Deutsch Gymnasium · Jahrgangsstufe 7 und 8 · Lernbereich 3 (gültigen Lehrplan)
Informieren mit Materialien: aus Bildern, Grafiken und Texten einen Sachtext schreiben
Deine Klasse gestaltet eine Ausstellung über die Geschichte des Buchdrucks. Du erhältst vier Materialien: einen kurzen Lexikontext, ein Foto einer alten Druckerpresse, eine Zeitleiste und ein Diagramm zur Zahl der gedruckten Bücher in verschiedenen Jahrhunderten. Deine Aufgabe ist es, daraus einen Informationstext für eine Ausstellungstafel zu schreiben. Solche Aufgaben begegnen dir in den Jahrgangsstufen 7 und 8 häufig. Auf dieser Seite lernst du, wie du Materialien auswertest, die wichtigsten Informationen auswählst und ordnest und daraus einen sachlichen, verständlichen Text verfasst, der auch schwierige Begriffe erklärt.
1. Aufgabe und Leser klären
Bevor du die Materialien liest, klärst du die Schreibaufgabe. Für wen schreibst du? Für Mitschüler, für Eltern beim Schulfest, für jüngere Kinder? Welche Textsorte ist verlangt, etwa ein Artikel für die Schülerzeitung, eine Ausstellungstafel oder ein Eintrag für ein Schullexikon? Welche Frage soll dein Text beantworten? Diese Klärung bestimmt, welche Informationen wichtig sind, wie ausführlich du schreibst und welche Begriffe du erklären musst.
Formuliere am besten eine Leitfrage, an der du dich beim Auswerten orientierst, zum Beispiel: Wie hat der Buchdruck das Leben der Menschen verändert? Mit dieser Frage im Kopf erkennst du schneller, welche Informationen in deinen Text gehören und welche du weglassen kannst.
Merke: Erst Aufgabe, Leser und Leitfrage klären, dann die Materialien auswerten. So wählst du gezielt aus, statt alles abzuschreiben.
2. Materialien auswerten
Jede Materialart verlangt einen eigenen Blick. Bei Texten markierst du Schlüsselwörter und notierst am Rand, worum es in jedem Absatz geht. Bei Bildern beschreibst du, was zu sehen ist, und fragst, welche Information das Bild zum Thema beiträgt. Bei Zeitleisten achtest du auf die Reihenfolge und auf Wendepunkte.
Bei Diagrammen und Tabellen gehst du besonders sorgfältig vor. Lies zuerst den Titel: Worum geht es? Prüfe dann die Achsen oder Spalten: Was wird gemessen, in welcher Einheit, für welchen Zeitraum? Achte auf die Quelle und das Erscheinungsjahr. Erst danach liest du die Werte ab und formulierst die wichtigste Aussage, etwa eine Zunahme, einen Höhepunkt oder einen Vergleich. Übertrage Zahlen genau und runde nur, wenn es die Aussage nicht verfälscht.
Halte deine Ergebnisse in einer Stichwortliste fest und vermerke zu jedem Stichwort, aus welchem Material es stammt, etwa M1 oder M3. Wenn sich Materialien widersprechen, notierst du auch das. So behältst du den Überblick und kannst später angeben, woher eine Information kommt.
Die wichtigsten Diagrammarten zeigen Unterschiedliches. Ein Säulen- oder Balkendiagramm vergleicht Mengen miteinander, etwa die Zahl der Bücher in verschiedenen Jahrhunderten. Ein Liniendiagramm zeigt eine Entwicklung über die Zeit und macht Anstiege und Rückgänge sichtbar. Ein Kreisdiagramm stellt Anteile an einem Ganzen dar, etwa wie sich die Bücher einer Bibliothek auf verschiedene Sachgebiete verteilen. Wer die Diagrammart erkennt, weiß sofort, welche Art von Aussage zu erwarten ist.
3. Auswählen, ordnen, schreiben
Nicht jede Information gehört in deinen Text. Wähle aus, was die Leitfrage beantwortet und für deine Leser verständlich und interessant ist. Ordne die ausgewählten Informationen dann nach einem sinnvollen Prinzip, etwa zeitlich, von der Ursache zur Folge oder vom Allgemeinen zum Besonderen. Ein kurzer Schreibplan mit Einleitung, Hauptteil und Schluss hilft dir dabei.
Die Einleitung führt zum Thema hin und weckt Interesse, etwa mit einer überraschenden Tatsache aus den Materialien. Der Hauptteil stellt die Informationen geordnet dar, in Absätzen, die jeweils einen Gesichtspunkt behandeln. Der Schluss fasst zusammen oder zeigt, warum das Thema heute noch wichtig ist. Schreibe sachlich, im Präsens und in eigenen Worten. Wenn du Zahlen oder Aussagen aus einem Material übernimmst, nennst du die Quelle, etwa mit laut Material 2 oder wie das Diagramm zeigt.
