Deutsch Mittelschule Bayern · Jahrgangsstufe 8 · nur Mittlere-Reife-Klasse · Schreiben (LehrplanPLUS)

Eine Zusammenfassung schreiben

Im Praktikum und in der Schule musst du oft viel Information in wenigen Sätzen weitergeben: den Inhalt einer Mitteilung für das Team, einen Bericht für die Anleiterin. Im Lehrplan steht dafür das Zusammenfassen kontinuierlicher und diskontinuierlicher Texte, später auch der Begriff Informationsverdichtung – im Unterricht sagen alle Zusammenfassung, gemeint ist dasselbe. Auf dieser Seite lernst du Aufbau, Zeitform, Person und Sprache einer Zusammenfassung und weißt am Ende, was wegfällt. Alle Beispieltexte sind selbst erfunden.

1. Was eine Zusammenfassung leistet und wie du vorgehst

Eine Zusammenfassung gibt die wichtigsten Aussagen eines Textes kurz und in eigenen Worten wieder. Sie ist deutlich kürzer als der Ausgangstext. Trotzdem muss jemand, der den Ausgangstext nie gelesen hat, den Inhalt verstehen. Dieses Weglassen und Verdichten nennt man Informationsverdichtung.

Zusammengefasst werden zwei Arten von Texten. Ein kontinuierlicher Text besteht aus fortlaufenden Sätzen und Absätzen, zum Beispiel ein Bericht oder ein Informationsblatt. Ein diskontinuierlicher Text besteht aus Teilen, die nicht der Reihe nach gelesen werden, etwa eine Tabelle, ein Diagramm oder ein Plan. Für beide gilt dieselbe Aufgabe: das Wesentliche behalten.

Wie lang die Zusammenfassung wird, hängt vom Ausgangstext ab. Merke dir: so kurz wie möglich, so ausführlich wie nötig.

Gehe in vier Schritten vor:

  1. Lies den Ausgangstext einmal ganz und kläre unbekannte Wörter.
  2. Teile den Text in Sinnabschnitte, das sind Teile, in denen es um denselben Gedanken geht, und gib jedem Abschnitt eine Zwischenüberschrift.
  3. Halte die Kernaussage jedes Abschnitts in einem Satz fest.
  4. Schreibe aus diesen Sätzen die Zusammenfassung in eigenen Worten.

Prüfe deinen Entwurf zum Schluss. Wie man Texte gemeinsam in der Schreibkonferenz überarbeitet, kennst du aus Jahrgangsstufe 6.

2. Der Aufbau einer Zusammenfassung

Eine Zusammenfassung besteht aus drei Teilen:

  • Der Einleitungssatz nennt Textsorte, Titel und Thema des Ausgangstextes und gibt die Hauptaussage in einem Satz wieder. Beispiel: Der Informationstext Zwei Wochen in der Heimküche beschreibt, wie ein Schülerpraktikum in einer Küche abläuft.
  • Der Hauptteil gibt die Kernaussagen der Sinnabschnitte wieder, und zwar in der Reihenfolge des Ausgangstextes.
  • Der Schlusssatz kann die Gesamtaussage noch einmal bündeln. Ob ein eigener Schlusssatz verlangt wird, steht in der Aufgabenstellung.

Du ordnest den Inhalt nicht um. Was im Ausgangstext vorn steht, steht auch in deiner Zusammenfassung vorn. So findet jemand, der beide Texte vergleicht, jede Aussage wieder.

Merke: Eine Zusammenfassung beginnt mit einem Einleitungssatz, gibt im Hauptteil die Kernaussagen in der Reihenfolge des Textes wieder und kann mit einem Schlusssatz enden.

3. Zeitform, Person und Sprache

Für die Sprache einer Zusammenfassung gelten fünf feste Regeln:

  • Präsens: Die Zusammenfassung steht im Präsens, auch wenn der Ausgangstext in der Vergangenheit berichtet. Nur was im Text vor dem übrigen Geschehen liegt, steht im Perfekt.
  • Dritte Person: Du schreibst über den Text, nicht über dich. Es heißt: Der Text beschreibt, die Köchin erklärt. Die Wörter ich und wir kommen nicht vor.
  • Keine wörtliche Rede: Was jemand im Text sagt, gibst du mit eigenen Worten als Inhalt wieder, ohne Anführungszeichen. Nach Aussage der Köchin geht Hygiene vor Tempo.
  • Keine eigene Wertung: Du schreibst nicht, ob du den Text gut, richtig oder langweilig findest. Wörter wie leider, toll oder zum Glück gehören nicht hinein.
  • Eigene Worte: Du übernimmst keine ganzen Sätze. Wichtige Fachwörter aus dem Ausgangstext darfst du behalten.

