Deutsch Wirtschaftsschule Bayern · Jahrgangsstufe 9 (vier- und dreistufig) und Jahrgangsstufe 10 (zweistufig) · Schreiben (LehrplanPLUS)

Richtig zitieren und Quellen angeben

Wer für ein Referat, einen Projektbericht oder eine Erörterung recherchiert, übernimmt Informationen aus fremden Texten. Das ist erlaubt und oft sogar notwendig. Allerdings muss jederzeit erkennbar sein, was von dir stammt und was von anderen. Dafür gibt es klare Regeln: Zitate werden gekennzeichnet, und jede Quelle wird so angegeben, dass andere sie finden können. Auf dieser Seite lernst du, wie du wörtlich und sinngemäß zitierst, wie du Quellen richtig angibst und wie du ein Quellenverzeichnis anlegst. Alle Quellen in den Beispielen sind erfunden.

1. Warum Zitieren und Quellenangaben wichtig sind

Ein Zitat ist eine Stelle aus einem fremden Text, die du in deinen eigenen Text übernimmst. Eine Quellenangabe zeigt, woher diese Stelle stammt. Beides gehört immer zusammen.

Für das korrekte Zitieren gibt es drei Gründe. Erstens ist es eine Frage der Ehrlichkeit. Wer fremde Gedanken als eigene ausgibt, täuscht seine Leser. Eine solche Übernahme ohne Kennzeichnung nennt man Plagiat. In der Schule kann ein Plagiat dazu führen, dass eine Arbeit nicht gewertet wird.

Zweitens macht die Quellenangabe deine Aussagen überprüfbar. Wer deinen Text liest, kann nachschlagen und sich selbst ein Bild machen. Drittens stärkt sie deine Argumentation. Eine Zahl aus einer verlässlichen Quelle überzeugt mehr als eine Behauptung ohne Beleg.

Auch im Beruf spielt das eine Rolle. Wer in einem Bericht für die Geschäftsleitung Marktzahlen nennt, muss angeben, woher sie stammen. Nur so kann die Leitung entscheiden, wie verlässlich die Zahlen sind.

2. Das wörtliche Zitat

Beim wörtlichen Zitat übernimmst du eine Textstelle Wort für Wort. Es steht in Anführungszeichen und wird nicht verändert, auch nicht bei Rechtschreibung oder Zeichensetzung.

Beispiel, für diese Seite geschrieben:
Im Fachartikel heißt es: „Kunden achten beim Onlinekauf zunehmend auf die Verpackung.“ (Lindner, S. 14)

Nach dem Zitat folgt die Quellenangabe. In kurzen Schularbeiten genügt oft ein Kurzbeleg in Klammern mit Name und Seitenzahl. Die vollständige Angabe steht dann im Quellenverzeichnis am Ende.

Manchmal willst du ein Zitat kürzen oder in deinen Satz einpassen. Dafür gibt es feste Zeichen. Eine Auslassung kennzeichnest du mit drei Punkten in eckigen Klammern: […]. Eine Ergänzung von dir setzt du ebenfalls in eckige Klammern.

Beispiel, für diese Seite geschrieben:
Original: „Kunden achten beim Onlinekauf zunehmend und sehr bewusst auf die Verpackung.“
Gekürzt: „Kunden achten beim Onlinekauf zunehmend […] auf die Verpackung.“
Ergänzt: „Sie [die Kunden] erwarten weniger Plastik.“

Achte darauf, dass das Zitat durch Kürzen seinen Sinn nicht verändert. Lässt du ein „nicht“ weg, behauptest du das Gegenteil. Das wäre eine Verfälschung der Quelle.

Enthält die zitierte Stelle selbst Anführungszeichen, werden diese im Zitat zu halben Anführungszeichen. Aus „Der Begriff ‚nachhaltig‘ wird oft missverstanden“ wird so ein Zitat im Zitat. Auf diese Weise bleibt erkennbar, wo das eigentliche Zitat beginnt und endet.

Zitiere sparsam und gezielt. Ein wörtliches Zitat lohnt sich, wenn die genaue Formulierung wichtig ist, etwa bei einer Definition oder einer besonders treffenden Aussage. Lange Zitate ohne eigene Erklärung machen einen Text dagegen schwerfällig.

3. Das sinngemäße Zitat

Beim sinngemäßen Zitat gibst du den Inhalt einer Textstelle mit eigenen Worten wieder. Man nennt das auch Paraphrase. Anführungszeichen entfallen, weil die Wörter von dir stammen. Die Quelle musst du trotzdem angeben, denn der Gedanke stammt von jemand anderem.

Beispiel, für diese Seite geschrieben:
Laut Lindner legen immer mehr Kunden beim Onlinekauf Wert auf eine umweltfreundliche Verpackung (vgl. Lindner, S. 14).

Das Kürzel „vgl.“ steht für „vergleiche“. Es zeigt, dass du sinngemäß zitierst. Häufig leitest du sinngemäße Zitate mit Wendungen wie „laut“, „nach Angaben von“ oder „wie … schreibt“ ein. Für die Wiedergabe fremder Aussagen eignet sich außerdem die indirekte Rede: „Die Autorin betont, die Verpackung sei ein wichtiges Kaufkriterium.“

Beim sinngemäßen Zitat ist Genauigkeit besonders wichtig. Du darfst den Inhalt nicht verfälschen, zuspitzen oder um eigene Meinungen ergänzen. Deine eigene Bewertung folgt erst danach und muss als solche erkennbar sein.

