkaufspreis | 11.437,44 | 98 | |
| + Kundenskonto | 233,42 | 2 | |
| = Zielverkaufspreis | 11.670,86 | 90 | |
| + Kundenrabatt | 1.296,76 | 10 | |
| = Listenverkaufspreis | 12.967,62 | 100 |
Rabatt und Skonto werden nicht einfach zum Barverkaufspreis addiert. Bei 2 % Skonto entspricht der Barverkaufspreis 98 % des Zielverkaufspreises; bei 10 % Rabatt entspricht der Zielverkaufspreis 90 % des Listenverkaufspreises.
6. Rückwärtskalkulation: der Markt setzt die Preisgrenze
Ist ein maximal durchsetzbarer Listenpreis gegeben, wird rückwärts gerechnet. Entscheidend ist nicht das mechanische Umkehren von Rechenzeichen, sondern das Erkennen der jeweiligen Prozentbasis.
| Kalkulationsstufe | € | % | % |
|---|---|---|---|
| Listenverkaufspreis | 13.500,00 | 100 | |
| − Rabatt 10 % | 1.350,00 | 10 | |
| = Zielverkaufspreis | 12.150,00 | 90 | 100 |
| − Skonto 2 % | 243,00 | 2 | |
| = Barverkaufspreis | 11.907,00 | 98 | |
| − Gewinn | 1.553,09 | ||
| = maximal zulässige Selbstkosten | 10.353,91 | 100 |
7. Differenzkalkulation: welcher Gewinn bleibt tatsächlich?
Bei der Differenzkalkulation stehen Kosten und marktbedingter Verkaufspreis fest. Man rechnet von beiden Seiten auf die unbekannte Größe zu.
8. Maschinenkosten verursachungsgerecht berechnen
In einer automatisierten Fertigung ist der Fertigungslohn oft keine sachgerechte Basis für hohe maschinenabhängige Kosten. Deshalb werden die Kosten einer Maschine separat ermittelt und auf ihre Nutzungsstunden verteilt.
Kalkulatorische Abschreibung
Kalkulatorische Zinsen
Gebundenes Kapital verursacht Opportunitätskosten. Diese werden in der Kostenrechnung durch kalkulatorische Zinsen berücksichtigt. Hinzu kommen z. B. Raum-, Energie- und Instandhaltungskosten.
| Maschine M7 | Jahreskosten |
|---|---|
| kalk. Abschreibung | 60.000 € |
| kalk. Zinsen | 15.000 € |
| Raumkosten | 12.000 € |
| Energie | 48.000 € |
| Instandhaltung | 25.000 € |
| Summe | 160.000 € |
9. Maschinenstundensatz in die Kalkulation integrieren
Benötigt die UA-200 fünf Maschinenstunden auf M7, werden ihr 5 × 80 € = 400 € Maschinenkosten zugerechnet. Andere Fertigungsgemeinkosten können daneben über einen Zuschlag auf Fertigungseinzelkosten verrechnet werden.
| Fertigung UA-200 | Betrag |
|---|---|
| Fertigungseinzelkosten | 2.800 € |
| sonstige FGK: 50 % von FEK | 1.400 € |
| Maschinenkosten: 5 h × 80 €/h | 400 € |
| Fertigungskosten | 4.600 € |
10. BAB: Gemeinkosten auf Kostenstellen verteilen
Der Betriebsabrechnungsbogen ordnet Gemeinkosten den Kostenstellen zu. Danach werden Zuschlagssätze ermittelt, mit denen die Gemeinkosten auf Kostenträger verrechnet werden.
| Gemeinkosten | Material | Fertigung | Verwaltung | Vertrieb |
|---|---|---|---|---|
| Hilfs-/Betriebsstoffe | 8.000 | 22.000 | – | – |
| Gehälter | 18.000 | 35.000 | 52.000 | 38.000 |
| Raumkosten | 12.000 | 40.000 | 18.000 | 10.000 |
| sonstige GK | 7.000 | 23.000 | 10.000 | 12.000 |
| Summe | 45.000 | 120.000 | 80.000 | 60.000 |
FGK-Zuschlag = FGK ÷ FEK × 100
VwGK-/VtGK-Zuschlag = jeweilige GK ÷ Herstellkosten × 100
11. Warum der BAB keine bloße Tabelle ist
Der BAB ist ein Verteilungsmodell: Kostenarten werden nach Verursachung oder geeigneten Schlüsseln auf Kostenstellen verteilt. Erst danach werden sie über Zuschlagssätze den Kostenträgern zugerechnet.
12. Normalzuschläge und Abweichungen analysieren
Angebote müssen häufig kalkuliert werden, bevor die Ist-Gemeinkosten einer Periode feststehen. Deshalb verwendet die UNTERNEHMER AG Normalzuschlagssätze. Später werden die verrechneten Normalgemeinkosten mit den tatsächlich angefallenen Ist-Gemeinkosten verglichen.
| Vergleich | Folge |
|---|---|
| verrechnete GK > Ist-GK | Überdeckung |
| verrechnete GK < Ist-GK | Unterdeckung |
| verrechnete GK = Ist-GK | keine Abweichung |
13. Abweichungen nicht nur berechnen, sondern erklären
Eine Unter- oder Überdeckung ist zunächst ein Rechenergebnis. Betriebswirtschaftlich relevant wird sie durch die Ursachenanalyse.
| Mögliche Ursache | Wirkung/Frage |
|---|---|
| Preissteigerungen bei Gemeinkosten | Sind Energie, Mieten oder Dienstleistungen teurer geworden? |
| geänderte Beschäftigung | Passt die Bezugsgröße noch zum Normalzuschlag? |
| unrealistische Normalwerte | Muss die Kalkulationsbasis aktualisiert werden? |
| Produktionsstörungen | Sind zusätzliche indirekte Kosten entstanden? |
| Effizienzverbesserung | Warum liegen Istkosten unter der Verrechnung? |
14. Vorkalkulierten und tatsächlichen Erfolg ermitteln
Die Vorkalkulation arbeitet mit Normalzuschlagssätzen. Nach Ablauf der Periode stehen die tatsächlich angefallenen Gemeinkosten fest. Dadurch kann sich der tatsächliche Erfolg vom vorkalkulierten Umsatzergebnis unterscheiden.
