Deutsch Realschule Bayern · Jahrgangsstufe 10 · Richtig schreiben (LehrplanPLUS)
Eigene Fehlerschwerpunkte erkennen und beheben
Wer in der Abschlussklasse noch Fehler macht, macht meistens nicht viele verschiedene, sondern immer wieder dieselben. Genau das ist die gute Nachricht: Ein Schwerpunkt lässt sich gezielt abtrainieren, eine allgemeine Unsicherheit nicht. Auf dieser Seite geht es deshalb nicht um einzelne Rechtschreibregeln – die kennst du aus den Jahrgangsstufen 5 bis 9 und findest sie auf den jeweiligen Seiten wieder. Es geht um das Verfahren: wie du herausfindest, wo deine Fehler liegen, welche Probe gegen welche Fehlerart hilft und was ein Rechtschreibprogramm zuverlässig übersieht.
1. Einzelfehler oder Fehlerschwerpunkt?
Ein Einzelfehler passiert einmal, meist aus Eile oder Unaufmerksamkeit. Ein Fehlerschwerpunkt liegt vor, wenn dieselbe Fehlerart in mehreren Texten hintereinander auftaucht. Der Unterschied ist wichtig, weil beide etwas anderes verlangen. Gegen Einzelfehler hilft ein zweiter Lesedurchgang, gegen einen Schwerpunkt hilft nur, die zugehörige Regel noch einmal sauber nachzuarbeiten und danach gezielt zu prüfen. Wer alle Fehler gleich behandelt, verliert Zeit an Stellen, die er längst beherrscht. Erst die Zuordnung zu einer Fehlerart macht aus einer roten Anstreichung eine brauchbare Information. Ein einfacher Test hilft bei der Einordnung: Frage dich, ob du die zugehörige Regel im Moment des Schreibens hättest nennen können. Lautet die Antwort ja, war es ein Flüchtigkeitsfehler. Lautet sie nein oder unsicher, hast du einen Schwerpunkt gefunden und brauchst mehr als einen zweiten Blick.
2. Fehlerarten ordnen
Bevor du zählst, ordnest du. Vier Kategorien reichen dafür aus, und die meisten Korrekturzeichen lassen sich ihnen zuordnen.
| Kürzel | Fehlerart | Woran du sie erkennst |
|---|---|---|
| R | Rechtschreibung | Das einzelne Wort ist falsch geschrieben, der Satz bleibt sonst richtig. |
| Z | Zeichensetzung | Alle Wörter stimmen, aber ein Komma fehlt oder steht zu viel. |
| Gr | Grammatik | Eine Form passt nicht: falscher Fall, falsche Zeit, fehlende Übereinstimmung. |
| A | Ausdruck | Der Satz ist regelgerecht, aber unklar, umgangssprachlich oder doppelt gesagt. |
Merke: Zähle nie nur die Gesamtzahl der Fehler. Zwölf Fehler, die sich auf vier Arten verteilen, verlangen etwas anderes als zwölf Fehler derselben Art. Erst die Verteilung zeigt den Schwerpunkt.
3. Das Fehlerprotokoll
Ein Fehlerprotokoll ist eine einfache Liste, die du nach jeder zurückgegebenen Arbeit ergänzt. Für jeden Fehler notierst du vier Angaben: die falsche Stelle, die richtige Fassung, das Kürzel der Fehlerart und einen Halbsatz dazu, welche Regel greift. Der Nutzen entsteht erst nach der dritten oder vierten Arbeit, denn dann wird sichtbar, welche Zeile immer wieder auftaucht. Genau diese Zeile ist dein Schwerpunkt. Wichtig ist, dass du die richtige Fassung selbst schreibst und nicht nur abhakst: Die Hand merkt sich die Schreibung besser als das Auge. Ebenso wichtig ist, das Protokoll vor der nächsten Arbeit noch einmal zu lesen. Ein Protokoll, das nur angelegt und nie wieder geöffnet wird, ändert nichts. Fünf Minuten vor dem Schreiben genügen, damit die eigenen Stolperstellen wieder präsent sind.