Erstreckt sich der Gedanke über mehr als eine Seite, gibst du das ebenfalls an. „S. 14 f.“ bedeutet: Seite 14 und die folgende Seite. So findet die Leserin die Stelle auch bei längeren Ausführungen schnell.

4. Quellen richtig angeben

Damit andere eine Quelle finden können, muss die Angabe vollständig sein. Je nach Art der Quelle brauchst du unterschiedliche Angaben. Die genaue Form legt oft deine Schule fest. Wichtig ist vor allem, dass du sie im ganzen Text einheitlich verwendest.

Art der Quelle Notwendige Angaben
Buch Nachname, Vorname: Titel. Erscheinungsort: Verlag, Erscheinungsjahr.
Zeitungs- oder Zeitschriftenartikel Nachname, Vorname: Titel des Artikels. In: Name der Zeitung, Datum oder Ausgabe, Seite.
Internetseite Verfasser oder Herausgeber: Titel der Seite. Internetadresse, Abrufdatum.

Bei Internetseiten ist das Abrufdatum besonders wichtig. Webseiten werden oft verändert oder gelöscht. Das Datum zeigt, wann du die Information gesehen hast. Fehlt ein Verfasser, nennst du den Herausgeber, also die Organisation, die die Seite betreibt.

Beispiel, für diese Seite geschrieben (Quellenverzeichnis mit erfundenen Quellen):
Lindner, Petra: Verpackung im Versandhandel. Musterstadt: Beispielverlag, Erscheinungsjahr.
Roth, Malte: Weniger Plastik im Paket. In: Musterstädter Wirtschaftsblatt, Ausgabe vom Erscheinungstag, S. 7.
Verband der Musterbranche: Ratgeber nachhaltiger Versand. Internetadresse, abgerufen am Datum des Abrufs.

Das Quellenverzeichnis steht am Ende deiner Arbeit. Die Einträge werden alphabetisch nach dem Nachnamen des Verfassers oder nach dem Herausgeber geordnet. Jede Quelle, die du im Text verwendest, muss dort erscheinen.

Manche Schulen verlangen statt des Kurzbelegs in Klammern eine Fußnote. Dabei steht hinter dem Zitat eine kleine hochgestellte Zahl. Am unteren Seitenrand folgt unter derselben Zahl die Quellenangabe. Beide Formen sind richtig, solange du eine davon durchgehend verwendest.

5. Quellen auswählen und dokumentieren

Nicht jede Quelle ist gleich verlässlich. Bevor du zitierst, prüfst du, ob eine Quelle vertrauenswürdig ist. Wer ist der Verfasser? Ist er fachkundig? Ist die Information aktuell? Gibt es Belege für die Aussagen? Eine Seite ohne erkennbaren Verfasser oder mit offensichtlicher Werbeabsicht ist als Beleg schwach.

Dokumentiere deine Quellen schon während der Recherche. Notiere zu jeder Information sofort alle Angaben, die du für das Quellenverzeichnis brauchst. Wer das erst am Ende nachholen will, findet manche Quelle nicht mehr wieder.

Hilfreich ist eine einfache Liste mit Spalten für Verfasser, Titel, Fundort, Datum und die verwendete Seite. So hast du beim Schreiben alles griffbereit und kannst jedes Zitat sofort belegen.

Merke: Wörtliches Zitat in Anführungszeichen, unverändert, mit Quelle. Sinngemäßes Zitat in eigenen Worten, mit „vgl.“ und Quelle. Quellenangaben vollständig und einheitlich, Internetquellen mit Abrufdatum. Quellen schon bei der Recherche dokumentieren.

So hilft dir KI – und wo du selbst prüfen musst

Bei der Recherche kann dir ein KI-Werkzeug unter Anleitung helfen, Informationen zu finden oder eine Quellenangabe richtig zu formatieren. Gerade bei Quellen ist aber besondere Vorsicht nötig. Solche Werkzeuge nennen manchmal Bücher, Artikel oder Zahlen, die es gar nicht gibt. Ausgangspunkt ist die Bitte: „Nenne mir eine Quelle zu umweltfreundlicher Verpackung im Versandhandel.“

Vorschlag eines KI-Werkzeugs Was du selbst prüfst Warum
ein Buchtitel mit Verfasser und Verlag Gibt es dieses Buch wirklich? Erfundene Quellen sehen oft echt aus.
ein wörtliches Zitat aus einem Fachartikel Steht dieser Satz genau so im Original? Nur das Original ist zitierfähig.
eine Prozentzahl ohne Herkunft Aus welcher Quelle stammt die Zahl? Ohne Beleg darfst du sie nicht verwenden.
fertig formatierte Quellenangabe Entspricht die Form den Vorgaben meiner Schule? Die Schule legt die Form fest.

Zitiere immer aus der Originalquelle, die du selbst gelesen hast. Ob und wie du die Nutzung eines solchen Werkzeugs in deiner Arbeit angeben musst, erfährst du von deiner Lehrkraft.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum
fremden Text ohne Kennzeichnung übernehmen Zitat kennzeichnen und Quelle angeben Sonst liegt ein Plagiat vor.
wörtliches Zitat beim Abschreiben verändern Wort für Wort übernehmen Ein Zitat muss unverändert sein.
Kürzung ohne […] Auslassungen kennzeichnen Leser müssen die Kürzung erkennen.
Internetquelle ohne Abrufdatum Abrufdatum angeben Webseiten verändern sich.
Quellen erst am Ende suchen während der Recherche dokumentieren Manche Quellen findet man sonst nicht wieder.

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