Deutsch Gymnasium · Jahrgangsstufe 8 · Lernbereich 3 (gültigen Lehrplan)

Zitieren und die Zeichensetzung beim Zitat

Die Klasse 8a untersucht einen kurzen Artikel aus der Schülerzeitung über die neuen Bienenstöcke auf dem Schuldach. Der Artikel ist für diese Übung ausgedacht, und seine Zeilen sind nummeriert. Für eine Stellungnahme soll jeder Schüler Aussagen aus dem Artikel als Beleg verwenden. Manche Schüler übernehmen den Wortlaut, andere geben den Inhalt mit eigenen Worten wieder. Beides ist erlaubt, aber für beides gelten unterschiedliche Regeln, die man sicher kennen muss. In der Jahrgangsstufe 7 hast du gelernt, fremde Inhalte zu paraphrasieren und kenntlich zu machen. In der Jahrgangsstufe 8 lernst du, den genauen Wortlaut eines Textes korrekt zu zitieren und die Zeichensetzung beim Zitat sicher zu beherrschen.

Zeile Text des Artikels (ausgedacht)
1 Seit dem Frühjahr summt es auf dem Dach unserer Schule.
2 Drei Bienenvölker leben dort in hölzernen Kästen.
3 Die Imker-AG betreut sie jede Woche.
4 Ihre Leiterin sagt: „Bienen lehren uns Geduld und Sorgfalt.“
5 Im Herbst soll der erste Schulhonig verkauft werden.

1. Was ein Zitat ist

Ein Schüler schreibt: Im Artikel heißt es: „Drei Bienenvölker leben dort in hölzernen Kästen.“ (Z. 2). Ein anderer schreibt: Laut dem Artikel gibt es auf dem Schuldach drei Bienenvölker. Der erste übernimmt den genauen Wortlaut, der zweite nur den Inhalt in eigenen Worten.

Ein Zitat ist die wörtliche Übernahme einer Textstelle. Es steht immer in Anführungszeichen und muss buchstabengetreu sein: Kein Wort, kein Komma und keine Schreibung darf dabei verändert werden. Hinter dem Zitat gibst du an, wo es steht, bei Texten mit Zeilennummern etwa mit (Z. 2), bei Büchern mit der Seitenzahl, etwa (S. 14). Zitate verwendest du, wenn es auf den genauen Wortlaut ankommt, zum Beispiel bei treffenden Formulierungen oder bei Aussagen, die du genau untersuchen willst. Geht es nur um den Inhalt, ist die Paraphrase oft die bessere Wahl. In Analysen und Interpretationen, die du in den höheren Jahrgangsstufen schreibst, sind Zitate unverzichtbar, weil du dort deine Deutungen am Text belegen musst.

Merke: Ein Zitat steht in Anführungszeichen, ist buchstabengetreu und trägt eine Stellenangabe. Auslassungen kennzeichnest du mit […], eigene Änderungen mit eckigen Klammern. Ein Zitat im Zitat steht in halben Anführungszeichen.

2. Zitate in den eigenen Satz einbauen

Man kann ein Zitat ankündigen: Der Artikel beginnt mit einem Bild: „Seit dem Frühjahr summt es auf dem Dach unserer Schule.“ (Z. 1). Oder man baut es in den eigenen Satz ein: Die Bienen leben, wie es im Artikel heißt, „in hölzernen Kästen“ (Z. 2).

Es gibt zwei verschiedene Arten, Zitate in den eigenen Text einzubauen. Beim angekündigten Zitat steht vor dem Zitat ein eigener Satz, der mit einem Doppelpunkt endet. Das Zitat beginnt dann mit dem großgeschriebenen Wort des Originals, und sein Satzschlusszeichen bleibt innerhalb der Anführungszeichen; die Stellenangabe folgt in Klammern. Beim integrierten Zitat wird ein Teil der Textstelle in deinen eigenen Satz eingefügt. Dann muss der Satz grammatisch stimmen, und der Punkt steht am Ende deines Satzes, also nach der Klammer mit der Stellenangabe. Integrierte Zitate wirken meist flüssiger und eignen sich besonders gut für kurze, treffende Ausdrücke. Achte darauf, dass das Zitat genau in deinen Satz passt. Lies den Satz zur Probe einmal ohne Anführungszeichen laut vor: Klingt er grammatisch richtig, ist das Zitat gut eingebaut.

Fall Zeichensetzung Beispiel
angekündigtes Zitat Doppelpunkt, Satzzeichen im Zitat Es heißt: „Die Imker-AG betreut sie jede Woche.“ (Z. 3)
integriertes Zitat Punkt nach der Klammer Die AG betreut die Bienen „jede Woche“ (Z. 3).
Auslassung […] „Drei Bienenvölker leben dort […].“ (Z. 2)
Änderung eckige Klammer Die Bienen lehren „[die Schüler] Geduld“ (Z. 4).
Zitat im Zitat halbe Anführungszeichen „Ihre Leiterin sagt: ‚Bienen lehren uns Geduld und Sorgfalt.‘“ (Z. 4)

Beim Abschreiben eines Zitats passieren leicht Fehler. Lies deshalb jedes Zitat nach dem Schreiben noch einmal Wort für Wort mit dem Original ab, so wie man beim Korrekturlesen eine Telefonnummer prüft. Achte dabei auch auf Satzzeichen und Großschreibung. Ein einziges falsch abgeschriebenes Wort macht ein Zitat ungenau, und in einer Analyse kann gerade dieses Wort entscheidend sein. Wer sorgfältig zitiert, zeigt zugleich, dass er genau liest.

