Deutsch Mittelschule Bayern · Jahrgangsstufe 6 · Schreiben (LehrplanPLUS)

Unterhaltende, informierende und überzeugende Texte unterscheiden

Jeder Text verfolgt eine Absicht. Er will bei den Lesern etwas erreichen. Manche Texte sollen dich unterhalten, andere sollen dir etwas erklären, wieder andere wollen dich zu etwas bewegen. Die Absicht bestimmt, wie ein Text aufgebaut ist und welche Wörter in ihm stehen. Auf dieser Seite lernst du die drei Textarten kennen und erfährst, woran du sie erkennst.

1. Drei Absichten, drei Textarten

Ein Text kann unterhalten, informieren oder überzeugen. Jede dieser Absichten gehört zu einer Textart, also zu einer Gruppe von Texten mit gleichen Merkmalen. Unterhalten heißt: Die Leser sollen sich freuen, lachen oder mitfiebern. Informieren heißt: Die Leser sollen etwas Neues wissen. Überzeugen heißt: Die Leser sollen eine Meinung teilen oder etwas tun. Die Tabelle gibt dir den Überblick.

Textart Der Text will … Beispiel
unterhaltender Text die Leser spannend oder lustig beschäftigen eine Geschichte über ein Zicklein, das aus dem Stall ausbüxt
informierender Text sachlich erklären, wie etwas ist oder funktioniert ein Text über den Aufbau eines Fahrradreifens
überzeugender Text die Leser für eine Meinung oder ein Handeln gewinnen ein Aufruf des Gartenvereins zum Pflanzentausch

Ein Text hat oft eine Hauptabsicht und daneben eine zweite. Ein Plakat für den Wochenmarkt nennt zum Beispiel auch Ort und Zeit. Seine Hauptabsicht bleibt trotzdem das Überzeugen, denn es will Besucher gewinnen. Entscheidend ist also, was der Text vor allem erreichen will.

2. Der unterhaltende Text

Ein unterhaltender Text erzählt. Meist ist er eine Geschichte. Den Aufbau einer Geschichte kennst du aus Jahrgangsstufe 5. Sie hat drei Bauteile:

  • Die Ausgangssituation stellt vor, wer wo und wann etwas erlebt.
  • Die Komplikation ist das Problem, das die Handlung in Gang bringt.
  • Die Auflösung zeigt, wie das Problem endet.

Dazu kommt eine Überschrift, die neugierig macht. Sie verrät aber nicht, wie die Geschichte ausgeht.

Die Sprache ist anschaulich. Genaue Verben wie rennen, schleichen oder stolpern zeigen Bewegung. Adjektive wie dunkel, laut oder eng erzeugen Bilder im Kopf. Wörtliche Rede, also das, was die Figuren genau sagen, macht die Handlung lebendig. Meist steht der Text im Präteritum, der Zeitform des Erzählens: Der Hahn krähte, das Zicklein sprang. Auch Gefühle dürfen vorkommen: Mara erschrak, Jonas lachte.

Der Anfang entscheidet, ob die Leser weiterlesen wollen. Ein spannender erster Satz zieht sie in die Geschichte hinein, zum Beispiel: Plötzlich ging im Stall das Licht aus.

Merke: Unterhaltende Texte erzählen in drei Bauteilen: Ausgangssituation, Komplikation und Auflösung. Sie stehen meist im Präteritum und benutzen anschauliche Wörter und wörtliche Rede.

3. Der informierende Text

Ein informierender Text gibt Wissen weiter. Er sagt, wie etwas ist, wie es funktioniert oder wie es abläuft. Seine Angaben lassen sich nachprüfen. Man nennt sie Sachinformationen. Der Text besteht aus diesen Bauteilen:

  • Die Überschrift nennt das Thema, zum Beispiel: Aufbau eines Fahrradreifens.
  • Der Einleitungssatz stellt das Thema vor.
  • Der Hauptteil enthält die Sachinformationen in einer sinnvollen Reihenfolge.
  • Ein Schlusssatz kann das Wichtigste noch einmal bündeln.

