Deutsch Mittelschule Bayern · Jahrgangsstufe 9 · Regelklasse und Mittlere-Reife-Klasse · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)
Die indirekte Rede sicher verwenden
Wer in einem Bericht wiedergibt, was andere gesagt haben, muss genau arbeiten: Die Perspektive darf nicht kippen, die Zeitform muss zum Geschehen passen, und die Wiedergabe darf nicht in die eigene Aussage rutschen. Was indirekte Rede ist und wie du sie bildest, hast du in der Jahrgangsstufe 8 gelernt; das wird hier vorausgesetzt. Auf dieser Seite geht es um das sichere Verwenden in längeren Berichten, etwa im Praktikumsbericht, im Gesprächsprotokoll oder in der Notiz nach einem Termin.
1. Die Perspektive halten
Wer berichtet, spricht aus seiner eigenen Sicht. Das betrifft drei Bereiche. Erstens die Personen: Aus ich der sprechenden Person wird er oder sie. Berichtest du selbst von etwas, das man zu dir gesagt hat, wird aus du dagegen ich: Der Polier sagte mir, ich solle früher kommen. Zweitens die Zeitangaben, wenn du später berichtest. Drittens die Ortsangaben.
| In der Äußerung | Am selben Tag berichtet | Später berichtet |
|---|---|---|
| heute | heute | an diesem Tag, am Montag |
| morgen | morgen | am nächsten Tag, am Dienstag |
| gestern | gestern | am Vortag, am Sonntag |
| jetzt | jetzt | zu diesem Zeitpunkt, damals |
| hier | hier | dort |
Ein Beispiel aus der Werkstatt: Der Meister sagt am Montag zum Gesellen: Ich liefere morgen die Teile. Dienstags berichtet der Geselle: Der Meister sagte, er liefere am nächsten Tag die Teile. Wer dagegen noch am Montag berichtet, darf morgen stehen lassen, denn der Bezugspunkt ist derselbe. Entscheidend ist immer die Frage: Von wann und von wo aus spreche ich jetzt?
Zur Perspektive gehört auch die Eindeutigkeit der Bezüge. Kommen in einem Satz zwei Personen vor, kann ein er auf beide zeigen: Der Meister sagte dem Gesellen, er habe die Teile bestellt. Wer hat bestellt? Hier hilft die Wiederholung des Nomens oder eine klare Satzstellung: Der Meister sagte dem Gesellen, der Geselle habe die Teile bestellt. In einem Bericht für Dritte ist diese Genauigkeit wichtiger als ein glatter Satz.
2. Das Zeitverhältnis beachten
Die Zeitform im Konjunktiv hängt davon ab, wann das Geschehen in der Äußerung liegt, nicht davon, in welcher Zeit die Redeeinleitung steht. Man unterscheidet drei Fälle. Liegt das Geschehen gleichzeitig mit dem Sprechen, steht der Konjunktiv I der Gegenwart. Liegt es davor, steht der Konjunktiv I der Vergangenheit mit habe oder sei und dem Partizip. Liegt es danach, steht werde mit dem Infinitiv, oder das Verb steht in der Gegenwart, wenn eine Zeitangabe die Zukunft anzeigt.
| Zeitverhältnis | Äußerung | Indirekte Rede |
|---|---|---|
| gleichzeitig | Ich habe keine Zeit. | Der Meister sagt, er habe keine Zeit. |
| vorzeitig | Ich habe die Teile bestellt. | Der Meister sagt, er habe die Teile bestellt. |
| vorzeitig | Ich war gestern im Lager. | Der Geselle sagte, er sei am Vortag im Lager gewesen. |
| vorzeitig, Passiv | Die Maschine wurde repariert. | Der Meister sagt, die Maschine sei repariert worden. |
| nachzeitig | Ich werde morgen liefern. | Der Lagerleiter sagte, er werde am nächsten Tag liefern. |
Die Redeeinleitung darf ihre Zeitform ändern, ohne dass sich die Wiedergabe ändert: Der Meister sagt und Der Meister sagte verlangen beide er habe keine Zeit. Fehlt ein eindeutiger Konjunktiv, gilt die Ersatzregel aus der Jahrgangsstufe 8 auch in der Vergangenheit: Die Gesellen sagen, sie hätten die Teile bestellt und Die Gesellen sagten, sie würden am nächsten Tag liefern.
Merke: Das Zeitverhältnis richtet sich nach der Äußerung, nicht nach der Redeeinleitung. Vorzeitig steht habe oder sei mit dem Partizip, nachzeitig werde mit dem Infinitiv.
3. Mischformen vermeiden
Ein häufiger Fehler in längeren Berichten ist die Mischung von Formen. Vier Mischformen kommen besonders oft vor:
- Indikativ mitten in der Wiedergabe. Falsch ist: Die Pflegerin sagte, sie habe Dienst und sie kommt später. Richtig ist: … und sie komme später.
- Eine Ersatzform, obwohl der Konjunktiv I eindeutig ist. Falsch ist: Der Betrieb würde Hilfskräfte suchen. Richtig ist: Der Betrieb suche Hilfskräfte. Die Ersatzform brauchst du nur, wenn die eigentliche Form nicht zu erkennen ist.
- Die Person der wörtlichen Rede. Falsch ist: Der Polier sagte, wir sollten früher kommen., wenn der Berichtende nicht dazugehört. Richtig ist: … sie sollten früher kommen.
- Die Zeitform der Redeeinleitung als Maßstab. Falsch ist: Der Meister sagte, die Lieferung kam gestern. Richtig ist: … die Lieferung sei am Vortag gekommen.
