Deutsch Mittelschule Bayern · Jahrgangsstufe 5 · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)
Die vier Proben: Umstell-, Ersatz-, Ergänzungs- und Weglassprobe
Ein Satz besteht aus Bausteinen, den Satzgliedern. Ein Satzglied ist ein Wort oder eine feste Wortgruppe im Satz. Ob ein Baustein wirklich ein Satzglied ist, siehst du nicht sofort. Dafür gibt es vier Proben. Jede Probe ist ein kleiner Versuch mit dem Satz und liefert ein klares Ergebnis. Hier lernst du, wie jede Probe funktioniert und was sie beweist.
1. Die Umstellprobe: Was zusammenbleibt, gehört zusammen
Bei der Umstellprobe verschiebst du die Teile eines Satzes, bis eine neue Wortfolge entsteht. Wandern Wörter immer gemeinsam, bilden sie ein Satzglied. Eine solche Einheit nennen wir auch Block. Wir nehmen einen Satz aus der Werkstatt.
Ausgangssatz: Der Geselle reicht dem Lehrling den Schlüssel.
Umgestellt: Dem Lehrling reicht der Geselle den Schlüssel.
Umgestellt: Den Schlüssel reicht der Geselle dem Lehrling.
Du siehst: der Geselle, dem Lehrling und den Schlüssel wandern jeweils als Block. Ein Artikel, also das Begleitwort wie den, wandert nie ohne sein Nomen. Ein Nomen ist das Namenwort, zum Beispiel Schlüssel.
Das Prädikat ist das Verb, also das Wort für ein Tun oder Geschehen. Es sagt, was geschieht. Im Aussagesatz bleibt es an zweiter Stelle. Ein Aussagesatz teilt etwas mit und endet mit einem Punkt. Besteht das Prädikat aus zwei Teilen, wie in hat repariert, trennen sie sich bei der Umstellung. Der erste Teil bleibt an zweiter Stelle, der zweite Teil rückt ans Ende. Das ist das Perfekt, eine Zeitform der Vergangenheit mit haben oder sein.
Das Mofa hat der Lehrling am Nachmittag repariert.
Stellst du den Satz in eine Frage um, wandert das Prädikat nach vorn: Reicht der Geselle dem Lehrling den Schlüssel? Das Prädikat zählt also als Satzglied mit, auch wenn es im Aussagesatz an seinem Platz bleibt.
2. Die Ersatzprobe: Ein Wort steht für eine ganze Wortgruppe
Bei der Ersatzprobe tauschst du einen Block gegen ein anderes Wort aus. Bleibt der Satz richtig, war der Block ein Satzglied. Meist nimmst du dafür ein Pronomen. Ein Pronomen steht für ein Nomen, zum Beispiel er, ihm oder ihn. Du ersetzt immer nur einen Block auf einmal. Die Probe hilft auch beim Schreiben: Wiederholt sich ein langer Block im Text, ersetzt du ihn durch ein Pronomen.
Er reicht dem Lehrling den Schlüssel.
Der Geselle reicht ihm den Schlüssel.
Der Geselle reicht dem Lehrling ihn.
Auch Angaben zu Ort und Zeit lassen sich ersetzen, etwa durch dort oder dann. Aus Die Hühner schlafen im Stall entsteht Die Hühner schlafen dort. Aus Der Markt öffnet am Samstag entsteht Der Markt öffnet dann. Eine Angabe zum Ort heißt Lokaladverbiale, eine Angabe zur Zeit heißt Temporaladverbiale.
Das passende Pronomen verrät außerdem den Fall des Blocks. Der Fall zeigt, welche Rolle ein Nomen im Satz spielt. Dativ und Akkusativ sind zwei Fälle. Das Wort ihm steht für den Dativ, das Wort ihn für den Akkusativ. Das Subjekt nennt, wer handelt, und die Objekte ergänzen das Verb. Wie du sie im Einzelnen bestimmst, erklärt die Seite zu Subjekt, Prädikat und Objekten.
3. Die Ergänzungsprobe: Was braucht der Satz noch?
Bei der Ergänzungsprobe fügst du dem Satz etwas hinzu. Sie beantwortet zwei Fragen. Was verlangt das Verb unbedingt? Und was verträgt der Satz zusätzlich? In manchen Büchern heißt die Probe auch Erweiterungsprobe.
Im ersten Fall fehlt dem Satz etwas. Der Satz Der Verein braucht. ist nicht vollständig, denn sofort fragst du: Was braucht er? Du ergänzt einen Block: Der Verein braucht einen Tisch. Die Ergänzung war nötig.
Im zweiten Fall ist der Satz schon vollständig und nimmt trotzdem mehr auf. Nimm Der Markt öffnet. Mit den Fragen wann und wo ergänzt du: Der Markt öffnet am Samstag auf dem Platz. Die Ergänzungen waren nicht nötig. Sie liefern nur Zusatzinformationen.
Ergänze immer ganze Blöcke und nicht einzelne Wörter. Passt die Ergänzung als Block in den Satz, ist sie ein Satzglied.
4. Die Weglassprobe: Was darf wegfallen?
Bei der Weglassprobe streichst du einen Block und liest den Rest. Bleibt der Satz vollständig und sinnvoll, war der Block nur eine Zusatzangabe. Ist der Rest unvollständig, war der Block nötig.
Vergleiche den Satz mit einem Rezept aus der Schulküche. Mehl und Eier sind nötig, Zimt ist nur Zusatz. Der Kuchen gelingt auch ohne Zimt, aber nicht ohne Mehl.
Ausgangssatz: Der Nachbar besitzt im Garten einen Schuppen.