Ein Beispiel zum Zeitverhältnis: Im Text steht, dass die Praktikanten die Tabletts richteten, nachdem sie das Gemüse geschnitten hatten. Die Zusammenfassung schreibt dafür: Die Praktikanten richten die Tabletts, nachdem sie das Gemüse geschnitten haben. Das frühere Geschehen steht im Perfekt, das spätere im Präsens.

Wie man Gesagtes in indirekter Rede wiedergibt, steht auf der Seite zur indirekten Rede. Für die Zusammenfassung genügt es, den Inhalt sachlich zu nennen.

Merke: Zusammenfassungen stehen im Präsens und in der dritten Person. Sie enthalten keine wörtliche Rede und keine eigene Meinung.

4. Was wegfällt

Beim Verdichten entscheidest du, was wichtig ist. Hilfreich ist diese Frage: Fehlt dem Leser etwas Wesentliches, wenn dieser Satz wegfällt? Lautet die Antwort nein, kannst du ihn streichen.

Das bleibt Das fällt weg
die Hauptaussage und die Kernaussagen der Sinnabschnitte einzelne Beispiele und Nebengedanken
Ursache und Folge, wenn sie zur Hauptaussage gehören ausschmückende Adjektive und Wiederholungen
wichtige Namen und Fachwörter Uhrzeiten, Zahlenreihen und Namen, die nur Einzelheiten sind
der Inhalt von Gesagtem in eigenen Worten wörtliche Rede und Zitate
sachliche Aussagen Gefühle, Wertungen und die eigene Meinung

Zahlen und Namen bleiben, wenn die Aussage ohne sie unklar bleibt. Sind sie nur Einzelheiten, lässt du sie weg. Ein Beispiel dient im Ausgangstext dazu, eine Aussage zu belegen. In der Zusammenfassung nennst du nur die Aussage selbst.

Merke: Du behältst, was für die Hauptaussage nötig ist. Alles, was nur ausschmückt, belegt oder bewertet, lässt du weg.

5. Diskontinuierliche Texte zusammenfassen

Bei einer Tabelle, einem Diagramm oder einem Plan fasst du nicht Satz für Satz zusammen. Du liest das Wesentliche ab. Gehe so vor:

  1. Lies die Überschrift und alle Beschriftungen: Worum geht es?
  2. Prüfe Zeilen, Spalten oder Achsen: Was wird dargestellt oder verglichen?
  3. Suche auffällige Stellen, zum Beispiel Wiederholungen oder Veränderungen.
  4. Schreibe die Gesamtaussage in zwei bis drei Sätzen im Präsens auf.

Bei Diagrammen nennst du höchstens die auffälligsten Werte, etwa den größten oder den kleinsten. Eine Aufzählung aller Werte ist keine Zusammenfassung.

Ein Beispiel ist dieser Plan für eine Praktikumswoche in der Küche eines Seniorenheims:

Tag Station Tätigkeit
Montag Vorbereitung Gemüse waschen und schneiden, unter Anleitung der Köchin
Dienstag Vorbereitung Gemüse portionieren und kühl stellen
Mittwoch Ausgabe Tabletts für die Bewohner richten
Donnerstag Ausgabe Essen ausgeben und Tabletts abräumen
Freitag Spülküche Geschirr einräumen und Arbeitsflächen reinigen

Die Zusammenfassung des Plans lautet: Der Plan zeigt eine Praktikumswoche in der Küche eines Seniorenheims. An den ersten beiden Tagen arbeitet die Praktikantin in der Vorbereitung, danach in der Ausgabe und zuletzt in der Spülküche. Dabei lernt sie unter Anleitung drei Arbeitsbereiche kennen. Die einzelnen Tätigkeiten nennt die Zusammenfassung nicht, sondern ordnet sie den Stationen zu.

