Betriebswirtschaftslehre · FOS Bayern · Jahrgangsstufe 11 · neuer LehrplanPLUS

BWL 11 NEULernbereich 322 UEExternes RechnungswesenUNTERNEHMER AG

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Mithilfe des externen Rechnungswesens Bilanz und GuV analysieren

Die Buchführung ist kein Selbstzweck. Sie macht Geschäftsvorfälle nachvollziehbar und zeigt, wie sie Vermögen, Kapital und Unternehmenserfolg verändern. Deshalb wird jede Buchung auf dieser Seite mit ihrer wirtschaftlichen Wirkung verbunden.

Didaktische Linie: Bilanz verstehen → Konten systematisieren → Geschäftsvorfälle buchen → Bilanzveränderungen erkennen → Aufwand und Ertrag erfassen → GuV verstehen → Bilanz und GuV gemeinsam analysieren.

Inhaltsverzeichnis

  1. Externes Rechnungswesen: vom Geschäftsvorfall zur Analyse
  2. Bilanz: Vermögen und Kapital gegenüberstellen
  3. Industriekontenrahmen (IKR)
  4. Bestandskonten: Aktiv und Passiv sicher unterscheiden
  5. Buchungssätze bilden: Soll an Haben
  6. Vier Bilanzveränderungen
  7. Erfolgskonten: Aufwand und Ertrag
  8. Gewinn- und Verlustrechnung analysieren
  9. Umsatzsteuer und Vorsteuer im Buchungssystem
  10. Vom Beleg zur wirtschaftlichen Aussage
  11. Kontenabschluss: GuV, Eigenkapital und Schlussbilanz
  12. Der vollständige Buchungskreislauf
  13. Bilanz und GuV gemeinsam analysieren
  14. Integrierter Fall: UNTERNEHMER AG
  15. Typische Fehler – und wie man sie vermeidet
  16. 35 Prüfungs- und Transferaufträge
  17. Das Wichtigste auf einen Blick

1. Externes Rechnungswesen: vom Geschäftsvorfall zur Analyse

Das externe Rechnungswesen bildet Geschäftsvorfälle systematisch ab und verdichtet sie zu Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung (GuV). In diesem Lernbereich geht es deshalb nicht nur darum, Buchungssätze mechanisch zu bilden. Entscheidend ist, die Wirkung eines Vorgangs auf Vermögen, Kapital und Erfolg zu verstehen.

BelegGeschäftsvorfallBuchungssatzSoll an HabenKontenHauptbuchBilanzBeständeGuVErfolgAnalyseWirkungen

2. Bilanz: Vermögen und Kapital gegenüberstellen

Die Bilanz stellt zu einem Stichtag Aktiva und Passiva gegenüber. Die Aktivseite zeigt die Mittelverwendung, die Passivseite die Mittelherkunft. Beide Seiten sind stets gleich groß.

Aktiva = Passiva
Vermögen = Eigenkapital + Fremdkapital
Aktiva – Mittelverwendung Betrag Passiva – Mittelherkunft Betrag
Maschinen 420.000 € Eigenkapital 500.000 €
Vorräte 160.000 € Darlehen 220.000 €
Forderungen 110.000 € Verbindlichkeiten 90.000 €
Bank/Kasse 120.000 €
Summe 810.000 € Summe 810.000 €
AKTIVAPASSIVAAnlagevermögenUmlaufvermögenEigenkapitalFremdkapitalWofür ist Kapital gebunden?Woher stammt das Kapital?

3. Industriekontenrahmen (IKR)

Der IKR ordnet Konten nach Kontenklassen. Der vorhandene lern.de-Buchführungsbestand arbeitet mit der Systematik 0–4 Bilanz, 5–7 GuV, 8 Abschluss. Diese Grundlogik wird hier auf die UNTERNEHMER AG übertragen.

Klasse Inhalt Auswertung
0 immaterielle Vermögensgegenstände / Sachanlagen Bilanz – Aktiva
1 Finanzanlagen Bilanz – Aktiva
2 Umlaufvermögen / aktive Abgrenzung Bilanz – Aktiva
3 Eigenkapital / Rückstellungen u. a. Bilanz – Passiva
4 Verbindlichkeiten / passive Abgrenzung Bilanz – Passiva
5 Erträge GuV
6–7 Aufwendungen GuV
8 Ergebnis-/Abschlusskonten Abschluss
Kontenrahmen = systematisches Kontenangebot. Kontenplan = betriebsindividuelle Auswahl daraus.

