Deutsch Mittelschule Bayern · Jahrgangsstufe 6 · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)

Plusquamperfekt und Futur I bilden und verwenden

Mit den Zeitformen eines Verbs zeigst du, wann etwas geschieht. Präsens, Präteritum und Perfekt kennst du schon aus Jahrgangsstufe 5. Jetzt kommen zwei neue Formen dazu. Das Plusquamperfekt erzählt von etwas, das schon abgeschlossen war, bevor etwas anderes geschah. Das Futur I spricht über das, was noch kommt.

1. Das Plusquamperfekt bilden

Das Plusquamperfekt besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil ist das Hilfsverb haben oder sein im Präteritum, also hatte oder war. Ein Hilfsverb hilft einem anderen Verb dabei, die Zeitform zu bilden. Der zweite Teil ist das Partizip II. So heißt die Verbform, die du vom Perfekt kennst, zum Beispiel gesägt oder gefahren.

Person mit haben mit sein
ich ich hatte gesägt ich war gefahren
du du hattest gesägt du warst gefahren
er, sie, es er hatte gesägt er war gefahren
wir wir hatten gesägt wir waren gefahren
ihr ihr hattet gesägt ihr wart gefahren
sie sie hatten gesägt sie waren gefahren

Welches Hilfsverb passt, hängt vom Verb ab. Die meisten Verben bilden das Plusquamperfekt mit hatte. Verben der Bewegung und der Veränderung brauchen dagegen war. Dazu gehören gehen, fahren, laufen, einschlafen und wachsen. Auch sein und bleiben bilden die Form mit war.

Merke: Plusquamperfekt = hatte oder war + Partizip II.
Pia hatte den Zaun gestrichen. Der Hahn war auf den Stall geflogen.

So bildest du das Plusquamperfekt in drei Schritten:

  1. Schreibe das Verb in der Grundform auf, zum Beispiel mähen oder einschlafen.
  2. Entscheide, ob das Verb eine Bewegung oder eine Veränderung ausdrückt. Dann brauchst du war, sonst brauchst du hatte.
  3. Setze das Hilfsverb in die passende Person und hänge das Partizip II ans Satzende.

Bei mähen entsteht so der Satz: Lena hatte den Rasen gemäht. Bei einschlafen entsteht: Der Hund war eingeschlafen. Im Hauptsatz steht das Hilfsverb an zweiter Stelle. Das Partizip II steht am Ende des Satzes.

Beim Partizip II musst du auf die Endung achten. Regelmäßige Verben enden auf -t, zum Beispiel gesägt. Unregelmäßige Verben enden auf -en, zum Beispiel gebunden. Auch backen gehört dazu: Es heißt gebacken, nicht gebäckt. Bei Verben mit be-, ver- oder ent- fehlt das ge-, zum Beispiel verkauft. Auch bei Verben auf -ieren fehlt das ge-, zum Beispiel repariert. Trennbare Verben nehmen das ge- in die Mitte, zum Beispiel aufgeräumt.

2. Das Plusquamperfekt verwenden

Du nimmst das Plusquamperfekt, wenn du von etwas Früherem erzählst. Die Erzählung selbst steht meist im Präteritum. Das Plusquamperfekt liefert die Vorgeschichte dazu. Es zeigt, was schon vorher geschehen war.

Beispiel: Mia kam in den Stall. Der Hahn hatte schon gekräht. Die Kühe hatten bereits gefressen.

Vergleiche zwei Fassungen. Ohne Plusquamperfekt heißt es: Mia kam in den Stall. Der Hahn krähte. Dann bleibt unklar, was zuerst geschah. Mit Plusquamperfekt heißt es: Der Hahn hatte schon gekräht. Jetzt ist klar, dass das Krähen vorbei war, als Mia kam.

Eine kleine Szene aus der Werkstatt zeigt die Reihenfolge. Ben schraubte das Rad an. Vorher hatte er den Schlauch geflickt. Danach prüfte er die Bremse. Ben flickte den Schlauch also zuerst, auch wenn dieser Satz erst an zweiter Stelle steht. Das Plusquamperfekt rückt dieses Geschehen in der Zeit nach vorn.

Verwechsle das Plusquamperfekt nicht mit dem Perfekt. Beim Perfekt steht das Hilfsverb im Präsens, zum Beispiel hat gesägt. Beim Plusquamperfekt steht es im Präteritum, zum Beispiel hatte gesägt. Dieser kleine Unterschied im Hilfsverb entscheidet über die Zeitform. Das Präteritum erkennst du daran, dass es meist aus nur einem Wort besteht, zum Beispiel sägte.

Signalwörter helfen dir beim Erkennen. Wörter wie vorher, zuvor, schon und bereits weisen oft auf das Plusquamperfekt hin. Sie müssen aber nicht im Satz stehen. Entscheidend ist, dass ein Geschehen früher liegt als ein anderes.

Das Plusquamperfekt braucht immer einen Bezugspunkt in der Vergangenheit. Allein, ohne ein späteres Geschehen, hat es keinen Sinn. Wie die Zeitformen in Sätzen mit nachdem oder bevor zusammenpassen, steht auf der Seite zur Zeitenfolge.

3. Das Futur I bilden

Das Futur I besteht ebenfalls aus zwei Teilen. Der erste Teil ist das Hilfsverb werden im Präsens. Der zweite Teil ist der Infinitiv, also die Grundform des Verbs, zum Beispiel streichen. Im Hauptsatz steht werden an zweiter Stelle und der Infinitiv am Satzende.

