BwR Realschule Bayern · Klasse 8 · Lernbereich 4 (LehrplanPLUS)

Verkaufskalkulation, Ausgangsrechnung und Erlösberichtigungen

Der Massivholztisch „Chiemsee“ ist fertig. Jetzt muss Katharina Brandl entscheiden, was er kosten soll – und zwar so, dass am Ende Gewinn übrig bleibt, obwohl der Kunde Rabatt bekommt und Skonto abzieht. In diesem Lernbereich lernst du die Verkaufskalkulation, die Buchung der Ausgangsrechnung und die Korrekturen, wenn Ware zurückkommt oder der Kunde Skonto nimmt.

Unser Betrieb auf dieser Seite: das Holzwerk Brandl e. Kfr., eine Möbelmanufaktur in Rosenheim. Inhaberin ist Katharina Brandl, eingetragene Kauffrau. Der Betrieb stellt zwei Produkte her: den Massivholztisch „Chiemsee“ und das Regalsystem „Wendelstein“. Wir verkaufen ihre Erzeugnisse – mit Rechnung, Skonto und Rücksendungen.

1. Verkaufskalkulation vorwärts: der Weg zum Listenpreis

Ausgangspunkt ist der Selbstkostenpreis – was der Tisch das Unternehmen kostet. Darauf kommt der Gewinn. Dann werden Skonto und Rabatt hinzugerechnet, weil der Kunde sie später abziehen wird. Nur so bleibt am Ende der geplante Gewinn übrig.

Vorwärtskalkulation Massivholztisch „Chiemsee“

Spalte 1 Spalte 2 Spalte 3
Selbstkostenpreis 735,00 € 100 %
+ Gewinn 147,00 € 20 %
= Barverkaufspreis 882,00 € 120 % 98 %
+ Kundenskonto 18,00 € 2 %
= Zielverkaufspreis 900,00 € 100 % 90 %
+ Kundenrabatt 100,00 € 10 %
= Listenverkaufspreis 1.000,00 € 100 %
Vorwärtskalkulation: vom Selbstkostenpreis zum Listenpreis Spalte 1 Spalte 2 Selbstkostenpreis735,00 €100 %+ Gewinn 20 %147,00 €Barverkaufspreis882,00 €98 %+ Kundenskonto 2 %18,00 €Zielverkaufspreis900,00 €90 %100 %+ Kundenrabatt 10 %100,00 €Listenverkaufspreis1.000,00 €100 % Massivholztisch „Chiemsee“ – jede Stufe kommt oben drauf, deshalb heißt es Vorwärtskalkulation.

Die Reihenfolge ist fest: Gewinn, Skonto, Rabatt. Wer sie vertauscht, kommt auf einen anderen Preis.

Warum die Prozentspalte hier entscheidet

Skonto und Rabatt sind verminderte Grundwerte. Der Barverkaufspreis ist nicht 100 %, sondern 98 % des Zielverkaufspreises – die fehlenden 2 % sind ja der Skonto. Genauso ist der Zielverkaufspreis 90 % des Listenverkaufspreises.

Die Stolperstelle: der verminderte Grundwert Listenverkaufspreis 1.000,00 € 100 % Zielverkaufspreis 900,00 € Rabatt 90 % Barverkaufspreis 882,00 € Skonto 98 % Der Rabatt sind 10 % vom Listenpreis – nicht vom Zielpreis. Der Skonto sind 2 % vom Zielpreis – nicht vom Barpreis. Deshalb: 882,00 € : 98 · 100 = 900,00 € und 900,00 € : 90 · 100 = 1.000,00 €

Rechne nie 2 % oder 10 % einfach oben drauf – das ergibt einen zu kleinen Preis.

Merke: Rechenweg: Barverkaufspreis : 98 · 100 = Zielverkaufspreis. Zielverkaufspreis : 90 · 100 = Listenverkaufspreis. Die Prozentspalte ist Teil des Lösungswegs und bringt in der Prüfung einen eigenen Punkt.

