Deutsch Wirtschaftsschule Bayern · Abschlussklasse: Jahrgangsstufe 10 (vier- und dreistufig) und Jahrgangsstufe 11 (zweistufig) · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)
Wie sich unsere Sprache gerade verändert: Technik, Medien, Migration, Politik
Sprache verändert sich nicht nur über Jahrhunderte. Auch heute entstehen neue Wörter, andere verschwinden, und manche Ausdrucksweisen lösen heftige Diskussionen aus. Wer im Beruf und in der Prüfung sicher schreiben will, sollte diese Entwicklungen kennen und einordnen können. Auf dieser Seite lernst du, welche Einflüsse die Gegenwartssprache prägen, wie du neue Ausdrücke beurteilst und welche Regeln für das Schreiben in Schule und Beruf gelten.
1. Sprachwandel in der Gegenwart
Sprachwandel ist kein Vorgang der Vergangenheit. Er geschieht ständig, oft unbemerkt. Im Unterschied zu früheren Jahrhunderten lässt er sich heute aber besonders gut beobachten. Neue Wörter verbreiten sich über das Internet innerhalb weniger Wochen. Wörterbücher wie der Duden nehmen regelmäßig neue Einträge auf, weil sich bestimmte Ausdrücke fest eingebürgert haben.
Für die Gegenwartssprache lassen sich vier große Einflussbereiche unterscheiden: Technik, Medien, Migration und Politik. Diese Bereiche überschneiden sich oft. Ein Wort aus der Technik kann sich über soziale Medien verbreiten und dann in politischen Debatten auftauchen.
Wichtig ist eine sachliche Haltung. Sprachwandel ist weder grundsätzlich gut noch grundsätzlich schlecht. Er zeigt, dass eine Sprache lebt. Nicht jedes neue Wort bleibt allerdings dauerhaft. Viele Modewörter sind nach kurzer Zeit wieder verschwunden, andere setzen sich fest. Ob ein Ausdruck eingebürgert ist, zeigt oft erst der Blick in ein aktuelles Wörterbuch. Entscheidend ist, dass du verschiedene Ausdrucksweisen kennst und je nach Situation die passende wählst.
2. Technik und Digitalisierung
Neue Geräte und Anwendungen brauchen neue Bezeichnungen. Viele davon stammen aus dem Englischen. Oft werden sie nicht nur übernommen, sondern ins Deutsche eingepasst. Aus einem englischen Verb wird ein deutsches Verb mit deutscher Beugung: „posten“, „streamen“, „googeln“. Das Wort „googeln“ steht inzwischen im Duden.
Manche Wörter wirken englisch, werden im Englischen aber gar nicht so verwendet. Man spricht von Scheinanglizismen. Bekannte Beispiele sind „Handy“ für das Mobiltelefon und „Homeoffice“ für das Arbeiten von zu Hause aus. Ein englischer Geschäftspartner würde beide Wörter in dieser Bedeutung nicht verstehen.
Daneben bekommen vorhandene deutsche Wörter neue Bedeutungen. „Teilen“ meint heute oft das Weiterleiten eines Beitrags, „Freund“ kann auch eine bloße Kontaktverbindung in einem sozialen Netzwerk bezeichnen. Hier wirkt der Bedeutungswandel, den du bereits kennst, in der Gegenwart weiter.
Für das berufliche Schreiben bedeutet das: Gängige Fachwörter aus der Technik darfst du verwenden, wenn dein Leser sie kennt. Gegenüber Kundinnen und Kunden, die damit nicht vertraut sind, erklärst du sie oder wählst ein deutsches Wort.
3. Medien und digitale Kommunikation
Soziale Medien und Messenger haben die Art verändert, wie Menschen schreiben. Nachrichten sind kurz, schnell und oft nah an der gesprochenen Sprache. Typisch sind Abkürzungen, weggelassene Satzzeichen, Kleinschreibung und Emojis, die Gefühle ausdrücken. Wörter in Großbuchstaben werden als Schreien verstanden.
Diese Schreibweisen sind nicht falsch. Sie sind an ihre Situation angepasst, in der es auf Schnelligkeit ankommt und sich die Schreibenden gut kennen. Problematisch wird es erst, wenn sie in Situationen übertragen werden, die eine andere Sprache verlangen.
Chatnachricht unter Kollegen: kann heute erst um 9, bahn steht
Nachricht an die Ausbilderin: Guten Morgen Frau Kern, wegen einer Zugstörung komme ich heute leider erst gegen 9 Uhr. Viele Grüße, Tim
Beide Nachrichten teilen dieselbe Information mit. Die zweite passt aber zu einer beruflichen Beziehung: Sie enthält Anrede, ganze Sätze, Begründung und Gruß. Die Fähigkeit, zwischen solchen Sprachformen zu wechseln, ist eine wichtige berufliche Kompetenz.
Auch die gesprochene Sprache verändert sich durch die Medien. Sprachnachrichten ersetzen in vielen Bereichen das Telefonat. Im Betrieb gilt dafür dieselbe Regel wie für schriftliche Nachrichten: Wer mit Vorgesetzten oder Kunden kommuniziert, spricht klar, vollständig und höflich.
4. Migration und Mehrsprachigkeit
Deutschland ist ein Land, in dem viele Sprachen gesprochen werden. Das hinterlässt Spuren im Deutschen. Manche Wörter sind schon lange fest eingebürgert, etwa „Joghurt“ und „Kiosk“, die ursprünglich aus dem Türkischen stammen. Andere sind vor allem in der Jugendsprache verbreitet, etwa „yalla“ aus dem Arabischen für „los, komm“.
