Deutsch Wirtschaftsschule Bayern · Jahrgangsstufe 7 (vierstufige Wirtschaftsschule) · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)
Sprachvarietäten: Dialekt, Fachsprache und Chatsprache
Deutsch klingt nicht überall gleich. In Niederbayern spricht man anders als in Franken, im Büro anders als im Chat mit Freunden. Diese verschiedenen Formen einer Sprache heißen Sprachvarietäten. Auf dieser Seite lernst du wichtige Varietäten kennen: Dialekte, Fachsprachen, die Jugendsprache und die Sprache im Chat. Du erfährst, woran du sie erkennst, wann sie passen und worauf du achten musst, wenn du öffentlich oder privat schreibst. Als Beispiel begleitest du das Team einer Schülerfirma durch seinen Arbeitsalltag.
1. Eine Sprache, viele Varietäten
Alle Menschen in Deutschland sprechen Deutsch. Trotzdem gibt es große Unterschiede. Sie hängen davon ab, wo jemand lebt, mit wem er spricht und in welcher Lage er sich befindet. Jede dieser Formen nennt man Sprachvarietät.
| Varietät | wovon sie abhängt | Beispiel |
|---|---|---|
| Standardsprache | gilt überall, besonders schriftlich | Guten Tag, ich hätte gern ein Brötchen. |
| Dialekt | von der Region | Grüß Gott, a Semmel bitte. |
| Fachsprache | vom Beruf oder Fachgebiet | Bitte den Lieferschein abzeichnen. |
| Chatsprache | vom Medium und den Gesprächspartnern | kommst du heute? bin gleich da |
Die Standardsprache ist die gemeinsame Form, die alle verstehen. Sie gilt in Schulbüchern, Zeitungen, Behörden und Geschäftsbriefen. Die anderen Varietäten haben jeweils ihren eigenen Platz.
Keine Varietät ist besser oder schlechter als eine andere. Entscheidend ist, ob sie zur Lage passt. Wer im Chat mit Freunden schreibt wie in einem Geschäftsbrief, wirkt steif. Wer im Geschäftsbrief schreibt wie im Chat, wirkt unhöflich.
2. Dialekte in Bayern
Ein Dialekt ist eine regionale Form der Sprache. Er unterscheidet sich von der Standardsprache in der Aussprache, im Wortschatz und manchmal auch in der Grammatik.
In Bayern werden drei große Dialektgruppen gesprochen. Im Süden und Osten ist es das Bairische, im Norden das Fränkische und im Südwesten das Schwäbische. Innerhalb dieser Gruppen gibt es viele örtliche Unterschiede. Oft erkennt man schon an wenigen Wörtern, aus welcher Gegend jemand stammt.
Manche Wörter sind regional verbreitet und gelten dort auch in der gesprochenen Alltagssprache als normal. Im Süden sagt man oft „Semmel“, im Norden eher „Brötchen“. Auch „Grüß Gott“ und „Servus“ sind im Süden alltägliche Grüße.
Dialekte sind ein wertvoller Teil der Kultur. Sie schaffen Nähe und Vertrautheit. Im Gespräch mit Nachbarn, in der Familie oder auf dem Wochenmarkt passen sie gut. In schriftlichen Texten für Fremde, in Prüfungen und in Geschäftsbriefen verwendest du dagegen die Standardsprache.
3. Fachsprache
Jedes Fachgebiet hat eigene Wörter. Man nennt sie Fachbegriffe oder Fachwortschatz. In der Wirtschaft sind das zum Beispiel „Rechnung“, „Lieferschein“, „Skonto“, „brutto“ und „netto“.
Fachsprache hat einen großen Vorteil: Sie ist genau. „Netto“ bedeutet in der Wirtschaft den Betrag ohne Umsatzsteuer, „brutto“ den Betrag mit Umsatzsteuer. Wer diese Begriffe kennt, kann sich unter Fachleuten schnell und eindeutig verständigen.
Fachsprache: Der Lieferschein wurde abgezeichnet, die Rechnung ist innerhalb von 14 Tagen zahlbar.
Alltagssprache: Wir haben unterschrieben, dass die Taschen angekommen sind. Wir müssen sie in zwei Wochen bezahlen.
Fachsprache hat aber auch einen Nachteil. Menschen außerhalb des Fachs verstehen sie oft nicht. Deshalb passt du deine Sprache an die Zuhörer an. Einem Kollegen sagst du „Bitte den Lieferschein abzeichnen“. Einer Kundin erklärst du: „Bitte bestätigen Sie mit Ihrer Unterschrift, dass die Ware vollständig angekommen ist.“
Wenn du einen Fachbegriff verwendest, den andere vielleicht nicht kennen, erkläre ihn kurz. So bleibt dein Text genau und trotzdem verständlich.
Zur Fachsprache gehören auch feste Abkürzungen. Auf Rechnungen findest du „inkl.“ für „inklusive“ und „MwSt.“ für „Mehrwertsteuer“. Unter Fachleuten sind sie üblich und sparen Platz. In einem Text für Laien schreibst du sie besser aus.
