Deutsch Wirtschaftsschule Bayern · Jahrgangsstufe 9 (vier- und dreistufig) und Jahrgangsstufe 10 (zweistufig) · Lesen – mit Texten und weiteren Medien umgehen (LehrplanPLUS)

Diskontinuierliche Texte auswerten: Infografik, Karikatur, Meme und Social-Media-Beitrag

Nicht jeder Text besteht aus Absätzen, die man von oben nach unten liest. Infografiken verbinden Zahlen, Symbole und kurze Texte. Karikaturen und Memes leben vom Zusammenspiel aus Bild und Wort. Social-Media-Beiträge mischen Foto, Text, Zeichen und Reaktionen anderer. Solche Texte nennt man diskontinuierlich, weil sie nicht fortlaufend gelesen werden. Auf dieser Seite lernst du, wie du sie Schritt für Schritt auswertest, was ihre Gestaltung bewirken soll und wie du ihre Aussage kritisch prüfst. Weil Bilder auf dieser Seite nicht abgebildet werden, beschreiben wir die Beispiele in Worten und Tabellen.

1. Was diskontinuierliche Texte ausmacht

Ein kontinuierlicher Text wird Satz für Satz gelesen, wie ein Bericht oder eine Erzählung. Ein diskontinuierlicher Text ordnet Informationen in Elementen an, die man in unterschiedlicher Reihenfolge erfassen kann: Überschrift, Grafik, Legende, Bildunterschrift, Quellenangabe. Der Blick springt hin und her.

Das hat Vorteile: Viele Informationen lassen sich auf kleinem Raum darstellen, Vergleiche werden auf einen Blick sichtbar. Es hat aber auch eine Kehrseite: Durch Farbe, Größe, Ausschnitt und Anordnung kann ein diskontinuierlicher Text eine Aussage stärker machen, als die Daten hergeben. Wer ihn auswertet, muss deshalb sowohl den Inhalt als auch die Gestaltung im Blick haben. Im Berufsalltag begegnen dir solche Texte ständig, etwa als Verkaufsübersicht in einer Besprechung oder als Grafik in einem Angebot eines Lieferanten.

Textart typische Elemente worauf du besonders achtest
Infografik Überschrift, Diagramm, Zahlen, Symbole, Quelle Achsen, Einheiten, Zeitraum, Quelle
Karikatur Zeichnung, Übertreibung, kurzer Text Wer ist dargestellt, was wird übertrieben?
Meme bekanntes Bildmotiv, kurzer Text oben und unten Anspielung, Witz, versteckte Botschaft
Social-Media-Beitrag Absender, Bild, Text, Zeichen, Reaktionen Wer spricht, mit welcher Absicht?

2. Eine Infografik auswerten

Eine Infografik wertest du in einer festen Reihenfolge aus. So vermeidest du, dass dich der erste Eindruck täuscht.

Erstens liest du Überschrift und Quelle: Worum geht es, wer hat die Daten erhoben, für welchen Zeitraum? Zweitens klärst du, was dargestellt wird: Was zeigen die Achsen, welche Einheiten werden verwendet, was bedeuten Farben und Symbole in der Legende? Drittens beschreibst du die Kernaussage in ein bis zwei Sätzen: höchster und niedrigster Wert, Entwicklung, auffällige Unterschiede. Viertens prüfst du kritisch: Fehlt etwas? Beginnt eine Achse nicht bei null und lässt so kleine Unterschiede groß wirken? Passt die Überschrift wirklich zu den Zahlen?

Ein Beispiel aus dem Übungsunternehmen: Eine Infografik trägt die Überschrift „Umsatz explodiert“. Das Säulendiagramm zeigt vier Quartale mit erfundenen Werten von 9.800, 9.900, 10.000 und 10.200 Euro. Die senkrechte Achse beginnt aber erst bei 9.700 Euro. Dadurch wirkt die letzte Säule etwa fünfmal so hoch wie die erste, obwohl der Umsatz nur um gut vier Prozent gestiegen ist. Die Überschrift übertreibt also, und die Gestaltung verstärkt diesen Eindruck.

Bei einem Kreisdiagramm prüfst du zusätzlich, ob die Anteile zusammen 100 Prozent ergeben und ob die Größe der Kreisausschnitte zu den Zahlen passt. Wird ein Kreisdiagramm schräg und räumlich dargestellt, erscheinen die vorderen Ausschnitte größer als die hinteren, obwohl sie gleich groß sind. Auch hier gilt: Die Zahlen entscheiden, nicht der Eindruck.

Merke: Erst Überschrift und Quelle, dann Achsen und Legende, dann die Kernaussage, zuletzt die kritische Prüfung. Die Gestaltung kann eine Aussage stärker wirken lassen, als die Daten es hergeben. Prüfe deshalb immer, ob du zur selben Aussage kämst, wenn du nur die Zahlen sähest.

3. Karikaturen und Memes deuten

Karikaturen und Memes funktionieren ähnlich: Ein Bild und ein kurzer Text ergeben zusammen eine Aussage, die man oft erst beim zweiten Hinsehen versteht. Beide arbeiten mit Übertreibung, also mit Merkmalen, die stark vergrößert oder zugespitzt werden.

Bei einer Karikatur beschreibst du zuerst, was zu sehen ist: Personen, Gegenstände, Ort, Text. Dann fragst du, welche Merkmale übertrieben sind und auf welches Thema sich die Zeichnung bezieht. Zuletzt formulierst du die Aussage oder Kritik der Zeichnerin oder des Zeichners. Ein Beispiel in Worten: Eine Karikatur zeigt einen Angestellten, der unter einem riesigen Berg von Papier begraben ist, während daneben ein Schild hängt: „Digitales Büro – papierlos seit heute“. Die Übertreibung macht deutlich, dass die Umstellung auf digitale Arbeit in der Praxis nicht so reibungslos verläuft wie angekündigt.