Umsatzerlöse 1.240.000 € − vorkalkulierte Selbstkosten des Umsatzes 1.090.000 € = vorkalkuliertes Umsatzergebnis 150.000 €.
Unterdeckungen: 18.000 €; Überdeckungen: 6.000 €. Netto wurden 12.000 € zu wenig Gemeinkosten verrechnet.
Tatsächliches Betriebsergebnis = 150.000 € − 12.000 € = 138.000 €.
15. Betriebs- und Gesamtergebnis miteinander erklären
Das Betriebsergebnis zeigt den Erfolg des eigentlichen Betriebszwecks. Das Gesamtergebnis enthält sämtliche Aufwendungen und Erträge. Beide Ergebnisse können deshalb voneinander abweichen.
| Sachverhalt | Gesamtergebnis | Betriebsergebnis |
|---|---|---|
| bilanzielle Abschreibung | Aufwand | kalkulatorische Abschreibung als Anderskosten |
| betriebsfremde Zinserträge | Ertrag | keine betriebszweckbezogene Leistung |
16. Gesamtfall UNTERNEHMER AG: UA-200 vollständig kalkulieren
Gegeben: MEK 7.200 €, MGK 10 %, FEK 2.800 €, sonstige FGK 50 % der FEK, Maschinenzeit 5 h bei 80 €/h, VwGK 8 %, VtGK 4 %, Gewinn 12 %, Kundenskonto 2 %, Kundenrabatt 10 %.
| Stufe | Rechnung | Betrag |
|---|---|---|
| Materialkosten | 7.200 + 720 | 7.920,00 € |
| Fertigungskosten | 2.800 + 1.400 + 400 | 4.600,00 € |
| Herstellkosten | 7.920 + 4.600 | 12.520,00 € |
| VwGK | 8 % von 12.520 | 1.001,60 € |
| VtGK | 4 % von 12.520 | 500,80 € |
| Selbstkosten | 14.022,40 € | |
| Gewinn | 12 % von SK | 1.682,69 € |
| Barverkaufspreis | 15.705,09 € | |
| Zielverkaufspreis | 15.705,09 / 0,98 | 16.025,60 € |
| Listenverkaufspreis | 16.025,60 / 0,90 | 17.806,22 € |
17. Was passiert, wenn sich Kosten oder Auslastung ändern?
Eine gute Kalkulation endet nicht beim ersten Ergebnis. Für Entscheidungen ist wichtig, wie empfindlich der Angebotspreis auf Änderungen reagiert.
| Szenario | Wirkung |
|---|---|
| Energieaufwand der Maschine steigt | Maschinenstundensatz steigt |
| Nutzungsstunden sinken bei gleichen Jahreskosten | Maschinenstundensatz steigt |
| MGK-Normalsatz zu niedrig | Unterdeckung wahrscheinlicher |
| Marktpreis bleibt konstant, Selbstkosten steigen | Gewinnspanne sinkt |
| Rabatt steigt bei gleichem Ziel-BVP | notwendiger Listenpreis steigt |
18. Typische Fehler – und wie man sie vermeidet
| Fehler | Richtig |
|---|---|
| Einzelkosten = kleine Kosten | Einzelkosten sind direkt zurechenbar. |
| jede Prozentangabe auf den vorherigen Betrag | Bezugsgröße fachlich bestimmen. |
| Rabatt/Skonto einfach aufschlagen | mit den jeweiligen Restprozentsätzen rechnen. |
| historischen Anschaffungswert für kalk. Abschreibung verwenden | im hier verwendeten Maschinenkostenmodell Wiederbeschaffungswert beachten. |
| Maschinenkosten doppelt verrechnen | maschinenabhängige und übrige FGK sauber trennen. |
| BAB-Zahlen nur addieren | Verteilungslogik und Bezugsgrößen verstehen. |
| Über-/Unterdeckung vertauschen | verrechnete GK mit Ist-GK vergleichen. |
| Abweichung ohne Ursache bewerten | Ursache und Verantwortbarkeit analysieren. |
19. 30 Prüfungs- und Transferaufträge
20. Das Wichtigste auf einen Blick
- Vollkostenrechnung: Kostenarten → Kostenstellen → Kostenträger.
- Einzelkosten werden direkt, Gemeinkosten über Bezugsgrößen zugerechnet.
- Vorwärts-, Rückwärts- und Differenzkalkulation nutzen dasselbe Grundschema mit wechselnden 100-%-Basen.
- Maschinenstundensätze verbessern die verursachungsgerechte Verrechnung maschinenabhängiger Kosten.
- Der BAB verteilt Gemeinkosten und liefert Zuschlagssätze.
- Normal- und Istkosten können zu Über- oder Unterdeckungen führen.
- Abweichungen müssen berechnet und betriebswirtschaftlich interpretiert werden.
✏️ Jetzt selbst üben – im Aufgabengenerator
Erzeuge beliebig viele Aufgaben zu Vollkostenrechnung, Kalkulation, Maschinenkosten, BAB und Abweichungsanalyse – mit vollständigem Lösungsweg.