Fragt die Prüfung nach dem Gewinn in Prozent, beziehst du ihn immer auf den Selbstkostenpreis:

Nebenrechnung Gewinn in Prozent

147,00 € · 100 : 735,00 € 20 %

2. Von der Verkaufskalkulation zur Ausgangsrechnung

Ein Kunde bestellt 5 Tische und erhält 10 % Sofortrabatt. Gebucht wird – wie im Einkauf – der Zielverkaufspreis. Der Rabatt erscheint in keinem Buchungssatz, er ist bereits abgezogen.

Nebenrechnung Rechnungsbetrag

Spalte 1 Spalte 2
Listenverkaufspreis (5 Tische zu 1.000,00 €) 5.000,00 € 100 %
Sofortrabatt 500,00 € 10 %
= Zielverkaufspreis (Nettobetrag) 4.500,00 € 90 % 100 %
+ Umsatzsteuer 855,00 € 19 %
= Rechnungsbetrag 5.355,00 € 119 %

Buchungssatz Ausgangsrechnung

2400 FO 5.355,00 € an 5000 UEFE 4.500,00 €
4800 UST 855,00 €
Die Ausgangsrechnung besteht aus zwei Teilen Forderung an den Kunden 2400 FO · 5.355,00 € Umsatzerlöse 5000 UEFE 4.500,00 € 4800 UST 855,00 € gehört dem Unternehmen gehört dem Staat Gebucht wird der Zielverkaufspreis – der Sofortrabatt taucht nirgends auf. Ertrag ist nur der Nettobetrag. Die Umsatzsteuer ist eine Schuld gegenüber dem Finanzamt.

Vom Rechnungsbetrag gehört nur der Nettoteil dem Unternehmen.

Merke: Im Einkauf steht die Vorsteuer (2600 VORST) im Soll – sie ist eine Forderung an das Finanzamt. Im Verkauf steht die Umsatzsteuer (4800 UST) im Haben – sie ist eine Schuld. Das ist die Systematik, die du in Lernbereich 6 vertiefst.

3. Versandkosten und Verpackung

Die Tische müssen zum Kunden. Die Spedition stellt 200,00 € in Rechnung, bezahlt wird bar aus der Kasse. Ausgangsfrachten sind Aufwand des Verkäufers – anders als die Bezugskosten im Einkauf, die zum Wert des Werkstoffs gehören.

Buchungssatz Ausgangsfracht (bar bezahlt)

6140 AFR 200,00 €
2600 VORST 38,00 € an 2880 KA 238,00 €

Verpackungsmaterial – Kantenschutz, Folie, Spanngurte für 80,00 € – läuft über ein eigenes Aufwandskonto (6040 AWVM).

Der Lehrplan nennt auch die Weiterbelastung an den Kunden: Holzwerk Brandl kann die Fracht auf die Rechnung setzen, dann trägt sie der Kunde. Wie das gebucht wird, handhaben die Schulbücher unterschiedlich – als zusätzlicher Erlös oder als Minderung von 6140 AFR. In den Abschlussprüfungen 2023 bis 2026 wurde nur die hier gezeigte Buchung der bezahlten Fracht verlangt. Halte dich im Zweifel an die Variante aus deinem Heft.

4. Erlösberichtigungen: Rücksendung und Kundenskonto

Jetzt geht etwas schief oder gut – buchhalterisch läuft beides gleich. Der Erlös war zu hoch angesetzt und wird über das Konto 5001 EBFE (Erlösberichtigungen) korrigiert, die Umsatzsteuer zieht immer mit.

