Deutsch Mittelschule Bayern · Jahrgangsstufe 9 · Regelklasse und Mittlere-Reife-Klasse · Schreiben (LehrplanPLUS)

Berufswahlportfolio und Bewerbung

Ein Berufswahlportfolio ist eine Mappe, in der du deinen Weg zur Berufswahl sammelst: was du kannst, was du ausprobiert hast und wohin du willst. Der Lehrplan spricht von formalisierten Texten für Portfolio und Bewerbungen. Gemeint sind Texte, die einer festen Form folgen, damit andere sie schnell finden, lesen und vergleichen können. Diese Seite zeigt, was in die Mappe gehört, wie du sie ordnest und wie du Belege und eigene Notizen zusammenstellst. Die Bewerbung kommt hier nur als ein Teil der Mappe vor; ihr Aufbau wird nicht noch einmal erklärt.

1. Wozu ein Berufswahlportfolio dient

Ein Portfolio hat zwei Leserinnen und Leser. Für dich selbst ist es eine Orientierung, denn beim Zusammenstellen merkst du, was dich weiterbringt und was nicht. Für andere ist es ein Nachweis. Die Berufsberatung, ein Betrieb oder deine Lehrkraft erkennen daran, was du ausprobiert hast und wie du darüber denkst.

Welche Teile deine Schule verlangt, sagt dir deine Lehrkraft. Diese Seite zeigt eine Ordnung, die du übernehmen oder anpassen kannst.

Formalisiert heißt: Jeder Teil hat einen festen Platz, eine Überschrift und eine erkennbare Form. Ein Lebenslauf liest sich anders als eine Notiz zum Praktikum, und beide gehören an verschiedene Stellen der Mappe.

Merke: Ein Portfolio sammelt nicht alles, sondern wählt aus und belegt.

Ein Portfolio ist nie fertig. Nach jedem Praktikum, jedem Beratungsgespräch und jeder Bewerbung kommt etwas dazu, und manches fliegt wieder heraus, weil es überholt ist. Wer die Mappe erst kurz vor der Abgabe zusammensucht, findet Belege nicht mehr und erinnert sich nicht mehr genau an das Erlebte.

2. Was in die Mappe gehört

Teil Inhalt Beleg oder Notiz
Deckblatt Name, Klasse, Titel der Mappe kein Beleg nötig
Inhaltsverzeichnis alle Teile mit Seitenzahl kein Beleg nötig
Belegliste Nummer, Bezeichnung und Seite jedes Belegs kein Beleg nötig
Steckbrief Stärken, Interessen, Berufswünsche eigene Notiz
Lebenslauf Stationen in Tabellenform mit Zeitangaben Nachweise im Anhang
Praktikumsteil Bescheinigung des Betriebs, Notiz zum Praktikum Beleg und Notiz
Nachweise Zeugniskopien, Teilnahmebescheinigungen, etwa zu einem Erste-Hilfe-Kurs Kopie
Gespräche Notizen zu Gesprächen in der Berufsberatung eigene Notiz
Bewerbungen abgeschickte Fassung des Anschreibens, Rückmeldung des Betriebs Kopie und Notiz

Der Lebenslauf ist ein formalisierter Text: links die Zeitangabe, rechts die Station. Die Reihenfolge ist einheitlich, entweder steht immer die früheste oder immer die neueste Station zuerst. Er enthält Stichworte, keine ganzen Sätze. Der Steckbrief sammelt in kurzen Aussagen, was du kannst, und nennt nur Stärken, die du später belegen kannst.

Der Teil Gespräche hält fest, was in einem Beratungsgespräch herauskam. Eine solche Notiz nennt, mit wem du gesprochen hast, worum es ging, was empfohlen wurde und welchen Schritt du als Nächstes planst. Im Steckbrief stützt jede Stärke ein Beleg: Zu arbeite genau passt die Praktikumsbescheinigung, in der der Betrieb das bestätigt.

