Deutsch Gymnasium · Jahrgangsstufe 6 · Lernbereich 4 (gültigen Lehrplan)
das oder dass: drei Wörter das und eine Subjunktion dass
Die Bienen-AG schreibt einen Bericht für die Schulhomepage: „Das Bienenvolk, das im Schulgarten lebt, ist im Frühjahr stark gewachsen. Das freut uns sehr. Wir haben beobachtet, dass die Bienen schon bei zehn Grad ausfliegen.“ In diesem kurzen Text steht viermal das und einmal dass. Gesprochen klingen sie völlig gleich, doch sie gehören zu verschiedenen Wortarten und haben verschiedene Aufgaben. Die Verwechslung von das und dass gehört zu den häufigsten Rechtschreibfehlern in Schularbeiten überhaupt. Auf dieser Seite lernst du, alle Verwendungen sicher zu unterscheiden, und erhältst zwei Proben, mit denen du in jedem Fall die richtige Schreibung findest.
1. Dreimal das mit einem s
Das Bienenvolk lebt im Garten. Das Volk, das dort lebt, ist groß. Das freut uns. Dreimal steht hier das, doch jedes Mal mit einer anderen Aufgabe: einmal vor einem Nomen, einmal zu Beginn eines Nebensatzes, einmal allein am Satzanfang.
Das Artikel-das steht vor einem sächlichen Nomen: das Bienenvolk, das Glas, das Ergebnis. Das Relativpronomen das leitet einen Relativsatz ein und bezieht sich auf ein sächliches Nomen davor: das Volk, das dort lebt. Das Demonstrativpronomen das weist auf etwas hin, oft auf einen ganzen Gedanken: Das freut uns. Gemeint ist: dass das Volk gewachsen ist. Bei allen drei Verwendungen schreibst du das mit einem s. Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich jeweils auf etwas beziehen oder etwas begleiten: ein Nomen oder einen Gedanken. Genau daran knüpft die Ersatzprobe an, die du weiter unten kennenlernst.
Der lateinische Fachbegriff: demonstrare heißt zeigen; das Demonstrativpronomen zeigt auf etwas. relativus heißt bezogen; das Relativpronomen bezieht sich auf ein Bezugswort. subiungere heißt unterordnen; die Subjunktion dass leitet einen untergeordneten Satz ein.
2. dass mit zwei s
Wir haben beobachtet, dass die Bienen schon bei zehn Grad ausfliegen. Die Lehrerin hofft, dass der Honig bald reif ist. Dass die Bienen so fleißig sind, überrascht viele. Hier bezieht sich das Wort nicht auf ein Nomen, sondern leitet einen ganzen Nebensatz ein, der eine Beobachtung, eine Hoffnung oder eine Tatsache enthält.
Dieses Wort ist eine Subjunktion und wird dass mit zwei s geschrieben. Es leitet einen Nebensatz ein, der oft als Subjekt oder Objekt des Hauptsatzes dient. Besonders häufig steht dass nach Verben des Sagens, Denkens, Wissens und Fühlens: sagen, glauben, wissen, hoffen, beobachten, sich freuen. Auch in festen Verbindungen wie so dass oder sodass, ohne dass und statt dass steht immer dass. Der dass-Satz wird stets durch Komma vom Hauptsatz getrennt.
Ein dass-Satz kann auch am Anfang stehen: Dass die Bienen so früh ausfliegen, hat uns überrascht. Dann ist er das Subjekt des ganzen Satzes. Auch hier gilt die Ersatzprobe: Welches die Bienen so früh ausfliegen ergibt keinen Sinn, also schreibst du dass. Achte auf das Komma nach dem Nebensatz, bevor der Hauptsatz mit seinem gebeugten Verb beginnt.
| Wort | Wortart | Probe | Beispiel |
|---|---|---|---|
| das | Artikel | vor einem Nomen | das Bienenvolk |
| das | Relativpronomen | ersetzbar durch welches | das Volk, das (welches) dort lebt |
| das | Demonstrativpronomen | ersetzbar durch dieses | Das (Dieses) freut uns. |
| dass | Subjunktion | nicht ersetzbar | Wir sahen, dass sie ausfliegen. |
| sodass / so dass | feste Verbindung | immer mit ss | Es regnete, sodass sie blieben. |
3. Die Ersatzprobe und die Bezugsprobe
Ersetze das fragliche Wort probeweise. Das Volk, welches dort lebt: Das klingt richtig, also schreibst du das. Wir sahen, welches die Bienen ausfliegen: Das ergibt keinen Sinn, also schreibst du dass.