4. Bestandskonten: Aktiv und Passiv sicher unterscheiden

Kontoart Anfangsbestand Zunahme Abnahme Schlussbestand
aktives Bestandskonto Soll Soll Haben Haben
passives Bestandskonto Haben Haben Soll Soll
Aktives BestandskontoSOLLHABENAB+ Zunahmen− AbnahmenSBPassives BestandskontoSOLLHABENAB+ Zunahmen− AbnahmenSB

5. Buchungssätze bilden: Soll an Haben

Jeder Geschäftsvorfall wird zunächst sachlich analysiert: Welche Konten verändern sich? Welche Kontoarten sind betroffen? Nehmen sie zu oder ab? Erst dann wird der Buchungssatz gebildet.

UNTERNEHMER AG kauft eine Maschine für 60.000 € per Banküberweisung.
Maschinen ↑ → aktives Bestandskonto im Soll. Bank ↓ → aktives Bestandskonto im Haben.
Maschinen 60.000 € an Bank 60.000 €
UNTERNEHMER AG nimmt ein Darlehen über 100.000 € auf; Gutschrift auf Bank.
Bank ↑ → Soll. Darlehensverbindlichkeit ↑ → Haben.
Bank 100.000 € an Darlehensverbindlichkeiten 100.000 €

6. Vier Bilanzveränderungen

Typ Aktiva Passiva Bilanzsumme Beispiel
Aktivtausch + / − unverändert unverändert Maschine gegen Bank
Passivtausch unverändert + / − unverändert kurzfristige Schuld wird Darlehen
Aktiv-Passiv-Mehrung + + steigt Kauf auf Ziel
Aktiv-Passiv-Minderung sinkt Verbindlichkeit per Bank zahlen
AKTIVTAUSCHAktivposten + / anderer −Bilanzsumme gleichPASSIVTAUSCHPassivposten + / anderer −Bilanzsumme gleichAKTIV-PASSIV-MEHRUNGAktiva + / Passiva +Bilanzsumme steigtAKTIV-PASSIV-MINDERUNGAktiva − / Passiva −Bilanzsumme sinkt

7. Erfolgskonten: Aufwand und Ertrag

Aufwendungen mindern, Erträge erhöhen grundsätzlich das Eigenkapital. Damit das Eigenkapitalkonto nicht durch sämtliche Erfolgsbuchungen unübersichtlich wird, werden Aufwendungen und Erträge auf eigenen Erfolgskonten gesammelt.

Kontoart Buchungsseite Wirkung auf Erfolg Abschluss
Aufwandskonto Soll Gewinn ↓ / Verlust ↑ über GuV
Ertragskonto Haben Gewinn ↑ / Verlust ↓ über GuV
AUFWANDmindert ErfolgERTRAGerhöht ErfolgGuVGewinn / VerlustEIGENKAPITALverändert sich

8. Gewinn- und Verlustrechnung analysieren

Die GuV stellt Aufwendungen und Erträge einer Periode gegenüber. Ein Ertragsüberschuss führt zu Gewinn, ein Aufwandsüberschuss zu Verlust.

Gewinn = Erträge − Aufwendungen (wenn Erträge > Aufwendungen)
GuV UNTERNEHMER AG Betrag
Umsatzerlöse 900.000 €
sonstige Erträge 20.000 €
Materialaufwand − 390.000 €
Personalaufwand − 270.000 €
sonstige Aufwendungen − 140.000 €
Gewinn 120.000 €
Analyse: Nicht der Umsatz allein zeigt den Erfolg. Erst die Gegenüberstellung von Erträgen und Aufwendungen erklärt, wie das Periodenergebnis entstanden ist.

9. Umsatzsteuer und Vorsteuer im Buchungssystem

Bei umsatzsteuerpflichtigen Eingangsrechnungen entsteht regelmäßig Vorsteuer; bei Ausgangsrechnungen Umsatzsteuer. Beide Beträge werden getrennt vom Nettoaufwand bzw. Nettoertrag erfasst.