So schreibst du es im Quali

Erst kommt ein kurzer Ausgangstext, danach seine Zusammenfassung. Vergleiche beide Texte und lies danach die Tabelle.

Ausgangstext: Zwei Wochen in der Heimküche

In der Küche eines Seniorenheims lernen Schülerinnen und Schüler jedes Jahr einen Berufsalltag kennen. Der Tag beginnt früh mit dem Waschen und Schneiden des Gemüses, das die Praktikanten unter Anleitung der Köchin vorbereiten. Danach richten sie die Tabletts für die Bewohner. Als Linda zum ersten Mal ein Tablett trug, sagte sie: „Ich hatte Angst, etwas fallen zu lassen.“ Gegen Mittag helfen die Praktikanten bei der Ausgabe, am Nachmittag räumen sie das Geschirr in die Spülküche. Die Köchin betont: „Hygiene geht vor Tempo.“ Wer die zwei Wochen durchhält, erhält zum Abschluss eine Bescheinigung.

Zusammenfassung

Der Informationstext „Zwei Wochen in der Heimküche“ beschreibt, wie ein Schülerpraktikum in der Küche eines Seniorenheims abläuft. Die Praktikanten bereiten unter Anleitung der Köchin Gemüse vor, richten Tabletts für die Bewohner, helfen bei der Ausgabe und räumen am Nachmittag das Geschirr in die Spülküche. Nach Aussage der Köchin geht Hygiene vor Tempo. Am Ende erhalten die Teilnehmer eine Bescheinigung.

Teil Textstelle Was dabei geschieht
Einleitungssatz Der Informationstext … beschreibt, wie ein Schülerpraktikum … abläuft. Textsorte, Titel und Hauptaussage in einem Satz
Hauptteil Die Praktikanten bereiten … vor, richten … und räumen … ein. Kernaussagen in der Reihenfolge des Ausgangstextes
Gesagtes Nach Aussage der Köchin geht Hygiene vor Tempo. wörtliche Rede wird zum Inhalt in eigenen Worten
Schluss Am Ende erhalten die Teilnehmer eine Bescheinigung. letzte wichtige Information des Textes
Zeitform und Person beschreibt, bereiten, räumen Präsens, dritte Person, kein ich
Weggefallen Lindas Angst beim ersten Tablett persönliche Einzelheit und Zitat

Die Quali wird am Ende der Jahrgangsstufe 9 abgelegt, und die Mittlere-Reife-Klasse nimmt auf Antrag der Erziehungsberechtigten teil. Der Prüfungsteil, in dem eigene Texte entstehen, trägt den amtlichen Namen Teil D Schreiben. Die Zusammenfassung gehört zu den Schreibformen, mit denen du dich schon in Jahrgangsstufe 8 darauf vorbereitest.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Diese Fehler passieren beim Zusammenfassen besonders oft. Die Tabelle zeigt die bessere Fassung.

Falsch Richtig Warum
Die Köchin sagt wörtlich: „Hygiene geht vor Tempo.“ Nach Aussage der Köchin geht Hygiene vor Tempo. Wörtliche Rede gehört nicht in eine Zusammenfassung.
Die Praktikanten bereiteten das Gemüse vor. Die Praktikanten bereiten das Gemüse vor. Eine Zusammenfassung steht im Präsens.
Ich finde es gut, dass die Praktikanten so viel lernen. Die Praktikanten lernen mehrere Arbeitsbereiche kennen. Meinung und Ich-Form haben hier keinen Platz.
Linda hatte Angst, ein Tablett fallen zu lassen. Der Satz entfällt. Eine persönliche Einzelheit gehört nicht zur Hauptaussage.
Der Text ist ein Text über eine Küche. Der Informationstext „Zwei Wochen in der Heimküche“ beschreibt, wie ein Schülerpraktikum abläuft. Der Einleitungssatz nennt Textsorte, Titel und Thema.
Die Zusammenfassung übernimmt jeden Satz in kürzerer Form. Sinnabschnitte bilden und nur die Kernaussagen formulieren. Eine Zusammenfassung verdichtet, sie kürzt nicht jeden Satz einzeln.

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