3. Auslassungen und Änderungen kennzeichnen

Eine Schülerin will nur den Anfang von Zeile 2 zitieren: „Drei Bienenvölker leben dort […].“ (Z. 2). Eine andere passt ein Zitat an ihren Satz an: Laut der Leiterin lehren Bienen „[die Schülerinnen und Schüler] Geduld und Sorgfalt“ (Z. 4).

Manchmal willst du nicht den ganzen Satz zitieren, sondern nur den Teil, der für deine Aussage wichtig ist. Lässt du Wörter innerhalb eines Zitats weg, kennzeichnest du die Lücke mit drei Punkten in eckigen Klammern: […]. Musst du ein Zitat an deinen eigenen Satz anpassen, etwa ein Wort ergänzen oder eine Endung ändern, setzt du deine Änderung ebenfalls in eckige Klammern. So erkennt der Leser jederzeit genau, was vom Original stammt und was von dir. Wichtig ist, dass der Sinn des Originals erhalten bleibt: Eine Auslassung darf eine Aussage nicht verfälschen. Wer aus einem verneinten Satz das Wort nicht weglässt, verändert die Bedeutung ins Gegenteil und zitiert unredlich.

4. Zitat im Zitat und richtiger Umgang mit Zitaten

In Zeile 4 wird die Leiterin der AG ausdrücklich wörtlich wiedergegeben. Wer diese Zeile zitiert, zitiert also ein Zitat. Dafür verwendet man halbe Anführungszeichen.

Enthält die Textstelle, die du zitierst, selbst eine wörtliche Rede oder ein Zitat, setzt du dieses innere Zitat in halbe Anführungszeichen, unten ein Komma-ähnliches Zeichen und oben ein halbes Häkchen. Die Regeln für halbe Anführungszeichen kennst du bereits aus der Jahrgangsstufe 5. Zitiere grundsätzlich sparsam und gezielt: Ein Text, der fast nur aus Zitaten besteht, zeigt nicht, dass du den Inhalt verstanden hast. Jedes Zitat sollte eine Funktion haben, etwa eine Behauptung belegen oder eine Formulierung untersuchen. Erkläre deshalb nach jedem Zitat kurz, was es zeigt. In der Jahrgangsstufe 9 lernst du, wie du bei Zitaten aus Büchern und Internetquellen eine vollständige Quellenangabe machst.

Form und Wirkung: So setzt du es in deinem Text ein

Aus der Stellungnahme eines Schülers: Der Artikel stellt die Bienen nicht nur als Honiglieferanten dar. Die Leiterin der AG betont, Bienen lehrten „Geduld und Sorgfalt“ (Z. 4). Damit zeigt der Artikel, dass das Projekt auch einen erzieherischen Wert hat.

Stelle Mittel Wirkung
Der Artikel stellt … dar. eigene Einleitung führt zur Aussage hin
betont, Bienen lehrten Redewiedergabe mit Konjunktiv Rahmen für das Zitat
„Geduld und Sorgfalt“ kurzes integriertes Zitat genauer Wortlaut als Beleg
(Z. 4). Stellenangabe, Punkt danach überprüfbar, korrekt
Damit zeigt der Artikel … Erläuterung Zitat wird ausgewertet

Der Abschnitt zeigt einen sinnvollen und bewährten Dreischritt: hinführen, zitieren, erläutern. Das Zitat ist kurz, genau und belegt, was der Schüler behauptet. Erst die Erläuterung danach macht deutlich, warum es wichtig ist. Bemerkenswert ist auch, dass der Schüler das Zitat in die indirekte Rede einbettet: betont, Bienen lehrten. Damit verbindet er zwei Fähigkeiten, die du in der Jahrgangsstufe 8 übst, nämlich Redewiedergabe und Zitieren.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum
Zitat ohne Anführungszeichen Wortlaut in Anführungszeichen setzen Sonst ist es eine unkenntliche Übernahme.
Wörter im Zitat stillschweigend ändern Änderungen in eckige Klammern setzen Buchstabengetreu zitieren.
Auslassung ohne Kennzeichnung […] setzen Leser muss die Lücke erkennen.
Die AG betreut sie „jede Woche.“ (Z. 3) Die AG betreut sie „jede Woche“ (Z. 3). Beim integrierten Zitat steht der Punkt nach der Klammer.
Zitat ohne Erläuterung nach dem Zitat erklären, was es zeigt Ein Zitat allein überzeugt nicht.

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