Einkauf Rohstoffe netto 10.000 € + 19 % USt auf Ziel:
Rohstoffaufwand 10.000 €
Vorsteuer 1.900 €
an Verbindlichkeiten 11.900 €
Verkauf Fertigerzeugnisse netto 25.000 € + 19 % USt auf Ziel:
Forderungen 29.750 €
an Umsatzerlöse 25.000 €
an Umsatzsteuer 4.750 €
LIEFERANTVorsteuer bei U-AGUNTERNEHMER AGUnternehmenKUNDEUmsatzsteuer bei U-AG

10. Vom Beleg zur wirtschaftlichen Aussage

Eine Rechnung, ein Kontoauszug oder eine Gutschrift liefert zunächst Informationen über einen Geschäftsvorfall. Die Buchführung übersetzt diese Information in Konten. Für die Analyse wird anschließend gefragt: Was verändert sich in Bilanz und/oder GuV?

Vorgang Bilanzwirkung GuV-Wirkung
Maschine per Bank kaufen Aktivtausch keine unmittelbare Erfolgswirkung
Darlehen aufnehmen Aktiv-Passiv-Mehrung keine unmittelbare Erfolgswirkung
Löhne per Bank zahlen Bank ↓, EK mittelbar ↓ Aufwand ↑
Ware/Fertigerzeugnis verkaufen Forderung/Bank ↑, EK mittelbar ↑ Ertrag ↑

11. Kontenabschluss: GuV, Eigenkapital und Schlussbilanz

Der vorhandene lern.de-Buchführungsbestand verwendet die Abschlusslogik: Erfolgskonten → 8020 GUV → 3000 EK und Bestandskonten → 8010 SBK. Diese Systematik macht sichtbar, wie der Periodenerfolg schließlich das Eigenkapital und damit die Bilanz beeinflusst.

AufwandskontenErtragskonten8020 GUV3000 EKBilanzBestandskonten→ 8010 SBK
Gewinn: erhöht das Eigenkapital. Verlust: vermindert das Eigenkapital. Damit verbindet die GuV die Erfolgsrechnung mit der Bilanz.

12. Der vollständige Buchungskreislauf

EröffnungsbilanzKonten eröffnenBelege buchenKonten abschließenGuV / SBKSchlussbilanzFolgejahr
Die Schlussbilanz eines Jahres liefert die Ausgangsbasis des folgenden Jahres. Der Buchungskreislauf verbindet damit Perioden miteinander.

13. Bilanz und GuV gemeinsam analysieren

Bilanz und GuV beantworten unterschiedliche Fragen. Eine wirtschaftliche Beurteilung benötigt deshalb beide Perspektiven.

Frage Bilanz GuV
Wie hoch ist das Vermögen?
Wie ist das Unternehmen finanziert?
Welche Aufwendungen sind angefallen?
Welche Erträge wurden erzielt?
Wie hoch ist der Periodenerfolg? mittelbar über EK-Veränderung
Wie wirkt ein Gewinn auf das Unternehmen? EK steigt Gewinn entsteht aus Erträgen minus Aufwendungen
Beispiel: Steigt der Gewinn, ist das positiv für den Periodenerfolg. Trotzdem kann die Liquidität angespannt sein, etwa wenn viele Umsätze noch als Forderungen offenstehen. Deshalb niemals eine einzelne Größe isoliert interpretieren.

14. Integrierter Fall: UNTERNEHMER AG

Ausgangsbilanz: Maschinen 420.000 €, Vorräte 160.000 €, Forderungen 110.000 €, Bank/Kasse 120.000 €; Eigenkapital 500.000 €, Darlehen 220.000 €, Verbindlichkeiten 90.000 €.

Geschäftsvorfall Buchungslogik Wirkung
Maschine 60.000 € per Bank Maschinen an Bank Aktivtausch
Darlehen 100.000 € auf Bank Bank an Darlehen Aktiv-Passiv-Mehrung
Rohstoffe 10.000 € netto auf Ziel Aufwand + Vorsteuer an VE Aufwand und Schuld steigen
Verkauf 25.000 € netto auf Ziel FO an Umsatzerlöse + USt Ertrag und Forderung steigen
Löhne 12.000 € per Bank Lohnaufwand an Bank Aufwand, Bank sinkt
Arbeitsauftrag: Ordne für jeden Vorgang die betroffenen Konten und Kontoarten zu, bilde den Buchungssatz, bestimme Bilanz-/GuV-Wirkung und erläutere die Wirkung auf den Erfolg.