Person Futur I
ich ich werde streichen
du du wirst streichen
er, sie, es er wird streichen
wir wir werden streichen
ihr ihr werdet streichen
sie sie werden streichen
Merke: Futur I = werden (Präsens) + Infinitiv.
Wir werden den Stand aufbauen.

So bildest du das Futur I in zwei Schritten:

  1. Schreibe die passende Form von werden auf. Sie richtet sich nach der Person.
  2. Hänge den Infinitiv des Verbs ans Satzende, zum Beispiel streichen oder aufbauen.

In einer Frage steht werden am Satzanfang: Wirst du den Zaun streichen? Im Nebensatz ist die Reihenfolge anders. Dort steht werden am Ende, hinter dem Infinitiv. Ein Beispiel dafür ist: Ich weiß, dass er den Zaun streichen wird.

Achte auf die Formen von werden. Bei ich heißt es werde. Bei du heißt es wirst, bei er, sie, es heißt es wird. Das zweite Verb ändert sich nie. Es bleibt immer in der Grundform. Steht eine Zeitangabe am Satzanfang, bleibt werden trotzdem an zweiter Stelle: Morgen wird Pia den Zaun streichen.

4. Das Futur I verwenden

Mit dem Futur I sprichst du über Dinge, die noch kommen. Das können Pläne oder Vorhersagen sein. Passende Zeitangaben sind morgen, bald, später, gleich und nächste Woche. Eine Zeitangabe aus der Vergangenheit, zum Beispiel gestern, passt nicht dazu.

Im Alltag benutzt du für die Zukunft oft das Präsens mit einer Zeitangabe. Die Zeitangabe zeigt dann, dass es um später geht. Ein Beispiel dafür ist: Morgen streiche ich den Zaun. Ohne Zeitangabe zeigt das Futur I deutlicher, dass es um die Zukunft geht: Ich werde den Zaun streichen.

Beispiele: Bald wird der Markt öffnen. Wir werden die Kisten tragen. Nächste Woche wird Jonas das Mofa reparieren.

Das Futur I eignet sich für Pläne, Versprechen und Vorhersagen. Ein Plan ist zum Beispiel: Die Gruppe wird in der Schulküche Brot backen. Ein Versprechen ist zum Beispiel: Ich werde dir beim Tragen helfen. Eine Vorhersage ist zum Beispiel: Der Teig wird bald aufgehen.

Wichtig ist, dass du das Futur I nicht mit einer Vergangenheitsform mischst. In einem Satz mit werden steht der zweite Teil immer in der Grundform. Ein Partizip II wie gestrichen gehört nicht dazu.

Die Übersicht zeigt alle fünf Zeitformen, die du jetzt kennst, an einem Verb.

Zeitform Beispiel Bildung
Präsens Ich streiche den Zaun. Grundform mit Personalendung
Präteritum Ich strich den Zaun. eigene Vergangenheitsform
Perfekt Ich habe den Zaun gestrichen. habe oder bin + Partizip II
Plusquamperfekt Ich hatte den Zaun gestrichen. hatte oder war + Partizip II
Futur I Ich werde den Zaun streichen. werden + Infinitiv

So prüfst du es im Quali

Tom hatte das Fahrrad schon am Freitag geputzt. Heute pumpt er die Reifen auf. Seine Schwester war zum Markt gegangen und kam mit Äpfeln zurück. Morgen wird sie einen Kuchen backen. Tom wird ihr dabei helfen.

Textstelle Zeitform Woran du es erkennst
hatte … geputzt Plusquamperfekt hatte + Partizip II
pumpt … auf Präsens Präsens, Zusatz auf getrennt am Ende
war … gegangen Plusquamperfekt war + Partizip II, Bewegungsverb
kam … zurück Präteritum eigene Vergangenheitsform
wird … backen Futur I wird + Infinitiv
wird … helfen Futur I wird + Infinitiv

Zeitformen zu erkennen und zu bilden übst du hier für den Prüfungsteil „Sprachgebrauch – Sprachbetrachtung und Rechtschreiben“ der Quali. Wer beide neuen Formen sicher unterscheidet, kann sich in diesem Teil auf eine feste Grundlage aus Jahrgangsstufe 6 verlassen.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Diese Fehler passieren beim Bilden der neuen Zeitformen besonders oft.

Falsch Richtig Warum
Sie war den Zaun gestrichen. Sie hatte den Zaun gestrichen. Streichen ist kein Verb der Bewegung. Es braucht hatte.
Der Hund hatte in den Garten gelaufen. Der Hund war in den Garten gelaufen. Laufen drückt eine Bewegung aus. Dazu gehört war.
Die Gruppe hatte Brot gebäckt. Die Gruppe hatte Brot gebacken. Backen ist unregelmäßig. Das Partizip II endet auf -en.
Wir hatten den Stall gemistet aus. Wir hatten den Stall ausgemistet. Bei trennbaren Verben steht das ge- in der Mitte.
Du werde morgen den Schlauch flicken. Du wirst morgen den Schlauch flicken. Zu du gehört die Form wirst.
Gestern werde ich den Stall ausmisten. Morgen werde ich den Stall ausmisten. Das Futur I braucht eine Zeitangabe, die in die Zukunft zeigt.

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