Rücksendung: ein Tisch ist beschädigt

Nebenrechnung Rücksendung

Spalte 1
1 Tisch zum Zielverkaufspreis 900,00 € 100 %
+ Umsatzsteuer 171,00 € 19 %
= Gutschrift an den Kunden 1.071,00 € 119 %

Buchungssatz Rücksendung

5001 EBFE 900,00 €
4800 UST 171,00 € an 2400 FO 1.071,00 €

Kundenskonto: der Kunde zahlt schnell

Der Kunde zahlt innerhalb der Skontofrist und zieht 2 % ab. Wichtig: Der Skonto wird vom Rechnungsbetrag, also brutto gerechnet. Für den Buchungssatz brauchst du dann den Nettoanteil.

Nebenrechnung Kundenskonto

Rechnungsbetrag  100 % 5.355,00 €
– Brutto-Skonto  2 % 107,10 €
= Überweisungsbetrag  98 % 5.247,90 €
Netto-Skonto: 107,10 € : 1,19 90,00 €

Buchungssatz Zahlungseingang mit Skontoabzug

2800 BK 5.247,90 €
5001 EBFE 90,00 €
4800 UST 17,10 € an 2400 FO 5.355,00 €
Erlösberichtigungen: zweimal dasselbe Muster Rücksendung eines Tisches Kunde zieht Skonto Erlös weg: 900,00 € Umsatzsteuer weg: 171,00 € Gutschrift 1.071,00 € 5001 EBFE und 4800 UST an 2400 FO Skonto brutto: 107,10 € davon netto 90,00 €, USt 17,10 € Eingang 5.247,90 € 2800 BK, 5001 EBFE, 4800 UST an 2400 FO Der Skonto wird immer brutto vom Rechnungsbetrag gerechnet und danach durch 1,19 geteilt, um den Erlösanteil zu finden. Weniger Erlös heißt weniger Gewinn – dafür zahlt der Kunde sofort.

Beide Korrekturen mindern Erlös und Umsatzsteuer – die Forderung verschwindet.

Merke: Der häufigste Fehler: den Skonto netto vom Rechnungsbetrag rechnen. Richtig ist: erst brutto abziehen (107,10 €), dann für die Buchung durch 1,19 teilen (90,00 €). Genau so steht es in der amtlichen Lösung 2026.

Auswirkung auf den Erfolg: Beide Vorgänge senken den Ertrag und damit den Gewinn. Beim Skonto nimmt Holzwerk Brandl das in Kauf, weil das Geld sofort da ist und kein Zahlungsausfall droht. Bei der Rücksendung geht es um Kundenbindung – ein Kunde, dem man kulant entgegenkommt, kauft wieder.

5. Verkaufskalkulation rückwärts: die Differenzkalkulation

Ein Großkunde will die Tische, aber nur für 950,00 € Listenpreis statt 1.000,00 €. Rabatt und Skonto bleiben gleich. Lohnt sich das? Jetzt rechnest du von beiden Enden zur Mitte: von oben der Selbstkostenpreis, von unten der geforderte Listenpreis. Der Gewinn ist die Differenz.

Differenzkalkulation

Spalte 1 Spalte 2
Listenverkaufspreis 950,00 € 100 %
Kundenrabatt 95,00 € 10 %
= Zielverkaufspreis 855,00 € 90 % 100 %
Kundenskonto 17,10 € 2 %
= Barverkaufspreis 837,90 € 98 %
Selbstkostenpreis 735,00 €
= Gewinn 102,90 €

Nebenrechnung Gewinn in Prozent

102,90 € · 100 : 735,00 € 14 %
Differenzkalkulation: von beiden Enden zur Mitte Selbstkostenpreis 735,00 € von oben Gewinn = Differenz 102,90 € = 14 % Barverkaufspreis 837,90 € Zielverkaufspreis 855,00 € ← – Skonto 17,10 € Listenverkaufspreis 950,00 € ← – Rabatt 95,00 € von unten Der Auftrag bringt noch 14 % Gewinn – annehmen.

Statt 147,00 € bleiben 102,90 € – 44,10 € weniger, aber immer noch Gewinn.

