Deutsch Gymnasium · Jahrgangsstufe 5 · Lernbereich 4 (gültigen Lehrplan)
Prädikat, Subjekt, Dativ- und Akkusativobjekt: die Bausteine des Satzes
In der Stadtbibliothek sagt die Bibliothekarin: „Die Bibliothekarin leiht der Klasse ein Buch über Vulkane.“ Stellt man die Teile um, entsteht: „Ein Buch über Vulkane leiht die Bibliothekarin der Klasse.“ Oder: „Der Klasse leiht die Bibliothekarin ein Buch über Vulkane.“ Die Wörter wandern durch den Satz, aber bestimmte Gruppen bleiben dabei immer fest zusammen: die Bibliothekarin, der Klasse, ein Buch über Vulkane. Solche zusammengehörenden Gruppen heißen Satzglieder. Auf dieser Seite lernst du, wie du Satzglieder findest und vier wichtige von ihnen mit ihren lateinischen Namen bestimmst: Prädikat, Subjekt, Dativobjekt und Akkusativobjekt.
1. Satzglieder mit der Umstellprobe finden
Probiere es selbst: Der Satz „Am Nachmittag zeigt uns die Bibliothekarin das alte Archiv.“ lässt sich umstellen zu „Das alte Archiv zeigt uns die Bibliothekarin am Nachmittag.“ und zu „Uns zeigt die Bibliothekarin am Nachmittag das alte Archiv.“ Die Wortgruppen am Nachmittag, uns, die Bibliothekarin und das alte Archiv bewegen sich jeweils als Ganzes.
Dieses Verfahren heißt Umstellprobe. Alles, was sich nur gemeinsam verschieben lässt, ist ein Satzglied. Ein Satzglied kann aus einem einzigen Wort bestehen, etwa uns, oder aus mehreren Wörtern, etwa das alte Archiv. Nur das gebeugte Verb bleibt im Aussagesatz dabei immer an der zweiten Stelle stehen. Die Umstellprobe ist nicht nur ein Werkzeug der Grammatik: Sie hilft dir auch beim Schreiben, weil du ausprobieren kannst, welche Stellung am besten klingt.
Der lateinische Fachbegriff: praedicatum heißt das Ausgesagte, subiectum das Zugrundeliegende, obiectum das Entgegengestellte. Dativ kommt von dare, geben; Akkusativ von accusare, anklagen.
2. Das Prädikat und das Subjekt
Die Bibliothekarin leiht. Die Klasse liest. Das Archiv hat neue Regale bekommen. In jedem dieser Sätze sagt ein Verb, was geschieht oder getan wird. Und in jedem steht jemand oder etwas, der oder das etwas tut oder ist.
Das Prädikat ist der eigentliche Kern jedes Satzes; ohne Prädikat gibt es keinen vollständigen Satz. Es besteht aus dem Verb und sagt aus, was geschieht: leiht, liest. Das Prädikat kann auch mehrteilig sein: hat bekommen, wird lesen, liest vor. Die Teile umschließen dann oft andere Satzglieder wie eine Klammer: Das Archiv hat neue Regale bekommen. Das Subjekt nennt, wer oder was etwas tut oder ist. Du erfragst es mit wer oder was?: Wer leiht? Die Bibliothekarin. Das Subjekt steht immer im Nominativ, und das Prädikat richtet sich in Person und Zahl nach ihm: die Bibliothekarin leiht, die Bibliothekarinnen leihen.
Ein mehrteiliges Prädikat kann sich auch aus einem Verb mit abtrennbarem Teil zusammensetzen: Die Bibliothekarin liest der Klasse eine Sage vor. Hier gehören liest und vor zusammen, denn das Verb heißt vorlesen. Und auch Verbindungen wie kann lesen oder will ausleihen bilden ein gemeinsames Prädikat. Wenn du das Prädikat bestimmst, suche deshalb immer alle seine Teile, auch wenn sie weit auseinanderstehen.
3. Dativobjekt und Akkusativobjekt
Die Bibliothekarin leiht der Klasse ein Buch. Wem leiht sie etwas? Der Klasse. Was leiht sie? Ein Buch. Neben Prädikat und Subjekt enthält der Satz zwei weitere Satzglieder, die vom Verb verlangt werden.
Diese Satzglieder heißen Objekte. Das Dativobjekt erfragst du mit wem?, das Akkusativobjekt mit wen oder was?. Welche Objekte ein Satz braucht, hängt vom Verb ab. Leihen verlangt meist beide: jemandem etwas leihen. Helfen verlangt nur ein Dativobjekt: Ich helfe dem Bibliothekar. Lesen verlangt ein Akkusativobjekt: Wir lesen das Buch. Manche Verben brauchen gar kein Objekt: Die Klasse schweigt. Der Satz ist trotzdem vollständig und verständlich.