Die Bewerbung ist ein Teil der Mappe unter mehreren. Wie ein Anschreiben aufgebaut ist, wird hier nicht wiederholt. In die Mappe kommt die abgeschickte Fassung als Kopie, dazu eine Notiz: Wann ist sie rausgegangen, an welchen Betrieb, und was kam zurück? So erkennst du später, welche Bewerbungen noch laufen und was aus den anderen geworden ist.

3. Die Mappe ordnen

Eine Mappe wird übersichtlich, wenn sie nach einer einzigen Ordnung aufgebaut ist. Du kannst nach Themen ordnen: Alles zum Praktikum steht zusammen, alle Nachweise stehen zusammen. Oder du ordnest nach Zeit: Alles steht in der Reihenfolge, in der es entstanden ist. Nach Themen ist die Mappe übersichtlicher, wenn andere gezielt suchen. Nach Zeit zeigt sie deinen Weg. Wichtig ist, dass du beides nicht mischst.

Zur Ordnung gehören vier Handgriffe. Jeder Teil beginnt auf einer neuen Seite mit einer Überschrift. Trennblätter oder Reiter zeigen die Teile an. Das Inhaltsverzeichnis nennt alle Teile in der Reihenfolge der Mappe. Schrift und Abstände bleiben in der ganzen Mappe gleich.

Bei einer digitalen Mappe gelten dieselben Regeln. Du legst für jeden Teil einen Ordner an und gibst den Dateien Namen, die den Inhalt nennen, etwa „Lebenslauf_aktuell“ oder „Praktikumsbescheinigung_Werkstatt“. Ein Name wie „Scan_neu_final“ sagt später nichts mehr darüber, was in der Datei steckt.

Ob die Ordnung stimmt, merkst du an einer einfachen Probe. Du gibst die Mappe einer Mitschülerin und bittest sie, den Praktikumsteil zu finden. Findet sie ihn schnell, ohne zu blättern, trägt die Ordnung. Sucht sie lange, fehlt ein Trennblatt oder eine Überschrift.

4. Belege und eigene Notizen zusammenstellen

Ein Beleg ist ein Nachweis, den andere prüfen können: eine Bescheinigung, ein Zeugnis, eine Teilnahmebestätigung. Eine Notiz ist dein eigener Text dazu. Beides gehört zusammen. Der Beleg zeigt, dass etwas war. Die Notiz zeigt, was es für dich bedeutet.

Beim Zusammenstellen gehst du immer gleich vor: Du kopierst den Beleg, nummerierst ihn, fertigst die Notiz mit Verweis auf die Nummer an und ordnest beides an der richtigen Stelle ein. Originale bleiben zu Hause, in die Mappe kommen Kopien. Persönliche Angaben, die für den Zweck nicht nötig sind, gehören nicht hinein.

Eine Belegliste hilft, den Überblick zu behalten. Sie hat drei Spalten: Nummer, Bezeichnung und Seite in der Mappe. Beleg 3 steht dort etwa als Praktikumsbescheinigung der Werkstatt, zusammen mit der Seite, auf der sie liegt. Die Liste steht hinter dem Inhaltsverzeichnis und wird bei jedem neuen Beleg ergänzt. Innerhalb eines Teils gilt dieselbe Regel wie in der ganzen Mappe: erst der Beleg, dann die Notiz dazu, damit die Leserin zuerst sieht, worauf sich die Notiz bezieht.

Eine Notiz beantwortet drei Fragen in dieser Reihenfolge: Was habe ich gemacht? Was habe ich gemerkt oder gelernt? Was folgt daraus für meine Berufswahl? Sie steht in der Ich-Form. Was geschehen ist, steht in der Vergangenheit, was daraus folgt, im Präsens. Konkret heißt: Statt „Es war toll“ nennst du, was du getan hast und woran du etwas gemerkt hast.