Antwortsatz für die Prüfung: Holzwerk Brandl sollte den Auftrag annehmen, weil auch bei einem Listenverkaufspreis von 950,00 € noch ein Gewinn von 102,90 € (14 % der Selbstkosten) erzielt wird.

Achte auf das Vorzeichen: Liegt der Barverkaufspreis unter dem Selbstkostenpreis, ist die Differenz ein Verlust, und die Empfehlung lautet ablehnen – es sei denn, die Angabe nennt einen Grund wie Auslastung oder Markteintritt. Dann darfst du auch mit Begründung annehmen.

Einkauf und Verkauf sind Spiegelbilder Einkauf (Lernbereich 2) Verkauf (Lernbereich 4) Listeneinkaufspreis – Rabatt – Skonto + Bezugskosten Einstandspreis Aufwand: 6000 AWR Selbstkostenpreis + Gewinn + Skonto + Rabatt (Zuschläge statt Abzüge) Listenverkaufspreis Ertrag: 5000 UEFE Im Einkauf rechnest du nach unten und ziehst ab, im Verkauf nach oben und schlägst auf. Beide Male gilt: Rabatt und Skonto beziehen sich auf die Stufe darüber.

Einkauf und Verkauf folgen derselben Logik in entgegengesetzter Richtung.

6. So prüft die Abschlussprüfung

Wozu brauchst du das? Weil hinter jedem Preis eine Rechnung steckt. Wer kalkulieren kann, weiß, warum ein Tisch 1.000 € kostet und ab welchem Rabatt sich ein Auftrag nicht mehr lohnt – das ist genau das, was ein Selbstständiger täglich entscheiden muss. Und die Buchung der Ausgangsrechnung stand in jeder der letzten vier Abschlussprüfungen.

Dieser Lernbereich ist ein Dauergast in den Pflichtaufgaben – die Buchung der Ausgangsrechnung stand in jeder der letzten vier Prüfungen. Die Rechenwege oben sind exakt in der amtlichen Form aufgeschrieben:

Prüfung Aufgabe Was verlangt wurde
2023 Haupttermin Aufgabe 1 Buchungssatz Ausgangsrechnung mit 2400 FO, 5000 UEFE und 4800 UST, Erlösberichtigung über 5001 EBFE
2024 Haupttermin Aufgabe 3.2.2 Vorwärtskalkulation vom Selbstkostenpreis 650,00 € zum Listenverkaufspreis 1.000,00 € mit zwei Prozentspalten, Gewinn in Prozent, Preisstrategie beurteilen
2025 Haupttermin Aufgabe 8.5 Listenverkaufspreis bei 8 % Gewinn berechnen (kurze Variante ohne Rabatt und Skonto)
2026 Haupttermin Aufgabe 1 Rabattart benennen, Buchungssatz Ausgangsrechnung, Ausgangsfracht mit 6140 AFR und 2600 VORST gegen 2880 KA, Zahlungseingang mit Brutto-Skonto 2 % und Netto-Skonto über 1,19

Merke: Vier Dinge der Verkaufskalkulation musst du sicher können: (1) die Reihenfolge Gewinn – Skonto – Rabatt, (2) die verminderten Grundwerte 98 % und 90 %, (3) gebucht wird immer der Zielverkaufspreis, (4) der Kundenskonto wird brutto gerechnet und für die Buchung durch 1,19 geteilt.

Wenn dir das Schema der Verkaufskalkulation noch fremd ist, schau zuerst in Lernbereich 2 – dort läuft dieselbe Rechnung im Einkauf. Und wenn dieser Lernbereich sitzt, hast du das Fundament für die Vollkostenrechnung in Klasse 10: Dort wird der Selbstkostenpreis, den wir hier einfach als gegeben genommen haben, selbst berechnet.

Weiterlernen: Die Verkaufskalkulation baut auf diesen Lernbereichen auf:

Alle Inhalte dieser Seite folgen dem offiziellen LehrplanPLUS Bayern.

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