Deutsch Gymnasium · Jahrgangsstufe 7 · Lernbereich 3 (gültigen Lehrplan)
Paraphrasieren und Übernahmen kennzeichnen: fremdes Wissen fair nutzen
Für ein Referat über die Römer liest Sophia in einem Sachbuch: „Der obergermanisch-raetische Limes erstreckte sich über rund 550 Kilometer von Rheinbrohl am Rhein bis Eining an der Donau und gehört heute zum UNESCO-Welterbe.“ Sie schreibt den Satz Wort für Wort in ihr Referat. Ihr Mitschüler Jonas liest dieselbe Stelle, legt das Buch weg und schreibt: Laut einem Sachbuch über die Römer war die römische Grenzbefestigung etwa 550 Kilometer lang und reichte vom Rhein bis zur Donau; heute zählt sie zum Welterbe. Jonas hat die Information in eigenen Worten wiedergegeben und gesagt, woher sie stammt. Genau darum geht es auf dieser Seite: Du lernst, Inhalte aus fremden Texten zu paraphrasieren und kenntlich zu machen, dass du sie übernommen hast.
1. Warum man Übernahmen kennzeichnet
Sophias Lehrerin bemerkt, dass ein Satz im Referat genauso klingt wie im Sachbuch. Sie fragt: Hast du das selbst formuliert? Sophia wird rot, denn sie hat den Satz einfach abgeschrieben, ohne es kenntlich zu machen.
Wer Gedanken, Informationen oder Formulierungen aus fremden Texten übernimmt, muss das kennzeichnen. Das hat mehrere Gründe. Es ist eine Frage der Fairness: Die Arbeit anderer soll anerkannt und nicht als eigene ausgegeben werden. Es dient außerdem der Überprüfbarkeit: Der Leser kann nachschauen, woher eine Angabe stammt und ob sie stimmt. Und es zeigt deinen Lesern, dass du sorgfältig recherchiert hast. Wer fremde Texte ohne Kennzeichnung übernimmt, begeht ein Plagiat. Das gilt für Bücher ebenso wie für Internetseiten; einfaches Kopieren und Einfügen ist deshalb keine Recherche, sondern Abschreiben.
Merke: Beim Paraphrasieren gibst du den Inhalt eines fremden Textes sinngemäß in eigenen Worten wieder. Jede Übernahme kennzeichnest du durch einen Hinweis auf die Herkunft, etwa laut, nach oder wie … schreibt.
2. Paraphrasieren: in eigenen Worten wiedergeben
Jonas hat aus erstreckte sich über rund 550 Kilometer die Wendung war etwa 550 Kilometer lang gemacht und aus Rheinbrohl am Rhein bis Eining an der Donau einfach vom Rhein bis zur Donau. Der Inhalt ist dabei völlig gleich geblieben, die Formulierung dagegen ist ganz neu.
Paraphrasieren heißt, den Inhalt eines Textes sinngemäß in eigenen Worten wiederzugeben. Dabei veränderst du den Wortlaut und oft auch den Satzbau, nicht aber den Sinn. Eine bewährte Methode hat drei Schritte. Lies den Abschnitt zuerst aufmerksam und kläre alle unbekannten Wörter. Notiere die wichtigsten Informationen in Stichworten. Lege dann den Originaltext beiseite und formuliere aus deinen Stichworten neue Sätze. Formuliere ruhig zunächst einfach; feilen kannst du später. Vergleiche zum Schluss mit dem Original: Stimmt der Sinn, und sind die Formulierungen wirklich deine eigenen? Es genügt nicht, nur einzelne Wörter durch Synonyme zu ersetzen und den Satzbau beizubehalten; das wäre eine versteckte Übernahme.
| Original | Paraphrase | Was sich verändert |
|---|---|---|
| erstreckte sich über rund 550 Kilometer | war etwa 550 Kilometer lang | Wortlaut |
| von Rheinbrohl am Rhein bis Eining an der Donau | vom Rhein bis zur Donau | verkürzt, Wesentliches bleibt |
| gehört heute zum UNESCO-Welterbe | zählt heute zum Welterbe | Wortlaut |
| Der obergermanisch-raetische Limes | die römische Grenzbefestigung | erklärende Umschreibung |
| ein langer Satz | ein Satz mit Semikolon | Satzbau |
Paraphrasieren ist nicht nur für Referate wichtig. Auch wenn du eine Inhaltsangabe schreibst, einen Bericht über ein Gespräch verfasst oder in einer Diskussion die Meinung eines anderen wiedergibst, formulierst du fremde Inhalte in eigenen Worten. Je öfter du übst, desto leichter fällt es dir, den Kern einer Aussage zu erfassen und ihn knapp und genau wiederzugeben. Diese Fähigkeit brauchst du in allen Fächern und später im Studium und Beruf.