4. Chatsprache
Im Chat und in Kurznachrichten schreiben die meisten Menschen anders als in Briefen. Die Chatsprache ist schnell, kurz und oft nahe an der gesprochenen Sprache.
| Merkmal | Beispiel |
|---|---|
| Kleinschreibung | bin gleich da |
| Abkürzungen | vllt, kA, lg |
| weggelassene Wörter | Treffen 10 Uhr? |
| Bildzeichen | Daumen hoch statt „einverstanden“ |
| Umgangssprache | passt, alles klar |
Diese Merkmale sind unter Freunden völlig in Ordnung. Sie sparen Zeit und machen die Nachricht persönlich. Problematisch wird es, wenn sie in die falsche Lage geraten.
Eine Nachricht an die Lehrkraft, eine Bewerbungsanfrage oder eine Antwort an eine Kundin verlangt Standardsprache. Dort wirken Abkürzungen und fehlende Großschreibung nachlässig. Auch Bildzeichen ersetzen keine klare Aussage. Ein Daumen kann Zustimmung bedeuten, aber auch nur „gelesen“.
Auch Sprachnachrichten gehören zur Chatkommunikation. Sie sind schnell aufgenommen, für den Empfänger aber oft lästig, wenn er gerade nicht zuhören kann. Für wichtige Absprachen mit Terminen oder Zahlen ist eine geschriebene Nachricht meist besser, weil man sie nachlesen kann.
Achte auch in Gruppenchats der Klasse oder des Teams auf deine Wortwahl. Was unter zwei Freunden lustig ist, kann in einer großen Gruppe missverstanden werden.
5. Öffentlich oder privat schreiben
Ein wichtiger Unterschied besteht zwischen privater und öffentlicher Kommunikation. Eine private Nachricht liest nur der Empfänger. Einen öffentlichen Beitrag unter einem Video, einen Text auf einer Plattform oder eine Bewertung können viele Menschen lesen, oft auch Fremde.
Öffentliche Texte bleiben häufig lange sichtbar. Sie lassen sich weiterleiten, kopieren und speichern. Deshalb gilt hier besondere Sorgfalt. Schreibe sachlich, höflich und in Standardsprache. Gib keine persönlichen Daten preis, zum Beispiel deine Adresse oder Telefonnummer.
privat an eine Freundin: hey, die taschen sind fertig, kommst du schauen?
öffentlich auf der Schulseite: Die neuen Stofftaschen der Schülerfirma sind fertig. Sie sind ab Montag in der großen Pause erhältlich.
Die private Nachricht ist locker und kurz. Der öffentliche Text richtet sich an alle. Er nennt die wichtigsten Informationen vollständig und in einer Form, die jeder versteht.
6. Jugendsprache
Jugendliche sprechen untereinander oft anders als mit Erwachsenen. Diese Varietät heißt Jugendsprache. Sie hat eigene Wörter wie „chillen“ oder „lost“, verkürzt gern und übernimmt Ausdrücke aus anderen Sprachen und aus sozialen Netzwerken.
Jugendsprache erfüllt eine wichtige Aufgabe. Sie zeigt, dass jemand zu einer Gruppe gehört, und grenzt diese Gruppe von anderen ab. Deshalb verändert sie sich schnell. Viele Wörter sind nach wenigen Jahren wieder verschwunden, weil die nächste Generation eigene Ausdrücke findet.
Unter Freunden ist Jugendsprache völlig passend. In der Schülerfirma, im Gespräch mit Kunden oder in einer Bewerbung wirkt sie dagegen unangemessen. Die Kundin, die eine Tasche reklamiert, möchte nicht hören, dass das Problem „voll lost“ sei. Sie erwartet eine klare und höfliche Antwort in Standardsprache.
So brauchst du es im Beruf
Im Berufsleben wechselst du ständig zwischen Varietäten. Mit Kollegen nutzt du Fachsprache, mit Kunden Standardsprache und vielleicht in der Pause Dialekt. Wer sicher wechselt, wirkt kompetent und freundlich zugleich.
An das Team (Fachsprache): Lieferung Stoff eingegangen, Lieferschein abgezeichnet, Rechnung liegt in der Ablage.
An die Kundin (Standardsprache): Ihre bestellten Taschen sind fertig. Sie können sie ab Montag am Stand abholen.
| Empfänger | Varietät | warum |
|---|---|---|
| Team | Fachsprache, knapp | Alle kennen die Begriffe. |
| Kundin | Standardsprache, vollständig | Sie braucht klare, verständliche Informationen. |
Beide Nachrichten sind richtig, aber nicht austauschbar. Die Kundin würde mit „Lieferschein abgezeichnet“ wenig anfangen können. Das Team bräuchte dagegen keine ausführlichen Sätze.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| „hey, wann kommt meine tasche?“ an die Schülerfirma als offizielle Anfrage | „Guten Tag, wann kann ich meine Tasche abholen?“ | Offizielle Anfragen verlangen Standardsprache. |
| Fachbegriff ohne Erklärung für eine Kundin | Begriff kurz erklären | Laien verstehen Fachsprache oft nicht. |
| Dialektwörter in einem Geschäftsbrief | Standardsprache verwenden | Schriftliche Texte für Fremde stehen in Standardsprache. |
| Telefonnummer in einem öffentlichen Beitrag | persönliche Daten weglassen | Öffentliche Texte können alle lesen. |
| Dialekt als „falsches Deutsch“ bezeichnen | Dialekt als regionale Varietät anerkennen | Jede Varietät hat ihren Platz. |
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