Ein Meme greift meist ein bekanntes Bildmotiv auf und versieht es mit einem neuen Text. Seine Wirkung hängt davon ab, dass man die Anspielung erkennt. Hinter dem Witz kann eine ernste Botschaft stecken, manchmal auch eine abwertende. Deshalb fragst du bei Memes nicht nur, was lustig ist, sondern auch, über wen gelacht wird und ob dabei Menschen herabgesetzt werden.

4. Social-Media-Beiträge kritisch lesen

Ein Social-Media-Beitrag ist ein besonders vielschichtiger diskontinuierlicher Text. Er besteht aus Absendername, Profilbild, Foto oder Video, Text, Zeichen wie Hashtags und den Reaktionen anderer Nutzerinnen und Nutzer. Jedes Element trägt zur Wirkung bei.

Wenn du einen solchen Beitrag auswertest, achtest du auf vier Dinge. Der Absender: Handelt es sich um eine Privatperson, ein Unternehmen, eine Behörde oder ein unbekanntes Konto? Die Absicht: Will der Beitrag informieren, unterhalten, überzeugen oder verkaufen? Das Verhältnis von Bild und Text: Belegt das Bild den Text, oder erzeugt es nur eine Stimmung? Die Reaktionen: Viele Zustimmungszeichen sagen nichts über die Richtigkeit, sie zeigen nur, dass der Beitrag Aufmerksamkeit erhalten hat.

Ein Beispiel: Ein Beitrag zeigt ein Foto von leeren Regalen in einem Supermarkt und den Text „Ab morgen gibt es nichts mehr!“. Ohne Ort, Datum und Quelle ist die Aussage nicht überprüfbar. Das Foto kann von einem anderen Tag oder Ort stammen. Die Absicht scheint eher Aufregung als Information zu sein. Im Übungsunternehmen hättet ihr vor einer Reaktion auf einen solchen Beitrag zuerst geklärt, ob es zu der Meldung eine offizielle Quelle gibt. Erst dann würdet ihr entscheiden, ob ihr Kundinnen und Kunden informiert. Eine vorschnelle Antwort könnte die Aufregung sonst noch verstärken und das Vertrauen in eure Firma beschädigen.

5. Die Auswertung schriftlich festhalten

Oft sollst du deine Auswertung nicht nur im Kopf, sondern auf Papier festhalten, etwa für eine Präsentation oder als Grundlage für eine Stellungnahme. Dafür hat sich ein Aufbau in drei Teilen bewährt.

Im Einleitungssatz nennst du Textart, Thema, Quelle und Zeitraum: „Die Infografik der Übungsfirma zeigt den Umsatz in vier Quartalen.“ Im Hauptteil beschreibst du die wichtigsten Angaben sachlich und mit genauen Werten, vom Auffälligsten zum Einzelnen. Für Karikaturen und Memes beschreibst du hier zuerst das Bild und danach den Text. Im Schlussteil formulierst du die Kernaussage und deine kritische Einschätzung: Ist die Darstellung angemessen, oder verstärkt die Gestaltung eine bestimmte Wirkung?

Achte darauf, Beschreibung und Deutung sprachlich zu trennen. Was zu sehen ist, steht im Präsens und ohne Wertung. Deine Deutung kennzeichnest du mit Formulierungen wie „Damit soll vermutlich gezeigt werden“ oder „Die Übertreibung verdeutlicht“. So können andere nachvollziehen, worauf sich dein Urteil stützt.

So hilft dir KI – und wo du selbst prüfen musst

Mit Anleitung deiner Lehrkraft kannst du ein KI-Werkzeug nutzen, um unbekannte Begriffe in einer Infografik zu klären oder eine erste Beschreibung zu erhalten. Die Auswertung selbst bleibt deine Aufgabe. Ausgangspunkt ist die Umsatzgrafik aus Abschnitt 2.

Vorschlag eines KI-Werkzeugs Was du selbst prüfst Warum
„Der Umsatz hat sich verfünffacht.“ Was sagen die Zahlen, nicht die Säulenhöhe? Fehlerhaft: Das Werkzeug hat sich von der Achse täuschen lassen.
Erklärung des Begriffs „Quartal“ Stimmt die Erklärung? Ein Quartal ist ein Vierteljahr, das passt.
„Die Quelle ist seriös.“ Ist überhaupt eine Quelle angegeben? Das Werkzeug kann eine Quelle nicht für dich beurteilen.
Kurze Zusammenfassung der Grafik Ist die Kernaussage richtig wiedergegeben? Zusammenfassungen übernehmen Fehler der Deutung.

Ein KI-Werkzeug kann beim Erschließen helfen, aber es kann sich genauso täuschen lassen wie ein Mensch. Wann es im Unterricht erlaubt ist, legt deine Lehrkraft fest.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum
Nur auf die Säulenhöhe achten. Die Achsenbeschriftung und Zahlen lesen. Eine gekürzte Achse vergrößert Unterschiede.
Die Überschrift ist die Aussage der Grafik. Die Aussage aus den Daten ableiten. Überschriften können übertreiben.
Ein Meme ist nur lustig. Auch nach der Botschaft und nach Herabsetzung fragen. Witze können abwerten.
Viele Zustimmungen bedeuten, dass es stimmt. Absender und Quelle prüfen. Reaktionen zeigen Aufmerksamkeit, nicht Wahrheit.
Bei einer Karikatur sofort deuten. Erst beschreiben, dann deuten. Ohne genaue Beschreibung fehlen die Belege.

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