3. Die Herkunft angeben
Jonas beginnt seinen Satz mit Laut einem Sachbuch über die Römer. Später schreibt er: Wie auf der Internetseite des Museums zu lesen ist, … und Nach Angaben der Museumsführerin …
Auch eine Paraphrase muss gekennzeichnet werden, denn der Inhalt stammt ja nicht von dir. Dafür gibt es redeeinleitende Wendungen: laut, nach, nach Angaben von, wie … schreibt, … zufolge. Nenne dabei die Quelle so genau, dass man sie finden kann: Titel und Verfasser eines Buches, Name einer Internetseite, Name einer Person. Im Beispiel dieser Seite steht der Kürze halber nur das Sachbuch; in deinem Referat gehört der genaue Titel dazu. Bei einem Referat stellst du zusätzlich am Ende eine Liste aller verwendeten Quellen zusammen. Wie man Quellenangaben ganz genau und einheitlich gestaltet, lernst du in der Jahrgangsstufe 9. Wer dagegen den genauen Wortlaut übernehmen möchte, muss ihn als Zitat in Anführungszeichen setzen; die Regeln dafür lernst du in der Jahrgangsstufe 8.
4. Typische Gefahren beim Paraphrasieren
Ein Mitschüler schreibt: Der Limes war über 1000 Kilometer lang und wurde von den Germanen gebaut. Beide Angaben sind falsch: Die Zahl ist verdoppelt, und gebaut haben ihn die Römer.
Beim Paraphrasieren können leicht ungewollte Sinnverfälschungen entstehen. Prüfe deshalb ganz besonders Zahlen, Namen, Ortsangaben und Verneinungen. Aus rund 550 Kilometern dürfen nicht 500 oder 1000 werden, aus nicht selten nicht ein selten. Achte auch darauf, keine eigenen Meinungen unbemerkt einzuschmuggeln: Der Limes war eine beeindruckende Leistung ist eine Wertung, die im Original vielleicht gar nicht steht. Wenn du eine eigene Einschätzung ergänzen willst, kennzeichne sie deutlich als deine: Ich finde, dass … Schließlich solltest du insgesamt auch nicht zu viel übernehmen. Ein Referat, das nur aus Paraphrasen besteht, zeigt nicht, dass du das Thema verstanden hast. Verbinde die übernommenen Informationen mit eigenen Erklärungen und Überleitungen.
Form und Wirkung: So setzt du es in deinem Text ein
Ein Abschnitt aus Jonas‘ fertigem Referat lautet: Die Römer sicherten die Grenze ihres Reiches mit dem Limes. Laut einem Sachbuch über die Römer war diese Grenzbefestigung etwa 550 Kilometer lang und reichte vom Rhein bis zur Donau. Wie auf der Internetseite des Museums zu lesen ist, standen entlang der Grenze zahlreiche Wachtürme. Für mich zeigt das, wie wichtig den Römern der Schutz ihrer Provinzen war.
| Stelle | Funktion | Wirkung |
|---|---|---|
| Die Römer sicherten … | eigene Einleitung | führt ins Thema |
| Laut dem Sachbuch … | Paraphrase mit Herkunft | überprüfbar und fair |
| Wie auf der Internetseite … zu lesen ist | zweite gekennzeichnete Quelle | verschiedene Quellen genutzt |
| Für mich zeigt das … | eigene Einschätzung, gekennzeichnet | klar getrennt von Übernahmen |
| Wechsel von Quelle und Eigenem | Verknüpfung | Referat wirkt durchdacht |
Der Abschnitt zeigt beispielhaft, wie fremdes Wissen und eigene Gedanken sinnvoll zusammenwirken. Jeder Leser kann erkennen, was aus welcher Quelle stammt und was Jonas selbst denkt. Genau diese Klarheit macht einen Sachtext glaubwürdig. Auffällig ist außerdem, dass Jonas zwei verschiedene Quellen nutzt. Wer Informationen aus mehreren Quellen vergleicht, kann Fehler leichter entdecken und erhält ein vollständigeres Bild.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| Sätze aus dem Buch abschreiben | in eigenen Worten wiedergeben | Sonst ist es ein Plagiat. |
| Nur einzelne Wörter austauschen | Wortlaut und Satzbau neu formulieren | Versteckte Übernahme vermeiden. |
| Paraphrase ohne Herkunftsangabe | laut, nach, wie … schreibt | Auch Inhalte müssen gekennzeichnet werden. |
| 550 Kilometer werden zu 1000 | Zahlen genau prüfen | Keine Sinnverfälschung. |
| Eigene Wertung als Inhalt der Quelle ausgeben | eigene Meinung kennzeichnen: Ich finde … | Trennung von Quelle und Eigenem. |
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