4. Begriffe und Sachverhalte erklären
In der Jahrgangsstufe 8 kommt eine weitere Anforderung hinzu: Du sollst Begriffe und Sachverhalte so erklären, dass auch Leser ohne Vorwissen sie verstehen. Ein Fachbegriff wird verständlich, wenn du ihn einem Oberbegriff zuordnest und ein unterscheidendes Merkmal nennst: „Eine Druckerpresse ist eine Maschine, mit der man Text und Bild auf Papier überträgt.“ Danach kannst du ein Beispiel anfügen oder einen Vergleich mit etwas Bekanntem ziehen.
Einen Sachverhalt erklärst du, indem du Zusammenhänge sichtbar machst: Wie funktioniert etwas? Warum geschah etwas? Welche Folgen hatte es? Verknüpfungswörter wie deshalb, dadurch, sodass und weil helfen dir, Ursachen und Folgen klar auszudrücken. Prüfe am Ende, ob ein Leser ohne die Materialien deinen Text verstehen würde. Ein guter Test ist, den Text einer Person vorzulesen, die das Thema nicht kennt, und sie anschließend zu bitten, das Wichtigste kurz in eigenen Worten wiederzugeben.
Bei einer Ausstellungstafel oder einem Artikel für die Schülerzeitung spielt auch die Gestaltung eine Rolle. Zwischenüberschriften gliedern den Text und helfen beim schnellen Lesen. Ein Bild mit einer kurzen Bildunterschrift kann eine Information veranschaulichen, die sich in Worten nur umständlich beschreiben lässt. Achte darauf, dass Text und Bild zusammenpassen und sich ergänzen.
Was du hier übst, wird in den nächsten Jahren weitergeführt. In der Jahrgangsstufe 9 wertest du Materialien aus, die du selbst recherchiert hast, und in der Oberstufe verfasst du anspruchsvolle informierende und argumentierende Texte auf der Grundlage mehrerer Materialien. Die Schritte bleiben dieselben: Aufgabe klären, auswerten, auswählen, ordnen, verständlich schreiben.
| Arbeitsschritt | Leitfrage | Ergebnis |
|---|---|---|
| Aufgabe klären | Für wen, welche Textsorte, welche Frage? | Leitfrage |
| Materialien auswerten | Was sagt jedes Material zur Leitfrage? | Stichwortliste mit Herkunft |
| Auswählen und ordnen | Was ist wichtig, in welcher Reihenfolge? | Schreibplan |
| Schreiben | Wie formuliere ich sachlich und verständlich? | Informationstext |
| Überarbeiten | Versteht ein Leser ohne Materialien den Text? | Endfassung |
Form und Wirkung: So setzt du es in deinem Text ein
Zwei Fassungen einer Ausstellungstafel: Die erste reiht Sätze aus den Materialien aneinander, springt zwischen Jahrhunderten hin und her und verwendet Fachwörter ohne Erklärung. Die zweite beginnt mit einer überraschenden Frage, erzählt die Entwicklung zeitlich geordnet, erklärt die Druckerpresse in einem Satz und nennt bei der Zahlenangabe das Diagramm als Quelle.
| Gestaltung | Mittel | Wirkung auf die Leser |
|---|---|---|
| Einstieg mit Frage | Leseanreiz | Interesse wird geweckt |
| zeitliche Ordnung | klarer Aufbau | Entwicklung wird nachvollziehbar |
| Erklärung des Fachbegriffs | Oberbegriff und Merkmal | auch Laien verstehen den Text |
| Quellenangabe bei Zahlen | Nachweis | Text wirkt glaubwürdig |
| eigene Formulierungen | Umformen statt Abschreiben | einheitlicher, gut lesbarer Text |
So wird aus einer Sammlung von Materialien ein zusammenhängender Text, der seine Leser wirklich informiert. Lies deine Fassung zum Schluss mit den Augen eines Besuchers, der das Thema nicht kennt, und streiche alles, was ihn nur verwirren würde. Ergänze dafür dort eine kurze Erklärung, wo er vermutlich stolpern würde. Oft wird ein Text gerade durch Kürzen verständlicher.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| Alle Informationen werden übernommen. | Nur Informationen zur Leitfrage werden ausgewählt. | Sonst wird der Text unübersichtlich. |
| Sätze aus den Materialien werden abgeschrieben. | Informationen werden in eigenen Worten formuliert. | Der Text soll einheitlich und verständlich sein. |
| Diagrammwerte werden ohne Achsen und Einheit gelesen. | Erst Titel, Achsen, Einheit und Quelle prüfen. | Sonst entstehen Fehldeutungen. |
| Fachbegriffe bleiben unerklärt. | Fachbegriffe werden mit Oberbegriff und Merkmal erklärt. | Leser ohne Vorwissen sollen folgen können. |
| Die Herkunft von Zahlen fehlt. | Quellen werden genannt, etwa laut Material 2. | Der Text wird nachprüfbar. |
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