15. Typische Fehler – und wie man sie vermeidet

Fehler Richtig
Aktiva = Vermögensquellen Aktiva zeigen Mittelverwendung; Passiva Mittelherkunft.
Soll = Plus, Haben = Minus abhängig von Kontoart.
Jeder Aktivzugang erhöht Bilanzsumme beim Aktivtausch nicht.
Aufwand = Auszahlung nicht zwingend; Aufwand ist erfolgsbezogen.
Ertrag = Einzahlung nicht zwingend; Forderungsverkauf zeigt das.
Umsatzsteuer als Ertrag USt getrennt vom Nettoerlös buchen.
Vorsteuer als Aufwand Vorsteuer getrennt vom Nettoaufwand erfassen.
GuV und Bilanz getrennt betrachten Gewinn/Verlust verändert Eigenkapital.
nur Buchungssatz nennen wirtschaftliche Wirkung analysieren.

16. 35 Prüfungs- und Transferaufträge

A1. Bilanz und GuV hinsichtlich ihrer Informationsfunktion unterscheiden.
A2. Aktiva und Passiva fachsprachlich erklären.
A3. Bilanzgleichung aus einem Zahlenfall überprüfen.
A4. Vermögen, Eigen- und Fremdkapital aus einer Bilanz ablesen.
A5. Kontenrahmen und Kontenplan unterscheiden.
A6. IKR-Kontenklassen Bilanz, GuV oder Abschluss zuordnen.
A7. aktives Bestandskonto erläutern.
A8. passives Bestandskonto erläutern.
A9. Zunahme und Abnahme eines Aktivkontos buchen.
A10. Zunahme und Abnahme eines Passivkontos buchen.
A11. Konten eines Geschäftsvorfalls bestimmen.
A12. Buchungssatz nach Soll-an-Haben-Logik bilden.
A13. Maschinenkauf per Bank analysieren.
A14. Darlehensaufnahme analysieren.
A15. Aktivtausch erkennen und begründen.
A16. Passivtausch erkennen und begründen.
A17. Aktiv-Passiv-Mehrung erkennen und begründen.
A18. Aktiv-Passiv-Minderung erkennen und begründen.
A19. Aufwand und Ertrag unterscheiden.
A20. Wirkung von Aufwand auf Gewinn und Eigenkapital erklären.
A21. Wirkung von Ertrag auf Gewinn und Eigenkapital erklären.
A22. Gewinn aus einer vereinfachten GuV berechnen.
A23. Verlust aus einer vereinfachten GuV bestimmen.
A24. Netto-, Steuer- und Bruttobetrag einer Rechnung berechnen.
A25. Einkauf mit Vorsteuer buchen.
A26. Verkauf mit Umsatzsteuer buchen.
A27. Bilanzwirkung eines erfolgsneutralen Vorgangs bestimmen.
A28. Bilanz- und GuV-Wirkung eines erfolgswirksamen Vorgangs bestimmen.
A29. Aufwandskonto über GuV abschließen.
A30. Ertragskonto über GuV abschließen.
A31. Gewinnwirkung auf Eigenkapital erklären.
A32. Bestandskonto über SBK abschließen.
A33. Buchungskreislauf in richtiger Reihenfolge darstellen.
A34. Bilanz und GuV eines Falls gemeinsam interpretieren.
A35. integrierten UNTERNEHMER-AG-Fall vollständig analysieren.

17. Das Wichtigste auf einen Blick

  • Bilanz zeigt Bestände; GuV zeigt den Periodenerfolg.
  • Aktiva = Passiva.
  • Aktive Bestandskonten nehmen im Soll zu, passive im Haben.
  • Aufwendungen stehen im Soll, Erträge im Haben.
  • Geschäftsvorfälle können erfolgsneutral oder erfolgswirksam sein.
  • Vorsteuer und Umsatzsteuer werden getrennt von Nettoaufwand und Nettoertrag erfasst.
  • Erfolgskonten werden über GuV, Bestandskonten über SBK abgeschlossen.
  • Gewinn erhöht, Verlust vermindert das Eigenkapital.
  • Prüfungsentscheidend ist die Kette: Geschäftsvorfall → Konten → Buchung → Bilanz/GuV → wirtschaftliche Wirkung.

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