Deutsch Wirtschaftsschule Bayern · Jahrgangsstufe 9 (vier- und dreistufig) und Jahrgangsstufe 10 (zweistufig) · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)
Nominalstil und Verbalstil angemessen einsetzen
Dieselbe Information lässt sich auf zwei Arten ausdrücken. „Wir prüfen die Rechnung“ stellt die Handlung in ein Verb. „Die Prüfung der Rechnung erfolgt durch uns“ verlagert sie in ein Nomen. Beide Sätze sind richtig, aber sie wirken sehr unterschiedlich. Im Berufsleben brauchst du beide Stile: den knappen Nominalstil für Gliederungen, Tabellen und Betreffzeilen und den lebendigen Verbalstil für Briefe und Erklärungen. Auf dieser Seite lernst du, beide zu erkennen, Nominalisierungen zu bilden und den passenden Stil zu wählen. Die Beispielsätze spielen im Verkauf eines erfundenen Bürobedarfshändlers.
1. Zwei Stile im Vergleich
Beim Verbalstil trägt das Verb die Handlung. Die Sätze nennen, wer was tut. Sie wirken lebendig, direkt und leicht verständlich.
Beim Nominalstil steckt die Handlung in einem Nomen. Das Verb ist oft blass und dient nur noch als Bindeglied, etwa „erfolgen“, „stattfinden“ oder „vornehmen“. Der Text wirkt dadurch sachlich, knapp und unpersönlich.
| Verbalstil | Nominalstil |
|---|---|
| Wir prüfen die Rechnung. | Die Prüfung der Rechnung erfolgt durch uns. |
| Wir liefern die Ware am Montag. | Die Lieferung der Ware erfolgt am Montag. |
| Bitte zahlen Sie innerhalb von 14 Tagen. | Die Zahlung ist innerhalb von 14 Tagen fällig. |
Beide Stile haben ihre Berechtigung. Entscheidend ist, dass du sie bewusst wählst. Ein Geschäftsbrief nur im Nominalstil wirkt steif und schwer lesbar. Eine Gliederung nur im Verbalstil wirkt dagegen umständlich und lang. Viele Texte mischen deshalb beide Stile: Die Überschriften stehen im Nominalstil, der Fließtext darunter im Verbalstil.
Typisch für den Nominalstil sind außerdem Ketten von Nomen im Genitiv. „Die Prüfung der Rechnung des Lieferanten“ enthält drei Nomen hintereinander. Solche Ketten sind kurz, verlangen aber vom Leser, die Beziehungen selbst zu entschlüsseln.
2. Nominalisierungen bilden
Eine Nominalisierung entsteht, wenn aus einem Verb oder Adjektiv ein Nomen wird. Sie ist das wichtigste Werkzeug des Nominalstils. Es gibt mehrere Wege. Oft zieht die Nominalisierung eine Präposition oder einen Genitiv nach sich: Aus „Wir bestellen Papier“ wird „die Bestellung von Papier“ oder kürzer „die Papierbestellung“.
| Bildung | Beispiel |
|---|---|
| Endung „-ung“ | prüfen → die Prüfung, liefern → die Lieferung |
| Endung „-heit“ oder „-keit“ | pünktlich → die Pünktlichkeit, sicher → die Sicherheit |
| Verb ohne Endung | kaufen → der Kauf, versenden → der Versand |
| Verb als Nomen | prüfen → das Prüfen, bestellen → das Bestellen |
Nominalisierungen schreibt man groß, auch wenn sie aus einem Verb entstanden sind. Das gilt besonders für Verben, die durch einen Artikel zum Nomen werden: „Das Bestellen dauert nur zwei Minuten.“
Eine besondere Form ist das Funktionsverbgefüge. Dabei verbindet sich ein Nomen mit einem fast bedeutungsleeren Verb. „In Auftrag geben“ bedeutet „beauftragen“, „zur Kenntnis nehmen“ bedeutet „wahrnehmen“, „eine Entscheidung treffen“ bedeutet „entscheiden“. Solche Wendungen sind in der Geschäftssprache häufig. Manche sind fest und sinnvoll, viele lassen sich aber kürzer ausdrücken.
