Deutsch Gymnasium · Jahrgangsstufe 10 · Lernbereich 3 (gültigen Lehrplan)
Exzerpieren und Quellen nachweisen: fremdes Wissen gezielt festhalten
Mia bereitet ein Referat zur Frage vor, wie künstliches Licht in der Nacht nachtaktive Insekten beeinflusst. In der Bibliothek findet sie ein Fachbuch mit über zweihundert Seiten. Sie könnte das ganze Buch lesen und hoffen, sich das Wichtige irgendwie zu merken. Stattdessen legt sie sich ein sorgfältiges Exzerpt an: Sie liest gezielt die Kapitel, die ihre Frage betreffen, und hält die wichtigsten Aussagen schriftlich fest, mit genauen Seitenangaben. Zwei Wochen später kann sie ihr Referat in Ruhe schreiben, ohne das Buch noch einmal aufschlagen zu müssen. In den Jahrgangsstufen 7 bis 9 hast du paraphrasiert, zitiert und Quellen angegeben. In der Jahrgangsstufe 10 verbindest du diese Fähigkeiten: Du lernst, Fachtexte zu exzerpieren und dabei jede Übernahme sauber nachzuweisen. Die Quelle auf dieser Seite ist eine Musterangabe.
1. Was ein Exzerpt ist
Mias Exzerpt beginnt ganz oben mit der vollständigen Quellenangabe des Buches, ihrer Fragestellung und dem Datum. Darunter stehen in Stichworten und kurzen Sätzen die Aussagen, die zu ihrer Frage passen, jeweils mit der genauen Seitenzahl.
Ein Exzerpt ist ein schriftlicher Auszug aus einem Text, der sich an einer bestimmten Fragestellung orientiert. Anders als eine Zusammenfassung gibt es nicht den ganzen Text wieder, sondern nur das, was für deine Frage wichtig ist. Anders als eine Mitschrift, die du in der Jahrgangsstufe 8 geübt hast, entsteht es nicht beim Zuhören, sondern beim genauen Lesen. Exzerpte sind deshalb das wichtigste Arbeitsmittel für Referate, Facharbeiten und später für die Seminararbeit in der Oberstufe. Sie ersparen dir doppelte Arbeit, weil du die Quelle nur einmal gründlich lesen musst, und sie sichern dich gegen den Vorwurf des Plagiats, weil jede Übernahme mit Herkunft notiert ist.
Merke: Ein Exzerpt ist ein Auszug zu einer Fragestellung. Es beginnt mit der vollständigen Quellenangabe, gibt Kernaussagen in eigenen Worten wieder, übernimmt wichtige Formulierungen als Zitat und nennt zu allem die Seitenzahl. Eigene Gedanken werden deutlich gekennzeichnet.
2. In Schritten zum Exzerpt
Mia geht so vor: Zuerst schreibt sie ihre Frage auf. Dann überfliegt sie Inhaltsverzeichnis und Register und wählt drei Kapitel aus. Diese liest sie gründlich, markiert wichtige Stellen und schreibt erst danach ihr Exzerpt.
Gute Exzerpte entstehen nicht in einem Zug, sondern in mehreren Schritten. Formuliere zuerst deine Fragestellung so genau wie möglich; sie entscheidet, was wichtig ist. Verschaffe dir dann einen Überblick über die Quelle mit Inhaltsverzeichnis, Register, Überschriften und Zusammenfassungen, und wähle die passenden Abschnitte aus. Lies diese Abschnitte gründlich und markiere sparsam die Stellen, die deine Frage beantworten. Erst dann schreibst du das Exzerpt. Ordne es nach deiner Fragestellung, nicht unbedingt nach der Reihenfolge des Buches, wenn dir eine andere Ordnung beim späteren Schreiben hilft. Prüfe am Ende, ob du jede notierte Aussage einer Seite zuordnen kannst. Beim Markieren gilt: weniger ist mehr. Wer fast alles anstreicht, hat am Ende nichts hervorgehoben. Kurze Randbemerkungen wie These, Beispiel oder Gegenposition helfen dir, den Aufbau eines Abschnitts schnell zu erfassen.
| Bestandteil | Inhalt | Beispiel aus Mias Exzerpt |
|---|---|---|
| Kopf | vollständige Quellenangabe, Fragestellung, Datum | Musterfrau, Anna: Licht in der Nacht. Musterstadt: Musterverlag, Jahr. |
| Paraphrase | Kernaussage in eigenen Worten, Seite | Viele Insekten werden von Lampen angezogen und kreisen um sie (S. 41). |
| Zitat | wichtige Formulierung wörtlich, Seite | „Wortlaut der Quelle“ (S. 43) |
| eigener Gedanke | deutlich gekennzeichnet | [eigene Frage: Gilt das auch für Straßenlaternen bei uns?] |
| Verweis | Hinweis auf weitere Quellen | Kapitel 5 nennt eine Studie; Original suchen |
3. Paraphrase, Zitat und eigener Gedanke
Mia schreibt die meisten Aussagen in eigenen Worten. Nur eine besonders treffende Formulierung übernimmt sie wörtlich in Anführungszeichen. Einen eigenen Einfall, den sie beim Lesen hat, setzt sie in eckige Klammern.