Dass das Verb bestimmt, welche Objekte ein Satz braucht, merkst du an unvollständigen Sätzen. Der Satz Die Bibliothekarin leiht klingt unfertig, weil die Frage offen bleibt, wem sie was leiht. Der Satz Die Klasse liest kann dagegen allein stehen, denn lesen kann auch ohne Objekt gebraucht werden. Es lohnt sich deshalb, bei neuen Verben zu prüfen, welche Ergänzungen sie verlangen.
| Satzglied | Frage | Beispiel |
|---|---|---|
| Prädikat | Was geschieht? Was tut jemand? | leiht, hat bekommen |
| Subjekt | Wer oder was? | die Bibliothekarin |
| Dativobjekt | Wem? | der Klasse |
| Akkusativobjekt | Wen oder was? | ein Buch über Vulkane |
| gebeugtes Verb | bleibt an zweiter Stelle | Die Bibliothekarin leiht … |
4. Satzglieder sicher bestimmen
Nimm den Satz „Gestern erklärte der Archivar den Schülern eine alte Landkarte.“ Zuerst findest du mit der Umstellprobe die Satzglieder: gestern, erklärte, der Archivar, den Schülern, eine alte Landkarte. Dann bestimmst du das Prädikat: erklärte. Danach fragst du: Wer erklärte? Der Archivar ist das Subjekt. Wem erklärte er etwas? Den Schülern ist das Dativobjekt. Was erklärte er? Eine alte Landkarte ist das Akkusativobjekt. Gestern gibt eine Zeit an und gehört zu einer anderen Gruppe von Satzgliedern, die du auf einer eigenen Seite kennenlernst.
Achte darauf, beim Fragen immer das ganze Prädikat zu verwenden und das Fragewort genau zu wählen. Fragst du wen? statt wem?, verwechselst du sehr leicht die beiden Objekte. Sehr hilfreich ist außerdem die Ersatzprobe: Ersetze das Satzglied durch ein Pronomen. Lässt es sich durch ihm oder ihr ersetzen, ist es ein Dativobjekt; lässt es sich durch ihn, sie oder es ersetzen, ist es meist ein Akkusativobjekt.
Die Satzglieder kehren im Latein- und Fremdsprachenunterricht wieder. Wer im Deutschen sicher erkennt, was Subjekt und Objekt sind, versteht dort viel schneller, wie Sätze gebaut sind. Im Lateinischen etwa erkennt man das Subjekt nicht an seiner Stellung im Satz, sondern nur an seiner Endung; dort ist das genaue Bestimmen der Fälle deshalb noch wichtiger als im Deutschen.
Form und Wirkung: So deutest du es im Text
Ein Satz aus einem Bibliotheksbericht liegt in zwei Fassungen vor. Die erste lautet: Die Bibliothekarin zeigte uns am Ende das wertvollste Buch des Archivs. Die zweite: Das wertvollste Buch des Archivs zeigte uns die Bibliothekarin erst am Ende.
| Beobachtung | Satzglied an erster Stelle | Wirkung |
|---|---|---|
| Die Bibliothekarin zeigte … | Subjekt | neutral, sachlich |
| Das wertvollste Buch zeigte … | Akkusativobjekt | das Buch steht im Mittelpunkt |
| erst am Ende | Zeitangabe ans Satzende | Spannung bis zum Schluss |
| uns | Dativobjekt | die Besucher sind beteiligt |
| gleiche Satzglieder, andere Stellung | Umstellprobe | andere Betonung |
Die Satzglieder sind in beiden Fassungen gleich, doch ihre Stellung verändert, was hervorgehoben wird. Was am Satzanfang steht, zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Diese Möglichkeit kannst du beim Schreiben gezielt nutzen. Beginnen viele Sätze hintereinander mit dem Subjekt, wirkt ein Text schnell eintönig: Die Bibliothekarin zeigte, die Bibliothekarin erklärte, die Bibliothekarin führte. Stellst du gelegentlich ein Objekt oder eine Zeitangabe an den Anfang, wird der Text abwechslungsreicher, ohne dass sich sein Inhalt ändert.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| Ich helfe den Bibliothekar. | Ich helfe dem Bibliothekar. | Helfen verlangt den Dativ. |
| Die Bibliothekarinnen leiht ein Buch. | Die Bibliothekarinnen leihen ein Buch. | Das Prädikat richtet sich nach dem Subjekt. |
| Das alte ist ein Satzglied, Archiv ein anderes. | Das alte Archiv ist ein Satzglied. | Es lässt sich nur gemeinsam verschieben. |
| Wen erklärte er etwas? Den Schülern. | Wem erklärte er etwas? Den Schülern. | Genaues Fragewort verwenden. |
| Bei hat bekommen ist nur hat das Prädikat. | Hat geschlossen ist das ganze Prädikat. | Mehrteiliges Prädikat. |
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