Nicht jedes Funktionsverbgefüge ist überflüssig. „In Kraft treten“ oder „zur Verfügung stellen“ sind feste Wendungen, für die es kein gleichwertiges einfaches Verb gibt. Überflüssig sind dagegen Gefüge wie „eine Prüfung vornehmen“, wenn „prüfen“ dasselbe sagt.
3. Wann der Nominalstil passt
Der Nominalstil ist dort richtig, wo es auf Kürze und Übersicht ankommt. Er verdichtet Informationen und macht sie auf einen Blick erfassbar.
Gliederungen und Überschriften: In einer Gliederung stehen Stichpunkte, keine ganzen Sätze. Hier ist der Nominalstil die Regel.
1. Vorstellung des Betriebs
2. Ablauf einer Bestellung
3. Prüfung und Versand der Ware
4. Bewertung des Ablaufs
Betreffzeilen: „Reklamation Ihrer Lieferung vom Montag“ ist kürzer und klarer als ein ganzer Satz.
Tabellen und Formulare: Spaltenüberschriften wie „Lieferdatum“, „Zahlungseingang“ oder „Bearbeitung durch“ sind Nominalisierungen. Sie sparen Platz und sind eindeutig.
Fachtexte und Protokolle: In Berichten über Abläufe wirkt der Nominalstil sachlich und unpersönlich. Er rückt die Sache in den Vordergrund, nicht die handelnde Person. Ein Beispiel aus einem Protokoll: „Umstellung auf das neue Bestellsystem zum Monatsanfang nach Abstimmung im Team.“ Der Satz fasst ein Ergebnis knapp zusammen. Wer was bis wann erledigt, steht dann übersichtlich in einer eigenen Spalte für Zuständigkeiten.
4. Wann der Verbalstil besser ist
Sobald du einen Menschen direkt ansprichst, ist der Verbalstil meist die bessere Wahl. Er ist leichter zu lesen, klingt freundlicher und zeigt klar, wer was tun soll.
Nominalstil: Nach erfolgter Prüfung Ihrer Reklamation erfolgt die Zusendung einer Ersatzlieferung.
Verbalstil: Wir haben Ihre Reklamation geprüft und schicken Ihnen Ersatz.
Der zweite Satz ist kürzer, persönlicher und eindeutig. Die Kundin weiß sofort, dass der Großhandel handelt. Im ersten Satz bleibt offen, wer prüft und wer schickt. Außerdem wiederholt sich das blasse Verb „erfolgen“.
Vorsicht ist auch bei langen Nomenketten geboten. „Die Durchführung der Überprüfung der Einhaltung der Lieferfristen“ ist schwer verständlich. Besser ist: „Wir prüfen, ob die Lieferfristen eingehalten werden.“ Als Faustregel gilt: Stehen mehr als zwei Nominalisierungen in einem Satzteil, lohnt sich eine Umformung in den Verbalstil.
Auch das Passiv verstärkt oft den unpersönlichen Eindruck. „Die Ware wird nach Zahlungseingang versandt“ nennt keinen Handelnden. Im Kundenbrief wirkt „Wir versenden die Ware, sobald Ihre Zahlung eingegangen ist“ verbindlicher. Die Kundin sieht, wer für den Versand verantwortlich ist.
Für das Umformen gehst du in zwei Schritten vor. Zuerst suchst du das Nomen, in dem die eigentliche Handlung steckt, zum Beispiel „Prüfung“. Dann machst du daraus wieder ein Verb und nennst, wer handelt: „Wir prüfen“.
