Deutsch Wirtschaftsschule Bayern · Abschlussklasse: Jahrgangsstufe 10 (vier- und dreistufig) und Jahrgangsstufe 11 (zweistufig) · Schreiben (LehrplanPLUS)
Mitschriften und Exzerpte anfertigen
In der Abschlussklasse und später in Ausbildung und Beruf musst du oft Informationen festhalten, die du nur einmal hörst oder schnell aus einem langen Text herausziehen sollst. Eine Besprechung im Betrieb, ein Vortrag der Kammer, ein Fachartikel zur Vorbereitung auf ein Referat: Wer hier gezielt notiert, behält den Überblick. Auf dieser Seite lernst du zwei Arbeitstechniken: die Mitschrift beim Zuhören und das Exzerpt beim Lesen. Du erfährst, wie du beide vorbereitest, anfertigst, nachbearbeitest und digital ordnest. Alle Beispiele sind für diese Seite erfunden.
1. Mitschrift und Exzerpt unterscheiden
Eine Mitschrift entsteht, während du zuhörst. Du hältst fest, was in einem Vortrag, einer Unterrichtsstunde oder einer Besprechung gesagt wird. Weil das Gesprochene nicht wartet, schreibst du schnell, knapp und in Stichworten.
Ein Exzerpt entsteht beim Lesen. Du ziehst aus einem schriftlichen Text gezielt die Informationen heraus, die du für eine bestimmte Aufgabe brauchst. Weil der Text vor dir liegt, kannst du in Ruhe auswählen, ordnen und genau belegen.
Beide Techniken haben dasselbe Ziel: Informationen so festzuhalten, dass du sie später ohne die ursprüngliche Quelle verstehen und verwenden kannst. Eine Mitschrift, die du nach zwei Tagen nicht mehr lesen kannst, ist wertlos. Ein Exzerpt ohne Quellenangabe ebenso.
| Merkmal | Mitschrift | Exzerpt |
|---|---|---|
| Grundlage | Gesprochenes | Geschriebenes |
| Tempo | vorgegeben vom Sprecher | selbst bestimmt |
| Auswahl | während des Zuhörens | gezielt nach einer Leitfrage |
| Belege | Sprecher, Datum, Anlass | Quelle mit Seitenzahlen |
2. Beim Zuhören mitschreiben
Eine gute Mitschrift beginnt vor dem ersten Wort. Notiere oben auf der Seite den Kopf: Datum, Anlass, Thema und den Namen der sprechenden Person. So weißt du später sofort, worum es ging.
Während des Zuhörens schreibst du nur das Wichtige auf: Kernaussagen, Zahlen, Namen, Termine und Aufgaben. Ganze Sätze schreibst du nur, wenn eine Formulierung wörtlich wichtig ist, etwa eine Definition. Kennzeichne sie dann mit Anführungszeichen.
Sprecher geben oft Signale, die dir bei der Auswahl helfen. Wendungen wie „Wichtig ist …“, „Erstens, zweitens …“ oder „Zusammenfassend lässt sich sagen …“ zeigen dir, was zur Struktur gehört. Auch Wiederholungen weisen auf zentrale Punkte hin.
Spare Zeit mit Abkürzungen und Symbolen, die du immer gleich verwendest. Ein Pfeil steht für „führt zu“, ein Gleichheitszeichen für „bedeutet“, ein Ausrufezeichen für „wichtig“, ein Fragezeichen für „noch klären“. Lege dir eine feste Liste an, damit du deine Mitschriften auch später entschlüsseln kannst.
Teambesprechung Großhandel Brandt, Thema: neue Retourenregel, Leitung Frau Albers
Retouren ab nächstem Monat nur mit Rücksendeschein → weniger Fehlbuchungen
! Schein liegt jedem Paket bei
Ausnahme: beschädigte Ware → sofort an Reklamationsteam
? Wer informiert Stammkunden
Bewährt hat sich eine Aufteilung der Seite: Auf der rechten Seite stehen die Notizen, links bleibt ein schmaler Rand frei. Dort trägst du später Stichworte, Fragen und Verweise ein. So wird aus der schnellen Mitschrift eine übersichtliche Unterlage.
3. Die Mitschrift nachbearbeiten
Eine Mitschrift ist erst fertig, wenn du sie nachbearbeitet hast. Das solltest du möglichst zeitnah tun, am besten noch am selben Tag. Dann erinnerst du dich noch an Einzelheiten, die du nicht aufschreiben konntest.
Beim Nachbearbeiten ergänzt du Lücken, schreibst unleserliche Stellen sauber ab und ordnest die Stichworte. Markiere die wichtigsten Aussagen und Aufgaben. Kläre offene Fragen, die du mit einem Fragezeichen gekennzeichnet hast, etwa durch eine Rückfrage bei der Leitung oder bei Kolleginnen.
Hilfreich ist eine kurze Zusammenfassung am Ende der Mitschrift. Zwei oder drei Sätze genügen. Sie zwingt dich, das Gehörte zu verstehen, und zeigt dir beim späteren Nachschlagen sofort, was das Ergebnis war.
4. Ein Exzerpt anfertigen
Ein Exzerpt beginnt mit einer Leitfrage. Sie bestimmt, welche Informationen du aus dem Text herausziehst. Ohne Leitfrage neigt man dazu, fast alles abzuschreiben. Mit einer klaren Frage, etwa „Welche Ursachen nennt der Artikel für hohe Rücksendequoten?“, wählst du gezielt aus.