Ein informierender Text steht im Präsens, der Gegenwartsform. Er bleibt sachlich und lässt persönliche Meinungen weg. Das Wort ich kommt in ihm nicht vor. Er benutzt Fachwörter, das sind Wörter eines bestimmten Sachgebiets, etwa Mantel, Schlauch und Ventil beim Fahrrad. Ist ein Fachwort neu, erklärt der Text es in einem Halbsatz. Die Angaben sind genau und nicht vage: Statt viel steht dort, wie viel.

Die Reihenfolge der Sachinformationen folgt der Sache. Bei einem Gerät geht man von außen nach innen oder von oben nach unten. Bei einem Ablauf folgt man der zeitlichen Reihenfolge.

Merke: Informierende Texte nennen nachprüfbare Sachinformationen im Präsens. Sie verwenden Fachwörter und lassen Meinungen weg.

4. Der überzeugende Text

Ein überzeugender Text will, dass die Leser etwas glauben oder tun. Deshalb spricht er sie oft direkt an. Plakate, Aufrufe und Werbetexte sind typische Beispiele. Er besteht aus diesen Bauteilen:

  • Der Blickfang weckt Aufmerksamkeit, etwa durch eine Frage oder einen kurzen Satz in der Überschrift.
  • Die Kernaussage nennt die Meinung oder Forderung, für die der Text eintritt.
  • Die Gründe stützen die Kernaussage.
  • Der Appell ist eine klare Aufforderung am Schluss. Er sagt den Lesern, was sie tun sollen.

Wie man Gründe richtig aufbaut und eine Meinung sauber begründet, ist ein eigenes Thema. Es steht nicht auf dieser Seite. Hier genügt es zu wissen, dass ein überzeugender Text Gründe nennt.

Die Sprache spricht die Leser mit du oder Sie an. Aufforderungen wie Komm vorbei oder Nimm es mit fordern zum Handeln auf. Fragen holen die Leser ins Gespräch. Wertende Wörter stellen etwas als gut oder schlecht dar, zum Beispiel praktisch, unbedingt oder gefährlich. Sie verstärken die Wirkung. Meist steht der Text im Präsens.

Überzeugende Texte übertreiben manchmal ein wenig. Deshalb lohnt sich beim Lesen die Frage, ob die Gründe wirklich stimmen und ob sie zur Aussage passen.

Merke: Überzeugende Texte haben einen Blickfang, eine Kernaussage, Gründe und einen Appell. Sie sprechen die Leser an und benutzen wertende Wörter.

5. So erkennst du die Absicht

Lies einen Text zuerst ganz durch. Stelle dir danach diese Fragen:

  1. Was geschieht mit mir als Leser? Spüre ich Spannung, bekomme ich Wissen, oder soll ich etwas tun?
  2. Wie ist der Text aufgebaut? Gibt es eine Geschichte, eine sachliche Reihenfolge oder eine Aufforderung am Schluss?
  3. In welcher Zeitform steht er?
  4. Welche Wörter überwiegen: anschauliche, sachliche oder werbende?
  5. Spricht der Text mich direkt an?
Merkmal unterhaltend informierend überzeugend
Aufbau Ausgangssituation, Komplikation, Auflösung Einleitung, Sachinformationen, Schluss Blickfang, Kernaussage, Gründe, Appell
Zeitform meist Präteritum Präsens meist Präsens
Wörter anschauliche Verben und Adjektive, wörtliche Rede Fachwörter, genaue Angaben wertende Wörter, Aufforderungen, Fragen
Ansprache erzählt von anderen sachlich, ohne ich spricht die Leser mit du oder Sie an

Dasselbe Thema lässt sich in allen drei Textarten behandeln. Über einen Fahrradreifen kann man eine Geschichte erzählen, ihn sachlich erklären oder zum Aufpumpen auffordern. Du erkennst die Absicht deshalb nie am Thema, sondern immer an Aufbau und Sprache.

Merke: Frage dich bei jedem Text: Was will er von mir? Die Antwort zeigt dir die Textart.

So schreibst du es im Quali

Hier siehst du drei kurze Texte zum selben Thema, dem Fahrradreifen. Jeder hat eine andere Absicht. Lies zuerst die Texte und danach die Tabelle.

