Deutsch Realschule Bayern · Jahrgangsstufe 6 · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)

Aktiv und Passiv: wer handelt, und wann das egal ist

Fast jeden Satz kannst du auf zwei Arten formulieren, ohne dass sich der Inhalt ändert. „Der Hausmeister öffnet das Tor.“ und „Das Tor wird geöffnet.“ erzählen vom selben Vorgang, setzen aber einen anderen Schwerpunkt. Im ersten Satz steht der Handelnde im Mittelpunkt, im zweiten Satz nicht mehr. Diese beiden Formen heißen Aktiv und Passiv. Auf dieser Seite lernst du, wie du das Passiv bildest, wann es sinnvoll ist und wie du zwischen beiden Formen wechselst.

1. Das Aktiv: der Handelnde steht im Mittelpunkt

Im Aktiv nennt das Subjekt, wer oder was etwas tut. Man spricht deshalb auch von der Tatform. Im Satz „Die Trainerin lobt die Mannschaft.“ ist „die Trainerin“ sowohl Subjekt als auch Handelnde. Die meisten Sätze, die du bisher gebildet hast, stehen im Aktiv. Damit du das Passiv später sauber davon abgrenzen kannst, hältst du dir diesen Ausgangspunkt noch einmal vor Augen: Aktivsätze beantworten meist die Frage, wer etwas macht. Auch im Satz „Die Klasse plant den Ausflug.“ steht der Handelnde vorn: „die Klasse“ plant selbst, niemand plant für sie.

Merke: Im Aktiv ist das Subjekt gleichzeitig der Handelnde. Du erkennst das Aktiv daran, dass das Subjekt die Tätigkeit selbst ausführt.

2. Das Passiv: Aufbau mit werden und Partizip II

Im Passiv steht nicht mehr der Handelnde im Mittelpunkt, sondern das, was mit jemandem oder etwas geschieht. Man spricht deshalb auch von der Leideform. Du bildest das Passiv mit einer Form von werden und dem Partizip II, das am Satzende steht: „Das Tor wird geöffnet.“ Das Partizip II kennst du bereits aus dem Perfekt, dort stand es zusammen mit haben oder sein. Im Passiv übernimmt werden diese Rolle.

Zeit Bildung Beispiel (loben)
Präsens Passiv Präsensform von werden + Partizip II Die Mannschaft wird gelobt.
Präteritum Passiv Präteritumform von werden + Partizip II Die Mannschaft wurde gelobt.

Ein häufiger Stolperstein: Auch das Futur I bildest du mit einer Form von werden, dort steht danach aber der Infinitiv, nicht das Partizip II. „Die Mannschaft wird gewinnen.“ ist Futur I und Aktiv, denn die Mannschaft handelt selbst. „Die Mannschaft wird gelobt.“ ist Präsens Passiv, denn hier geschieht etwas mit der Mannschaft. Schau also genau hin, welche Form nach werden steht.

Merke: werden + Partizip II ergibt das Passiv. werden + Infinitiv ergibt das Futur I. Beide Formen sehen sich ähnlich, meinen aber etwas anderes.

3. Wann sich das Passiv lohnt

Das Passiv ist keine Spielerei, sondern in bestimmten Fällen die klarere Wahl. Es lohnt sich, wenn der Handelnde unbekannt ist, wenn er unwichtig ist oder wenn er bewusst nicht genannt werden soll. Im Satz „Die Fenster der Turnhalle wurden eingeschlagen.“ weiß niemand, wer die Scheiben eingeschlagen hat, deshalb passt das Passiv besser als ein Aktivsatz mit einem erfundenen Täter. Willst du den Handelnden trotzdem nennen, hängst du ihn mit von und dem Dativ an: „Das Tor wird vom Hausmeister geöffnet.“ Besonders in Anleitungen und Regeln liest du deshalb oft Passivsätze, weil dort gar nicht wichtig ist, wer die Regel befolgt, sondern nur, was zu tun ist.