Am Ende der Mappe steht ein kurzer Rückblick. Er beantwortet, was sich an deinen Berufswünschen verändert hat und welche Belege dafür sprechen. Ein solcher Rückblick verbindet die einzelnen Notizen zu einem Gedankengang, statt sie nebeneinanderzustellen.

So schreibst du es im Quali

Die Regelklasse der Jahrgangsstufe 9 schreibt die Quali; die Mittlere-Reife-Klasse nimmt auf Antrag der Erziehungsberechtigten teil (MSO § 23 Abs. 2). Wer im Teil D „Schreiben“ einen Text mit fester Form anfertigen soll, geht so vor wie bei einer Mappenseite: Bauteile benennen, die Reihenfolge einhalten, jede Angabe belegen. Der folgende Ausschnitt ist frei erfunden; Person, Werkstatt und Ort gibt es nicht wirklich.

Musterausschnitt einer Mappenseite (Mappe von Mia Beispiel, erfunden)

Praktikumsteil – Beleg 3: Praktikumsbescheinigung der Kfz-Werkstatt Beispielhausen (Kopie, liegt hinter dieser Seite).

Meine Notiz zu Beleg 3: Ich habe zwei Wochen in der Kfz-Werkstatt Beispielhausen gearbeitet. Ich habe Reifen gewechselt, Ölstände geprüft und Werkzeug sortiert. Dabei habe ich gemerkt, dass mir genaues Arbeiten liegt, ich bei lauten Maschinen aber schnell müde werde. Daraus folgt für meine Berufswahl: Ich bewerbe mich um einen Ausbildungsplatz als Fachkraft für Lagerlogistik und prüfe zusätzlich einen Betrieb mit ruhigeren Arbeitsplätzen.

Bauteil Wo auf der Mappenseite Woran du es erkennst
Teilüberschrift mit Belegnummer oberste Zeile Sie nennt den Teil der Mappe und die Nummer des Belegs.
Beleg erster Absatz Eine Kopie mit Nummer; das Original bleibt zu Hause.
Verweis Überschrift der Notiz Die Angabe „zu Beleg 3“ verbindet Notiz und Beleg.
Rückblick erste beide Sätze der Notiz Vergangenheit, Ich-Form, konkrete Tätigkeiten.
Erkenntnis dritter Satz der Notiz Sie sagt, was Mia gemerkt hat.
Folge für die Berufswahl letzter Satz der Notiz Präsens, nennt den nächsten Schritt.

Texte mit fester Form, wie sie ein Portfolio verlangt, lassen sich im Teil D „Schreiben“ sicher aufbauen, wenn du die Bauteile benennen, die Reihenfolge einhalten und jede Angabe belegen kannst.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum
Das Original des Zeugnisses ist in die Mappe geheftet. Eine Kopie liegt in der Mappe, das Original bleibt zu Hause. Originale können verloren gehen, wenn die Mappe weitergegeben wird.
Lebenslauf: Praktikum, dann Grundschule, dann Mittelschule Lebenslauf: Praktikum, Mittelschule, Grundschule (immer die neueste Station zuerst) Nur eine einheitliche Reihenfolge macht den Lebenslauf lesbar.
Beleg 3 liegt ohne Notiz in der Mappe. Beleg 3 und die Notiz „zu Beleg 3“ stehen zusammen. Der Beleg zeigt nur, dass etwas war. Die Notiz zeigt, was du daraus machst.
„Das Praktikum war voll cool.“ „Ich habe Reifen gewechselt und gemerkt, dass mir genaues Arbeiten liegt.“ Eine Notiz nennt Tätigkeit, Erkenntnis und Folge.
Dateiname „Scan_neu_final“ Dateiname „Praktikumsbescheinigung_Werkstatt“ Der Dateiname soll nennen, was in der Datei steckt.
Teile teils nach Thema, teils nach Zeit geordnet eine einzige Ordnung für die ganze Mappe Wer gezielt sucht, findet sonst den gesuchten Teil nicht.

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