Notiere oben die vollständige Quellenangabe: Verfasser, Titel, Fundort und Datum. Lies den Text zuerst ganz, um den Aufbau zu verstehen. Lies ihn dann ein zweites Mal und markiere nur die Stellen, die deine Leitfrage beantworten.
Übertrage die markierten Informationen in dein Exzerpt. Meist fasst du sie in eigenen Worten zusammen. Übernimmst du eine Formulierung wörtlich, setzt du sie in Anführungszeichen und notierst die Seitenzahl. So kannst du sie später korrekt zitieren und vermeidest, fremde Sätze versehentlich als eigene auszugeben.
Quelle: Brück, Paul: Warum Pakete zurückkommen. In: Musterstädter Wirtschaftsblatt, Ausgabe vom Erscheinungstag, S. 4 f.
Leitfrage: Welche Ursachen nennt der Artikel für hohe Rücksendequoten?
1. ungenaue Produktbeschreibungen, vor allem bei Größen (S. 4)
2. Bestellung mehrerer Varianten zur Auswahl (S. 4)
3. lange Lieferzeiten führen zu Fehlkäufen woanders (S. 5)
Wörtlich: „Jede gute Produktbeschreibung spart eine Rücksendung.“ (S. 5)
Ordne die Informationen im Exzerpt so, dass sie deine Leitfrage übersichtlich beantworten. Die Reihenfolge des Originaltextes musst du dabei nicht übernehmen. Eigene Gedanken und Bewertungen trennst du deutlich ab, zum Beispiel unter der Überschrift „Eigene Anmerkung“.
5. Digital mitschreiben und ordnen
Viele Mitschriften und Exzerpte entstehen heute auf dem Laptop oder Tablet. Das hat Vorteile: Du kannst schnell suchen, Abschnitte verschieben und Notizen mit anderen teilen. Es hat aber auch Nachteile: Tippen verführt dazu, möglichst viel wörtlich mitzuschreiben, statt auszuwählen. Außerdem lenken Benachrichtigungen leicht ab.
Ob auf Papier oder digital: Entscheidend ist eine feste Ordnung. Lege für jedes Fach oder Projekt einen eigenen Ordner an. Gib Dateien sprechende Namen, die Datum, Thema und Art der Notiz enthalten, etwa „Besprechung_Retourenregel_Mitschrift“. So findest du deine Unterlagen auch Wochen später wieder.
Achte im Betrieb auf den Datenschutz. Mitschriften aus internen Besprechungen enthalten oft vertrauliche Informationen über Kunden, Preise oder Beschäftigte. Sie gehören nicht in private Speicher oder öffentliche Netzwerke.
So hilft dir KI – und wo du selbst prüfen musst
Manche Anwendungen versprechen, Besprechungen automatisch aufzuzeichnen, abzuschreiben und zusammenzufassen. Solche Werkzeuge kannst du selbständig erproben, wenn alle Beteiligten einverstanden sind. Das Gespräch aufzunehmen, ohne die Zustimmung der anderen Personen einzuholen, ist nicht erlaubt. Nach dem Strafgesetzbuch ist die heimliche Aufnahme nichtöffentlich gesprochener Worte strafbar. Ausgangspunkt ist die Teambesprechung zur neuen Retourenregel.
| Vorschlag eines KI-Werkzeugs | Was du selbst prüfst | Warum |
|---|---|---|
| automatische Zusammenfassung ohne die Ausnahme für beschädigte Ware | Fehlt ein wichtiger Punkt? | Zusammenfassungen lassen oft Einzelheiten weg, die für die Arbeit entscheidend sind. |
| „Frau Albers informiert die Stammkunden.“ | Wurde das wirklich so beschlossen? | In der Besprechung blieb die Frage offen. |
| Exzerpt zu einem Artikel, den das Werkzeug nicht vollständig gelesen hat | Beantwortet es meine Leitfrage mit Belegen aus dem Text? | Ohne Seitenzahlen kannst du nichts überprüfen. |
| Hochladen der Mitschrift in einen frei zugänglichen Dienst | Enthält die Mitschrift vertrauliche Betriebsdaten? | Interne Informationen sind zu schützen. |
Eine eigene Mitschrift zwingt dich, mitzudenken und auszuwählen. Genau dadurch verstehst und behältst du mehr. Ein Werkzeug kann diese Arbeit ergänzen, aber nicht ersetzen.
So kommt es in der Abschlussprüfung
Die Abschlussprüfung in Deutsch besteht aus zentral gestellten Aufgaben, die an allen Wirtschaftsschulen gleich sind. Die aktuelle Wirtschaftsschulordnung sieht dafür eine Bearbeitungszeit von 180 Minuten vor. Wenn du zu einer Aufgabe Texte oder Materialien bekommst, hilft dir die Technik des Exzerpts: Lies mit der Aufgabenstellung als Leitfrage, markiere gezielt und notiere die Kernaussagen mit Fundstelle. Daraus kannst du anschließend deinen Text zügig aufbauen.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| Mitschrift ohne Datum und Thema | Kopf mit Datum, Anlass, Thema, Sprecher | Sonst ist die Mitschrift später nicht einzuordnen. |
| versuchen, alles wörtlich mitzuschreiben | Stichworte und Kernaussagen notieren | Wer alles schreibt, kommt nicht hinterher. |
| Mitschrift erst nach einer Woche ansehen | am selben Tag nachbearbeiten | Einzelheiten sind sonst vergessen. |
| Exzerpt ohne Leitfrage | zuerst die Leitfrage notieren | Sie bestimmt die Auswahl. |
| wörtliche Stellen ohne Anführungszeichen | kennzeichnen und Seitenzahl notieren | Sonst werden fremde Sätze als eigene ausgegeben. |
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