Deutsch Realschule Bayern · Jahrgangsstufe 7 · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)

Attributsätze

Ein Attribut bestimmt ein Nomen genauer. Das kann ein einzelnes Wort sein, etwa „der neue Ball“, oder eine kurze Wortgruppe, etwa „der Ball meines Bruders“. Manchmal reicht das nicht aus: Die Information, die zu dem Nomen gehört, braucht ein eigenes Prädikat. Dann bildest du einen ganzen Nebensatz, der sich auf dieses Nomen bezieht. Ein solcher Nebensatz heißt Attributsatz. Auf dieser Seite lernst du, woran du ihn erkennst, welche Einleitewörter er hat und wie du ihn sicher von einem Adverbialsatz unterscheidest.

1. Was ein Attributsatz ist

Ein Attributsatz ist ein Nebensatz, der ein Nomen genauer bestimmt. Er steht deshalb nicht irgendwo im Satzgefüge, sondern immer direkt bei diesem Nomen. Das Nomen, auf das er sich bezieht, heißt Bezugswort.

Im Satz „Der Hund, der bei uns im Hof lebt, hat ein dickes Fell.“ bezieht sich der Nebensatz auf das Bezugswort „Hund“. Er beantwortet die Frage „Welcher Hund?“. Genau das ist die Frage, mit der du jedes Attribut prüfst. Ein Attributsatz ist also kein eigenes Satzglied, sondern er steckt zusammen mit seinem Bezugswort in einem Satzglied.

Merke: Ein Attributsatz bestimmt ein Nomen genauer und steht direkt bei seinem Bezugswort. Die Prüffrage lautet „Welcher, welche, welches?“ oder „Was für ein?“.

2. Der häufigste Fall: der Relativsatz

Am häufigsten ist der Attributsatz ein Relativsatz. Er beginnt mit einem Relativpronomen, meist der, die oder das. Das Relativpronomen richtet sich in Genus und Numerus nach dem Bezugswort, seinen Kasus bekommt es dagegen aus dem Nebensatz selbst.

In „Die Trainerin, die uns heute vertritt, kommt aus dem Nachbarort.“ ist „die“ weiblich und im Singular, weil das Bezugswort „Trainerin“ es ist. Im Nebensatz ist es Subjekt, also steht es im Nominativ. In „Der Roller, den Jonas geliehen hat, steht am Zaun.“ ist „den“ dagegen Akkusativobjekt des Nebensatzes. Gehört etwas jemandem, stehen die Formen dessen und deren: „Der Junge, dessen Schlüssel wir gefunden haben, wohnt hier.“

Satz Bezugswort Kasus im Nebensatz
Die Trainerin, die uns heute vertritt, kommt aus dem Nachbarort. Trainerin Nominativ
Der Roller, den Jonas geliehen hat, steht am Zaun. Roller Akkusativ
Das Mädchen, dem ich das Buch geliehen habe, sitzt vorn. Mädchen Dativ

3. Attributsätze mit dass und mit Fragewörtern

Nicht jeder Attributsatz ist ein Relativsatz. Manche Nomen bringen eine Information mit, die sich gut mit dass anschließen lässt. In „Die Hoffnung, dass der Regen aufhört, war vergeblich.“ sagt der Nebensatz, worin die Hoffnung bestand. Er bestimmt das Bezugswort „Hoffnung“ genauer und ist deshalb ein Attributsatz.

Auch ein Nebensatz mit ob oder mit einem Fragewort kann diese Aufgabe übernehmen, besonders nach Nomen wie Frage, Nachricht oder Zweifel. Im Satz „Die Frage, ob wir am Samstag mitfahren dürfen, ist noch offen.“ bestimmt der Nebensatz das Bezugswort „Frage“. Im Satz „Der Hinweis, wo die Schlüssel liegen, stand auf einem Zettel.“ bestimmt er das Bezugswort „Hinweis“. Entscheidend ist nicht das Einleitewort, sondern die Aufgabe im Satz.

4. Attributsatz oder Adverbialsatz?

Beide sind Nebensätze, aber sie gehören zu etwas anderem. Der Attributsatz gehört zu einem Nomen und antwortet auf „Welcher?“. Der Adverbialsatz gehört zum ganzen Hauptsatz und antwortet auf „Warum?“, „Wann?“, „Wie?“ oder „Wo?“.