Ohne im Garten: Der Nachbar besitzt einen Schuppen. – vollständig
Ohne einen Schuppen: Der Nachbar besitzt im Garten. – unvollständig
Streichst du nur einen Teil des Blocks, zum Beispiel nur den Artikel, entsteht kein brauchbarer Satz. Es zählt immer der ganze Block. Das Prädikat lässt sich nie streichen, denn ohne Verb gibt es keinen Satz.
Die Probe hat eine Grenze. Manche Verben vertragen es, wenn ihr Objekt fehlt. Die Bäuerin füttert die Hühner bleibt auch ohne die Hühner ein möglicher Satz, sagt dann aber etwas anderes. Prüfe darum immer auch, ob der Sinn erhalten bleibt.
5. Die vier Proben im Vergleich
Jede Probe beantwortet eine andere Frage. Die Tabelle zeigt, was du tust, was die Probe beweist und wo sie an ihre Grenze kommt.
| Probe | Das tust du | Das beweist sie | Hier ist Vorsicht nötig |
|---|---|---|---|
| Umstellprobe | Blöcke im Satz verschieben | Was zusammenbleibt, ist ein Satzglied | Die Aussage kann sich ändern |
| Ersatzprobe | Einen Block durch ein Pronomen, dort oder dann ersetzen | Der Block ist als Einheit austauschbar; das Pronomen zeigt den Fall | Das Pronomen muss zur Rolle des Blocks passen |
| Ergänzungsprobe | Fehlendes oder Zusätzliches hinzufügen | Was das Verb verlangt und was der Satz zusätzlich verträgt | Du ergänzt nur ganze Blöcke |
| Weglassprobe | Einen Block streichen | Der Block ist nötig oder nur Zusatzangabe | Manche Verben vertragen ein fehlendes Objekt |
So gehst du am besten vor. Beginne mit der Umstellprobe, denn sie liefert dir die Blöcke. Prüfe jeden Block mit der Ersatzprobe. Die Weglassprobe trennt nötige Blöcke von Zusatzangaben. Die Ergänzungsprobe hilft, wenn ein Satz unvollständig wirkt. Verlass dich nie auf eine einzige Probe. Zwei Proben mit gleichem Ergebnis sind sicherer.
Probiere es an einem Satz: Der Händler braucht am Samstag auf dem Markt einen Stand. Die Umstellprobe ergibt fünf Blöcke: der Händler, braucht, am Samstag, auf dem Markt und einen Stand. Die Ersatzprobe liefert Er, dann, dort und ihn. Die Weglassprobe zeigt: am Samstag und auf dem Markt lassen sich streichen, die anderen drei Blöcke nicht. Die Ergänzungsprobe bestätigt es: Aus Der Händler braucht. entsteht erst mit einen Stand ein vollständiger Satz.
So prüfst du es im Quali
Zur Übung steht hier ein kurzer Text aus der Werkstatt. An ihm siehst du, wie die vier Proben im Alltag arbeiten.
(1) Der Geselle braucht einen Schlüssel. (2) Der Lehrling reicht ihm den Schlüssel. (3) Am Nachmittag montiert der Lehrling im Hof das Rad. (4) Der Meister lobt den Lehrling.
| Satz | Probe | Was du siehst |
|---|---|---|
| (1) | Ergänzungsprobe | „Der Geselle braucht.“ ist unvollständig. Die Frage „Was braucht er?“ führt zu „einen Schlüssel“. Die Ergänzung ist nötig. |
| (2) | Umstellprobe | „Den Schlüssel reicht der Lehrling ihm.“ Der Block „den Schlüssel“ bleibt zusammen, das Prädikat „reicht“ bleibt an zweiter Stelle. |
| (3) | Weglassprobe | Ohne „am Nachmittag“ und ohne „im Hof“ bleibt „Der Lehrling montiert das Rad.“ vollständig. Beide Blöcke sind Zusatzangaben. |
| (4) | Ersatzprobe | „Der Meister lobt den Lehrling.“ ergibt „Er lobt ihn.“ Beide Blöcke sind austauschbar, also Satzglieder. |
Die Quali ist der Qualifizierende Abschluss der Mittelschule. Du legst ihn am Ende der Jahrgangsstufe 9 ab. Teil B der Prüfung trägt den Titel Sprachgebrauch – Sprachbetrachtung und Rechtschreiben. Sätze zu untersuchen gehört zur Sprachbetrachtung, und die vier Proben sind dein Werkzeug dafür. So legst du schon jetzt eine Grundlage für Teil B.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
Fehler entstehen meist, weil man eine Probe nur halb ausführt. Fünf häufige Fälle stehen in der Tabelle.
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| Den reicht der Geselle dem Lehrling Schlüssel. | Den Schlüssel reicht der Geselle dem Lehrling. | Ein Artikel gehört zu seinem Nomen. Zusammengehörige Wörter wandern gemeinsam. |
| Den Schlüssel der Geselle reicht dem Lehrling. | Den Schlüssel reicht der Geselle dem Lehrling. | Im Aussagesatz bleibt das Prädikat an zweiter Stelle. |
| Er lobt er. (Ersatzprobe zu „Der Meister lobt den Lehrling.“) | Er lobt ihn. | Das Pronomen muss zur Rolle passen: er steht für die handelnde Person, ihn für die gelobte Person. |
| Man hält Der Nachbar besitzt im Garten. für einen vollständigen Satz | Nur im Garten lässt sich streichen: Der Nachbar besitzt einen Schuppen. | Fehlt der vom Verb verlangte Block, ist der Satz unvollständig. Der Block ist also nötig. |
| Man hält Die Kuh begrüßt die Ziege. und Die Ziege begrüßt die Kuh. für gleichbedeutend | Die Umstellung vertauscht hier, wer wen begrüßt | Beide Nomen haben die gleiche Form. Prüfe nach jeder Umstellung den Sinn des Satzes. |
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