FOS Bayern · Betriebswirtschaftslehre 11 · NEU ab 2026/27 · Lernbereich 1 · ca. 12 Unterrichtsstunden
Sich im Unternehmen orientieren und betriebliche Zielsetzungen analysieren
Modellunternehmen: Die UNTERNEHMER AG begleitet uns durch BWL 11–13. In diesem Lernbereich lernst du zunächst, wie ein Industriebetrieb aufgebaut ist, welche Ziele er verfolgt und warum Unternehmensentscheidungen fast nie nur ein einziges Ziel betreffen.
Inhaltsverzeichnis
- Das Unternehmen als System
- Funktionsbereiche des Industriebetriebs
- Funktionaler Aufbau und Organigramm
- Produktionsfaktoren und Leistungserstellung
- Ziele des Unternehmens
- Ökonomische Ziele: monetär und nicht monetär
- Ethisch-soziale Ziele
- Ökologische Ziele
- Ziele operationalisieren: SMART
- ESG und ESRS
- Doppelte Wesentlichkeit
- Komplementäre, konkurrierende und indifferente Ziele
- Gesamtfall UNTERNEHMER AG
- Selbstlern- und Transfertraining
- Typische Fehler
- Lernbereich auf einen Blick
1. Das Unternehmen als System
Ein Industriebetrieb beschafft Produktionsfaktoren, kombiniert sie im Leistungserstellungsprozess und setzt die erzeugten Güter ab. Gleichzeitig müssen Personal, Finanzierung, Rechnungswesen und Unternehmensführung dafür sorgen, dass der gesamte Prozess geplant, finanziert, dokumentiert und gesteuert werden kann.
Die UNTERNEHMER AG produziert modulare Lern- und Arbeitsmöbel. Ein Auftrag über 600 höhenverstellbare Lernarbeitsplätze betrifft deshalb nicht nur die Produktion: Material muss beschafft, Mitarbeitende müssen eingeplant, Zahlungen finanziert, Geschäftsvorfälle erfasst und die fertigen Produkte verkauft werden.
2. Funktionsbereiche des Industriebetriebs
Die vorhandenen lern.de-Skripte unterscheiden die Funktionsbereiche Unternehmensführung, Absatz, Personalwirtschaft, Finanzwirtschaft, Rechnungswesen und Produktion. Diese Struktur behalten wir bei und ordnen die Materialbeschaffung als Teil der betrieblichen Leistungserstellung bzw. Materialwirtschaft ein.
| Bereich | Aufgabe | Beispiel |
|---|---|---|
| Unternehmensführung | planen, entscheiden, organisieren und kontrollieren | Entscheidung über eine neue Fertigungslinie |
| Absatz | Leistungen am Markt verwerten | Angebot für einen Schulträger |
| Personalwirtschaft | Personal bereitstellen und entwickeln | Fachkräfte qualifizieren |
| Finanzwirtschaft | Kapital und Liquidität sichern | Maschineninvestition finanzieren |
| Rechnungswesen | Wertströme erfassen und auswerten | Einkauf und Verkauf buchen |
| Produktion | Güter erstellen | Lernarbeitsplätze fertigen |
3. Funktionaler Aufbau und Organigramm
Ein Organigramm zeigt die formale Aufbauorganisation: Stellen, Abteilungen sowie Über- und Unterordnungsverhältnisse. Beim funktionalen Organisationsprinzip werden gleichartige Tätigkeiten zu Funktionsbereichen zusammengefasst.
4. Produktionsfaktoren und Leistungserstellung
Für die Leistungserstellung kombiniert das Unternehmen Betriebsmittel, Werkstoffe und menschliche Arbeit. Der dispositive Faktor übernimmt Planung, Organisation, Entscheidung und Kontrolle. Werkstoffe lassen sich weiter in Rohstoffe, Hilfsstoffe, Betriebsstoffe und Fremdbauteile gliedern.
5. Ziele des Unternehmens
Die lern.de-Ausgangsskripte ordnen Unternehmensziele in ökonomische, ethisch-soziale und ökologische Ziele. Diese Dreiteilung bleibt unser fachlicher Ausgangspunkt. Der neue Lehrplan erweitert die Betrachtung insbesondere um die Operationalisierung und Nachhaltigkeitsberichterstattung.
6. Ökonomische Ziele: monetär und nicht monetär
Die vorhandenen Skripte unterscheiden ausdrücklich monetäre und nicht monetäre ökonomische Ziele. Monetäre Ziele lassen sich unmittelbar in Geldgrößen ausdrücken, etwa Umsatz oder Gewinn. Nicht monetäre ökonomische Ziele betreffen beispielsweise Marktanteil, Qualität, Lieferbereitschaft oder Kundenbindung.
| ökonomisches Ziel | Beispiel | Messgröße |
|---|---|---|
| monetär | Gewinn steigern | € |
| nicht monetär | Marktanteil erhöhen | % |
7. Ethisch-soziale Ziele
Ethisch-soziale Ziele richten den Blick auf Menschen und verantwortungsvolles Handeln. Beispiele sind sichere Arbeitsplätze, Arbeitsschutz, faire Arbeitsbedingungen, Aus- und Weiterbildung sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Solche Ziele können zugleich wirtschaftliche Wirkungen entfalten, etwa durch geringere Fluktuation oder höhere Motivation.