Als Kontrolle liest du den Bericht Satz für Satz und fragst bei jedem Verb: Gehört dieser Satz zur Wiedergabe? Wenn ja, steht er im Konjunktiv, und die Person und die Zeitangabe sind aus deiner Sicht gesetzt. Prüfe auch, ob dieselbe Form im Folgesatz wieder auftaucht.
So sieht ein sauberer Absatz aus: Die Pflegerin erklärte, sie habe die Spätschicht übernommen. Der Kollege sei krank gewesen, und die Leitung habe sie am Vortag angerufen. Sie fahre erst nach der Übergabe heim. Alle drei Sätze stehen im Konjunktiv, die Person bleibt gleich, und die Zeitverhältnisse sind jeweils eigens gesetzt.
4. Distanz zeigen im Bericht
Die indirekte Rede hat im Bericht eine Aufgabe: Sie macht deutlich, dass du etwas wiedergibst und nicht selbst behauptest. Der Konjunktiv allein sagt dabei nicht, dass die Aussage falsch sein könnte. Er zeigt nur, wer für sie verantwortlich ist. Das Verb der Redeeinleitung kann diese Haltung verstärken. Sagen, erklären, berichten und mitteilen geben neutral wieder. Behaupten zeigt Abstand, beteuern und betonen verleihen Nachdruck, zugeben und einräumen kennzeichnen ein Zugeständnis.
Eine zweite Möglichkeit sind Wendungen wie laut oder nach Angaben von mit dem Indikativ: Laut der Behörde ist das Formular nötig. Beides hat denselben Zweck.
Bei längeren Wiedergaben genügt eine Redeeinleitung am Anfang. Danach bleibt der Konjunktiv bestehen, bis die Wiedergabe endet. Ein Beispiel aus der Berufsberatung: Die Beraterin erklärte, ein Praktikum in der Pflege sei möglich. Man könne sich ab dem Frühjahr bewerben. Ein Betrieb in der Nähe suche Hilfskräfte. Ich habe mir die Adresse notiert. Die ersten drei Sätze geben wieder. Der letzte Satz steht im Indikativ, denn er sagt, was du selbst getan hast. Der Wechsel in den Indikativ zeigt deshalb das Ende der Wiedergabe an.
In Berichten über ein Gespräch bei einer Behörde oder in einem Praktikumsprotokoll stehen oft mehrere Wiedergaben hintereinander. Wechsle die Redeeinleitung ab, damit der Text nicht eintönig wirkt: erklärte, teilte mit, fügte hinzu. Die Form im Konjunktiv bleibt dabei dieselbe. Für Notizen genügt dagegen oft eine kurze Wiedergabe mit einer einzigen Einleitung.
So prüfst du es im Quali
Lies den Bericht und suche, wo die Wiedergabe beginnt und wo sie endet.
Tarik berichtet am nächsten Tag von seinem Termin bei der Berufsberatung. Die Beraterin sagte, er solle sich früh um ein Praktikum kümmern. Ein Betrieb in der Nähe suche Hilfskräfte, und die Bewerbung sei noch möglich. Dazu müsse er ein Formular ausfüllen. Tarik hat sich die Adresse notiert.
| Stelle im Text | Was geschieht | Woran du es erkennst |
|---|---|---|
| sagte, er solle | Wiedergabe beginnt | Redeeinleitung, Konjunktiv I, Person aus Sicht des Berichtenden |
| suche Hilfskräfte | Wiedergabe geht weiter | Konjunktiv I ohne neue Redeeinleitung |
| die Bewerbung sei noch möglich | Gleichzeitigkeit | Konjunktiv I der Gegenwart |
| müsse er | Wiedergabe geht weiter | Konjunktiv I, kein Indikativ |
| hat sich die Adresse notiert | Wiedergabe endet | Indikativ, eigene Feststellung des Berichtenden |
Wer im Prüfungsteil „Sprachgebrauch – Sprachbetrachtung und Rechtschreiben“ einen Bericht beurteilen soll, gewinnt Sicherheit, wenn er die Spalte Woran du es erkennst im Kopf hat.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| Der Meister sagt, er hat keine Zeit. | Der Meister sagt, er habe keine Zeit. | Der Indikativ trennt die Wiedergabe nicht von der Aussage des Berichtenden. |
| Der Polier sagte mir, du sollst früher kommen. | Der Polier sagte mir, ich solle früher kommen. | Die Person wird aus der Sicht des Berichtenden gesetzt. |
| Die Beraterin sagt, der Betrieb würde Praktikanten suchen. | Die Beraterin sagt, der Betrieb suche Praktikanten. | Der Konjunktiv I ist eindeutig, eine Ersatzform ist nicht nötig. |
| Der Lagerleiter sagte, die Lieferung kam gestern. | Der Lagerleiter sagte, die Lieferung sei am Vortag gekommen. | Vorzeitigkeit verlangt sei mit Partizip, und die Zeitangabe wird angepasst. |
| Die Pflegerin sagte, sie habe die Spätschicht übernommen und fährt dann heim. | Die Pflegerin sagte, sie habe die Spätschicht übernommen und fahre dann heim. | Beide Teile der Wiedergabe stehen im Konjunktiv. |
| Die Beraterin riet zum Praktikum. Ich sei daher gleich hingegangen. | Die Beraterin riet zum Praktikum. Ich bin daher gleich hingegangen. | Was der Berichtende selbst tut, steht im Indikativ. |
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