4. Welche Probe gegen welchen Fehler hilft
Für die häufigsten Schwerpunkte gibt es je eine kurze Prüfung, die sich beim Überarbeiten in wenigen Sekunden durchführen lässt. Die Regel selbst wird hier nur benannt; nachlesen kannst du sie auf der Seite der angegebenen Jahrgangsstufe.
| Schwerpunkt | Probe beim Überarbeiten | Regel nachlesen |
|---|---|---|
| das oder dass | Lässt sich dieses oder welches einsetzen? Dann mit einem s. | Jahrgangsstufe 7 |
| Großschreibung | Steht ein Begleitwort davor, das auf ein Nomen zeigt? Dann groß. | Jahrgangsstufe 6 |
| Komma im Satzgefüge | Suche das zweite gebeugte Verb; vor seinem Teilsatz steht ein Komma. | Jahrgangsstufe 7 |
| Satzglieder und Fälle | Stelle das Satzglied um und frage es ab; passt der Fall noch? | Jahrgangsstufe 5 und 6 |
| Ausdruck | Lies den Satz laut. Stolperst du, formuliere ihn neu. | Jahrgangsstufe 9 und 10 |
5. Was ein Rechtschreibprogramm nicht findet
Ein Prüfprogramm vergleicht Wörter mit einer Liste. Steht ein Wort dort, gilt es als richtig – auch dann, wenn es an dieser Stelle das falsche Wort ist. Deshalb bleiben ausgerechnet die typischen Schwerpunkte unentdeckt: die Verwechslung von das und dass, ein fehlendes Komma vor einem Nebensatz, ein falscher Fall nach einer Präposition, ein Bezugswort, das zwei Deutungen zulässt, oder ein Satz, der zwar richtig, aber unverständlich ist. Umgekehrt markiert das Programm Wörter als falsch, die es nur nicht kennt. Nutze es also als ersten Filter für Tippfehler, aber niemals als letzte Kontrolle. Der letzte Durchgang gehört dir.
Merke: Ein Prüfprogramm erkennt nur, ob ein Wort existiert, nicht, ob es an dieser Stelle richtig ist. Alles, was an einer Verwechslung zweier korrekt geschriebener Wörter liegt, musst du selbst finden.
So erkennst du es im Satz
Der folgende Absatz stammt aus einem Übungstext und enthält sechs eingebaute Fehler. Ordne jeden zuerst einer Art zu, bevor du ihn verbesserst.
„Am Montag war Projekttag. Das Wetter war gut deshalb blieben wir im Freien. Frau Berger erklärte uns dass wir in Gruppen arbeiten. Wegen dem Wind mussten wir das Beet zweimal abdecken. Am nachmittag habe ich gemerkt, das mir die Arbeit im Garten liegt. Zum Schluss waren alle ziemlich fertig.“
| Stelle | Art | Richtig |
|---|---|---|
| gut deshalb blieben | Z | gut, deshalb blieben |
| erklärte uns dass | Z | erklärte uns, dass |
| Wegen dem Wind | Gr | Wegen des Windes |
| Am nachmittag | R | Am Nachmittag |
| das mir die Arbeit | R | dass mir die Arbeit |
| ziemlich fertig | A | sehr erschöpft |
Die Verteilung zeigt sofort etwas: Zweimal Z und zweimal R stehen gegen je einmal Gr und A. Wiederholt sich dieses Bild in der nächsten Arbeit, liegt der Schwerpunkt bei der Kommasetzung und beim Wortpaar das und dass. Dann lohnt sich das Nacharbeiten genau dieser beiden Regeln.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum? |
|---|---|---|
| In einem Durchgang gleichzeitig auf alles achten. | Je Durchgang auf eine Fehlerart achten. | Wer alles zugleich prüft, übersieht gerade das, was er sonst beherrscht. |
| Nur die Gesamtzahl der Fehler notieren. | Die Fehler nach Arten getrennt zählen. | Erst die Verteilung auf die Arten zeigt, wo nachgearbeitet werden muss. |
| Die Verbesserung nur lesen. | Die richtige Fassung selbst aufschreiben. | Nur das eigene Schreiben verankert die richtige Form dauerhaft. |
| Sich auf das Prüfprogramm verlassen. | Nach dem Programm selbst gegenlesen. | Ein Programm findet Tippfehler, aber keine Verwechslung zweier richtig geschriebener Wörter. |
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