Im Exzerpt arbeitest du in erster Linie mit Paraphrasen, also mit Wiedergaben in eigenen Worten, wie du es aus der Jahrgangsstufe 7 kennst. Das zwingt dich, den Text wirklich zu verstehen und nicht nur abzuschreiben, und verhindert, dass du später unbemerkt fremde Sätze übernimmst. Formulierungen, die du wörtlich verwenden möchtest, schreibst du als Zitat in Anführungszeichen und buchstabengetreu ab. Zu jeder Paraphrase und jedem Zitat gehört die Seitenzahl. Besonders wichtig ist außerdem die klare Kennzeichnung eigener Gedanken, etwa mit eckigen Klammern oder einem Kürzel. Wer das vergisst, weiß nach einigen Wochen nicht mehr, was aus der Quelle stammt und was er selbst gedacht hat, und das kann zu ungewollten Plagiaten führen.
Viele Schülerinnen und Schüler exzerpieren heute digital, in einer Textdatei oder einer Notiz-App. Das hat einige Vorteile: Du kannst Notizen umsortieren, durchsuchen und später direkt weiterverwenden. Es birgt aber auch eine Gefahr. Wer Sätze aus einer digitalen Quelle kopiert und einfügt, statt sie zu paraphrasieren, hat am Ende ein Exzerpt voller fremder Formulierungen, die er nicht mehr als solche erkennt. Kopierte Stellen gehören deshalb sofort in Anführungszeichen und erhalten eine Seiten- oder Abschnittsangabe.
4. Vom Exzerpt zum Quellennachweis
Beim Schreiben des Referats greift Mia auf ihr Exzerpt zurück. Für jede übernommene Aussage setzt sie einen Kurzbeleg; im Quellenverzeichnis steht die vollständige Angabe, die sie direkt aus dem Kopf ihres Exzerpts übernimmt.
Ein sorgfältiges Exzerpt macht den späteren Quellennachweis deutlich leichter. Die vollständige Angabe aus dem Kopf wandert ins Quellenverzeichnis, die Seitenzahlen bei den einzelnen Notizen werden zu Kurzbelegen oder Fußnoten, wie du sie in der Jahrgangsstufe 9 kennengelernt hast. Paraphrasen erhalten einen Beleg mit vgl., Zitate einen Beleg ohne vgl. Wenn du mehrere Quellen exzerpierst, lege für jede ein eigenes Exzerpt an, digital oder auf Karteikarten. So kannst du am Ende Aussagen verschiedener Quellen vergleichen und gegeneinander abwägen, was etwa für eine materialgestützte Erörterung in der Oberstufe wichtig ist.
Form und Wirkung: So setzt du es in deinem Text ein
Aus Mias Referat: Wie Anna Musterfrau darlegt, werden viele nachtaktive Insekten von künstlichen Lichtquellen angezogen (vgl. Musterfrau Jahr, S. 41). Für unsere Stadt stellt sich daher die Frage, ob die Straßenbeleuchtung angepasst werden sollte.
| Stelle | Herkunft im Exzerpt | Wirkung |
|---|---|---|
| Wie Anna Musterfrau darlegt | Kopf des Exzerpts | Quelle im Text genannt |
| werden … angezogen | Paraphrase von S. 41 | Inhalt korrekt wiedergegeben |
| (vgl. Musterfrau Jahr, S. 41) | Seitenangabe im Exzerpt | Übernahme nachgewiesen |
| Für unsere Stadt stellt sich daher die Frage … | eigener Gedanke in Klammern | klar als eigene Überlegung erkennbar |
| Übergang von Quelle zu eigener Frage | Ordnung nach der Fragestellung | Referat entwickelt einen eigenen Gedanken |
Der Abschnitt zeigt, wie das Exzerpt das Schreiben erleichtert: Jede Aussage lässt sich auf eine Notiz zurückführen, und die Grenze zwischen fremdem Wissen und eigener Überlegung bleibt klar. Genau diese Klarheit erwarten Lehrkräfte von einer wissenschaftspropädeutischen Arbeit, also einer Arbeit, die auf das wissenschaftliche Arbeiten vorbereitet. Auffällig ist auch, dass Mia aus der Information eine Frage für ihre eigene Stadt entwickelt: Das Exzerpt liefert das Wissen, die Gedanken des Referats bleiben ihre eigenen.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| Ganzes Buch zusammenfassen | nur exzerpieren, was zur Fragestellung passt | Exzerpt ist gezielt. |
| Ganze Absätze abschreiben | Kernaussagen paraphrasieren, nur Wichtiges zitieren | Verstehen statt kopieren. |
| Notizen ohne Seitenzahl | zu jeder Notiz die Seite angeben | Nachweis wird sonst unmöglich. |
| Eigene Gedanken nicht kennzeichnen | eckige Klammern oder Kürzel verwenden | Sonst droht ein ungewolltes Plagiat. |
| Quellenangabe erst am Ende suchen | vollständige Angabe in den Kopf des Exzerpts | Sie ist sofort zur Hand. |
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