Grund für das Passiv Beispiel
Der Handelnde ist unbekannt. Der Fahrradständer wurde umgestoßen.
Der Handelnde ist unwichtig. Die Turnhalle wird jeden Freitag geputzt.
Der Handelnde soll nicht genannt werden. In der Bibliothek wird nicht laut gesprochen.

4. Vom Aktiv zum Passiv – und zurück

Beim Umformen wandert das Akkusativobjekt des Aktivsatzes zum Subjekt des Passivsatzes, und das bisherige Subjekt fällt entweder weg oder wird zur von-Ergänzung. Im Satz „Der Zug bringt die Klasse ans Ziel.“ ist „die Klasse“ das Akkusativobjekt. Im Passivsatz wird daraus das Subjekt: „Die Klasse wird vom Zug ans Ziel gebracht.“ Für die Rückrichtung gilt es genau umgekehrt: Das Subjekt des Passivsatzes wird zum Akkusativobjekt, die von-Ergänzung wird zum Subjekt.

Aktiv Passiv
Ben füttert den Hund. Der Hund wird von Ben gefüttert.
Die Schüler räumen das Klassenzimmer auf. Das Klassenzimmer wird von den Schülern aufgeräumt.

Aktiv und Passiv werden zusammen auch als Genus verbi bezeichnet, das bedeutet: die Handlungsart des Verbs. Auch im Perfekt gibt es ein Passiv, das Perfektpassiv: „Das Tor ist geöffnet worden.“ Hier lautet das Hilfsverb im Partizip II ausnahmsweise worden statt geworden. Von diesem Vorgangspassiv, das eine Handlung beschreibt, unterscheidet sich das Zustandspassiv mit sein, das nur noch das Ergebnis zeigt: „Das Tor ist geöffnet.“ Beim Umformen lohnt es sich, zuerst das Akkusativobjekt im Aktivsatz zu suchen, denn genau dieses Wort wird im Passivsatz zum neuen Subjekt und wechselt dabei seinen Fall.

So erkennst du es im Satz

Am Montag putzt der Hausmeister die Fenster der Aula. Die Bänke werden von zwei Schülern nach draußen getragen. Danach wird der Boden gewischt. Ein Fenster wurde beim Putzen versehentlich beschädigt. Der Hausmeister meldet den Schaden sofort dem Sekretariat.

Fundstelle im Text Aktiv oder Passiv Woran du es erkennst
putzt der Hausmeister Aktiv Der Hausmeister ist Subjekt und Handelnder zugleich.
werden … getragen Passiv Präsensform von werden + Partizip II, mit von-Ergänzung
wird … gewischt Passiv Präsensform von werden + Partizip II, kein Handelnder genannt
wurde … beschädigt Passiv Präteritumform von werden + Partizip II
meldet der Hausmeister Aktiv Der Hausmeister ist wieder Subjekt und Handelnder.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum?
„Die Mannschaft wird gewinnen.“ wird für Passiv gehalten. Das ist Futur I, denn nach werden steht der Infinitiv gewinnen, kein Partizip II. Passiv braucht ein Partizip II, Futur I einen Infinitiv.
Der Hund wird gefüttert von Ben der Hund. Der Hund wird von Ben gefüttert. Im Passiv erscheint das frühere Akkusativobjekt als Subjekt und wird nicht doppelt genannt.
Das Fenster wird geworden geputzt. Das Fenster wird geputzt. Im Präsens Passiv braucht es nur eine Form von werden, kein zusätzliches geworden.
Die Bänke werden durch zwei Schüler getragen. Die Bänke werden von zwei Schülern getragen. Der Handelnde im Passiv wird mit von und Dativ angeschlossen, nicht mit durch.
Aus „Ben füttert den Hund.“ wird „Den Hund wird von Ben gefüttert.“ „Der Hund wird von Ben gefüttert.“ Das neue Subjekt steht im Nominativ, nicht mehr im Akkusativ des Ausgangssatzes.

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