5. Präzise ausdrücken mit Fachbegriffen und Fremdwörtern
Zum angemessenen Stil gehört auch die Wortwahl. Im Beruf drückst du dich mit Fachbegriffen präzise aus. „Skonto“ bezeichnet genau einen Preisnachlass bei schneller Zahlung. „Lieferschein“ meint ein bestimmtes Begleitpapier. Ein allgemeines Wort wie „Rabatt“ oder „Zettel“ wäre ungenauer.
Auch Fremdwörter können präzise sein. „Kalkulation“, „Inventur“ oder „Reklamation“ sind feste Begriffe der Geschäftswelt. Sie lassen sich kaum kürzer durch deutsche Wörter ersetzen.
Entscheidend ist der Adressat. Unter Fachleuten im Betrieb sind Fachbegriffe selbstverständlich. Gegenüber Privatkunden erklärst du sie oder wählst ein allgemeinverständliches Wort. Ein Satz wie „Bei Zahlung innerhalb von zehn Tagen gewähren wir drei Prozent Skonto“ ist für eine Buchhalterin klar. Für einen Privatkunden ergänzt du: „Wenn Sie innerhalb von zehn Tagen zahlen, dürfen Sie drei Prozent vom Rechnungsbetrag abziehen.“
Prüfe bei jedem Fachbegriff und Fremdwort, ob du ihn wirklich brauchst und ob dein Leser ihn versteht. Ein Fremdwort nur zum Angeben macht einen Text nicht besser, sondern schwerer. Wer unsicher ist, schlägt die Bedeutung nach, bevor er das Wort verwendet.
So hilft dir KI – und wo du selbst prüfen musst
Gemeinsam mit deiner Lehrkraft lässt sich ein KI-Werkzeug einsetzen, um einen Text vom Nominalstil in den Verbalstil zu übertragen oder umgekehrt. Ob das Ergebnis zum Zweck passt, musst du allerdings selbst beurteilen. Ausgangspunkt ist die Betreffzeile „Reklamation Ihrer Lieferung vom Montag“ und ein dazugehöriger Briefsatz.
| Vorschlag eines KI-Werkzeugs | Was du selbst prüfst | Warum |
|---|---|---|
| Betreff: „Wir haben Ihre Lieferung vom Montag reklamiert und möchten das klären“ | Passt ein ganzer Satz in die Betreffzeile? | Der Betreff soll knapp sein, hier ist der Nominalstil richtig. |
| „Die Vornahme einer Prüfung erfolgt umgehend.“ | Wer handelt, und was genau geschieht? | Zwei blasse Verben, kein Handelnder. |
| „Wir prüfen Ihre Reklamation noch heute.“ | Stimmt die Zeitangabe mit unserer Planung überein? | „Noch heute“ ist ein Versprechen, das eingehalten werden muss. |
| „Skonto“ ohne Erklärung im Brief an einen Privatkunden | Kennt der Empfänger den Fachbegriff? | Fachbegriffe müssen zum Adressaten passen. |
Ein Werkzeug weiß nicht, an wen dein Text geht und welche Zusagen dein Betrieb machen kann. Diese Entscheidungen triffst du. Für den Einsatz im Unterricht gelten dabei die Absprachen in deiner Klasse.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| Nach erfolgter Prüfung erfolgt die Zusendung. | Wir haben geprüft und schicken Ihnen Ersatz. | Im Kundenbrief wirkt der Verbalstil klarer. |
| Gliederungspunkt: „Wie wir den Betrieb vorstellen“ | Gliederungspunkt: „Vorstellung des Betriebs“ | Gliederungen stehen im Nominalstil. |
| das bestellen dauert lange | Das Bestellen dauert lange. | Nominalisierte Verben schreibt man groß. |
| eine Entscheidung treffen über die Bestellung | über die Bestellung entscheiden | Viele Funktionsverbgefüge lassen sich kürzen. |
| Fachbegriffe ohne Rücksicht auf den Leser | Fachbegriffe für Laien erklären | Der Adressat muss den Text verstehen. |
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