Text 1: Der platte Reifen

Jonas fuhr an einem Nachmittag über den Feldweg zum Garten. Plötzlich zischte es, und der Vorderreifen wurde platt. Er hatte weder Pumpe noch Flickzeug dabei. Da klingelte es hinter ihm, und Frau Gruber hielt an. „In meiner Satteltasche ist alles drin“, sagte sie und lachte. Zehn Minuten später rollte Jonas weiter.

Text 2: Aufbau eines Fahrradreifens

Der Fahrradreifen besteht aus zwei Teilen: dem Mantel und dem Schlauch. Der Mantel ist die äußere Hülle aus Gummi und schützt den Schlauch. Der Schlauch liegt im Inneren und hält die Luft. Durch das Ventil wird er mit der Pumpe aufgepumpt. Hat der Schlauch ein Loch, entweicht die Luft, und der Reifen wird platt.

Text 3: Ohne Flickzeug nie los

Ein Flickzeug gehört in jede Satteltasche. Wer unterwegs einen platten Reifen hat, kommt mit Flickzeug schnell weiter. Ohne es muss man das Rad weit schieben, und das ist anstrengend. Nimm es deshalb immer mit, es lohnt sich.

Text und Absicht Bauteil Fundstelle und Merkmal
Text 1, unterhalten Ausgangssituation Satz 1: Jonas, Feldweg, Nachmittag
Text 1, unterhalten Komplikation Sätze 2 und 3: platter Reifen, kein Flickzeug
Text 1, unterhalten Auflösung Sätze 4 bis 6: Frau Gruber hilft
Text 1, unterhalten Sprache Präteritum, wörtliche Rede, anschauliches Verb zischte
Text 2, informieren Einleitungssatz Satz 1 nennt Mantel und Schlauch
Text 2, informieren Sachinformationen Sätze 2 bis 5, nachprüfbar
Text 2, informieren Sprache Präsens, Fachwörter Mantel, Schlauch, Ventil
Text 3, überzeugen Kernaussage Satz 1: Flickzeug gehört in jede Satteltasche
Text 3, überzeugen Gründe Sätze 2 und 3: schnell weiterkommen, nicht schieben
Text 3, überzeugen Appell Satz 4: Nimm es deshalb immer mit

Bis zur Quali, dem Qualifizierenden Abschluss der Mittelschule, dauert es noch einige Jahre. Der Prüfungsteil für eigene Texte trägt dort den Namen Teil D Schreiben. Wer vor dem Schreiben klärt, ob ein Text unterhalten, informieren oder überzeugen soll, wählt Aufbau und Wörter passend aus. Genau das übst du auf dieser Seite.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Diese sechs Fehler treten beim Erkennen und Schreiben von Textarten häufig auf. Die Tabelle zeigt, wie es richtig geht.

Falsch Richtig Warum
Im Sachtext steht: „Ich finde Fahrradschläuche langweilig.“ Der Schlauch hält die Luft im Reifen. Informierende Texte bleiben sachlich und lassen Meinungen weg.
Eine Geschichte wechselt mitten im Text vom Präteritum ins Präsens. Die ganze Geschichte steht im Präteritum. Ein Wechsel der Zeitform stört den Erzählfluss.
Ein Plakat für den Wochenmarkt gilt als reiner Sachtext, weil es Ort und Zeit nennt. Es ist ein überzeugender Text mit Sachinformationen. Die Hauptabsicht entscheidet: Das Plakat will Besucher gewinnen.
Eine Geschichte endet mit der Komplikation. Eine Geschichte endet mit einer Auflösung. Ohne Auflösung bleibt das Problem offen.
Ein Aufruf besteht nur aus der Aufforderung „Kauft das.“ Der Aufruf nennt eine Kernaussage und Gründe. Eine Aufforderung ohne Grund überzeugt kaum.
Die Textart wird am Thema erkannt: Fahrrad, also Sachtext. Die Textart wird an Aufbau und Sprache erkannt. Dasselbe Thema kann unterhalten, informieren oder überzeugen.

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