8. Ökologische Ziele
Ökologische Ziele betreffen den Umgang mit Energie, Rohstoffen, Emissionen, Abfällen und Kreisläufen. Bei der UNTERNEHMER AG können beispielsweise der Energieverbrauch je Produkt, der Anteil recycelter Materialien oder die CO₂e-Emissionen als Messgrößen dienen.
9. Ziele operationalisieren: SMART
Damit die Zielerreichung überprüft werden kann, müssen allgemeine Absichten konkretisiert werden. Die SMART-Regel verlangt eine spezifische, messbare, attraktive, realistische und terminierte Zielformulierung.
Ungeeignet: „Wir wollen weniger Energie verbrauchen.“
Operationalisiert: „Die UNTERNEHMER AG senkt bis zum 31.12.2027 den Stromverbrauch je produziertem Lernarbeitsplatz gegenüber 2026 um 12 %.“
10. ESG und ESRS
Der neue BWL-Lehrplan erweitert den klassischen Zielkatalog um Nachhaltigkeitsaspekte. ESG steht für Environmental, Social und Governance. Die ESRS strukturieren die europäische Nachhaltigkeitsberichterstattung. Für betriebliche Entscheidungen werden damit ökologische, soziale und Governance-Aspekte systematisch erfassbar.
11. Doppelte Wesentlichkeit
Die doppelte Wesentlichkeit betrachtet ein Nachhaltigkeitsthema aus zwei Richtungen: Welche wesentlichen Auswirkungen hat das Unternehmen auf Umwelt und Menschen (Impact-Materialität)? Und welche Nachhaltigkeitsthemen erzeugen wesentliche finanzielle Chancen oder Risiken für das Unternehmen (finanzielle Materialität)?
12. Komplementäre, konkurrierende und indifferente Ziele
Wir übernehmen hier bewusst die Terminologie der lern.de-Skripte:
- Komplementäre Ziele: Die Erreichung eines Ziels fördert die Erreichung eines anderen.
- Konkurrierende Ziele: Die stärkere Verfolgung eines Ziels beeinträchtigt die Erreichung eines anderen.
- Indifferente Ziele: Zwischen den Zielen besteht im betrachteten Fall kein relevanter Zusammenhang.
Beispiel komplementär: Eine energieeffizientere Maschine kann Energieverbrauch und laufende Energiekosten gleichzeitig senken. Beispiel konkurrierend: Zusätzliche kurzfristige Ausgaben für Arbeitsschutz können zunächst das Gewinnziel belasten. Entscheidend ist immer der konkrete Fall – nicht das bloße Begriffspaar.
13. Gesamtfall UNTERNEHMER AG
Die UNTERNEHMER AG prüft eine neue Fertigungslinie für 1,8 Mio. €. Sie erhöht die Kapazität um 20 %, senkt den Stromverbrauch je Stück voraussichtlich um 18 % und reduziert körperlich belastende Montageschritte. Gleichzeitig entstehen Schulungsaufwand und eine zweiwöchige Produktionsunterbrechung.
Damit sind gleichzeitig monetäre und nicht monetäre ökonomische Ziele, ethisch-soziale Ziele und ökologische Ziele betroffen. Die Investition zeigt außerdem, warum Funktionsbereiche zusammenwirken: Produktion beurteilt Kapazität und Technik, Personalwirtschaft die Qualifizierung, Finanzwirtschaft die Kapitalbeschaffung, Rechnungswesen die finanziellen Auswirkungen und die Unternehmensführung wägt die Zielbeziehungen ab.
14. Selbstlern- und Transfertraining
- Ordne konkrete Tätigkeiten den Funktionsbereichen zu und begründe die Zuordnung.
- Ordne CNC-Anlage, Holzplatte, Schraube, Schmiermittel, Montagearbeit und Produktionsplanung den Produktionsfaktoren zu.
- Formuliere „Wir wollen die Lieferfähigkeit verbessern“ als SMART-Ziel.
- Entwickle je zwei monetäre, nicht monetäre, ethisch-soziale und ökologische Ziele für die UNTERNEHMER AG.
- Untersuche drei Zielpaare und entscheide begründet, ob sie komplementär, konkurrierend oder indifferent sind.
- Erkläre die doppelte Wesentlichkeit am Beispiel Energieverbrauch.
- Beurteile die neue Fertigungslinie unter mehreren Zielperspektiven.
15. Typische Fehler
- Funktionsbereiche nur aufzählen, statt ihr Zusammenwirken zu erklären.
- Monetär mit ökonomisch gleichsetzen und nicht monetäre ökonomische Ziele vergessen.
- SMART nur ausschreiben, ohne das konkrete Ziel zu prüfen.
- ESG und ESRS gleichsetzen.
- Bei doppelter Wesentlichkeit die beiden Wirkungsrichtungen nicht unterscheiden.
- Zielbeziehungen nur benennen, aber nicht kausal begründen.
16. Lernbereich auf einen Blick
Du kannst nun den funktionalen Aufbau eines Industriebetriebs erläutern, Produktionsfaktoren zuordnen, Unternehmensziele systematisieren und operationalisieren, Nachhaltigkeitsaspekte über ESG/ESRS einordnen, doppelte Wesentlichkeit erklären sowie komplementäre, konkurrierende und indifferente Zielbeziehungen fallbezogen analysieren.
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