Die Ersatzprobe ist die wichtigste Hilfe: Lässt sich das Wort durch dieses, jenes oder welches ersetzen, schreibst du das. Lässt es sich nicht ersetzen, schreibst du dass. Die Bezugsprobe ergänzt sie beim Relativpronomen: Gibt es vor dem Komma ein sächliches Nomen, auf das sich das Wort bezieht, ist es meist das Relativpronomen. Steht dagegen kein solches Bezugswort da, oder bezieht sich der Nebensatz auf das Verb, ist es dass. Im Satz Das Ergebnis, das wir erwartet hatten, trat ein bezieht sich das auf Ergebnis. Im Satz Wir erwarteten, dass das Ergebnis eintritt, gibt es vor dass kein Bezugswort.
4. Schwierige Fälle und guter Stil
Manchmal stehen das und dass direkt nebeneinander: Wir hoffen, dass das Bienenvolk den Winter übersteht. Das erste Wort leitet den Nebensatz ein, das zweite ist der Artikel vor Bienenvolk. Hier hilft es, jedes Wort einzeln zu prüfen: Lässt sich das erste durch welches ersetzen? Nein, also dass. Lässt sich das zweite durch dieses ersetzen? Ja, also das.
Ein weiterer Stolperstein sind Sätze, in denen das Relativpronomen sich auf ein Nomen bezieht, das weiter entfernt steht: Das Glas mit dem Honig, das auf dem Tisch steht. Hier bezieht sich das auf Glas, denn Honig ist männlich und würde der verlangen. Achte deshalb immer genau auf das Geschlecht des Bezugsworts.
Auch stilistisch lohnt sich ein Blick auf dass. Viele Schreiber verwenden es zu oft: Wir glauben, dass die Bienen merken, dass es wärmer wird, und dass sie deshalb ausfliegen. Solche langen Ketten wirken schnell schwerfällig. Oft lässt sich ein dass-Satz kürzen oder umformen: Wir glauben, die Bienen merken, dass es wärmer wird, und fliegen deshalb aus. Diese Fragen der Satzverknüpfung vertiefst du in den nächsten Jahrgangsstufen.
Wenn du beim Schreiben unsicher bist, markiere jedes das und dass in deinem Text mit einem Stift. Gehe dann jede Stelle mit der Ersatzprobe durch. Das dauert nur wenige Minuten, verhindert aber einen der häufigsten Fehler in Schularbeiten. Mit etwas Übung erkennst du die richtige Schreibung bald, ohne die Probe bewusst machen zu müssen.
Form und Wirkung: So deutest du es im Text
Der fertige Bericht der Bienen-AG endet so: Das Wichtigste, das wir gelernt haben, ist Geduld. Dass ein Bienenvolk so genau zusammenarbeitet, hätten wir nicht gedacht. Das macht uns neugierig auf das nächste Jahr.
| Stelle | Wort und Wortart | Wirkung |
|---|---|---|
| Das Wichtigste | Artikel vor nominalisiertem Adjektiv | das Ergebnis wird hervorgehoben |
| das wir gelernt haben | Relativpronomen | das Wichtigste wird erläutert |
| Dass ein Bienenvolk … | Subjunktion am Satzanfang | Staunen wird zum Thema des Satzes |
| Das macht uns neugierig | Demonstrativpronomen | fasst den Gedanken zusammen |
| auf das nächste Jahr | Artikel | Ausblick auf die Zukunft |
Jede der vier Verwendungen erfüllt im Text eine eigene Aufgabe. Wer sie unterscheiden kann, schreibt nicht nur richtig, sondern versteht auch, wie die Sätze miteinander verknüpft sind. Gerade das Demonstrativpronomen am Anfang des letzten Satzes zeigt, wie ein einziges Wort einen ganzen vorangehenden Gedanken aufgreifen kann. Solche Verknüpfungen sorgen dafür, dass ein Text nicht in einzelne Sätze zerfällt, sondern als zusammenhängende Gedankenfolge gelesen wird. In der Jahrgangsstufe 8 lernst du diese Wörter als Pro-Formen genauer kennen.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| Wir sahen, das die Bienen ausfliegen. | Wir sahen, dass die Bienen ausfliegen. | Nicht durch welches ersetzbar: dass. |
| Das Volk, dass dort lebt, ist groß. | Das Volk, das dort lebt, ist groß. | Relativpronomen, ersetzbar durch welches. |
| Wir hoffen das es klappt. | Wir hoffen, dass es klappt. | dass und Komma. |
| Es regnete, so das sie blieben. | Es regnete, sodass sie blieben. | Feste Verbindung mit ss. |
| Das Glas mit dem Honig, der auf dem Tisch steht (gemeint: das Glas) | Das Glas mit dem Honig, das auf dem Tisch steht | Bezugswort ist Glas. |
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