In mehrsprachigen Wohnvierteln großer Städte haben sich außerdem eigene Sprechweisen entwickelt, die Sprachwissenschaftler untersuchen und oft als Kiezdeutsch bezeichnen. Typisch sind kurze Formen, bei denen zum Beispiel Artikel und Präpositionen wegfallen können. Die Sprachwissenschaft beschreibt solche Sprechweisen nicht als falsches Deutsch, sondern als eigene Varietät mit eigenen Regeln, ähnlich wie einen Dialekt.
Für dich heißt das: Mehrsprachigkeit ist eine Stärke, auch im Beruf. Gleichzeitig gilt für schriftliche Texte in Schule und Betrieb die Standardsprache. Wer mehrere Sprachformen beherrscht und bewusst zwischen ihnen wechselt, ist im Vorteil.
5. Politik, Gesellschaft und Sprache
Wörter prägen, wie Menschen über ein Thema denken. In der Politik und in der Wirtschaft wird deshalb oft genau überlegt, welches Wort man wählt. Ein Unternehmen spricht lieber von einer „Preisanpassung“ als von einer „Preiserhöhung“. Solche beschönigenden Ausdrücke nennt man Euphemismen. Wer sie erkennt, kann Texte kritischer lesen. Hilfreich ist die Frage, welches neutrale Wort man stattdessen verwenden könnte und warum der Verfasser es nicht getan hat. Auch in Mitteilungen von Unternehmen an Beschäftigte oder Kunden lohnt sich dieser Blick, etwa wenn von „Optimierung“ die Rede ist und Stellenabbau gemeint sein könnte.
Auf problematischen Sprachgebrauch macht seit vielen Jahren die sprachkritische Aktion Unwort des Jahres aufmerksam. Eine unabhängige Jury wählt jedes Jahr einen Ausdruck aus, der ihrer Ansicht nach verschleiert, abwertet oder diskriminiert.
Besonders kontrovers wird die geschlechtergerechte Sprache diskutiert. Die Positionen reichen von der Forderung, alle Geschlechter sichtbar zu machen, bis zur Ablehnung jeder Veränderung. Für bayerische Schulen gilt eine klare Regel: Grundlage ist das amtliche Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung. Sonderzeichen im Wortinneren wie Genderstern oder Doppelpunkt sind nach der Allgemeinen Geschäftsordnung für die Behörden des Freistaates Bayern nicht zulässig, das betrifft auch die Schulen. Möglich sind Paarformen wie „Kundinnen und Kunden“ oder neutrale Formen wie „Beschäftigte“.
So hilft dir KI – und wo du selbst prüfen musst
Zu neuen Wörtern kannst du selbständig ein KI-Werkzeug befragen: Was bedeutet ein Ausdruck, woher kommt er, ist er schon eingebürgert? Gerade bei Herkunft und aktueller Verbreitung irren solche Werkzeuge aber häufig. Vergleiche die Antworten deshalb mit einem aktuellen Wörterbuch. Ausgangspunkt ist die Frage: „Ist ‚Handy‘ ein englisches Wort?“
| Vorschlag eines KI-Werkzeugs | Was du selbst prüfst | Warum |
|---|---|---|
| „Handy ist das englische Wort für Mobiltelefon.“ | Verwenden Engländer das Wort so? | „Handy“ ist ein Scheinanglizismus. |
| „Das Wort steht nicht im Duden.“ | Was sagt die aktuelle Ausgabe? | Wörterbücher werden laufend ergänzt. |
| ein Text mit Genderstern für eine Schulaufgabe | Was gilt an bayerischen Schulen? | Sonderzeichen im Wortinneren sind dort nicht zulässig. |
| Erklärung ohne Quelle | Woher stammt die Information? | Belegbare Angaben sind verlässlicher. |
Ein Werkzeug gibt den Stand der Daten wieder, mit denen es erstellt wurde. Bei Sprache, die sich gerade verändert, kann dieser Stand veraltet sein. Für Regeln in Schule und Prüfung ist das amtliche Regelwerk maßgeblich.
So kommt es in der Abschlussprüfung
In der Abschlussprüfung bearbeiten alle Wirtschaftsschulen in Bayern zentral gestellte Deutschaufgaben, für die laut aktueller Wirtschaftsschulordnung 180 Minuten vorgesehen sind. Deine Texte schreibst du dabei in der Standardsprache und nach dem amtlichen Regelwerk. Chatsprache, Jugendsprache und Sonderzeichen im Wortinneren haben in einem Prüfungstext nichts zu suchen. Geschlechtergerecht formulierst du bei Bedarf mit Paarformen oder neutralen Formen.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| „Handy“ in einer englischen Geschäfts-E-Mail | „mobile phone“ oder „cell phone“ | „Handy“ ist ein Scheinanglizismus. |
| Chatsprache in einer Nachricht an die Ausbilderin | Anrede, ganze Sätze, Gruß | Die Situation verlangt Standardsprache. |
| neue Wörter grundsätzlich als falsch abtun | Herkunft und Situation prüfen | Sprachwandel ist normal. |
| „Preisanpassung“ ungeprüft übernehmen | fragen, was das Wort verdeckt | Euphemismen beschönigen. |
| Genderstern in einer Schulaufgabe | Paarform oder neutrale Form | In bayerischen Schulen gilt das amtliche Regelwerk. |
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