Achte auf das kleine Wort wo. In „Wir trafen uns an der Bank, wo sonst die Tauben sitzen.“ gehört der Nebensatz zum Nomen „Bank“ und beantwortet die Frage „Welche Bank?“. Das ist ein Attributsatz. In „Wir warteten dort, wo der Weg breiter wird.“ gehört der Nebensatz nicht zu einem Nomen, sondern sagt, wo gewartet wurde. Das ist ein Adverbialsatz. Streiche zur Probe das Nomen: Verschwindet damit auch der Anschluss für den Nebensatz, war es ein Attributsatz.

Merke: Frag immer zuerst, worauf sich der Nebensatz bezieht. Bezieht er sich auf ein Nomen, ist es ein Attributsatz. Bezieht er sich auf das Geschehen des Hauptsatzes, ist es ein Adverbialsatz.

5. Stellung und Weglassprobe

Ein Attributsatz steht so nah wie möglich bei seinem Bezugswort. Steht das Bezugswort mitten im Hauptsatz, wird der Attributsatz eingeschoben und von beiden Seiten durch ein Komma abgetrennt: „Der Wecker, den ich gestern gekauft habe, klingelt viel zu leise.“ Steht das Bezugswort am Ende des Hauptsatzes, folgt der Attributsatz nach: „Am Nachmittag reparierten wir den Wecker, der viel zu leise klingelt.“

Wie jedes Attribut liefert der Attributsatz eine zusätzliche, aber keine notwendige Information. Deshalb funktioniert die Weglassprobe: Streichst du ihn, bleibt ein vollständiger Satz übrig, nur eben ein ungenauerer. Aus dem ersten Beispiel wird „Der Wecker klingelt viel zu leise.“ Rückt der Attributsatz dagegen zu weit von seinem Bezugswort weg, entsteht leicht ein Missverständnis. In „Wir gaben dem Nachbarn den Schlüssel, der schon lange verreist ist.“ scheint der Schlüssel verreist zu sein. Besser stellst du um: „Wir gaben dem Nachbarn, der schon lange verreist ist, den Schlüssel.“

So erkennst du es im Satz

Der Bericht, den unsere Schülerzeitung druckt, handelt vom Sporttag. Lena beschreibt darin die Staffel, die ihre Klasse gewonnen hat. Die Nachricht, dass es am Vormittag geregnet hatte, stand gleich im ersten Absatz. Der Lehrer, dessen Stoppuhr ausgefallen war, musste die Zeiten schätzen. Am Ende blieb die Frage, ob der Sporttag im Frühjahr wiederholt wird.

Attributsatz Bezugswort Einleitewort
den unsere Schülerzeitung druckt Bericht den
die ihre Klasse gewonnen hat Staffel die
dass es am Vormittag geregnet hatte Nachricht dass
dessen Stoppuhr ausgefallen war Lehrer dessen
ob der Sporttag im Frühjahr wiederholt wird Frage ob

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum?
„Der Roller, das Jonas geliehen hat, steht am Zaun.“ „Der Roller, den Jonas geliehen hat, steht am Zaun.“ Genus und Numerus kommen vom Bezugswort, hier also männlich und Singular.
„Der Roller, der Jonas geliehen hat, steht am Zaun.“ „Der Roller, den Jonas geliehen hat, steht am Zaun.“ Der Kasus kommt aus dem Nebensatz; dort ist das Pronomen Akkusativobjekt.
„Der Wecker den ich gekauft habe klingelt zu leise.“ „Der Wecker, den ich gekauft habe, klingelt zu leise.“ Ein eingeschobener Nebensatz wird auf beiden Seiten mit Komma abgetrennt.
„Wir gaben dem Nachbarn den Schlüssel, der schon lange verreist ist.“ „Wir gaben dem Nachbarn, der schon lange verreist ist, den Schlüssel.“ Der Attributsatz muss direkt bei seinem Bezugswort stehen, sonst wird der Satz missverständlich.
Der Nebensatz in „Wir warteten dort, wo der Weg breiter wird.“ wird als Attributsatz bestimmt. Es ist ein Adverbialsatz. Der Nebensatz bezieht sich nicht auf ein Nomen, sondern sagt, wo gewartet wurde.

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